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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NOACH
Nr. 1242
4. Marcheschwan 5780


Diese Woche in der Tora (Gen. 6,9-11,32):

Sittenverfall, Bau der Arche, Sintflut 150 Tage, Neubesiedlung der Erde, noachidische Gebote, Noach betrunken, Sünde Chams, Nachkommen Schem, Cham und Jafets, Turmbau zu Babel, Sprachenverwirrung, die Generationen bis Awra(ha)m und Sara(i).

Haftara: Jeschajahu 54, 1-17, 55, 1-5


Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH (zugänglich über das HAUPTMENÜ):
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Israel, der Westen und der Islam
Die beschleunigte Herbeiführung der Erlösung
Die heutigen Götzen
Das dreiteilige Jerusalem?

Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozess
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 



Am Schabbes-Tisch...


Die Religion der Bnej Noach

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Können gleichzeitig mehrere wahre göttliche Religionen existieren? Rabbiner Josef Albo (jüdischer Philosoph und Rabbiner, Spanien, 15. Jh.) gibt darauf eine auf den ersten Blick höchst überraschende Antwort (Sefer Ha-Ikarim, "Buch der Grundsätze"), die allerdings nach tiefgehender Überlegung durchaus plausibel erscheint. Er behauptet, dass es grundsätzlich kein Problem bei mehreren parallel existierenden wahren Religionen gibt, nur dass sie nicht im Widerspruch zu fundamentalen Prinzipien stehen und sich nur in ihren Weisungen unterscheiden, weil sie sich an unterschiedliche Gruppen von Menschen wenden. Natürlich lässt sich aus seinen Worten keine Legitimation dafür herauslesen, neue Religionen zu erfinden, vielmehr zeigt er die Möglichkeit auf, dass es mehrere Religionen geben kann, die vom Herrn der Welt ausgehen.

Nach Aufstellung dieser theoretischen Regel gelangt Rabbiner Josef Albo zum Schluss, dass es praktisch nur zwei mögliche wahre Religionen gibt - die Tora Moschehs, die das Volk Israel leitet, und die Religion der Bnej Noach ("Kinder Noachs", Noachiden), die die übrige Menschheit anleiten soll. Es ist also klar, dass kein Widerspruch zwischen der Religion der Bnej Noach zu den Fundamenten des Glaubens in der Tora Israels besteht, nur dass sich die beiden Religionen auf der Ebene des Einzelnen unterscheiden, wobei der Unterschied auf der Zielperson und dessen Ort beruht - das Volk Israel im Land Israel, und die übrigen Völker im Rest der Welt. Im Gegensatz zur Religion der Bnej Noach erfüllt das Christentum allerdings nicht die genannten Bedingungen, da es der Einheit G~ttes und der göttlichen und unabänderlichen Erwählung des Volkes Israel widerspricht, ebenso der Islam, der behauptet, die Tora Moschehs sei abgeschafft (siehe Tal Orot, HaRav Schlomo Aviner). Im Allgemeinen bedeuten die Erfindung von Götzendiensten und selbstgemachten Religionen in billiger Nachahmung des Judentums ein Abweichen vom göttlichen Befehl an die Völker und bringen die Welt in Verwirrung. "Ohne Zweifel erreichten aber die Völker vermittelst des Noachidischen Gesetzes die menschliche Vollkommenheit, wenn auch nicht in dem Grade, in welchem Israel sie vermittelst seiner Lehre erreicht. So sagten die Rabbiner: 'Die Frommen unter den Heiden haben Anteil am Jenseits'" (Sefer Ha-Ikarim I,25).

Folgendes schrieb Maimonides: "Sechs Dinge wurden dem Ersten Menschen geboten: a) das Verbot des Götzendienstes, b) das Verbot, G~tt zu fluchen, c) das Verbot des Mordens, d) das Verbot von Inzest und Ehebruch, e) das Verbot des Stehlens, f) das Gebot, Gesetze zu erlassen und Gerichte einzusetzen. Obwohl wir alle diese Gebote von Moscheh erhielten und auch der Verstand dazu neigt, ergibt sich aus den Worten der Tora, dass diese [Adam] geboten wurden. Das Verbot, Fleisch von einem lebenden Tier zu essen, wurde Noach hinzugefügt, wie es heißt (Gen. 9,4): Doch Fleisch mit seinem Leben, seinem Blute, sollt ihr nicht essen. Alles in allem sieben Gebote" (Gesetze von Königen und Kriegen 9,1; siehe Sanhedrin 56a). Diese sieben allgemeinen Gebote teilen sich in dreißig detaillierte Gebote (Chulin 92a). Manche fügen alle Gebote hinzu, die verstandesmäßig erklärbar sind. Auf jeden Fall sind es weniger als die 613 Gebote der Tora, obwohl bei einigen strengere Vorschriften gelten.

Ferner beschäftigte sich Rabbiner Josef Albo mit der Frage, ob sich eine göttliche Religion für eine bestimmte Nation zu bestimmten Zeiten ändern kann? Seine überraschende Antwort lautete: Ja. Auch wenn die Änderung nicht durch den Religionsgeber erfolgt, da sich sein Wille nicht ändert, kann sie doch durch eine Änderung in der Bereitschaft des Empfängers erfolgen. Wie zum Beispiel ein Arzt die Behandlung ändert, wenn der Patient schon etwas von seiner Krankheit erstarkt ist, und erlaubt, was er ihm vorher verboten hatte, und verbietet, was er ihm vorher erlaubt hatte. Das bedeutet ja nicht, dass der Arzt seine Absicht geändert habe, sondern der Zustand des Kranken. Ebenso bei einem Säugling, der, wenn er größer wird, Dinge essen darf, die ihm vorher verboten waren. "...weil die Vollkommenheit eines jeden Meisters gehört, dass er sein Werk nach den Anlagen der Empfänger einrichte, je nachdem diese Anlagen verschieden sind, wird auch jenes verschieden ausfallen, ohne dass deshalb eine Veränderung im Künstler selbst notwendig wäre" (III,13).

Darum wurden dem Ersten Menschen zuerst sechs Gebote erteilt, wie oben bei Maimonides aufgeführt, und Noach und seinen Nachkommen wurde der Verzehr von Lebewesen erlaubt, was dem Ersten Menschen verboten war. "Das Verbot, Fleisch von einem lebenden Tier zu essen, wurde Noach hinzugefügt, wie esheißt: Doch Fleisch mit seinem Leben, seinem Blute, sollt ihr nicht essen" (s.o.). Ein weiteres Beispiel für so eine Änderung finden wir auch im Verhältnis zum Volk Israel im Gebot "Du sollst dir keinen Opferstein aufrichten, den der Ewige, dein G~tt hasst" (Dt. 16,22), "obschon er ihm in den Tagen der Stammväter wohlgefällig gewesen ist" (Sifri; siehe Raschi zur Stelle). "Sogar zu Moschehs Zeiten, da er in der Stunde der Gesetzgebung einen Altar am Fuße des Berges erbaute und zwölf Standsäulen aufstellte für die zwölf Stämme Israels, was erst in den Gefilden Moaws im vierzigsten Jahr untersagt wurde" (Sefer Ha-Ikarim III,14).

Natürlich ist dem Menschen verboten, Änderungen vorzunehmen, was den Reform- und Konservativbewegungen durcheinander geriet, vielmehr liegt es nur in G~ttes Hand, seinem Willen entsprechend Änderungen vorzunehmen. Denn das Gebot: "All dasjenige, was ich euch gebiete, sollt ihr beobachten zu tun; tue nichts hinzu und nimm nichts davon" (Dt. 13,1), "...es wäre dann nur verboten, dass wir nicht nach unserem Gutdünken die Gebote vermehren oder vermindern dürfen, keineswegs wäre aber dieses zu tun der G~ttheit benommen, wenn es Ihre Weisheit für zweckmäßig befinden sollte" (Sefer Ha-Ikarim III,14).


Kinder, Kinder...

Wie denkst du über deine Eltern?


Rav Lior Engelmann 

lehrt an MACHON MEIR, in Kfar Saba und in Ra'anana

Was war da zwischen Cham und Noach passiert, bis dass der Vater seinen Sohn verfluchte, und sogar seinen Enkel: "Verflucht sei Kena'an! Ein Knecht der Knechte sei er seiner Brüder" (Gen. 9,25)? Die talmudischen Weisen erwähnen einige grausige Möglichkeiten von physischen Angriffen, die der Sohn am Vater verübte, denn es gehört schon eine schreckliche Tat dazu, so einen Fluch zu rechtfertigen. Diese Tat und Noachs Reaktion darauf hatten entscheidenden Einfluss auf das Schicksal vieler Völker; die Völker Kena'ans seien verflucht. Schem, der das Bedecken seines Vaters mit einem Kleidungsstück einleitete, ward gesegnet, genauer gesagt entpuppte er sich als ein Mensch des Glaubens, und darum segnete Noach "gepriesen sei der Ewige, G~tt Schems" (V.26), und Jafet wurde geboten, sich von nun an an die gute Führung Schems zu halten, so wie er sich ihm in jener Stunde angeschlossen hatte: "Gemüter öffnet G~tt dem Jafet, wohnt jedoch in Hütten Schems" (V.27).

Und vielleicht, wie Rabbiner S.R.Hirsch erklärt, verletzte Cham seinen Vater gar nicht auf physische Weise, er "verstümmelte" ihn nicht und er "missbrauchte" ihn nicht, wie Raschi gemäß Talmudtraktat Sanhedrin erklärte, und vielleicht lag Noach bekleidet in seinem Zelt, und dennoch zeigte sich seine Blöße, d.h. es offenbarte sich seine Schwäche, er lag da erniedrigt in seiner Trunkenheit, im Zelt versteckt vor den Mitmenschen. Hier nun ereignete sich die große Sünde Chams, als er sich entscheidet, seinen Vater in dessen Stunde der Schwäche zu betrachten, seine Fehler zu vermerken, und schnell seine Brüder herbeiruft, damit auch sie der Schande teilhaftig werden.

Cham ist es vergönnt, der Sohn eines wunderbaren Menschen zu sein, eines gerechten, untadeligen Mannes, dem es gelingt, im Laufe vieler Generationen mit G~tt zu gehen, wo rings um ihn herum die Menschheit ihren Weg verliert. Cham weiß, dass von allen Menschen nur sein Vater auserwählt wurde, eine neue Menschheit zu beginnen, aber er ist nicht bereit, seinen Vater den Gerechten zu betrachten und dessen Weg zu folgen. In dem Moment, als sich die Schande seines Vaters offenbart, stürzt er auf die Gelegenheit wie auf fette Beute. Siehe da, auch sein Vater ist wie jeder andere Mensch, und darum braucht er als Sohn nicht die Fackel des untadeligen Gerechten weiterzutragen, er kann, ganz so, wie sich die Völker Kena'ans entschieden zu tun, seine Wege verderben, "nach dem Verfahren des Landes Kena'an" (Lev. 18,3).

Die Frage, was der Menschen über seine Eltern denkt, ist äußerst schicksalsträchtig, entscheidet sie doch über seine Zukunft. Im Talmudtraktat Jewamot wird auf den sprachlichen Unterschied zwischen dem Wort Jeruscha (Erbe, Erbschaft), das auch für die Nichtjuden relevant ist, und dem Wort Nachala, das nur im Zusammenhang mit uns zur Anwendung kommt, hingewiesen. Rabbiner S.R.Hirsch erklärt, dass sich "das jüngere Geschlecht nur als Joresch des älteren betrachtet, das, als das rüstigere, das ältere, abgelebte, verdrängt und an seine Stelle tritt" (zu Gen. 9,22). Wenn sich der Mensch nur auf die Schwäche und die Unvollkommenheiten seines Vaters konzentriert, dann ist er ein Joresch, d.h. er verdrängt ihn, 'die Welt gehört der Jugend', die die strauchelnden Alten von ihren Posten verdrängt. Das Wort Nachala kommt von Nachal, Fluss, die Generationen strömen wie ein Fluss kraft der hohen Berge und der Wasserquellen, der Sohn verdrängt nicht die Tat des Vaters, sondern führt sie fort, im Spirituellen wie im Materiellen.

Diese Richtung schlug Schem ein: "Da nahm Schem und Jafet das Gewand, legten es auf ihrer beider Schulter, gingen rückwärts und bedeckten die Blöße ihres Vaters; ihr Gesicht blieb rückgewandt, und die Blöße ihres Vaters sahen sie nicht" (Gen. 9,23). Sicher hat selbst ein so erhabener Mensch wie Noach seine Schwächen, aber Schem, und seinetwegen auch Jafet entscheiden sich dafür, nicht nach den Schwächen zu sehen, im Gegenteil, ihre Gesichter sind rückwärts gewandt, auf die glorreiche Vergangenheit des Vaters, der vom Herrn der Welt erwählt worden war, eine ganze Welt zu retten.

Manche Kinder sind begabter, gerechter und himmelsfürchtiger als ihre Eltern, und wenn sich ein Mensch am Feuer der Tora erwärmt, ja geradezu erhitzt (mitchamem), gibt es welche, die zu einem Cham (heiß) werden, der die Blöße seines Vaters sieht, von dem er nichts mehr zu lernen hat.

Jetzt schreiben wir den Satz noch einmal, aber diesmal von der Warte Schems aus: Manche Kinder sind begabter, gerechter und himmelsfürchtiger als ihre Eltern. Im Offenen und im Verborgenen erstehen ihnen alle ihre Begabungen und Frömmigkeiten von ihren Elten.

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