Letzte Strophe von "Ma'os Zur"

Invasion "2000" - Israel und das Christentum

Rabbiner Schlomo Aviner / Jerusalem 5760
Übersetzung: Rafael Plaut
Dieser Artikel erscheint in der hebräischen Version der Betrachtungen zum Wochenabschnitt "Be'Ahawa ube'Emuna" von Machon Meir in zwei Teilen:
Parschat Wajigasch Nr. 230 und Parschat Wajchi Nr. 231  9./16. Tewet 5760
 

In Kürze werden Millionen Christen in unser heiliges Land kommen. Wir sind gar nicht so furchtbar davon begeistert. Wir haben noch eine lange Rechnung mit ihnen offen, eine Rechnung mit unserem Blut geschrieben. Das meiste jüdische Blut, das je in der Geschichte vergossen wurde, geht auf das Konto der Christen; gläubiger Christen, weniger gläubiger Christen und Menschen, die die christliche Kultur aufgesogen hatten. Gar nicht zu reden vom Holocaust - auch die Deutschen sind und waren bekanntlich Christen, die ihr Christentum niemals ableugneten. Durch alle Generationen vergossen die Christen unser Blut, als wären sie vertraglich gebunden, uns durchs Schwert zu vernichten.

WARUM ?!

Was haben wir ihnen angetan?!

Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir auf die Geburtsstunde des Christentums zurückblicken. Die Christen behaupteten, sie wären das Volk Israel und dass wir aufgehört hätten, das Volk Israel zu sein, dass der Versuch, ein Volk Israel auf die Beine zu stellen, gescheitert war und das alte Volk Israel durch ein neues Volk Israel ersetzt wurde. Nach dieser Version sind wir nur "im Fleische" das Volk Israel, und sie "das Volk Israel im Geiste", das wahre Volk Israel, "Verus Israel". Beim alten Volk Israel handelt es sich nur um ein Überbleibsel, einen kümmerlichen Rest, der sowieso bald verschwinden musste.

Doch dieses Volk verschwand nicht - ein schweres Problem für das Christentum. Dieses Volk war doch angeblich durch das neue Volk ersetzt worden; warum hielt es sich dann und behauptete obendrein immer noch, das wahre Volk Israel zu sein?! In diesem Falle, sagten die Christen, müssen wir ihm eben helfen zu verschwinden: Pogrome, Inquisition - entweder konvertieren wir sie mit Gewalt, oder werfen sie ins Feuer. Die Juden wurden mit eingedrückten Bäuchen ins Feuer geworfen, zu Tode geprügelt, die Töchter vergewaltigt, ihr Hab und Gut zerstört, sie wurden ertränkt und erwürgt ohne Unterlass im Namen der Religion, die sich selbst "Glauben der Liebe" nennt. Dieselbe Religion, die lehrte, 'wenn einer dir eine Ohrfeige haut, so halte ihm auch die andere Wange hin'. In Wirklichkeit aber war sie es, die die Ohrfeigen austeilte. Wir erhielten von ihr viele Ohrfeigen, und Schlimmeres.

Doch dieses unsere Volk überlebte auch das und verschwand nicht, ein hartnäckiges Volk. Daraufhin entwickelten die Christen noch eine Theorie: Macht nichts wenn dieses Volk bestehen bleibt, Hauptsache - es macht einen erniedrigten und armseligen Eindruck, durch den es selber die Wahrhaftigkeit des Christentums propagiert. Die Christen nämlich, "das wahre Volk Israel", sind stark und bedeutend, sie können hunderte Millionen von Anhängern vorweisen im Vergleich zu den Juden, einem kleinen Haufen armer Schlucker. Im Gegenteil, sollen sie zum ewigen Zeugnis bestehen bleiben! So schrieb zum Beispiel der berühmte christliche Religionsphilosoph und Mathematiker Pascal.

Folglich musste das jüdische Volk entweder verschwinden oder zum Christentum konvertieren, oder durfte höchstens am Rande der menschlichen Gesellschaft, in der Zerstreuung, dahinvegetieren: das typische Bild des verfolgten, einsamen und wandernden Juden.

So verfolgten und quälten sie uns. Unsere Probleme mit den Arabern sind von vergleichsweise untergeordneter Bedeutung. Die Araber wohnten im Lande Israel und entwickelten mit der Zeit Ambitionen auf die Herrschaft. Dieser territoriale Streit ließe sich mit Leichtigkeit lösen. Mit den Christen aber besteht kein Streit um ein Fleckchen Erde, sondern ums Prinzip, um die Wesensheit: Wer ist das Volk Israel - wir oder sie!

So begleitete uns das Christentum mit seiner höllischen Dreifaltigkeit:
Mord, Mission und Erniedrigung.

Doch diesem Plan unterlief eine große Panne: die Gründung des Staates Israel! Wir kehrten in unser Land zurück. Schon die Propheten verkündeten die Rückkehr des Volkes Israel in sein Land, d.h., nach dem christlichen Verständnis - sie. Aber nicht sie kehren zurück, sondern wir! Da war wohl etwas schiefgegangen! Während des Holocaust schrieb der damalige Papst an die Führer der Welt, um jeden Preis die Gründung des Staates Israel zu verhindern, und dass davon nicht nur sein Stuhl in Rom abhänge, sondern das Schicksal des Christentums. In der Tat erfüllt sich die Prophezeiung der Propheten durch uns. Wir kehren in unser Land zurück und wir sind schon nicht mehr der einsame, "wandernde Jude". Wir leben in unserem Land, und wir werden mit Respekt behandelt. Niemand mehr gibt uns ungestraft eine Ohrfeige, denn unsere Armee schlägt ausgezeichnet zurück. Und wer es dennoch versucht, erhält es doppelt wieder, was seine Wirkung auch auf andere potentielle Angreifer nicht verfehlt.

Irgendwie kam die christliche Theorie ins Stocken... Schließlich fanden sie eine Ausrede: dieser Staat werde zusammenbrechen. Nun bricht er aber nicht zusammen. So dachten die Christen: dann werden wir eben nachhelfen und ihn destabilisieren. Dies nach der katholischen Lehrmeinung. Die Protestanten sagten: Nur keine übertriebene Eile, lasst die Juden ins Land zurück kehren, lasst sie sich einen Staat aufbauen, ja lasst sie sogar den Tempel erbauen, und wenn sie dann mit der ganzen Arbeit fertig sind - dann werden wir sie alle zum Christentum bekehren; im Gegenteil, so ist es doch viel würdevoller.

In der Zwischenzeit allerdings finden sie nichts dabei, mit der Judenmission weiter zu machen. Ermorden lassen sich die Juden schon nicht mehr - sie haben ja eine Armee. Sie erniedrigen - geht auch nicht, sie haben ja einen respektablen souveränen Staat. Bleibt nur die Mission. Und damit befassen sich die Christen nun auf der ganzen Welt, besonders aber in Israel. Das Budget der Missionare in Israel allein beträgt 100 Millionen Dollar, doppelt soviel wie für alle anderen Länder zusammengenommen. Einen Juden zu konvertieren zählt bei ihnen schon als großer Erfolg, aber einen Juden in Israel zu konvertieren ist unschlagbar, denn so kann man das Volk Israel unterminieren.

In Israel wimmelt es nur so von Missionaren: 7500 Vollzeitbeschäftigte mit regulärem Gehalt, und darüberhinaus Zehntausende auf Teilzeitbasis sowie freiwillige Helfer, Kirchen und Klöster sind voll von ihnen. Sie arbeiten still und mit Verstand, mit List und Tücke. Sie kommen zu Juden in wirtschaftlicher Notlage und bieten ihnen Geld an. Langsam aber sicher vertiefen sie die Beziehung, und im Laufe der Zeit lassen sie ihre religiöse Überzeugung in die Gespräche einfließen. So verfahren sie mit unermüdlichem Eifer, um das jüdische Volk zu missionieren. Nach dem Planziel des Missionswerkes soll zu Ehren des Jahres "2000" das ganze Volk Israel konvertieren.

Aber machen wir uns keine Sorgen. Es wird ihnen nicht gelingen. Doch was sie ständig Dutzende und Hunderte im Lande Israel konvertieren ist auch schon eine Katastrophe. Darum müssen wir auf der Hut sein und gegen diese Schande ankämpfen.

Zur Zeit operieren zwei Sorten Missionare: 
1. die "Zeugen Jehovas", die Geld und Propagandamaterial verteilen, das nach außen hin harmlos aussieht: 'Wer ist das Volk Israel', 'Was ist Judentum', 'Wer ist der Messias' mit Bildern von Davidsstern und Leuchter. Ihre Zielgruppe sind Juden in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit seelischen, Familien- oder Erziehungsproblemen. Sie schmeicheln sich ein, und langsam dringt ihr Gift bis ins Herz vor. Diese Gruppe umfaßt einige Tausend.
2. Darüberhinaus gibt es etwa 3500 "messianische Juden", zum Teil wirklich Juden, manche mit gehäkelten Käppchen auf dem Kopf [Markenzeichen des zionistisch-orthodoxen Judentums], im Hebräischen fließend bewandert, zum Teil Kibbuzmitglieder und Offiziere der Armee, die sich allesamt mit der Konvertierung zum Christentum beschäftigen. Ganze Familien arbeiten im Missionsgewerbe, Vater, Mutter, Tochter und Sohn, auch dieser mit gehäkeltem Käppchen. Sie besuchen die Synagoge und machen den Eindruck von ganz normalen Juden, so dass man ihnen ihre wahre Identität nicht anmerkt. Sie geben interessante Kurse in Bibelkunde und lassen im Laufe der Zeit immer mehr von ihrer Religion einfließen. Sie spielen zu Bibelversen auf der Gitarre in den schicken Vierteln von Tel-Aviv, und auch in der Fußgängerzone in der Jerusalemer Innenstadt - als Breslaver Chassidim verkleidet. Und sie verkleiden sich nicht nur als Breslaver Chassidim, sondern auch als National-Religiöse und als Streng-Orthodoxe, ziehen in den religiösen Stadtvierteln von Haus zu Haus und bieten finanzielle Unterstützung an.

Uns zu konvertieren ist das Ziel aller Christen, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen. Einige sind aktive Missionare, manche versuchen sich auf diesem Gebiet, wenn sich eine Gelegenheit bietet, und manche unterstützen diese Aktivitäten auf die eine oder andere Weise.

So viel haben sie uns in der Vergangenheit schon zugesetzt, und auch jetzt können sie es nicht lassen! Sie wollen uns immer noch davon überzeugen, dass ein Mann namens Jesus Gott ist, und dass drei eins ist (sind?). Das haben wir schon alles auf dem Scheiterhaufen gehört. Sie sagten uns: Bekenne dich zu diesem Glauben, wenn nicht, werfen wir dich ins Feuer. Und wir antworteten: "Höre Israel, der Ewige, unser G~tt, der Ewige ist einzig" aus den Flammen. Also vielleicht wollen sie uns endlich in Ruhe
lassen, vielleicht wollen sie von uns ablassen?! Aber nein, sie hören einfach nicht damit auf. Vor unserer Nase, in Israel, schnappen sie sich arme Seelen, kaufen sie für bares Geld und taufen sie im See Genezareth oder im Hotelschwimmbecken. Diese Erscheinung muss stärker in unser Bewusstsein rücken, um sie effektiv bekämpfen zu können. Zwar befassen sich damit schon einige Organisationen, doch sollte sich jeder Jude dieser Aufgabe annehmen, sei er nun religiös oder nicht, links oder rechts, sefardisch oder aschkenasisch - und mit aller Kraft dieses schändliche und widerwärtige Werk vereiteln, hier in unserem Land. Natürlich ist die Lage auch im Ausland sehr bitter, doch haben die Juden in der Diaspora ein gewisses Gespür für diese Dinge entwickelt.

All dies erfreut uns gar nicht. Das Christentum war während seiner ganzen Geschichte unser Hauptwidersacher. Ihnen gegenüber verblassen selbst die Araber. Sie erhalten ihre Waffen über christliche Länder. Sie können doch selber keine hochwertigen Waffen herstellen und würden deshalb auch nicht kämpfen, und so könnten wir schon längst den ersehnten Frieden genießen. Doch die christlichen Völker verkaufen ihnen Waffen und lehren sie auch damit umzugehen.

Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") schrieb in seinem Buch "Führer der Unschlüssigen", dass die ganze Tora dem Kampf gegen den Götzendienst gilt. Das Christentum ist ein als Bibel verkleideter Götzendienst, innen heidnisch und nach außen jüdisch. Paulus sagte in einer seiner Predigten: 'Es gibt keine Juden mehr, es gibt keine Griechen mehr'. Man kann schon innerlich hellenisierter Heide und äußerlich Jude sein, kein Problem. - Im Prinzip ist dies derselbe Kampf wie gegen den
früheren Götzendienst, nur ungleich komplizierter.

Darum war es kein Zufall, daß Rabbiner Awraham Jizchak Kuk [der erste Oberrabbiner Israels], in seinem großen Werk "Orot" ("Lichter") über die Wiedererstehung der jüdischen Nation, die Rückkehr nach Zion und den Aufbau des Landes einen ganzen Abschnitt, nämlich "Israel und seine Auferstehung" ["Israel weTchiato"] dem Verhältnis zum Christentum widmete, dem Gegenteil von uns und dem ungeheuren Schaden, den es der Menschheit zufügt. Und das Gegenmittel: "Die Lichter der Auferstehung" ["Orot HaTchija", der folgende Abschnitt]. Jetzt kehren wir in unser Land und zu unserer ursprünglichen Aufgabe zurück, besonders im Hinblick auf jene - chasak chasak we-nitchasek.  


 

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