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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJESCHEW
Nr. 1099
24. Kislev  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 37,1 - 40,23):

Josefs Träume, Feindschaft seiner Brüder, als Sklave nach Ägypten, Jehuda und Tamar, Josef im Hause Potifar, im Gefängnis, deutet die Träume Pharaos Mundschenks und Bäckers.

Haftara: Amos 2, 6-16, 3, 1-8


Nach Schabbatausgang: 1. Licht Chanukka



 


Der Stand der Dinge...
Das Wunder der Rettungen
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Das Hauptgebot der Feiertage von Chanukka und Purim besteht in der Bekanntmachung der Zeichen und Wunder, die G~tt in jenen Tagen und in unserer Zeit vollbrachte und vollbringt.

An Purim machen wir das Wunder der Rettung des Körpers des jüdischen Volkes bekannt. Der Bösewicht Haman wollte "alle Juden vertilgen, würgen und vernichten, von jung bis alt, Kinder und Frauen" (Esther 3,13), so wie die Nazis mit uns in der furchtbaren Schoa verfuhren, und G~tt stand uns bei und vereitelte den Plan, im Gegenteil, Haman und seine Söhne wurden erhängt. Zur Erinnerung an dieses Wunder der Errettung des Körpers essen und trinken wir an Purim, und damit machen wir bekannt, dass der jüdische Körper lebt und trotz aller "Hamänner" in allen Generationen weiter existiert.

Demgegenüber wollte die finstere griechische Herrschaft die Seele des jüdischen Volkes auslöschen, nämlich "sie deine Lehre vergessen und die Satzungen deines Willens übertreten zu machen" (Al-haNissim Gebet). Doch G~tt stand uns in jener Stunde der Not bei und "gabst Frevler in die Hand Gerechter, Trotzige in die Hand derer, die sich mit deiner Lehre beschäftigten" (ebda.). Zum Gedenken an das Wunder der Errettung der jüdischen Seele zünden wir die Chanukka-Lichter an, denn "eine Leuchte des Ewigen ist des Menschen Seele" (Sprüche 20,27) - um bekannt zu machen, dass die Seele des jüdischen Volkes in jedem einzelnen Juden und in jedem jüdischen Haus auf ewig leuchtet: "Ein Licht der Chanukkalampe für einen und seine ganze Familie" (Schabbat 21b).

Nach dem Stand der Dinge wirken die gleichen Kräfte und Bestrebungen der Vergangenheit auch heute. Leider gibt es auch heute noch antisemitische Kräfte in der Welt, die ihr Haupt erheben, die das gleiche Ziel wie der Bösewicht Haman und die Nazis verfolgen, und uns ist geboten, Israel vor ihnen zu schützen, nicht nur im Lande, sondern auch auf der ganzen Welt, einerseits durch eine starke Armee, andererseits durch Einigkeit in der Bestärkung und den Schutz unserer staatlichen und jüdischen Existenz.

Es ist ein Gebot, das Wunder der Errettung Israels in unserem Zeitalter bekannt zu machen, nämlich die Gründung des Staates Israel und die Siege über unsere Feinde, die nicht nur ein Mal mit großen Kräften über uns herfielen, und mit G~ttes Hilfe haben wir sie bezwungen.

Doch auch die Bestrebung des "frevelhaften griechischen Reiches", die Seele des jüdischen Volkes auszublasen, d.h. die Juden vom Judentum zu trennen, "sie deine Lehre vergessen ... zu machen", besteht zu unserem Leidwesen auch heute noch. Millionen Juden in Israel und in der Diaspora sind von Judentum und Tora weit entfernt, was ihre jüdische Identität und ihre Verbindung zum Volk Israel und zum Staat Israel schwächt. Doch es geschah uns ein Wunder, ähnlich dem Wunder im Zweiten Tempel. Als die Griechen alles Leuchteröl rituell unbrauchbar gemacht hatten, fand sich noch ein Krüglein reinen Öls mit dem Siegel des Hohepriesters, das zur Befüllung des Tempelleuchters acht Tage lang reichte, statt eines Tages wie sonst. So verhält es sich auch in unserem Zeitalter. Wir sind Zeugen, wie jenes Krüglein reinen Öls, das im Herzen eines jeden Juden verborgen ist, das alle fremde Einflüsse nicht zu verunreinigen vermochten, langsam aber sicher an die Oberfläche kommt und immer stärker die Seelen erleuchtet, denn "eine Leuchte des Ewigen ist des Menschen Seele", und Zigtausende Kinder Deines Volkes Israel aus allen Schichten der Öffentlichkeit strömen nach Jerusalem, kehren zur Tora zurück, zur Synagoge und zur jüdischen Tradition.

Auch das Wappen des Staates Israel - der siebenarmige Leuchter - deutet auf die Zeichen und Wunder, die der Ewige an uns in unserem Zeitalter vollführt, so wie das Wunder von Chanukka. So ist der Tag nicht mehr fern, an dem der Tempel wieder steht und der wirkliche Leuchter uns und der ganzen Welt leuchten wird.

Ein fröhliches Chanukka,

Rav Dov Begon




Am Schabbes-Tisch...


Jakov, Josef und die göttliche Vorsehung

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Zwei Dimensionen erscheinen vor uns bei der Betrachtung des Wochenabschnitts Wajeschew, nämlich das Offenbarte und das Verborgene. Das Verborgene ist die Seele des Offenbarten, das Sichere, die Wurzel, der Grund und die Lösung für alle Ereignisse. Der wundersame göttliche Prozess, der vor unseren Augen Gestalt annimmt, kann nicht rückgängig gemacht werden, und daneben stellen wir während des ganzen Abschnitts fest, dass der Herr der Welt das innere Wesen der Geschehnisse vor uns verbirgt. Manchmal lässt er uns nur einen Teil der stillen göttlichen Melodie hören, durch ausgewählte Persönlichkeiten, wie "lugend durch die Gitter" (Hohelied 2,9). Vor Josef, dem Träumer prophetischer Träume, liegt die ganze Zukunft ausgebreitet, die die Verstrickungen der Gegenwart in verdeckter Weise erzeugt. Das ganze Geschehen mit all seinen Komplikationen und den vielschichtigen Persönlichkeiten, die darin wirken, bieten eine Ebene für die himmlischen Inhalte, die auf dem Weg zum gewünschten Ziel entstehen, auf dem Weg der Verwirklichung des Traumes...

Jakov schickt Josef, nach dem Wohlbefinden der Brüder zu sehen, "und er sandte ihn aus dem Tale von Chevron und er ging gen Schchem" (Gen. 37,14). Raschi fragt, wieso 'aus dem Tale von Chevron', "siehe, Chevron liegt auf dem Berge, so heißt es: sie stiegen im Süden hinauf und kamen bis Chevron (Num. 13,22); nur hier bedeutet es, nach dem tiefen Ratschluss, der jenem in Chevron begrabenen Frommen mitgeteilt worden; zu erfüllen, was Awraham zwischen den Opferstücken gesagt worden war: Fremdlinge werden deine Nachkommen sein [in einem Lande, das nicht das ihre, und sie werden sie knechten und drücken vierhundert Jahre] (Gen. 15,13)". Wir lernen daraus, dass der treibende Faktor hinter allen diesen Ereignissen im göttlichen Willen besteht, dass das Volk Israel im Schmelztiegel von Ägypten entstehe und sich dort entwickle. Dieses Wissen ebnet den Weg für die Beantwortung vieler Fragen, die sich aus dem einfachen Wortlaut der Toraverse aufdrängen.

Josef ist doch ein Gerechter - warum hassen ihn seine Brüder? "Das sind die Nachkommen Jakovs. Josef, siebzehn Jahre alt, war ein Hirte mit seinen Brüdern bei der Herde..." (Gen. 37,2). Erklärt der Malbim-Kommentar, er habe sie in Sachen Himmelsfurcht ermahnt und sie Wissen und Verstand gelehrt. Und auch wenn das nach Arroganz klingt, so war er doch von äußerst bescheidenem Wesen: "als Jüngling aber war er mit den Söhnen Bilhas und mit den Söhnen Silpas" (ebda.), er bediente sie, obwohl sie die Söhne der Mägde waren und von niederem Rang als seine Brüder. "..und Josef brachte üble Nachrede von ihnen an ihren Vater", was sie Übles einer über den anderen redeten, um sie zu ermahnen, und das war seinem Gerechtigkeitssinn und seinen guten Eigenschaften zuzuschreiben, seiner Liebe zu ihnen, und seiner Wahrheits- und Friedensliebe. Doch die göttliche Vorsehung verschleierte diese Dinge vor den Augen seiner Brüder, die sein Verhalten als schlecht auslegten, als ob er sie aus Arroganz mit seinen Ratschlägen anleitete, es wegen eigener Minderwertigkeit mit den Söhnen der Mägde hielt und sie in den Augen ihres Vaters mit seiner Nachrede erniedrigen wollte.

Josef liebt seine Brüder und vertraut ihnen - "und er erzählte es seinem Vater und seinen Brüdern, und es schalt ihn sein Vater und sprach zu ihm: Was für ein Traum ist das, den du geträumt? Sollen wir etwa kommen, ich und deine Mutter und deine Brüder, um uns vor dir zu bücken zur Erde?" (Gen. 37,10). Jakov beabsichtigte damit, die Sache von den Herzen der Brüder zu nehmen, zu zeigen, dass diese Dinge unmöglich seien, damit sie nicht auf Josef eifersüchtig würden - und so, wie der Traum sich nicht an seiner Mutter erfüllen konnte (die bereits gestorben war), würde er sich auch nicht an den anderen erfüllen.

Einen verborgeneren Aspekt zeigt der MaHaRaL ("Hohe Rabbi Löw" aus Prag) in seinem Werk Gur Arje auf, dass es nämlich Jakov von Schem und Ewer überliefert war, es gebe keinen Traum ohne einen Anteil nichtiger Dinge, selbst ein wahrer Traum. Dieser Umstand war den Brüdern im Gegensatz zu Josef nicht bekannt; "weil er ihm ein Sohn hohen Alters war" (Gen. 37,3) wird im Targum Onkelos folgendermaßen erklärt: "Er war ihm ein weiser Sohn - alles, was er von Schem und Ewer gelernt hatte, vermittelte er ihm". "Da waren auf ihn seine Brüder eifersüchtig; aber sein Vater merkte sich die Sache" (V.11). Raschi: Er wartete ab, wann die Sache wohl eintreffen werde. "Alle Träume richten sich nach dem Munde" (Brachot 55b), sie erfüllen sich entsprechend der Deutung des Traumdeuters. Es muss dabei allerdings beachtet werden, dass auch Jakov nicht wusste, auf welche Weise genau der Inhalt des Traumes in die Wirklichkeit umgesetzt würde.

Wie konnte Jakov Josef nach Schchem schicken, dem Ort der Gefahr, zu dessen Brüdern, die ihn hassten? Sein Vater vertraute auf Josefs Rechtschaffenheit, dass ihm nichts Übles widerfahren würde (Neziw). Seine Brüder findet Josef nicht in Schchem, begegnet aber dem Erzengel Gawri'el, der ihn nach Dotan umleitet. "Und er sprach: Meine Brüder suche ich; sage mir doch, wo weiden sie? Und es sprach der Mann: Sie sind aufgebrochen von hier" (V. 16-17). Raschi: "Sie haben sich von der Bruderliebe entfernt", und die göttliche Vorsehung sorgte dafür, dass Josef diese Worte nicht genau prüfte (Neziw) und auch nicht zu seinem Vater zurückkehrte, "denn ich hörte sie sagen, lasst uns nach Dotan ziehen. Also ging Josef seinen Brüdern nach und fand sie in Dotan" (V.17). Alles ist so abgeordnet, dass Jakov letztendlich nach Ägypten herabzieht als Vater des Vizekönigs und die israelitische Nation entsteht, die das Lob G~ttes erzählt (nach Jeschajahu 43,21). "Rabbi Chija bar Abba sagte im Namen Rabbi Jochanans: Eigentlich sollte unser Vater Jakov mit eisernen Fesseln nach Ägypten geführt werden, sein Verdienst aber hat ihm beigestanden" (Schabbat 89b).

Dadurch erklärt sich die Schwierigkeit, wie es angehen konnte, dass die Brüder, Heilige G~ttes, Wurzeln der israelitischen Nation, daran dachten, Josef zu töten. Erklärte der Ari sel. (größter Kabbalist der letzten 500 Jahre): "Wisse, dass die Brüder Josefs dachten, er sei ein 'Überbleibsel der Überbleibsel', Schale dessen, was sich von Awraham und Jizchak abschied, von denen Ischmael und Eßaw ausgingen, und immer noch nicht Reinheit erlangt hatten" (Sefer Halikutim). Der Mangel des Wissens der Brüder von Josefs reinen Absichten und der Wahrheit seiner Träume zu seiner göttlichen Mission war der Grund innerhalb der göttlichen Vorsehung für den Hass und den Überfall, der in ihrer Vorstellung durchaus als Erfüllung göttlichen Willens erschien, als Rettung der Nation, und auch jene sind Teil der Weiterentwicklung dieses göttlichen Prozesses.

Jizchak wusste durch prophetische Eingebung, dass Josef am Leben war - warum sagte er Jakov nichts davon? Er sagte sich: Wie kann ich Jakov etwas offenbaren, das G~tt ihm nicht offenbaren will?! (Raschi zu V.33). Der Verkauf von Josef muss vor Jakov verborgen bleiben, sonst hätte er ihn für alles Geld auf der Welt freigekauft. "Aber er verweigerte es, sich trösten zu lassen und sprach: Nein, ich werde hinunter steigen zu meinem Sohn trauernd in die Gruft! Also beweinte ihn sein Vater" (V.35), "ein Mensch nimmt für einen Lebenden, den er für tot hält, keinen Trost an; denn für den Toten ist ein Gesetz verhängt, dass er aus dem Herzen vergessen werde, nicht aber für den Lebenden" (Raschi).

G~ttseidank ist es uns vergönnt, in einem Prozess der Erlösung zu leben und die Geburt eines ganzen neuen Wesens zu erleben, das langsam aus dem Nichts entsteht. Wir müssen dabei Geburtshelfer spielen und das zwangsläufige Erscheinen neuen Lebens begleiten, alles in unseren Kräften Stehende tun, dass sich die neue Ebene in Vollkommenheit offenbart, helfen, ermutigen und trösten. Dabei wissen, dass die Schwierigkeiten, die Komplikationen und die Leiden wie Wehen sind, die der Geburt vorangehen. Wir, die wir die Tora vom Anfang zum Ende lesen und nicht umgekehrt, wissen nicht, wie dieser Prozess abläuft, doch wir halten mit großer Kraft an den Träumen fest, die uns die Propheten Israels prophezeiten, in gespannter Erwartung der Vervollkommnung des göttlichen Werkes der vollkommenen Erlösung Israels. Nur auf diesem Weg werden wir wissen, richtig zu reagieren und zu handeln.




Midrasch "Ma"asse Chanukka"