Gespräche HaRav Zwi Jehuda (Nr.5)

DAS VOLK ISRAEL

Rabbiner Zwi Jehuda HaKohen Kuk sel.
Rosch Jeschiwa "Merkas HaRav"
Gespräch mit Soldaten, Nissan 5738 (April 1978)

Redaktion, Quellenangaben,
Zwischentitel und Zusammenfassung:
Rabbiner Schlomo Chaim HaKohen Aviner,
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa "Ateret Kohanim"

Übersetzung: Rafael Plaut, Jerusalem
 

DAS VOLK ISRAEL

1. "...der aus allen Völkern uns erwählt hat"

Frage: Wir sind gekommen, um von Ihnen Aufklärung zu erhalten. Ich bin nicht religiös, nicht, dass ich dagegen wäre, eher, weil ich nicht weiß, was es heißt, religiös zu sein...

Antwort: Was heißt bei dir "nicht religiös"? Verhalten, das sich nicht in Einhaltung der Gebote ausdrückt?

Frage: Genau. Ich erkenne aber an, dass die Traditionen das jüdische Volk über Generationen hinweg zusammengehalten haben, dass das Volk religiös war und die Gebote der Tora eingehalten hatte. Aber heutzutage, besonders nach Gründung des Staates Israel, entfernt man sich immer mehr von den Ursprüngen, obwohl ich anerkenne, dass die Gründung des jüdischen Staates einen Teil unserer Erlösung darstellt..

Antwort: Diese Dinge bedürfen ausführlicher Erklärung. Es besteht hier ein grundsätzlicher Irrtum. Richtig, es gibt "Ursprünge", aber in Wirklichkeit gibt es mehr als diese. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, w e r wir sind, was unser Lebenszweck ist, was wir in unserer Eigenschaft als Volk bedeuten. Wenn man sich der Tora, den "Ursprüngen", nähert, gibt es keinen anderen Ausgangspunkt als diesen: "...der aus allen Völkern uns erwählt hat" (tägl. Morgengebet). Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass wir ein auserwähltes Volk sind, Träger göttlicher Einzigartigkeit (siehe Ex.19,5), das Volk der Ewigkeit - "Ewigkeit Israels".

2. Ewiges Mysterium

Sogar die größten nichtjüdischen Denker erkannten dies. Ich kann dafür hier einige Beispiele bringen, z.B. die folgenden vier Zitate deutschen Ursprungs. Die Deutschen werden im allgemeinen das Volk der Dichter und Denker genannt. Andererseits kristallisierte sich in diesem rohen Volk der systematische, wissenschaftliche Antisemitismus zu wahrlich provozierender Form heraus. Demgegenüber erschienen dort eine ganze Anzahl wunderbarer Geistesgrößen umfassenden und analytischen Durchblicks. Es gibt da ein Buch, von einem weniger bekannten Wissenschaftler verfasst, das eine kurze historische Analyse der philosophischen Kultur enthält. Folgender essentieller Satz erscheint dort: "Wie ein wacher und aufgeweckter Mann" - und nicht wie ein schlafender und trunkener - "steht das Volk Israel zwischen den heidnischen Völkern, den trunkenen, verwirrten und verderbten". Von den heidnischen Völkern der grauen Vorzeit haben sich bis heute götzenanbetende Völker
gehalten, wie in unserem Gebet "Aleinu leschabe'ach" erwähnt wird. In gewissem Sinne gibt es auch heute noch Vielgötterei in Teilen der Menschheit - in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen. "Dies ist ein ewiges Mysterium unter den Völkern, das sich der Erklärung durch die beschränkten Mittel der gewöhnlichen Geschichtsforschung entzieht". Wir sind ein Rätsel, eine Sphinx, eine besondere Kreation, ein besonderes Teilstück der Menschheit. Diese Tatsache, dass wir einen besonderen Platz unter den Völkern und in der Welt einnehmen, drückt sich in der Tora in den folgenden Worten aus: "Denn des Ewigen Teil ist sein Volk" (Dt.32,9).

3. Analyse geschichtlicher Zusammenhänge

Es gibt Leute, die historische Abläufe als eine Anhäufung von Zufälligkeiten verstehen. Dies ist eine sehr beschränkte Auffassung. Wir glauben gemäß unserer Weltanschauung an eine von Anfang an systematische Lenkung, und erkennen darin das Faktum "der aus allen Völkern uns erwählt und seine Lehre uns gegeben hat". Die Ausrichtung geschichtlicher Abläufe durch den Schöpfer der Welt kommt in konzentrierter Form im Pentateuch im Abschnitt Ha'asinu zum Ausdruck. "Gedenke der Tage der Urzeit" - betrachtet die Geschichte - "erwäget die Jahre vergangener Geschlechter". Wenn du nicht weißt, und deine Kraft nicht ausreicht, dem Gang der Geschlechter zu folgen, dann "frage deinen Vater, dass er dir künde, deine Alten, dass sie dir ansagen" (Dt.32,7).

4. "Da der Höchste den Völkern Besitz gab... " (Dt.32,8)

Nach diesem Vers, der als eine Art Einleitung dient, gelangen wir zu einem anderen, vierstufig angelegten, in dem jeder Teil drei Worte enthält.

"Da der Höchste den Völkern Besitz gab,
da er abteilte die Menschensöhne,
stellt er fest Grenzen der Völker
nach Anzahl der Kinder Israels" (Dt.32,8)

"Da der Höchste den Völkern Besitz gab" -
Wir erkennen, dass es etwas Höchstes gibt, eine höchste Lenkung der Ordnung der Menschengeschlechter. Die Menschheit setzt sich aus unterschiedlichen Teilen zusammen, Völker und Nationen, wohlverteilt über den ganzen Erdball und ihrem jeweiligen Anteil verbunden. Der Höchste, Schöpfer der Welt und des Menschen, erschafft die Teile des Menschen und die Teile des Erdballs - und gibt den Völkern Besitz.

5. "...da er abteilte die Menschensöhne.." (Dt.32,8)

Der Höchste teilt die Menschensöhne in getrennte Strömungen ein und legt die religionsgeschichtliche Entwicklung der Völker entsprechend ihren Standorten aus.

6. "...stellt er fest Grenzen der Völker"(Dt.32,8)

Zwangsläufig entstehen Staaten und Grenzen, daher "stellt er Grenzen der Völker fest". Dies alles geschieht keineswegs zufällig, sondern gehört zur sorgfältig geordneten Lenkung der historischen Abläufe.

Frage (eines der Soldaten): Und wo bleibt die Beständigkeit unserer Grenzen?

Antwort: Jawohl, die Grenzen des Landes und des Staates des jüdischen Volkes sind beständig. Wir sind ein besonderer Teil der Menschheit und gehören zu einem besonderen Teil des Erdballs.

7. Beständigkeit Israels

Wir sind ein besonderes Volk, ein erwähltes Volk, Eigentum G~ttes - deswegen sind wir das Volk, das die Tora erhielt, das Volk der Tora. Dies ist kein Zufall, sondern göttliche Vorsehung. Die spirituelle Energie des Ewigen ist der Inhalt unserer Volksseele. Wer nicht gerade blind ist und mit geschärftem Blick unsere historische Entwicklung betrachtet - von den Vorvätern bis heute - erkennt, dass wir ein nicht zu
besiegendes Volk sind. Im Talmud erscheint folgender Ausspruch: "Israel - die Kühnen unter den Völkern", die Helden unter den Völkern; Raschi erklärt: "die Kühnen - schwer zu besiegen". Trotz Qualen und Exilen und Kämpfen - wir bestehen!

Frage: Als kleines Volk!

Antwort: Jawohl, und wir bestehen! Auch das steht in der Tora. "..denn ihr seid die Wenigsten von allen Völkern" (Dt.7,7). Es gibt Völker, die in die Millionen gehen, und demgegenüber sind wir wenige an Zahl, aber viele an Gehalt. Und dieses Faktum des ewigen Bestandes Israels ist unabänderlich.

8. "... nach Anzahl der Kinder Israels"(Dt.32,8)

Halten wir also fest, dass die Menschheit in Völker aufgeteilt ist, die in Staaten und Grenzen über den ganzen Erdball angeordnet sind. Darüberhinaus besteht die ursprüngliche, wahrhaftige und göttliche Erkenntnis, dass in der Menschheit ein "zentraluniversaler" Punkt existiert. Wir - die jüdische Gemeinschaft, die jüdische Seele, das Volk Israel - sind die "Zentrale Welt-Jeschiwa" aller Nationen, deren Lehrer und Erzieher, ausstrahlend das Licht des Glaubens und der Lehre. Alle Völker sind "nach Anzahl der Kinder Israels" geordnet. Das Volk Israel ist der Mittelpunkt, das "Eigentum G~ttes vor allen Völkern" (Dt.7,6).

9. "Denn des Ewigen Teil ist sein Volk,.." (Dt.32,9)

So gelangen wir zu einem kurzen Vers, der das vorher Gesagte zusammenfasst: "Denn des Ewigen Teil ist sein Volk". Der Herr der Welt hat einen besonderen Teil in der Menschheit, den Teil der Ewigkeit. Es gibt jedoch viele Dinge, die den Menschen als eher zufällig erscheinen: Tummeln sich doch alle möglichen Bösewichte in der Welt, werden doch alle möglichen Verbrechen verübt; man könnte leicht zu dem Schluss kommen,"der Ewige habe das Land verlassen" (Ez.8,12). Dies ist ein Irrtum. Der Herr der Welt verlässt nicht die Welt. Er lenkt und kontrolliert und offenbart sich auch von Mal zu Mal. Von Mal zu Mal offenbart sich durch uns das in der Zufälligkeit verborgene Ewige. "Die Himmel erzählen die Herrlichkeit G~ttes" (Ps.19,2). Die Herrlichkeit G~ttes offenbart sich durch Himmel, Erde und die gesamte Schöpfung, daneben jedoch gibt es noch eine höhere Stufe, wie vom Propheten Jeschajahu erwähnt. (Der Ausdruck Prophet "Nawi" kommt von "Niw", Rede. Der Prophet verfügt über die "Rede der Lippen" (Jes.57,19), Sprecher in G~ttes Auftrag, der nicht selbstverfasste Sprüche verkündet, sondern nur das Wort G~ttes, so wie es ihm in den Mund gelegt wurde, sozusagen zwangsweise). Im Buche Jeschajahu heißt es: "Ihr seid meine Zeugen", ihr, die Juden, "ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige" (Jes.43,10). Nicht nur "die Himmel erzählen die Herrlichkeit G~ttes", sondern auch das Volk Israel, das ewige, das historische.

10. "Sein Zorn währt einen Augenblick" (Ps.30,6)

Frage: Sie behaupten, es gäbe eine göttliche Lenkung und Vorsehung beim auserwählten Volk - wie erklären Sie demnach den von Generation zu Generation schwindenden Anteil der Gläubigen?

Antwort: Verglichen mit unserem Hauptthema ist diese Erscheinung eher unbedeutend und verfügt über keine besondere Verbreitung. Sie ist zeitlich und räumlich begrenzt. "Sein Zorn währt einen Augenblick". Die Auffassung, unsere Generation sei eine der Ungläubigen, ist übertrieben. Es stimmt wohl, dass nicht alle religiös im Sinne der vollständigen Erfüllung der Gebote sind, aber daraus zu schließen, dass alle ungläubig seien?! Das ist doch Oberflächlichkeit und nur eine Äußerlichkeit! "Das Volk, das ich mir gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen" (Jes.43,21). "Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige". Die wahrhaftige, göttliche Tatsache, dass sich an zentraler Stelle auf der Erde das Volk, das er "aus allen Völkern erwählt hat", befindet, besteht immerfort, unabhängig davon, wieviele Religiöse oder Nicht-Religiöse, Gerechte oder Ungerechte es gerade gibt. Unser Wesen, das Wesen des jüdischen Volkes, drückt sich aus in der Nation, in der Gemeinschaft.

11. Völkerpsychologie

Inzwischen ist es eine auch von der Wissenschaft anerkannte Tatsache, dass die Allgemeinheit einen Wert an sich besitzt. Die Wissenschaft entwickelt sich ständig weiter, und so sind auch in der Psychologie Fortschritt und tiefgehendere Erkenntnis festzustellen wie zum Beispiel durch die Freud'sche Psychoanalyse. Es gibt jedoch noch eine wesentlich wichtigere und tiefgreifendere Ansicht, die durch zwei miteinander verschwägerte jüdische Professoren, Moritz Lazarus und Heymann Steinthal in die Welt der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts eingebracht wurde. Dies ist die Lehre der Völkerpsychologie, Psychologie der Gemeinschaft, die die Eigenschaften von "Volksseelen" erläutert. Von diesem Punkt gelangen wir zu einer besonderen Psychologie des "Volkes, das ich mir gebildet", die unmöglich zu verleugnen ist. Die Qualen und Leiden des Exils können unseren besonderen Wert "der von allen Völkern uns erwählt hat" nicht aus dem Gedächtnis drängen. Die größten jüdischen und nichtjüdischen Denker widmen dem jüdischen Volk eine tiefgehendere und umfassendere Betrachtung als die des Augenblicks. Unser Ausgangspunkt ist nicht das Vergängliche, "wie ein Augenblick seines Zorns", sondern der Lenker der Welt.

12. Das universal-historische Volk

Es gibt da noch zwei außerordentlich berühmte deutsche Nichtjuden, denen ihr alle wahrscheinlich schon einmal in der Literatur begegnet seid: Schiller und Goethe, die beide in der gleichen Periode vor etwa 200 Jahren lebten. Friedrich Schiller war ein großer Dichter und Denker. Er und Goethe waren Freunde und standen in ständigem Briefkontakt. Schiller schreibt über uns: "Keine Unterdrückung und Erniedrigung" - die Qualen des Exils - "die diesem universal-historischem Volk widerfahren, können dessen erhabenen Verdienst um und den gewaltigen Einfluss auf den Lauf der Weltgeschichte schmälern".

13. Rehabilitierung vom Exil

Frage: Sind diejenigen Juden, die nach Israel gelangten, endgültig von den Leiden der Diaspora erlöst?

Antwort: Wir sind auf dem Wege, in vollem Gange. Galut, Verbannung, ist ein Zustand des Leidens, "wegen unserer Sünden wurden wir aus unserem Lande verbannt". G~ttseidank haben wir uns des Jochs der Völker in gewisser Hinsicht entledigt. Wir machen jetzt eine Entwicklung der Klärung, der Wiederherstellung und der Rehabilitation durch. Wir genesen langsam, nicht auf einen Schlag, sondern im Einklang mit der geschichtlichen Entwicklung von Generationen. G~ttseidank hat unser Heilungsprozess begonnen, und wir genesen und gesunden.

14. "Ein einziges Volk auf Erden" (Sam.II,7,23)

Goethe war ein großer Dichter und Philosoph. In seinem Namen ist uns ein noch bedeutenderer Ausspruch überliefert. Schiller nannte uns das universal-historische Volk. Hört nun, was Goethe über uns schreibt: "Im Lichte von Chronik und Geschichte des einzigartigen Volkes..." - wir sind das einzigartige, das spezifische Volk, "ein einziges Volk auf Erden". Es geht uns hier nicht um diesen oder jenen Juden, oder um einen bestimmten Augenblick, wir sind einzigartig als Volk, in unserer
Psychologie und unserer national- gemeinschaftlichen Seele.

15. Wir obsiegen

Frage: Liegt denn unsere Bestimmung nicht darin, ein Volk des Leidens zu sein?

Antwort: Ja, wir sind ein Volk, das leidet! Aber wir sind auch das Volk der Obsiegenden, bestehend seit ehedem und bis in alle Zeit. Die Geschichte kennt viele Völker, die zu ihrer Zeit einen wichtigen Platz einnahmen und dann der Irrelevanz verfielen. Zum Beispiel das griechische Reich, das im Gebet "Al Hanissim" als "griechische Tyrannenherrschaft" bezeichnet wird und das sich gegen Volk und Geist Israels erhob. Es erlangte einen prominenten Platz in der Welt, sowohl in politischer als auch in kultureller Hinsicht durch seine Literatur, Dichtung und Philosophie. Und heute nimmt der Staat Israel einen weitaus höheren Rang als Griechenland in der Welt ein! Ebenso Spanien - das spanische Weltreich! Es unterdrückte die Juden sehr; durch die Inquisition versuchte es, uns zum Christentum zu zwingen und Volk und Tora Israels auszulöschen. Am Ende vertrieben uns die Spanier, obwohl die spanische Judenheit groß an Zahl und reich an Gelehrten wie z.B. Maimonides war, und wir zerstreuten uns in alle Winde. Und wo steht Spanien heute?! Wir nehmen heute einen wichtigeren Rang ein als Spanien und Griechenland zusammen. Jeder Mensch mit klarem Verstand erkennt diese Dinge, sogar die großen deutschen Denker kamen nicht daran vorbei, wie wir vorhin von Schiller zitierten: "Keine Unterdrückung und Erniedrigung, die diesem universal - historischem Volk widerfahren, können dessen erhabenen Verdienst um und den gewaltigen Einfluss auf den Lauf der Weltgeschichte schmälern".

16. Im Lichte der Chronik Israels

Entsprechend schreibt Goethe: "Im Lichte von Chronik und Geschichte des einzigartigen Volkes konstituiert die göttliche Lenkung in den heiligen Schriften den Weg jedes Menschen und Volkes". Die göttliche Lenkung konstituiert, ordnet und bezeichnet den Weg der gesamten Menschheit in den heiligen Schriften, die überwiegend die Geschichte Israels wiedergeben - im Lichte der Bestimmung des zentral-universalen Volkes.

17. Gott ist tot - für die Nichtjuden

Wir gelangen nun zum vierten Deutschen (Nichtjuden), Vertreter eines ganz besonderen Typus, ein wirklich großer Mensch. Er hasste alle, und alle hassten ihn, auch die Philosophen und Schriftsteller. Er verhöhnte und verspottete jede Religion, jeden G~ttesnamen und jegliche Moralität. Er zertrümmerte alles. Es versteht sich von selbst, dass so ein Weltzerstörer nicht zu ertragen war. Sein Name war Friedrich Nietzsche. Er verkündete der Welt: Falls ihr es noch nicht wissen solltet, so wisst ihr es jetzt - Gott ist tot. Ihr glaubt es nicht? Ich war auf seiner Beerdigung! Die Vertreter von Religion, Moral und Kultur konnten solche Ausdrücke nicht vertragen und hassten ihn alle. In Wirklichkeit war er aber größer als sie alle zusammen. Im Nachhinein nämlich wurde die Bedeutung seiner Worte über den "Tod Gottes" klar: der Gott der Nichtjuden ist der tote, der Gott des "Neuen Testaments"! In diesem Sinne schreibt er weiter: "Das furchtbarste Verbrechen an der menschlichen Kultur war der Gedanke, in einem Band die Größe und die Geheimnisse, Hoheit und Erhabenheit des Alten Testaments mit der anwidernden Hohlheit und dem Gewäsch des Neuen Testaments zu vereinigen. " Wie kann man überhaupt auch nur auf den Gedanken kommen, die Originalität und Größe unserer wahrhaftigen Bibel, die jene als "Altes Testament" bezeichnen, zusammen mit jenem Buch in einem Band zu binden - als ob sie das gleiche Anliegen und denselben Wert hätten, ranggleich! Denen sagt Nietzsche, dass, wer dies nicht unterscheiden kann, das furchtbarste Verbrechen an der menschlichen Kultur begeht.

18. Zugehörigkeit zum Volk der Ewigkeit

Frage: Was bedeutet dies alles für uns?

Antwort: Dies offenbart uns die objektive, ehrliche Bewunderung der Großen der Welt, die die Geschichte der Völker nach ihren Generationen und Arten erforscht haben. Von unseren Propheten drückt Jeschajahu die entsprechende Aktivität des Herrn der Welt so aus: "..der die Menschengeschlechter berief von Anbeginn.." (Jes.41,4) - der die Geschlechter ordnet, festsetzt und ihnen Bestand gibt.

Frage: Verehrter Rabbiner, wir bitten Sie, uns, der jungen Generation, zu sagen: Wer sind wir, was sind wir?

Antwort: Darüber reden wir schon die ganze Zeit. Wir gehören dem Volk der Ewigkeit an. Das Volk der Ewigkeit fängt nicht erst heute an, es ist nicht eben erst geboren, es besteht seit Generationen. Wir bestehen seit uralten Zeiten und in alle Ewigkeit, mehr als manche Völker und Kulturen, die in ihrem Wachsen und Welken dem Rizinusbaum aus dem Buche Jona ähneln.

Frage: Was ist unser Lebenszweck, was wollen wir für uns?

Antwort: Erst einmal wollen wir uns in Erinnerung rufen, wer wir sind, unseres Stolzes und Glanzes erinnern, der Herrlichkeit Israels, des Glanzes der Ewigkeit Israels und unseres Ursprungs. "...frage deinen Vater, dass er dir künde, deine Alten, dass sie dir ansagen" (Dt.32,7). Unser besonderes Wesen findet seinen Ausdruck nicht in den Taten eines einzelnen Juden, sondern in unserer Zugehörigkeit zum Volk Israel, zum Volk der Ewigkeit, zur alles umfassenden Seele der Gemeinschaft Israels - das heißt: zu unserer allgemeinen Kultur. Wir brauchen nicht zu berücksichtigen, was die Nichtjuden sagen, wir sind nicht von ihnen abhängig - wir haben g~ttseidank unsere eigenen Quellen. Das haben auch die Großen unter ihnen anerkannt.

19. G~tt - Kleinheit und Größe

Zuvor erwähnten wir den genialen Nietzsche; in seiner Genialität ein wilder Mensch, der uns vom Tod Gottes erzählt und damit sämtliche Moralität zerstört. Er war gegen jegliche Moralität, ja er verachtete sie. Er drückte dies folgendermaßen aus: Die gewöhnliche Moral, wie sie die Religion zum Ziel hat, ist eine Sklavenmoralität. Anstatt den Menschen zu Größe, Heldentum und Stärke zu entwickeln, bringen ihn
die Fälschungen der Religion im Namen G~ttes zu Kleinheit und Schwäche. Die Religion der Nichtjuden schuf ein Abbild G~ttes, zog seine Erhabenheit auf ein niederes Niveau. Dieser kleine Gott ist ein toter Gott, er hat keinen Wert, er existiert schon nicht mehr. Nicht so der wahre G~tt, der große G~tt; wir sind in unserer wahrhaftigen Existenz dem höchsten G~tt verbunden, dem "großen, starken und furchtbaren G~tt" (Schmone Esre - Gebet), der Mächtige, Regent und Herrscher, Lenker der Welt und der Geschlechter. Deshalb leben und bestehen wir von ehedem bis heute. Der Mächtige Israels lebt und besteht! Wir leben, bestehen, obsiegen und wirken in der Welt mehr als alle anderen Nationen. Wir sind die Größen an Gehalt, Macht und

Ewigkeit.

20. Über den Wechselfällen der Geschichte

Frage: Aber verehrter Rabbiner, wir kennen das Judentum fast nur aus der Zeitung?!

Antwort: Davon muss man loskommen! Die Welt beginnt nicht mit der Presse, die Geschichte beginnt nicht mit der Presse und die Kultur beginnt nicht mit der Presse. Vor einigen Jahrzehnten, gegen Ende des ersten Weltkriegs, verabschiedete der Völkerbund, der damals über Erez Israel herrschte, einige Bekenntnisse und Deklarationen (die vereinten Nationen genossen damals ein höheres Ansehen unter den Völkern als heute) - wer erinnert sich heute noch daran? Sie verkündeten damals, dass das ewige Land dem ewigen Volk aufgrund der Bibel zustehe. Die wichtigsten Kulturvölker, die in der Welt am meisten galten, verkündeten dies gemäß der heiligen Schrift! Das ist die wirkliche Wahrheit! Das ist die Nation, die sich seit frühesten Zeiten durch den Schöpfer der Welt bis heute in der Bibel offenbart. Schon
damals gab es jene, die diese Anerkennung abändern wollten, aber heute ist es schon nicht mehr möglich, und es gibt auch niemanden, der sie ändern könnte.

Frage: Aber wir begegnen der Religion in politisierter Form?!

Antwort: Entschuldigt bitte, aber es gilt zu erinnern, dass unsere Bestimmung nicht auf dem Hier und Heute oder der Politik beruht. Das Volk Israel besteht seit frühester Zeit. Im Verlaufe der Zeitalter, Generationen und Perioden durchlebte es die unterschiedlichsten Wechselfälle der Geschichte. Und wir überdauern die Jahre und die Wechselfälle, wir bestehen und obsiegen.

21. Ein Volk von Gläubigen

Frage: Herr Rabbiner! Kann ich Jude sein, ohne an die Tora zu glauben?

Antwort: Ja !

Frage: Wie ?!

Antwort: Du sagst "ohne zu glauben"? Du irrst dich! Du irrst dich in dir selbst. Du kennst dich selbst nicht genug.

Frage: Keiner kennt sich selbst ?!

Antwort: So ist es. Ich werde dies etwas gründlicher erklären, doch es ist eine einfache Sache. Alles läuft auf bereits Gesagtes zurück. Wenn man aus den Quellen über das Wesen des Volkes Israel lernt, erkennt man, dass wir unseren Ursprung nicht im Gestern oder Vorgestern haben, sondern in den Geschlechtern des Anbeginns der Welt. "Frage deinen Vater, dass er dir künde, deine Alten, dass sie dir ansagen". Die Realität des Volkes Israel, die nationale Psychologie des Volkes Israel, die Seele des Volkes Israel, fangen nicht erst bei dir - XYZ - auf persönlicher Ebene an. Du sagst, du glaubst nicht? Du irrst. Du bist Bestandteil des jüdischen Volkes, du bist ein wichtiger und bedeutender Teil der Gemeinschaft Israels, unserer allgemeinen und gemeinschaftlichen Volkspsychologie, und wir sind ein Volk von Gläubigen, wie in der Tora geschrieben steht: "..und sie glaubten an den Ewigen und an Moscheh, seinen Diener" (Ex.14,31). So sind wir seit unserer Erschaffung, seit Anbeginn unserer Geschichte, nur dass uns die Zerstreuung unter die Völker verwirrte und uns in uns selber irren ließ. Wir müssen zu Selbsterkenntnis und Identifikation des Einzelnen mit dem Volk der Ewigkeit gelangen, aus der alles überbrückenden Zugehörigkeit zum Volk Israel.

Du sagst, du seist nicht gläubig - weißt du denn überhaupt, was Glaube ist? Glauben beginnt nicht beim individuellen Juden. "Die Israeliten sind Gläubige"! (Schabbat 97a). Der Glaube beginnt mit dem Einwirken der göttlichen Präsenz auf uns, "der aus allen Völkern uns erwählt hat". Das Land Israel steht dem Volk Israel aufgrund der Bibel zu, wie selbst die Nichtjuden anerkannt haben. Die G~ttheit offenbart sich in der Welt durch die Heilige Schrift, die Tora und das Volk Israel. Das Volk Israel und die Tora sind ein und dieselbe Angelegenheit. Unsere Aufgabe ist es, uns von der Verwirrung des Exils zu befreien und gründlichst zu erkennen, w e r wir wirklich sind und wozu wir leben, aus innerstem, wahrhaftigem, wissenschaftlichem Geschichtsbewusstsein.

22. Der Ablauf unserer Erneuerung

Wir müssen uns selbst kennenlernen, ganz besonders in dieser Generation, der Generation der Wiedergeburt des Volkes und der Wiedergeburt des Landes, der Generation der großen Wunder, der Wunder, die der Herr der Welt an uns und an euch vollbringt, durch euch und durch uns alle. Die Einsammlung der Verstreuten ist keine simple Tatsache und kein Zufall. Diesem Thema ist ein ganzer Abschnitt im Buche des Propheten Jecheskel gewidmet, Kapitel 36. Dieser Abschnitt ist so leicht zu verstehen wie kein anderes Beispiel auf der Welt. Er erläutert den Ablauf der Erlösung Israels, der Wiedergeburt des Volkes und des Landes.

"Und es erging das Wort des Ewigen an mich also: Menschensohn..." (36,16) - dies ist die besondere Ausdrucksform, in der das Wort G~ttes an den Propheten Jecheskel ergeht. "Menschensohn, das Haus Israel, da sie auf ihrem Boden wohnten.." (36,17). Offensichtlich bewohnte das Volk Israel vor 2000 Jahren diesen ihm bestimmten Teil des Erdballs. Bekanntlich wurden wir jedoch "wegen unserer Sünden aus unserem Lande verbannt" (aus dem Mussaf-Gebet an Feiertagen). Wir verstrickten uns in Götzendienst, Blutvergießen und allen möglichen Streitigkeiten - und der Prophet drückt dies in scharfer Sprache aus: "..das Haus Israel, da sie auf ihrem Boden wohnten, verunreinigten sie ihn.." Sie verursachten durch ihr Verhalten Unreinheit des Landes. Der Herr der Welt, "der aus allen Völkern uns erwählt hat", unser Vater (in der Tora werden wir Kinder genannt, "Kinder seid ihr des Ewigen eures G~ttes" (Dt. 14,1)) drückt seinen Schmerz aus: "das Haus Israel, da sie auf ihrem Boden wohnten, verunreinigten sie ihn". Und wodurch? "durch ihren Wandel und ihre Handlungen" - ihre Lebensweise und ihre Taten. Damit verursachten sie dem Herrn der Welt Schmerz, "wie die Unreinheit einer Abgesonderten war ihr Wandel vor mir". Sie provozierten mich in unerträglicher Weise, bis ich mich erzürnte "und ich meinen Grimm über sie ausschüttete" (36,18). Hier werden zwei der drei furchtbarsten in der Tora genannten Vergehen ausdrücklich erwähnt: Blutvergießen und Götzendienst - "..wegen des Blutes, das sie vergossen in dem Lande, und das sie mit ihren Götzen verunreinigten." (36,18) - das dritte, Inzest, ist im Ausdruck "Unreinheit" inbegriffen. Es war nicht mehr auszuhalten, ich hielt ihnen ein Strafgericht "und ich versprengte sie unter die Völker, und sie wurden zerstreut in die Länder" (36,19). Die schreckliche Realität der Zerstreuung in die Länder der Nichtjuden. Dieses harte Urteil hatten sie verdient, "nach ihrem Wandel und nach ihren Handlungen richtete ich sie". Deswegen wurden sie unter die Nichtjuden zerstreut: "Und als sie kamen zu den Völkern, wohin sie kamen..." (36,20). Für diesen Zustand haben wir in unserem Wörterbuch einen ganz besonderen Ausdruck: Chilul Haschem - Entweihung des göttlichen Namens. Unsere besondere Bestimmung war den Völkern der früheren und der frühesten Generationen bekannt: sie wussten um die Existenz des besonderen Volkes, des G~ttesvolkes. Alle Menschen, die in der Kultur und des Denkens der Welt etwas zählten, brachten diesem Volk göttlicher Aristokratie besondere Ehre entgegen. Alle Kulturvölker redeten davon: Es besteht ein besonderes Volk, ein Volk der Ewigkeit, ein göttliches Volk, und zu diesem Volk gehört auch ein besonderes Land - und plötzlich totale Konfusion: das wird "Entweihung des göttlichen Namens" genannt, eine Schande. "Und als sie kamen zu den Völkern, wohin sie kamen, da entweihten sie meinen heiligen Namen". Die Entweihung des heiligen Namens ist hier nicht in ihrem Sinne als ungebührliches Verhalten bei bestimmten Handlungen zu verstehen. Sie besteht vielmehr darin, dass sich die Menschheit über das uns Zugestoßene wundert und fragt: Was geht hier vor? "..indem man von ihnen sprach: Das Volk des Ewigen ist das, und aus seinem Lande sind sie ausgezogen!" Im Normalzustand hat sich das Volk des Ewigen im Lande des Ewigen aufzuhalten. Und sieheda, das auserwählte Volk befindet sich nicht auf dem ihm zugedachten Boden.

Paradox! Dies ist eine Erniedrigung nicht nur der "Kinder", sondern auch des Vaters, eine Entweihung des göttlichen Namens, Schmach und Schande. "Wehe den Söhnen, die vom Tische des Vaters vertrieben", und nicht geringer als "wehe dem Vater, der seine Söhne vertrieben". Dieser unnormale Lebenszustand ist eine beidseitige Schande. Er kann unmöglich auf  lange Sicht ertragen werden. Ich muss mich daher notwendigerweise Eurer erbarmen. "Und ich erbarmte mich meines heiligen Namens, den das Haus Israel entweihte" (36,21). Diesem unhaltbaren Zustand des Dauergrollens muss ein Ende gesetzt werden. Es gibt da bestimmte Juden, die behaupten, dass wir alle als Voraussetzung dafür erstmal Buße tun und uns in vollkommene Gerechte verwandeln müssen; dazu ist der folgende Ausspruch eines der großen Chassidim überliefert: "Herr der Welt, du erwartest, dass wir umkehren und Buße tun? Nun, da kannst du lange warten...".

Unter diesen verabscheuungswürdigen Verbannungszustand muss der Schlussstrich gezogen werden. "Nicht euretwegen tue ich es, Haus Israel" (36,22), denn ihr habt den Zustand der Vervollkommnung und Pracht noch nicht erlangt, "sondern meines heiligen Namens wegen, den ihr entweiht habt unter den Völkern, wohin ihr gekommen seid". Es tut mir leid um die Entweihung meines Namens, verursacht durch eure Zerstreuung unter die Völker. Die Entweihung des göttlichen Namens muss durch dessen Heiligung ersetzt werden. Wird dies durch Buße, Umkehr und Verwandlung in lauter Gerechte geschehen? Nicht ihr werdet die Heiligung meines Namens durchführen, sondern ich selber. "Und ich werde meinen großen Namen heiligen, der entweiht worden ist unter den Völkern, unter denen ihr ihn entweiht habt" (36,23). Dann werden es die Völker zwangsläufig erkennen "und die Völker sollen erkennen, dass ich der Ewige bin - ist der Spruch G~ttes des Herrn - wenn ich an euch geheiligt werde vor ihren Augen". Und wie offenbart sich diese Heiligung des göttlichen Namens? Ob ihr wollt oder nicht, werde ich euch nehmen und heimführen. "Und ich werde euch nehmen aus den Völkern, und euch sammeln aus all den Ländern, und euch nach eurem Lande bringen" (36,24). Einsammlung der Verbannten - kommt ersteinmal nach Hause und befreit euch von der Moderluft unreiner Völker. In demselben Maße, wie das Exil krankmacht, wirkt die Luft Erez Israels gesundend auf Körper und Seele, wie es einer unserer Vorfahren, Rabbi Jehuda Halevi, in einer seiner Kompositionen ausdrückte: "Leben der Seelen die Luft deines Landes". Die Luft Europas und des übrigen Auslandes ist nicht unsere Luft. Deshalb müssen wir zuallererst heimkehren und gesunde Luft atmen. Die Therapie beginnt auf Ebene der "atmenden Seele" durch Einsaugen klarer, reiner und natürlicher Luft, normaler Luft, milder Luft. Nach dieser ersten Behandlung der "atmenden Seele" werdet ihr eine zweite erhalten, in Form von "Spritzen": "Und [ich werde] auf euch sprengen reines Wasser" (36,25), und dadurch "werdet ihr rein sein von allen euren Unreinheiten". Danach kommt die dritte Behandlung - Herztransplantation: "Und ich gebe euch ein neues Herz" (36,26) - die wissenschaftlich-medizinische Fortsetzung der Behandlung.

Frage: Muss ich meine sämtlichen Körperteile austauschen?

Antwort: Nicht du. "Kinder seid ihr des Ewigen euren G~ttes" (Dt.14,1). Das ist nicht deine Aufgabe. Das erledigt der Herr der Welt für dich, der die Geschlechter lenkt und den Ablauf der Weltgeschichte prägt, "der die Menschengeschlechter berief vom Anbeginn" (Jes.41,4). Dies betrifft nicht einen vereinzelten Juden, sondern ganze Generationen. Die Sache entwickelt sich im Laufe von Generationen und nicht plötzlich eines schönen Morgens.

Weiter geht es mit "und einen neuen Geist geb' ich in eure Brust" (36,26) - Erneuerung. Langsam langsam schreitet die Erneuerung von Körper und Geist voran.

23. Die besondere Atmosphäre von Erez Israel

Die Luft von Erez Israel heilt und erneuert sowohl unseren Leib als auch unsere Seele. Ein treffliches Beispiel dafür ist eine Geschichte aus dem Leben eines der größten israelischen Rabbiner, Rabbi Schmu'el Salant sel., der lange Zeit als Oberrabbiner von Jerusalem diente. Er kam in der litauischen Stadt Salant zur Welt, von wo auch viele andere jüdische Größen stammten. Schon in frühester Jugend zeigte sich seine große Begabung, Lernfähigkeit und Geistesgröße. Er erkrankte jedoch an der Schwindsucht, und die Ärzte gedachten ihn an einen weltbekannten Herz- und Lungenkurort zu verschicken. Sein Zustand verschlechterte sich dermaßen, dass die Ärzte schon fast die Hoffnung aufgeben wollten, als einer der Professoren den Namen "Iluan" fallen ließ. Der Herr der Welt hat diesen Ort in Ägypten mit Luft von besonderer Heilwirkung ausgestattet. Man schlug Rabbi Schmu'el Salant vor, dorthin zu reisen. Er bemerkte, dass dies nicht weit von Erez Israel sei, und statt, wie verordnet, nach Ägypten zu fahren, ließ er sich in Jerusalem nieder und erklärte: Hier ist die Luft unsere Luft, der Erdboden unser Erdboden, die Landschaft unsere Landschaft - genau wie sie zu uns passen. Obwohl sein Zustand so schwierig war, steht es doch fest, dass er in Jerusalem das hohe Alter von 93 Jahren erreichte! Das macht die für Körper und Geist des jüdischen Volkes passende Luft.

24. Natürlichkeit des Glaubens

Fortwährend gesundet unser Geist. Im Laufe der Zeit wirst du dich selbst immer besser erkennen. Du sagst, dass du nicht glaubst, weil du nicht weißt, was Glaube wirklich ist. Wir sind ein Volk des Glaubens. So wurden wir geschaffen. "Der von allen Völkern uns erwählt hat". Hättest du dich als Teil dieses wunderbaren Volkes gesehen, hättest du nicht gesagt, dass du nicht glaubtest. Der Glauben beginnt nicht bei dir persönlich, auf individueller Ebene, von einem Tag auf den anderen, sondern beginnt in der außergewöhnlichen Erscheinung des jüdischen Volkes in der Geschichte der Welt.

Frage: Ich brauche mich darum also gar nicht zu kümmern?

Antwort: In der Tat, das kommt dem eben Gesagten sehr nahe. Dein individueller Lebensweg ist ein Teil der ewigen Beständigkeit Israels in der Geschichte. Ich und du, wir alle sind Teile dieses großen Volkes, Teile des Ewigen, "denn des Ewigen Teil ist sein Volk" (Dt.32,9). Wir sind groß, wie im Buche "Kusari" erwähnt, groß in Geist und Leiden. Diese grundlegende Tatsache darf nicht vergessen oder verwischt werden. Dies ist die wahre Bedeutung des Glaubens. Was du behauptest, du glaubtest nicht, zeugt nur von eingeschränktem, oberflächlichem Verständnis. Je weiter du nachforschst, desto mehr wirst du dich als Teil der ewigen Beständigkeit Israels erkennen. Aber unabhängig davon, ob du es erkennst oder nicht, bist du doch zwangsläufig ein Teil davon. Ich meine hier nicht eine Zwangsläufigkeit im Sinne von "religiöser Nötigung", sondern eine im göttlich-historischen Sinne. Der Glauben ist unsere Natur. Er beginnt nicht mit irgendjemandem, sondern befindet sich in unserem gemeinschaftlichen Nationalcharakter, im Wesen der Seele des Volkes Israel. In diesem Sinne ist der folgende Ausspruch meines Vaters [Rabbiner Awraham Jizchak HaKohen Kuk] zu verstehen: "Der nicht-gläubige Jude - selbst wenn er der größte Freidenker ist, den man sich vorstellen kann - ist gläubiger als der religiöseste Nichtjude". Je mehr du darüber nachdenkst, desto mehr wirst du dich als Teil dieses wunderbaren Volkes erkennen, das das Erstaunen der ganzen Welt und
selbst der Größten der Nichtjuden erweckt. Dieses Volk ist auch für seine guten Eigenarten in der Welt bekannt.

25. Gutherzigkeit

Den Nichtjuden ist die Gutherzigkeit der Juden bekannt. Ich will euch eine Geschichte erzählen, die sich während unseres Aufenthaltes im Ausland zur Zeit des ersten Weltkrieges zugetragen hat. In jenem Schweizer Ort gab es einen jüdischen Doktor namens Reichenbach. Er zeigte sich nicht besonders beeinflusst vom Judentum, weder im religiösen noch im national-zionistischen Sinne. Andererseits verheimlichte er sein Judentum nicht, alle wussten, dass er Jude war. In jener Zeit wütete eine Grippeepidemie. Eines Nachts klopft es bei ihm an der Tür. Er öffnet, und herein tritt eine alte Frau, die ihn bittet, zu ihr nach Hause zu kommen, da sich ihr Mann in schlimmem Gesundheitszustand befinde. Er zieht sich an und folgt ihr auf langem Wege in die Außenbezirke der Stadt. Verwundert fragt er sie: "Warum sind Sie diesen weiten Weg bis zu mir gekommen - in dieser Gegend gibt es doch viele Ärzte?" Worauf sie antwortet: "Ich wusste doch, dass Sie Jude sind und ein gutes Herz haben und sich nicht davor drücken würden, mit mir zu kommen". Die Nichtjuden wissen, dass die Juden ein gutes Herz haben, und diese Tatsache wird schon im Talmud erwähnt: Die Israeliten sind durch die Eigenschaften der Barmherzigkeit und der Mildtätigkeit gekennzeichnet (Jewamot 79a).

26. Rückkehr zur Selbständigkeit

Frage: Herr Rabbiner, wir hätten gerne eine Erklärung von Ihnen zum bevorstehenden Pessachfest.

Antwort: Das Pessachfest heißt auch "Zeit unserer Freiheit". Wir waren Sklaven gewesen; das ist im menschlichen Sinne ein unnormaler Zustand. Beim Auszug aus Ägypten erlangten wir den Normalzustand, gemäß unserem Verständnis, im Sinne des Erkennens unserer Selbständigkeit. Dieser Normalzustand offenbart sich seit frühesten Generationen bis auf den heutigen Tag in grandioser Weise durch die Einsammlung der Verstreuten, Erlösung des Landes und des Volkes, durch physische und kulturelle Befreiung, durch Offenbarung der gesamten Tora und aller Gebote. Das Judentum entwickelt sich weiter und verändert dabei langsam sein Format. "Ein Tag spricht dem nächsten das Wort zu" (Ps.19,3). Wer genau beobachtet, erkennt den Prozess der Rückkehr zum Volke Israel und zur Tora in ihrer Gesamtheit. "Denn meine Knechte sind sie" (Lev.25,42/55). Wir sind Knechte G~ttes, Knechte des Schöpfers der Welt, die eine Aufgabe zu erfüllen haben. "Sie sind meine Knechte, und nicht Knechte von Knechten" (B.B. 10a). G~tt untergeben zu sein ist die erhabenste Form der Freiheit (vergl. Awot 6,2). Das wahre Verständnis von Glauben durch Geist, Verstand und Gefühl beginnt mit der grundlegenden Tatsache, dass wir ein Teil dieser Nation sind. Darauf beruhen alle Details der Tora und damit der Gebote. Die zehn Bußtage [von Neujahr bis Jom Kippur] sind Tage der Vorbereitung, aber noch viel nötiger ist die Vorbereitung auf die Zeit unserer Freiheit. Wir sind keine Untergebenen der Nichtjuden und auch nicht ihrer Kultur unterworfen. Wir sind auf dem Wege, uns zu befreien, wir sind auf dem Wege, freiheitlich zu werden. Jetzt haben wir die Fähigkeit erlangt, uns selbst zu erkennen, die Größe vollkommenen Glaubens, der uns von Kopf bis Fuß erfüllt, ob wir uns dessen gegenwärtig sind oder nicht.

27. Einheit Israels

Böswillige und unverständige Leute bezeichnen solche Ansichten als Rassismus. Es stimmt, wir sind "rassistisch" in dem Sinne, dass wir auf unsere "Rasse" stolz sind, auf unsere Natur, auf unseren Vorvater Awraham, bei dem unsere Auserwähltheit ihren Anfang nahm. "Du bist der Ewige G~tt, der du Awram erkoren.." (Neh.9,7). Diese Offenbarung und Einwirkung der Göttlichkeit dauert bis auf den heutigen Tag und in alle Geschlechter an. Man kann seine Augen nicht vor tatsächlich bestehenden "Rassen" verschließen, auch die Nichtjuden müssen dies anerkennen. Unser Wesen steht und fällt nicht damit, ob ein Jude glaubt oder nicht glaubt, diese oder jene Gebote erfüllt. Alle Gebote sind nur Details des allumfassenden Begriffes von Israel und Tora. Nur mit diesem Oberbegriff im Gedächtnis hat die Fortführung der Details überhaupt eine Bedeutung. Durch die Offenbarung G~ttes in allen Generationen der Gemeinschaft Israels hat auch die Seele jedes Einzelnen Anteil an der göttlichen Präsenz. Religiosität oder Nicht-Religiosität sind nur Abstufungen in der Zustandsbeschreibung. Der allumfassende Grundsatz "Kinder seid ihr des Ewigen eures G~ttes" offenbart sich durch alle Geschlechter und besonders in den letzten Generationen. Je stärker sich der Mensch dessen bewusst wird, desto gesünder und vollkommener wird er an Körper und Geist, indem sich diese Erkenntnis in seinem Lebensweg widerspiegelt. Die Vorbereitung zur Begegnung mit deinem Selbst beginnt nicht beim Psalmenheft in deiner Tasche, sondern bei den Psalmen deines inneren Wesens, deiner Natur, d. h. deiner Zugehörigkeit zur Einheit Israels, der Quelle des Glaubens und aller Gebote.

28. Sein Volk Israel in Liebe

Von hier gelangen wir zum alles einschließenden Segen, mit dem der Schöpfer der Welt uns bedacht hat - "der sein Volk Israel in Liebe erwählt" (aus dem tägl. Morgengebet) - dies bezieht sich auf uns alle! Er ist der Ursprung für den Priestersegen über Israel, der mit folgenden Worten eingeleitet wird: "...der uns durch seine Gebote geheiligt und uns geboten hat, sein Volk Israel in Liebe zu segnen". Dies ist ein ganz besonderer Ausdruck, der bei keinem anderen Gebot vorkommt. Diese Worte sind nicht so dahergesagt, sondern bedeuten, dass es einen besonderen Teil im Volke Israel gibt, der mit besonderen Werten und Eigenschaften, Fähigkeit und Auftrag ausgestattet ist, so in Wahrheit zu segnen, aus vollem Herzen, Seele und Erkenntnis. Die Kohanim (Priester) erfüllen dieses Gebot in dem Wissen, dass wir das auserwählte Volk, das Volk der Ewigkeit und das Volk G~ttes sind - und dies ist das Fundament der ganzen Tora.

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Zusammenfassung:

1. Eine Betrachtungsweise unseres Wesens nur unter den Aspekten der Religiosität, Ausführung von Geboten und Nähe zu den Schriften ist ein grundlegender Irrtum. Unser besonderes, einziges Wesen beginnt mit der Auserwähltheit, "der von allen Völkern uns erwählt hat".

2. Auch die Weitblickendsten unter den Nichtjuden erkannten unsere Besonderheit unter den Völkern an. Selbst im wüsten, antisemitischen Deutschland schrieb einer der unverdorbenen Denker, dass wir zwischen den niederträchtigen Völkern der Erde ein Mysterium darstellen.

3. Entgegen einer oberflächlichen und beschränkten Weltanschauung sehen wir die Geschichte als unter der systematischen Lenkung aller Geschlechter aller Zeiten durch den Schöpfer der Welt. "Gedenke der Tage der Urzeit, erwäget die Jahre vergangener Geschlechter".

4. "Da der Höchste den Völkern Besitz gab..". Die Oberlenkung des Schöpfers der Welt weist den verschiedenen Teilen der Menschheit unterschiedliche Positionen auf dem Erdball zu.

5. "... da er abteilte die Menschensöhne". Gemäß Vorsehung des Höchsten hat sich die Geschichte der sich in Völker aufteilenden Menschheit ständig weiterzuentwickeln.

6. "... stellt er fest Grenzen der Völker". Es entstehen fest abgegrenzte Staaten. Auch wir sind ein besonderer Teil der Menschheit mit entsprechender Zugehörigkeit zu seinem vorbestimmten Platz auf dem Erdball.

7. Wir sind ein besonderes Volk, Träger einzigartiger Eigenschaften, nicht etwa durch Zufall, sondern durch göttliche Bestimmung, dadurch Volk der Tora. In der Seele dieses Volkes verwurzelt ist die Macht des Ewiglichen. Wir sind die Hartnäckigen unter den Nationen, trotz aller Leiden und Vertreibungen nicht zu besiegen, und das, obwohl wir nur wenige an Zahl sind. Das ist unsere Stärke: Die Ewiglichkeit Israels, die keiner Änderung unterworfen ist.

8. "..nach Anzahl der Kinder Israels". Alle Schattierungen der Menschheit sind auf der Erde entsprechend dem zentral-universalen Punkt angeordnet, der ihnen das Licht des Glaubens und der Erkenntnis ausstrahlt.

9. Wir glauben nicht an den Zufall. Der Herr der Welt hat seine Welt nicht sich selbst überlassen, sondern überwacht sie und offenbart sich von Mal zu Mal durch das jüdische Volk, "denn des Ewigen Teil ist sein Volk..", und "ihr seid meine Zeugen".

10. Es gibt durchaus Perioden, in denen die Gebote nicht in aller Vollständigkeit eingehalten werden. Dies ist jedoch eine vorübergehende Erscheinung, "sein Zorn währt einen Augenblick". Sie kann die Permanenz des göttlichen Faktums "das Volk, das ich mir gebildet", einen zentralen Punkt von allgemeinem Wert für die Völker, nicht annullieren.

11. Wissenschaft und Psychologie entwickeln sich weiter. Tiefgreifender als die Freud'sche Psychoanalyse ist die Psychologie der Völker, die die Eigenschaften einer Volksseele aufdeckt und ihren sozialen Wert bestimmt. Dies ist der Ausgangspunkt für die besondere Psychologie des "Volkes, das ich mir gebildet", ein Grundsatz, der über die temporären Leiden hinausreicht.

12. Der berühmte Dichter Schiller schreibt, dass keine Unterdrückung und keine Qualen des Exils, die diesem universal-historischem Volk widerfahren, dessen Verdienst und dessen Einfluss auf den Lauf der Weltgeschichte schmälern können.

13. Die Heilung von den Leiden des Exils hat mit G~ttes Hilfe begonnen. Dieser Gesundungsprozess findet nicht an einem einzigen Tag statt, sondern dauert mehrere Generationen, in deren Mitte wir uns z. Zt. befinden.

14. Unser Wesen beschränkt sich nicht auf einen vereinzelten Juden oder einen bestimmten Moment, sondern kommt in unserer Eigenschaft als einzigartiges Volk auf Erden und seiner besonderen Volksseele zum Ausdruck.

15. Wir leiden und wir obsiegen von Anfang an bis in alle Ewigkeit. Andere Völker wie z. B. Griechenland oder Spanien, die einst bedeutende Machtpositionen in der Welt einnahmen und sie missbrauchten, liegen in ihrer Bedeutung weit hinter dem Volke Israel.

16. Goethe schreibt, dass die göttliche Lenkung den Weg der gesamten Menschheit ordnet im Lichte von Chronik und Geschichte Israels, des einzigartigen universalen Volkes.

17. Nietzsche hasste und verdammte in seiner Größe jeden Glauben und Moral, darum war er allen verhasst. Er erdreistete sich zu sagen, dass Gott tot sei, womit er den Gott der Nichtjuden, den des Neuen Testaments meinte. Ebenso bezeichnete er es als das furchtbarste Verbrechen, in einem Band das "Alte Testament" mit dem neuen zu vereinigen.

18. Unsere Bestimmung muss also jetzt aus unserer Zugehörigkeit zum Volk der Ewigkeit heraus geklärt werden, das nicht erst bei diesem oder jenem Juden beginnt, sondern bei der alles umfassenden Seele der Gemeinschaft Israels.

19. Nietzsche definierte die Moralität des Glaubens als Sklavenmoralität gegenüber einer Weltanschauung der Größe. Die Religion der Nichtjuden verkleinerte die Gottheit, und jener Gott ist wirklich tot. Demgegenüber sind wir dem großen, mächtigen und furchtbaren G~tt verbunden, dem Lenker der Welt und aller Geschlechter. Deshalb leben und bestehen wir, obsiegen und haben Einfluss in der Welt.

20. Das Wesen des Volkes Israel ist keine tagespolitische Erscheinung und nicht mit dem identisch, was aus den Religionsspalten der Zeitungen hervorgeht. Gleichfalls erkannten wichtige und kultivierte Nichtjuden an, dass das ewige Land dem ewigen Volk gemäß der Bibel zustehe. Wir bestehen seit frühester Zeit und überdauern die einander ablösenden Geschlechter und die Wechselfälle der Geschichte.

21. Das Bekenntnis eines Juden, nicht zu glauben, stellt einen Irrtum in seiner Selbsterkenntnis dar, denn der Glaube fängt nicht bei dem Einzelnen an, sondern in der Psychologie des jüdischen Volkes, das von Anfang an als Volk von Gläubigen erschaffen wurde, und jeder einzelne Jude hat seinen bestimmten Anteil an der Gemeinschaft Israels.

22. Wir müssen uns selbst entdecken und insbesondere den Prozess unserer Erneuerung erkennen. Das jüdische Volk bewohnte seinen ihm zugedachten Platz auf dieser Erde, aber seine Verstrickung in die drei Hauptsünden Blutvergießen, Götzendienst und Inzest verunreinigte das Land, verursachte dem Herrn der Welt unerträgliches Leid und Zorn. Daher vertrieb er uns und zerstreute uns unter die Völker, was eine Entweihung des heiligen Namens mit sich brachte: die Völker der Welt begannen sich über das enorme Paradox zu wundern, dass das Volk G~ttes sich nicht im Lande G~ttes befand. Daher muss G~tt diesem Zustand zwangsläufig ein Ende setzen, nicht, weil Israel plötzlich Buße tut und sich in lauter Gerechte verwandelt, sondern wegen der Verunglimpfung seines Namens. Deshalb bringt er sie zurück auf ihren Flecken Erde. Die "Beatmung" mit dem feinen und reinen Lichte des uns natürlichen Landes ist die erste Behandlung auf dem Wege unserer Gesundung. Die zweite Stufe ist das "Spritzen" des Wassers der Reinheit, und die dritte die "Einpflanzung" eines neuen Herzens und neuen Geistes. Diese Entwicklung ist nicht Sache eines einzelnen Juden, keine plötzliche Erscheinung, sondern eine vom Herrn der Welt geplante und über Generationen hinweg sorgfältig gelenkte Erneuerung.

23. Rabbi Schmu'el Salant schwebte in Lebensgefahr. Statt in einen ausländischen Luftkurort zu reisen, siedelte er sich in Jerusalem an, wo er ein hohes Alter erreichte. Diese Tatsache ist der Luft von Erez Israel zuzuschreiben, die auf uns abgestimmt ist und wir in ihr an Leib und Seele gesunden.

24. Der Glauben beginnt nicht beim individuellen Juden, sondern ist in der Natur des jüdischen Volkes verwurzelt. Die Lesart "nicht-gläubiger Jude" ist oberflächlich, denn jeder Jude ist ein Teil des jüdischen Volkes, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Daher gehört der Glauben zu seiner Natur, viel mehr, als der gläubigste Nichtjude persönlich je erreichen kann.

25. Ein gutes Herz ist eine der wesentlichsten Eigenschaften Israels, und so wissen auch die Nichtjuden, dass ein Jude eifrig und nicht schleppend anderen Güte erweist.

26. Das Pessachfest symbolisiert die Zeit unserer Befreiung, die Zeit der Erkenntnis unserer Selbständigkeit, durch die wir zum Dienst an G~tt und damit zur höchsten Stufe der Freiheit gelangen. Es ist die Stunde der Bereitschaft zur Selbstbefreiung von den Nichtjuden und Rückkehr zur Unabhängigkeit, was sich in besonderem Maße im Zeitalter der Erneuerung offenbart.

27. Man kann sich nicht vor der Anerkennung der tatsächlichen Existenz unserer besonderen "Rasse" und unserer besonderen Natur drücken, die in der Auserwählung unseres Vorvaters Awraham wurzelt. Religiosität bzw. Nicht-Religiosität stellen nur Abstufungen innerhalb der alle umfassenden Gemeinschaft Israels dar, die sich in allen Generationen offenbart, besonders aber in unserer. Je weiter sich diese Erkenntnis vertieft, desto mehr gesundet der jüdische Mensch an Geist und Körper.

28. Der Schöpfer der Welt "erwählt sein Volk Israel in Liebe", worauf die von den Priestern (Kohanim) auszuführende Segnung des Volkes beruht. Dieser besondere Teil des jüdischen Volkes hat die Fähigkeit und den Auftrag, wahrhaftig "sein Volk Israel in Liebe zu segnen", aus vollem Herzen und mit ganzer Seele und in dem Bewusstsein, dass wir das auserwählte Volk, die Repräsentanten der göttlichen Einzigartigkeit sind.

 

Anmerkung: Die von deutschen Autoren zitierten Aussprüche sind aus dem Hebräischen zurückübersetzt und können daher vom Original, das nicht vorlag, abweichen. Quellenhinweise nimmt die Redaktion dankbar entgegen.

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