Akzeptierte Kriegsregeln (nur) für Israel

von Dr. Steven Plaut (April 98)


Einer der absurdesten Aspekte der Anti-Israelkampagne ist der Versuch, Israel zu de-legitimieren und arabische Gräueltaten zu rechtfertigen mit der Begründung, Israel müsse an seiner Verteidigung gehindert werden, außer, wenn es die striktesten Verhaltensregeln befolgt. Falls Israel auch nur eine dieser auf Israel maßgeschneiderten Regeln der Verteidigungsführung verletzen sollte, würden sie automatisch Israel zum Aggressor und Kriminellen machen, und nicht etwa die arabischen Begeher von Grausamkeiten und Aggression.

Diese Regeln gibt es in verschiedenen Versionen bis hinunter zur Aufklärung von Terroristen über ihre Rechte bei der Gefangennahme. Wenn arabische Armeen Israel angreifen, so lautet die erste Regel, sollte Israel nur eine geringere Anzahl von Arabern töten dürfen als die Anzahl der von diesen Arabern getöteten Juden. Wenn Israel im Zuge seiner Verteidigung nämlich mehr Araber tötete als die Anzahl der bei dieser Attacke umgebrachten Juden, würde dies beweisen, daß Israel der Aggressor ist. Dieses Argument wurde bisher bei jedem arabischen Angriff auf Israel vorgebracht, ebenso bei Israels Antiterrorkampagne im Libanon und anderswo. Sollte die Anzahl der von der israelischen Armee getöteten Hisbollah-Terroristen die der toten Israelis innerhalb Israels Grenzen übersteigen, so beweist dies, dass Israel der Aggressor ist und der wahre Grund für den Konflikt. Natürlich wären nach dieser Logik die USA und Großbritannien die Aggressoren gegen Japan und Deutschland während des 2. Weltkrieges, weil sie weit mehr Deutsche und Japaner töteten als Briten und Yankees von jenen getötet wurden.

Dann haben wir die besonderen Regelungen über die Behandlung von Aufrührern. Es gibt kein einziges Land auf der Welt, wo Aufrührer ungestraft Polizei und Militär mit Felsblöcken bombardieren dürfen, außer in Israel - sicher nicht in Los Angeles - wie die Aufstände dort bewiesen. Dennoch fordert die Anti-Israelkampagne, dass Israel eine christliche Wange hinhält, wenn Juden von Steinen und Molotowcocktails werfendem Pöbel angegriffen werden.

Als palästinensische Terroristen vor einigen Jahren in der Nähe von Aschkalon einen Bus voller Frauen, einige davon schwanger, in ihre Gewalt brachten, und eine der Frauen bei dem Gefecht den Tod fand, das die Freigabe des Busses erzwang, erschossen einige der Sicherheitsbeamten diese Terroristen, die über die "grüne Linie" infiltriert waren. Dieser Fall war ein gefundenes Fressen für die israelische Lemming-Linke, die verlangt, dass Terroristen, die keine israelischen Staatsbürger sind, das automatische Recht auf eine Gerichtsverhandlung und einen Prozess haben, inklusive Verteidiger auf Staatskosten und Zugang zum Obersten Gerichtshof. Zweifellos gilt dies auch für die Hisbollah-Terroristen im Libanon. - Die verantwortlichen Sicherheitskräfte wurden damals vor Gericht gestellt anstatt einen Orden zu erhalten.

Dann haben wir da noch die Regeln für das Verhör von Terroristen. Nicht zu vergessen, wir reden hier von Leuten, die Busse mit Frauen und Kindern in die Luft jagen und besonderen Wert darauf legen, jüdische Kinder zu erwischen. Doch wenn sie die israelische Polizei mit Methoden verhört, die jeder New Yorker Polizist für Verhätschelung hielte, dann steht sogleich "Folter" in allen Schlagzeilen. Als ob die Polizei irgendeiner anderen Nation, die sich solchem Terrormüll ausgesetzt sähe, auch nur einen Moment zögerte, was recht und billig ist zu tun. (Israel ist der einzige Staat im Nahen Osten, der islamische Terroristen nicht im Schnellverfahren an die Wand stellt. Darum leidet es wohl auch an so viel Terror.).

Eine weitere Regel besagt, dass wenn ein arabischer Zivilist im Zuge israelischer Selbstverteidigung ums Leben kommt, Israel der Aggressor ist und kriminell. Israel darf nur unter der Bedingung Kriege führen, dass keine Zivilisten getötet werden. Da es aber noch nie einen Krieg gegeben hat, in dem nicht auch Zivilisten getötet wurden, läuft diese Bestimmung darauf hinaus, dass Israel sich nicht militärisch verteidigen darf. Was, wo wir gerade davon sprechen, genau das ist, was die Antizionisten wollen, da die Kapitulation vor arabischen Forderungen die einzige Form israelischer Verteidigung darstellt, die sie akzeptieren. Auf diese Weise bleiben die Araber faschistische und rassistische Aggressoren, wenn Israel angegriffen wird - aber nur so lange, wie kein einziger arabischer Zivilist im Zuge israelischer Verteidigungsbemühungen zu Schaden kommt.

Nun sehen wir schon die antizionistischen Maden mit den Augen rollen über eine Gerichtsentscheidung, die Israel erlaubt, im Libanon als Trümpfe zum Gefangenenaustausch Geiseln zu nehmen. Oh welche Unmenschlichkeit, rufen sie. Es ist ja vollkommen belanglos, dass der Libanon von Terroristen nur so wimmelt und einige israelische Geiseln von der anderen Seite gehalten werden.

Stellen Sie sich jetzt einmal vor, die USA hätten den 2. Weltkrieg nach den Regeln geführt, auf denen die Antisemiten für Israel (und nur für Israel) bestehen. Am D-Day landen also die amerikanischen Fallschirmspringer in der Normandie, machen einige SS-Truppen aus, lesen ihnen ihre Rechte vor, bieten ihnen an, vor dem Supreme Court Berufung einzulegen, laden pro-deutsche Beobachter ein um sicherzustellen, dass die SS-Leute proteinreiche Nahrung mit ausreichend Faserstoffen und Vitaminen erhalten, dass die Filme in den Gefangenenlagern für Nazis alle von hoher Qualität seien, dass es Agenten für Hitler und Himmler erlaubt sei, sich in den US-Senat wählen zu lassen und allabendlich in den NBC-Nachrichten erscheinen dürfen, dass besondere Vorsorge getroffen wird, dass die Anzahl toter Nazis niemals die Anzahl der in der Normandie getöteten Amerikaner übersteigt, dass gegen Nazis nur Gummigeschosse verwendet werden dürfen und auch nur, wenn drei Tage vorher gewarnt wird, damit keine Zivilisten im Gebiet verbleiben.

Diese besonderen Regeln sind nun nicht der Ausdruck ehrbarer hochanständiger ethischer Überwesen, die Israel zu einem höheren Standard anhalten, wie es die antizionistischen Maden gerne glauben machen wollen, sondern vielmehr der Versuch der Antisemiten, Israel zu delegitimatisieren und arabische Grausamkeiten auf eine Vernunftsbasis zu stellen.

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Dr. Steven Plaut lehrt Geschäftsführung und Wirtschaftslehre an der Universität Haifa, Israel.
Übersetzung: R. Plaut, Jerusalem 5761