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Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

Die folgenden Angaben sind einem Antwortbrief an eine Gemeinde entnommen und sollen dem Leser praktische Anhaltspunkte bieten. Sie stellen jedoch keinen "Psak Halacha" dar. In jedem Zweifelsfalle ist unbedingt der zuständige örtliche Rabbiner zu konsultieren.

1. Bedikat Chametz am Donnerstagabend wie jedes Jahr

2. Verbrennen des Chametz (außer dem, das noch später gegessen werden soll) am Freitagvormittag (wünschenswert), dieses Jahr auch später möglich, auf jeden Fall vor Schabbat. Der Text des "Bitul Chametz", der normalerweise gleich nach dem Verbrennen gesagt wird, wird dieses Jahr erst am Schabbatvormittag gesagt. [Anm.: Dieser Text ist kein Gebet und muss in einer Sprache gesagt werden, die der Betreffende versteht.]

3. Umstellung des Hauses auf Pessach-Betrieb

Haus und Küche werden wie jedes Jahr rechtzeitig, d.h. einige Tage vorher, auf Pessach-Betrieb umgestellt.
Obwohl es theoretisch möglich ist, bis zum Schabbatvormittag Chametz zu essen - genau bis zum Ende des ersten Drittels der Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang an diesem Schabbat - ist davon jedoch dringend abzuraten, da die Beseitigung von Chametz und die Reinigung des Geschirrs am Schabbat problematisch sind (siehe unten).

4. Vorkochen

Das Essen für Schabbat ist bereits vollständig pessachdik zu bereiten. Die Mahlzeiten für die ersten beiden Feiertage können ebenfalls vorgekocht werden, brauchen aber nicht auf Warmhalteplatten o.ä. über Schabbat gehalten zu werden.
Mahlzeiten für Feiertage, die nicht auf Schabbat fallen, dürfen an dem Feiertag, an dem sie verzehrt werden sollen, gekocht oder aufgewärmt werden. Dabei sind lediglich die folgenden Regeln zu beachten:
Verboten - Entzünden von Feuer (z.B. Streichholz anreißen) 
Löschen von Feuer (z.B. Vermindern oder Abdrehen einer Gasflamme)
Ein- und Ausschalten von Strom
Erlaubt -  Anzünden von Feuer an einer schon bestehenden Flamme (z.B. Jahrzeitkerze, die vor Schabbat angezündet wurde)
Höherdrehen einer Gasflamme
Ein- und Ausschalten von Strom (z.B. für Herd oder Ofen) durch eine vor Schabbat angebrachte Zeitschaltuhr ("Timer")

5. Beseitigen von Chametz am Schabbat

Die beste Form der Beseitigung von Chametz am Schabbat ist natürlich, es vor dem oben genannten Zeitpunkt aufzuessen. Ansonsten sind Chametzreste im
Ausguss oder der Toilette wegzuspülen.
Das Herausbringen des Chametz aus dem Haus (z.B. zum Müllcontainer) ist am Schabbat nur dort erlaubt, wo ein Eruw besteht.

Weitere Möglichkeiten:
- einem Nichtjuden schenken
- an ein Haustier verfüttern
- in einen Eimer mit scharfer Reinigungsflüssigkeit o.ä. geben, die das Chametz für den Genuss durch Mensch und Tier absolut unbrauchbar macht.
Dieser Eimer (oder sonstiges Gefäß) ist vor Schabbat vorzubereiten und dessen Inhalt nach dem zweiten Feiertag zu beseitigen.
Das für Chametz benutzte Geschirr darf am Schabbat nur gespült werden, wenn es noch zum Essen von Früchten o.ä. gebraucht wird. Anderenfalls ist es lediglich abzuwischen und an einem unzugänglichen Ort aufzubewahren. Mit den Chametzresten ist wie oben zu verfahren.
Alle diese Aktivitäten haben bis zum unter 3. genannten Zeitpunkt zu erfolgen.

6. Challa und Matza

Wie in 3. und 4. bereits erwähnt, sollte der Gebrauch von Chametz nach dem Verbrennen am Freitag vollkommen vermieden werden.
Andererseits darf an Erew Pessach keine Matza gegessen werden. Dieses Verbot bezieht sich jedoch nur auf die normalen aus Mehl und Wasser zubereiteten Matzot.
Anstelle der Challot kann die sogenannte "Matza Aschira" (wörtl.: "reiche Matza") verwendet werden. Diese ist koscher lepessach aus Mehl und Ei, Wein oder Fruchtsaft, aber ohne Wasser, zubereitet und in Israel leicht zu beschaffen; sie dürfte in anderen Ländern über die einschlägigen Importeure bezogen werden können.
Notfalls kann für die Mahlzeit am Freitagabend normale Matza verwendet werden, aber auf keinen Fall am Schabbat-Tag.
Wer unbedingt Chametz-Challa verwenden will oder muss, sollte dies nur auf besonderer Unterlage (Plastik) und bei höchster Vorsicht tun, um die unkontrollierte Verbreitung von Krümeln (z.B. durch Kleinkinder) zu vermeiden.

7. Die dritte Schabbatmahlzeit (Se'udat Schlischit, "Schaleschudes")

Zur dritten Mahlzeit sollte nur wenig gegessen werden und dies mindestens drei Stunden vor Sonnenuntergang, um sich den Appetit für den Seder nicht zu verderben.
Wer am Schabbatmorgen Challa isst, kann nach dem Tischgebet und einer kurzen Unterbrechung (Spaziergang, lesen) eine weitere Challa-Mahlzeit einnehmen (ebenfalls mit Händewaschen, "Hamozi" und Tischgebet), sofern diese vor dem unter 3. genannten Zeitpunkt beendet wird, womit er der Pflicht der drei Mahlzeiten Genüge getan hat.
Da die gesetzliche Zeit für die dritte Mahlzeit jedoch der Nachmittag ist (an dem bereits Chametzverbot besteht), ist dieses Verfahren, auch aus anderen offensichtlichen Gründen, nicht ideal.
Vorzugsweise sollte die dritte Mahlzeit am frühen Nachmittag über "Matza Aschira" (siehe oben) gehalten werden (nur Sefaradim).
Wo dies nicht möglich ist, verwende man Fleisch, Fisch und/oder Obst.
Kuchen oder Kekse aus Matzemehl dürfen an Erew Pessach ebenso wie reguläre Matza nicht gegessen werden (Ausnahme: Matzeklöße).

8. Verkauf von Chametz

Im Unterschied zu anderen Jahren ist der Vertrag so zu formulieren, dass der Verkauf eine Stunde vor Schabbateintritt gültig wird. Ferner ist Gültigkeit des Verkaufes dieses Jahr einen Tag länger als sonst.
In Israel wird der Verkauf des Chametz an Nichtjuden zentral durch das örtliche Rabbinat bzw. den zuständigen Rabbiner vorgenommen, so dass der Einzelne sein Chametz unter Angabe des Aufbewahrungsortes dem Rabbiner oder dessen Bevollmächtigtem übereignet, der alles Weitere erledigt.

Der Verkauf von Chametz stellt eine komplizierte Transaktion dar, bei der, um ihr gesetzliche Wirksamkeit zu verleihen, die Beteiligten genau verstehen müssen, was sie tun.
Insbesondere den "Neueinwanderern" ist wohl kaum zuzumuten, einen in allen halachischen Einzelheiten korrekten Verkauf selbst durchzuführen.
In den meisten Fällen dürfte man bezüglich des Verkaufes von Chametz auf die Erfahrung von Vorjahren zurückgreifen könnten.
Falls Ihre Gemeinde aus welchem Grund auch immer keinen zentralisierten Verkauf organisieren kann, sollten Sie die Mitglieder an ein benachbartes Rabbinat verweisen.

Es gibt übrigens keine Mitzwa, Chametz zu verkaufen. Vielmehr ist es weit wünschenswerter, sein Chametz vor Pessach aufzuessen bzw. auszutrinken (Bier, Whisky - Purim ist dazu eine gute Gelegenheit) und etwaige Restbestände zu vernichten oder einem Nichtjuden zu schenken.
Der Verkauf von Chametz war ursprünglich nur für Händler gedacht, für die die Vernichtung des Chametz den wirtschaftlichen Ruin bedeutet hätte. Die meisten Privathaushalte können durch etwas Vorausplanung ohne Chametzverkauf auskommen, wobei der finanzielle Verlust, wenn überhaupt, gemessen an den übrigen Ausgaben für das Fest zu vernachlässigen ist. Auf der anderen Seite steht der Gewinn des guten Gewissens, die Festmitzwot ohne halachische Tricks (Ha'arama) zu erfüllen.

Chag Ssame'ach!

Folgend eine Kurzfassung der Halachot für Erew Pessach am Schabbat, wie von Rabbiner Mordechai Elijahu, dem früheren sefardischen Oberrabbiner Israels, in seinen Erklärungen zum Wochenabschnitt "Kol Elijahu" Nr. 324 /Parschat Wajikra 5761 veröffentlicht (übersetzt aus dem Hebräischen; Anmerkungen in eckigen Klammern sind im Original nicht enthalten):

1. Das Fasten der Erstgeboren  am Donnerstag (12. Nissan)

2. Bedikat Chametz [Chametz suchen] am Donnerstagabend und gleich danach den üblichen "Bitul Chametz" sprechen

3. Verbrennen des Chametz (außer dem, was noch am Freitag, Freitagabend und Schabbatmorgen gegessen werden soll): wie an jedem Erew Pessach bis zur fünften Stunde [nach Sonnenaufgang]. So ist vorzugsweise zu handeln; im Notfall darf das Chametz bis zum Zünden der Schabbatlichter verbrannt werden.

4. Es wäre gut, das Essen für Schabbat im Pessachgeschirr zu kochen. Es wäre gut, Einweg-Tischdecken aus Nylon bereitzuhalten, die auf dem Tisch und unter dem Tisch auszubreiten sind, Einweg-Teller und -Besteck sowie zwei Sätze Schabbat-[bzw. Jontef-] Kerzen.

5. Alles Chametzgeschirr am Freitag wegschließen.

6. Man sollte an diesem Schabbat besonders früh beten und die zweite Schabbatmahlzeit vor der vierten Stunde des Tages essen.

7. Wenn man an einem Ort mit Eruw wohnt, sollte man die Einwegtischdecken und -geschirr/-besteck gleich nach der Mahlzeit in den Mülleimer auf der Straße werfen, und wenn noch Chametz übriggeblieben ist, krümele man es in die Toilette. Gleich danach spricht man den "Bitul Chametz" "Kol chamira..".

8. Man ziehe den Kindern und sich frische Kleider an.

9. Man bete frühzeitig Mincha und spreche die Vorschriften des Pessachopfers.

10. Es wäre gut, eine warme Mahlzeit für die "dritte Mahlzeit" bereitzuhalten, und darin gekochtes Matzemehl [=zermahlene Matza; z.B. Matzeklöße], und man kann Fleisch oder Fisch oder Geflügel oder Früchte, für die das Land Israel berühmt ist [Weintrauben, Datteln, Granatäpfel, Oliven, Feigen] oder sonstiges Gemüse essen, fülle aber nicht seinen Bauch damit. Und man sollte sie bis etwa drei Stunden vor Sonnenuntergang essen.

11. Man sollte sich gut ausruhen und auch die Kinder, aber nicht aussprechen "damit wir heute abend wach bleiben".

12. Im Abendgebet beim Schabbatausgang/ersten Pessachfeiertag bete man das Gebet für Feiertage und füge "Vetodi'enu" anstelle des sonst am Schabbatausgang üblichen "ata chonantanu" ein.

13. Wer im Gebet nicht "Vetodi'enu" sagte, oder eine Frau, die kein Abendgebet betete, darf selbst nach Sternenaufgang keine am Feiertag erlaubte [und am Schabbat verbotene] Arbeit verrichten, bis sie "baruch hamawdil bejn kodesch lekodesch" gesagt haben.

14. Der Sedertisch darf nicht am Schabbat hergerichtet werden.

15. Die Hausherrin zündet die Feiertagslichter nur von einem Feuer, das den ganzen Schabbat über gebrannt hat, und spricht die üblichen Segenssprüche.

16. Im Kidusch der Sedernacht fügt man zwei Segenssprüche ein: "Meorej ha'esch" über die Kerze und "hamawdil bejn kodesch lekodesch", wie im Machsor und in der Hagada abgedruckt.

 

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