Ich bin ein Palästinenser
Ein Palästinenser erzählt die Geschichte seines Volkes
von Rafael Plaut, Chefredakteur/kimizion
Keine Satire

 
Die Geschichte meines palästinensischen Volkes und Landes begann vor etwa 3800 Jahren, als unser Vorvater Ibrahim von Allah den Befehl erhielt, seine mesopotamische Heimat zu verlassen und in das Land zu gehen, das Allah ihm zeigen werde. So gelangte er in das Land Kena'an, das er der Länge und Breite durchwanderte und so in Besitz nahm. Allah versprach ihm, dieses Land seinen Nachkommen auf ewig zu geben, ein Versprechen, das er gegenüber Ibrahims Sohn, Issak, und dessen Sohn, Jaqoub ibn-Issak wiederholte und bekräftigte. Aufgrund von familiären Komplikationen gelangte einer der Söhne von  Jaqoub namens Jussuf ibn-Jaqoub nach Ägypten, wo er sich zum Vizekönig emporarbeitete und später seine wegen Hungersnot nachgefolgte Familie rettete. Diese Familie, die zu jener Zeit lediglich 70 Seelen zählte, begann, sich ganz außerordentlich zu vermehren, was die Ägypter unruhig werden ließ. Das ägyptische Herrscherhaus bedrückte nunmehr die Palästinenser mit Sklavendienst, wobei sie sich gegen alle Erwartungen noch stärker vermehrten. Als die pharaonischen Unterdrückungsmaßnahmen unerträglich wurden - u.a. musste jedes männliche palästinensische Kind im Nil ertränkt werden - entstand unter der Führung von Mussa ibn-Amram die Palästinensische Befreiungsorganisation, der es unter großen von Allah erwirkten Wundern gelang, das palästinensische Volk vom ägyptischen Joch zu befreien und ins gelobte Land Palästina zu bringen, nicht ohne vorher am Dschebel Sinai das Gesetzeswerk des Toran zu erhalten. Nach einer etwas rauhen Anfangsphase etablierte sich das glanzvolle palästinensische Reich unter König Daud, das unter seinem Sohn, dem weisen König Suleiman-ibn-Daud, zu internationalem Ruhm gelangte, der im Bau des Tempels in seiner Hauptstadt Jerusalim gipfelte. Allerdings galt zu berücksichtigen, dass all dieser Glanz nur durch die strikte Einhaltung der Gesetze Allahs möglich war, und als das Volk darin während der nächsten Generationen nachlässiger wurde, es Strafungen hinnehmen musste, bis hin zur Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels, und schließlich Exil des Großteils des palästinensischen Volkes in aller Herren Länder nach römischer Besatzung Palästinas, die mehrere hundert Jahre währte. Der kleine verbliebene Rest des palästinensischen Volkes erlebte in den folgenden Jahrhunderten das Kommen und Gehen verschiedener Invasoren wie Mameluken, Kreuzritter, und schließlich 400jährige Türkenherrschaft. Doch dann geschah etwas Seltsames: plötzlich begann sich das palästinensische Volk auf der ganzen Welt zu rühren und in seine alte Heimat aufzumachen. Als das türkische Imperium gegen Ende des ersten Weltkriegs zusammenbrach, übernahm das englische Volk in der Balfour-Erklärung das heilige Mandat, dem palästinensischen Volk eine nationale Heimstatt zu schaffen. Leider übten die Engländer, unter dem Einfluss wirtschaftlicher Interessen, Verrat an ihrer Aufgabe, sodass es dem palästinensischen Volk nur unter größten Mühen und gegen schärfsten arabischen Widerstand gelang, zum Ende der britischen Mandatszeit seinen Staat zu gründen.


Nun werden Sie, geneigte Leser/innen sicher sagen: Er hat gelogen, es ist ja doch eine Satire, denn hier wird die Geschichte des jüdischen Volkes geschildert und nicht die des palästinensischen?!
GAAANZ FALSCH!
Darin besteht nämlich kein Widerspruch - wenn man die Terminologie der Vereinten Nationen zu Grunde legt.

Wie das?

Sehen wir uns einmal die berühmte Resolution Nr. 181 (II) der Vereinten Nationen vom 29. November 1947 an, die die Gründung des Staates Israel einleitete. Ziel dieser Resolution waren die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staates in Palästina, sowie ein Sonderstatus für Jerusalem.

Zitatanfang:

Independent Arab and Jewish States and the Special International Regime for the City of Jerusalem, set forth in Part III of this Plan, shall come into existence in Palestine two months after the evacuation of the armed forces of the mandatory Power has been completed but in any case not later than 1 October 1948. The boundaries of the Arab State, the Jewish State, and the City of Jerusalem shall be as described in Parts II and III below.

Zitatende

Ferner findet sich in diesem historischen Dokument folgender Passus:

Zitatanfang

To foster cooperation among all the inhabitants of the city in their own interests as well as in order to encourage and support the peaceful development of the mutual relations between the two Palestinian peoples throughout the Holy Land; to promote the security, well-being and any constructive measures of development of the residents having regard to the special circumstances and customs of the various peoples and communities.

Zitatende

Wir ersehen also aus diesem Dokument, dass die internationale Staatengemeinschaft der Bezeichnung "Palästinensisches Volk" keine ethnische, sondern lediglich geographische Bedeutung beimaß, die ohne weiteres auch für den jüdischen Staat, der sich unter dem Namen "Israel" gründete, verwendet werden konnte und auch verwendet wurde.

Man kann im gesamten Dokument nicht den geringsten Hinweis darauf finden, dass mit "Palästinenser" etwa nur der arabische Bevölkerungsteil westlich des Jordans gemeint sein könnte. Es ist dabei immer nur von "Arabern" die Rede, und der von ihnen zu gründende Staat ein "arabischer Staat". Mit anderen Worten: Im Jahre 1947 hatte noch niemand etwas von einem palästinensischen Volk gehört, so wie es heute in den Medien präsentiert wird, außer dem jüdisch-palästinensischem Volk natürlich, dessen Geschichte weiter oben kurz umrissen wurde (zugegebenerweise unter leichter Abänderung der Namen...).

Ferner wurde damals der UN-Teilungsplan von allen an der Abstimmung teilnehmenden arabischen Staaten abgelehnt, der in einem viel größeren arabisch-palästinensischen Staat resultiert hätte als der, den dieselben Staaten heute von Israel für einen "Palästinenserstaat" im Westbankgebiet und im Gasastreifen fordern. Stattdessen zogen sie es vor, ihrer Ablehnung durch Waffenanwendung Ausdruck zu verleihen, wobei ihnen zwar die Vertreibung der jüdischen Einwohner der Altstadt Jerusalems gelang, nicht aber die Vernichtung des jüdischen Palästinenserstaates.

Aus dem Vorgenannten kann demnach nur der logische Schluss gezogen werden, dass es im Jahre 1947 noch kein "palästinensisches Volk" im heutigen Sinne gab. Wann entstand dieses Volk also?

Sehen wir uns einmal den prominentesten Vertreter des "palästinensischen Volkes" (heutige Bedeutung) an, Yasser Arafat. Im Jahre 1959 gründete er die Fata'h-Bewegung mit dem Ziel, könnte man meinen, für "palästinensische Selbstbestimmung" im Jordan-Westufergebiet ("Westbank") und im Gasastreifen zu kämpfen und seinem Volk-ohne-Land zu einem eigenen Staat zu verhelfen, den es bekanntlich heute dort dringend benötigt. Damit hätte er sich jedoch an das Königreich Jordanien und an Ägypten wenden müssen, die diese Gebiete damals kontrollierten. Bekanntlich waren die Aktivitäten der Fata'h jedoch gegen Israel gerichtet und hatten mit den genannten Gebieten und den dort Herrschenden gar nichts zu tun. Gleiches gilt für die PLO (Palestine Liberation Organization), die im Jahre 1964 gegründet wurde und nicht etwa Westbank und Gasastreifen befreien sollte, sondern die übrigen Gebiete Palästinas (UN-Bedeutung). Und von wem? (Keine Preise für die richtige Beantwortung dieser Frage). Erst nach dem Sechstagekrieg von 1967 begann sich eine territoriale Forderung nach einem Staatsgebiet für "Palästinenser" im Westbank und Gasastreifen herauszukristallisieren.

Randbemerkung: Nach der "Palästinensischen Nationalcharta" von 1968 (!), Artikel 2, wird "Palästina" nach den Grenzen des britischen Mandates verstanden; das schließt das heutige Königreich Jordanien ein (siehe Artikel 25 des Mandatstextes). Entsprechend bittet die Redaktion die geehrten Leser um Übersendung jedweder Information über etwaige Verhandlungen der PLO mit dem Königreich Jordanien zwecks Abtretung von jordanischen Territorien zur Verwirklichung "palästinensischer Selbstbestimmung".

Fassen wir zusammen:

Bis 1947 ist ein "palästinensisches Volk" im heutigen Sinne unbekannt. Diese Bezeichnung galt vielmehr nach damaligem Verständnis auch für die jüdischen Bewohner des neugegründeten Staates Israel.
Von 1948 bis Mai 1967 sind keine Bemühungen welcher Seite auch immer festzustellen, ein arabisch-palästinensisches Staatswesen für ein etwaiges "palästinensisches Volk" in Westbank, Gasastreifen oder im Königreich Jordanien zu gründen. Es besteht demnach Grund zu der Annahme, dass auch in dieser Periode so ein Volk noch nicht existierte.

Erst ab Juni 1967 entsteht ein Bewusstsein in der Weltöffentlichkeit, und bei den Arabern selber, für die Notwendigkeit eines solchen Staates, für deren Zurverfügungstellung nunmehr der Staat Israel zu sorgen habe. Demnach fällt die Entstehung des "palästinensischen Volkes" (heutige Bedeutung) frühestens mit der Entstehung dieses Bewusstseins zusammen, d.h., das "palästinensische Volk" (heutige Bedeutung) besteht seit etwa 40 (!) Jahren (zum Vergleich: das jüdische Volk seit über 3500 Jahren, siehe oben).

Ein Kuriosum am Rande: Yasser Arafat war sicher älter; er konnte also unmöglich als "Palästinenser" (heutige Bedeutung) geboren sein. Wann schloss er sich demnach diesem Volk an, und welche Konvertierungszeremonie musste er absolvieren? Oder kann man "Palästinenser" durch einfache Deklaration werden? Kann man wieder austreten, wenn es einem nicht mehr gefällt?

Ferner ergibt sich, dass alle in diversen arabischen Staaten in Flüchtlingslagern befindlichen "Palästinenser" (heutige Bedeutung) und deren Nachkommen, die seit 1967 keinen physischen Kontakt mit Palästina hatten, unmöglich diesem jungen Volk angehören können, das wie wir oben gezeigt haben, vor 1967 noch nicht existierte. Es handelt sich vielmehr um  in der UN-Resolution Nr. 181 (II) erwähnte "Araber", denen über 20 separate Nationalstaaten zur Eingliederung offenstehen (sollten). Warum diese Eingliederung bis heute nicht stattgefunden hat, ist eine Frage, deren Beantwortung ich der politischen Weisheit der Leser anheimstelle.

Man kann die Geschichte "palästinensischer Selbstbestimmung" (heutige Bedeutung) auch wie folgt zusammenfassen:
ab 1947: Kampf der arabischen Staaten gegen Resolution 181 mit dem Ziel, den dadurch geschaffenen Staat Israel zu beseitigen, dadurch effektive Verhinderung der Gründung eines arabisch-palästinensischen Staates
ab 1959: Gründung der Fata'h, Zweck: Kampf gegen Israel
ab 1964: Gründung der PLO, Zweck: Kampf gegen Israel [PLO-Charta 1964]
ab 1967: Beginn der Forderung eines "palästinensischen Volkes" (heutige Bedeutung)
nach Selbstbestimmung im gesamten Gebiet Palästinas.  Zweck??
[Palästinensische Nationalcharta 1968]

Auf die Geschichte und Ziele von Organisationen wie "Hamas" und "Islamischer Dschihad" werden wir vielleicht ein andermal ausführlich eingehen.

Charta der Hamas (deutsche Übersetzung; spricht für sich selbst)

Anhang:

Erklärung der britischen Regierung (Balfour-Erklärung) 1917

League of Nations: The Mandate for Palestine, July 24, 1922

United Nations: Resolution Nr. 181 (II) vom 29. Nov. 1947

dito Resolutionen Nr. 242 und 338 und zwei Briefe an den UN-Generalsekretär betreffend UN Resolution Nr. 181


 

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