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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJEZE
Nr. 1097
10. Kislev  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10 - 32,3):

G~ttes Versprechen an Jakov, ihn im Exil zu schützen, Begegnung mit Rachel, Jakov in Charan bei Lawan, Lea, die vertauschte Braut, Hochzeit mit Rachel, Geburt der Stämme, Lawans Betrügereien und göttliche Wende zu Jakovs Vorteil, beschleunigte Abreise nach Kana'an und Showdown mit Lawan auf dem Wege.

Haftara: Hoschea 12, 13-15, 13, 1-15, 14, 1-10


 

Der Stand der Dinge...
Verwirklichung des Traumes in unserem Zeitalter
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Vor der Auswanderung unseres Stammvaters Jakov von Be'er Schewa nach Charan machte er 14 Jahre Station in der Jeschiwa von Schem und Ewer, um Tora zu lernen, gestärkt durch den wundersamen Traum von der Leiter, die auf der Erde stand und deren Spitze in den Himmel reichte, auf der Engel G~ttes auf- und abstiegen, wo der Ewige über ihr stand, ihn zu beschützen und ihm zu versprechen, dass sein Abstieg nur dem späteren Aufstieg diene; er werde ihn behüten und wieder nach dem Land Israel zurückbringen (siehe Gen. 28,10-15). So steht geschrieben: "Und siehe, ich bin mit dir, und werde dich behüten, wo du auch immer gehest, und dich zurückführen in dieses Land; denn ich werde dich nicht verlassen, bis dass ich getan, was ich geredet habe zu dir" (V.15). Und was hat er zu ihm geredet? "Das Land, auf dem du liegst, dir werde ich es geben und deinen Nachkommen. Und deine Nachkommen werden sein wie der Staub der Erde, und du wirst dich ausbreiten gen Westen und Osten, gen Norden und Süden; und es werden durch dich alle Familien der Erde gesegnet werden und durch deine Nachkommen" (V.13-14), so wie G~tt schon unserem Stammvater Awraham versprochen hatte.

Der Traum unseres Vorvaters Jakov ist der Traum des Volkes Israel in seinen Generationen. Die Abreise von Be'er Schewa, die Wanderung nach Charan und die Rückkehr nach dem Land Israel sind unter dem Aspekt "Abstieg als Vorbereitung zum Aufstieg" zu sehen. Jakov verlässt das Land ganz alleine, kehrt aber mit einem großen Vermögen und mit kinderreicher Familie zurück, aus der sich das Volk Israel seitdem und bis auf den heutigen Tag entwickelt.

Nach dem Stand der Dinge können wir mit unserem Anteil und unserem Schicksal und dem unserer Generation zufrieden sein, da wir mit eigenen Augen sehen, wie sich G~ttes Versprechen gegenüber Jakov bewahrheiten. Nach zweitausend Jahren der Wanderungen und Leiden ist uns die Rückkehr nach dem Land Israel beschert. Wir sind keine Träumer mehr, sondern wie Träumende, so wie geschrieben steht: "Als der Ewige zurückführte die Weggeführten Zions, waren wir wie Träumende" (Psalm 126,2). Wir sind zwar noch nicht zu endgültiger Seelenruhe und Erbbesitz gelangt und befinden uns auf dem Höhepunkt des Wiedererstehungsprozesses, was in unserer Generation durch die Einsammlung der Verstreuten und dem ständigen Aufbau des Staates Israel zum Ausdruck kommt. Es gibt allerdings immer noch viel zu verbessern an unserer nationalen Heimstatt, bei der Festigung und der Einigung der Nation, die Tausende von Jahren zersplittert und verstreut war. Zweifellos muss auf dieser Stufe die Rückkehr zu den Wurzeln den sammelnden und einigenden Anstoß geben, wie der Stamm des Baumes, in dem sich die Zweige einen. Der Staat Israel ist immer noch Bedrohungen und verbrecherischen Taten unserer arabischen Feinde ausgesetzt, die unser Land g~ttbehüte vernichten wollen. Europa und Amerika unterstützen immer noch auf Umwegen unsere Feinde durch ihre Befürwortung der Gründung eines arabischen Staates im Herzen unseres Landes, der unsere Existenz bedrohen würde, und durch Boykotte israelischer Produkte, wie auch durch die Kanalisierung von Millionen von Euros durch die Europäische Gemeinschaft an radikale Vereinigungen im Lande, die die Araber und deren terroristische Organisationen unterstützen, und zwar unter der scheinheiligen Behauptung, die Menschenrechte schützen zu wollen. Doch alle Pläne unserer Feinde werden sich früher oder später am göttlichen Versprechen an unseren Stammvater Jakov in dessen Traum zerschlagen, wie es heißt: "Und siehe, ich bin mit dir, und werde dich behüten, wo du auch immer gehest, und dich zurückführen in dieses Land; denn ich werde dich nicht verlassen, bis dass ich getan, was ich geredet habe zu dir" (s.o.).

In Erwartung der vollkommenen Errettung,
Rav Dov Begon


Am Schabbes-Tisch...


Und Jakov erwachte... 

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

"Da träumte er und siehe, eine Leiter war gestellt auf die Erde und die Spitze reichte an den Himmel, und siehe, Engel G~ttes stiegen auf und ab an ihr. Und siehe, der Ewige stand über ihr ... (Gen. 28,12-13) - sagte Rabbi Abahu: Gleichnis von einem Königssohn, der in seiner Wiege schlief und Fliegen sich auf ihn setzten, und als seine Amme kam, beugte sich die Amme über ihn, und die Fliegen flüchteten von ihm; so heißt es am Anfang: Engel G~ttes stiegen auf und ab an ihm, und als sich ihm der Heilige, gelobt sei er, offenbarte, flüchteten sie von ihm" (Midrasch Bereschit raba 69,3).

Womit hilft uns Rabbi Abahu, den Wochenabschnitt besser zu verstehen? Warum werden die Engel (ausgerechnet) mit Fliegen verglichen? Und warum flohen sie vor der Offenbarung der göttlichen Hoheit? Im Gegenteil, dort, wo sich die Hoheit G~ttes zeigt, erscheinen auch seine Bediensteten, die seinen Willen ausführen, wie es heißt: "Und es kommt der Ewige, mein G~tt, alle Heiligen mit dir" (Secharja 14,5)!

Als Einleitung wollen wir den Kommentar des Nachmanides hinzuziehen (zu Gen. 12,6). Er erklärt dort, dass alles, was sich den Stammvätern ereignete, als Zeichen für die Nachkommen zu verstehen ist (nach Midrasch Tanchuma). Darum berichtet die Schrift in Länge und Breite von den Reisen, dem Graben von Brunnen und vielen anderen Vorfällen, die man alle für überflüssig und nutzlos halten könnte - denn sie alle handeln von der Zukunft. Ebenso erklärt der Malbimkommentar, dass die Ereignisse mit den 'Zweigen' schon im Potenzial der 'Wurzel' verborgen war, und so gilt der Auszug Jakovs aus dem Lande Israel als Vorzeichen für die Verstreuung seiner Nachkommen ins römische Exil (Edom), das letzte, längste und schwerste aller Exile.

Gestützt auf dieses Prinzip erklärte Rabbiner A.J.Kuk (erster Oberrabbiner Israels) den oben erwähnten Midrasch (Midbar Schur, S.199). Jakov wird dort mit dem Königssohn gleichgesetzt, der als Säugling in seiner Wiege schläft. Dessen Lebenskräfte sind beschränkt, viele von ihnen haben sich noch nicht entfaltet, und auch seine Sinne schlummern noch. So verhält es sich mit dem Volk Israel in der Zerstreuung (Galut), wo es nicht zu seiner ganzen Größe und der ihm würdigen Vollkommenheit gelangen kann. Die Fliegen, die auf ihm sitzen, symbolisieren die geistigen Strömungen und die Ideen der Völker der Erde, die in krassem Gegensatz zu den Ideen und der Lebensordnung Israels in der Welt stehen.

In unserem Zeitalter befinden wir uns nicht mehr am "Anfang der Erlösung" (Atchalta deGe'ula), sondern schon mittendrin (Rabbiner Zwi Jehuda Kuk). "Sagte Rabbi Aba: es gibt kein deutlicheres [Kennzeichen für das] Ende als dieses, wie es heißt: und ihr, Berge Israels, werdet eure Zweige treiben und eure Frucht tragen meinem Volke Israel, denn sie kommen bald (Jecheskel 36,8; Sanhedrin 98a)". 'deutlicheres Ende' (kez meguleh) wird mit jekiza, Erwachen, in Zusammenhang gebracht, ein Vorgang, der eine gewisse Zeit andauert. Einem Menschen, der aus seinem Schlaf erwacht, stehen nicht sofort alle Kräfte zur Verfügung, auch wenn er nur wenige Stunden geschlafen hat, und erst recht nicht einem Volk, das aus fast zweitausendjährigem Tiefschlaf erwacht; da vergeht einige Zeit, bis es auf eigenen Beinen steht, mit voller Lebenskraft, in vollem Besitz seiner Sinne und seiner geistigen Kapazitäten. Seine materiellen Kräfte werden zuerst erwachen, doch seine spirituellen Fähigkeiten werden erst zu einem späteren Zeitpunkt erblühen. Im frühen Zustand, der dem eines Kleinkindes entspricht, dem des Schlafens und des ersten Erwachens, umschwirren ihn Fliegen, als Ausdruck eines Zustands unvollkommenen Lebens, das noch Mängel auf sich zieht. Die Fliege kommt aus der Ferne und überträgt schädliche Bakterien; der böse Trieb ähnelt einer Fliege, die zwischen den Herzkammern sitzt (Brachot 61a), und diese Fliege vermag den Menschen von der göttlichen Seele, die in ihm wohnt, abzuschirmen und seine göttliche Identität vor seinen Augen zu vertuschen.

Normalerweise werden die Engel G~ttes als höchste heilige Wesen dargestellt - warum werden sie hier mit Fliegen verglichen? Erklärte Rabbiner Kuk, der Herr der Welt erhebe die Völker der Welt Stufe um Stufe, langsam aber sicher, bis sie das gewünschte Ziel erreicht haben. Es gibt Ideen und Ideologien, die in der einen Epoche angenommen werden, wie Kommunismus, Demokratie, Pluralismus usw., und in anderen Epochen abgelehnt und durch andere ersetzt werden, die für erfolgversprechender gehalten werden. Für das Volk Israel jedoch, vonseiten seines Vorzugs und seiner Tora und vonseiten seiner aufgeprägten Zugehörigkeit zum vollkommenen und ewigen Licht G~ttes, das in ihm leuchtet, sind die wechselnden Verhaltensweisen und Methoden, die zu den Völkern der Welt passen, unnötig und sogar schädlich. Ihre Anwesenheit ist nur möglich in einem Zustand der Kleinheit und des Schlafes. "Wie erhebe sich Jakov, wenn er noch klein ist, und führe sich in einer Weise, die fern ist vom vorherrschenden Geiste, der sich in der Welt entwickelt hat, denn das sind wirklich Engel G~ttes, die an der Leiter auf- und absteigen?". Unsere Lebensweise lässt sich beeinflussen, und auch wir erwarten von uns eine Lebensführung nach Vorgaben und akzeptierten Normen; doch die der Nichtjuden, die ihnen entsprechend ihres Ranges als erhabene Engel vorkommen, sind uns furchtbar fremd!

In dem Moment, als die Amme des Säuglings erscheint, in dem Moment, als sich über uns die Ehre G~ttes in individueller Vorsehung offenbart, und siehe, der Ewige stand über ihm, wird die ganze uns anhaftende Niedrigkeit irrelevant, alle Fliegen schwirren ab von uns, all die Gedanken und Verhaltensweisen, die nicht dem Volk Israel spezifisch sind, die von außerhalb eingeführt wurden. "Und als sich ihm der Heilige, gelobt sei er, offenbarte, flüchteten sie von ihm". Auf der nächsten Stufe, gerade wenn sich Israel aus seiner eigenen Quelle versorgt, werden auch die Nichtjuden von ihren Vorstellungen ablassen und Anleitung beim Licht G~ttes suchen, durch das Volk Israel. "Und Jakov erwachte aus seinem Schlaf und sprach: Wahrlich, der Ewige ist gegenwärtig an diesem Ort, und ich wusste es nicht. Und er fürchtete sich und sprach: Wie furchtbar ist dieser Ort! Nichts anderes ist dies als G~ttes Haus, und dies ist die Pforte zum Himmel!" (Gen. 28,16-17).

"Wie bemitleidenswert sind jene, die in der Finsternis wandeln! Wie erbärmlich sind jene, die keinen wahren G~tt haben, in ihrem Wissen und ihrem Willen, in ihrer Vorstellung und ihren Taten! Und wie glücklich jene, die vor G~tt wandeln, die sich im Glanz seines Lichtes freuen, 'in deinem Namen jubeln sie den ganzen Tag, und in deiner Gerechtigkeit sind sie erhöhet' (Psalm 89,17)! Das Herz blutet vor lauter Schmerz über diese furchtbare Finsternis, der die im Dunkeln verharrenden Menschen ausgeliefert sind. Die innere Gradheit drängt die Seele, die Fackel des wahren Lebens zum Leuchten zu bringen, den Vielen das Banner zu erheben. Israel ist die Schatzkammer des Lebens in der Welt, in sein Wesen verflochten das Wissen von G~tt, dem G~tt der Wahrheit; in seiner Wiedererstehung wird es die Welt beleben, die den Völkern aufgedrückte Maske entfernen, den Nebel der G~ttesleugnung vertreiben, die der ganzen Welt den hässlichsten Tod bringt, der wie eine giftige Pest einhergeht. Israel wird aufstehen und auf eigenen Beinen stehen, sich mit Macht erheben in seinem anmutigen Lande, den Spruch seiner Prophezeiung aus der Quelle des Lebens seiner Seele zum Ausdruck bringen, die göttlichen Lebenssamen zu neuem Leben erwecken, die im Herzen eines jedes Menschen und allen Lebens schlummern, 'alles, was Odem hat, lobe Jah, Hallelujah!' (Psalm 150,6)" (Rabbiner A.J.Kuk, Orot HaTchija §72).