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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJIGASCH
Nr. 1101
9. Tewet  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 44,18 - 47,27):

Konfrontation Jehuda-Josef; Josef gibt sich seinen Brüdern zu erkennen; beauftragt sie, Jakov und die ganze Familie nach Ägypten zu holen und dort zu siedeln; göttliches Versprechen an Jakov, ihn dort zu einem großen Volk zu machen; Wiedersehen mit Josef; Begegnung mit Pharao; Ansiedlung im Lande Goschen; Josefs Bodenreform; führt allgemeine Einkommensteuer von 20% ein.

Haftara: Jecheskel 37, 15-28


Sonntag, 10. Tewet - Fasttag!



HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Die Schoa (Zum 10. Tewet)

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Ihr wart wohl persönlich noch nicht in Warschau. Ihr wisst gar nicht, was das ist, Warschau. Ich bin in Warschau gewesen, kannte es in seinem alten Glanz und Leben. Ich habe dort die jüdische Öffentlichkeit getroffen. Das heilige Volk, die großen Weisen und Frommen, die allgemein-israelitischen Persönlichkeiten. Viel lässt sich darüber reden, und man sollte ab und zu darüber reden. Und dann kamen diese verfluchten Verbrecher jimach schemam wesichram... [Rabbiner Kuk weint]

Seife haben sie aus ihren Körpern gemacht... Was ist hier geschehen? Ein Mysterium! Alle Worte, Gedanken und Gefühle sind ein Tropfen im Meer im Vergleich dazu, was hier stattfand. Sogar 'ein Tropfen im Meer' ist kein passender Ausdruck: Sie haben nicht die geringste Beziehung oder Wert im Hinblick auf das, was geschehen war. Auch die ganze Trauer, das Wehgeschrei und die Klagelieder haben keinen Wert gegenüber dem, was war...

Alles gehört zu den Geheimnissen G~ttes. Die Wege der göttlichen Oberlenkung sind uns nicht bekannt. Die Ergründung der Schoa - ist eine kindische Angelegenheit. Nur mit größter Vorsicht und geistiger Reife kann man sich dieser furchtbaren Angelegenheit nähern. Vor allem muss man sich vergegenwärtigen, dass ein Unterschied besteht zwischen göttlichen Berechnungen und menschlichen Berechnungen.

Man muss das Mysterium von dieser tiefen Unreinheit und des Verbrechens verstehen. Es gibt einen bekannten Ausspruch von Hitler jimach schemo: "Ich kann nicht mit dem jüdischen Volk in der gleichen Welt leben". Es gibt eine Art tiefster Verdorbenheit und Finsternis von kosmologischem Widerstand zwischen jenen Amalekitern und der Realität der israelitischen Allgemeinheit.

Zu wahrhaftiger Weltanschauung und echtem Glauben gehört auch das Verstehen der verschiedenen Zeitalter: "Gedenket der Tage der Vorzeit, begreifet die Jahre der Geschlechter" (Dt. 32,7). Am Ende der Tage offenbart sich die Angelegenheit des "der unterscheidet zwischen Israel und den Völkern". Es gibt so etwas wie die "Gerechten der weltlichen Völker". Es gibt große und gerechte Nichtjuden - Engländer, Franzosen, Italiener usw., allerdings wenige und vereinzelte. Im vorigen [19.] Jahrhundert fühlten unter den Kulturvölkern besonders die Deutschen einen Stolz wegen ihrer Persönlichkeiten von Geist und Gedanken - ihre großen Dichter, Denker und Philosophen. Ganze Bücher sind dazu verfasst worden. Und gerade dort erscheint die tiefste Verdorbenheit, das tiefste Böse und die tiefste Finsternis. Hier offenbart sich "der unterscheidet zwischen Israel und den Völkern" und "der mich nicht als Nichtjuden geschaffen" (Morgengebet). Hier vollzieht sich die Operation, der Trennungsschnitt unserer Zugehörigkeit zu den Völkern, vom Teer, der an unserem Nationalkörper haftet. All das bekräftigt die Planmäßigkeit der göttlichen Oberlenkung. Und dadurch, aber genau dadurch, aus der Tiefe der Verdorbenheit und Bosheit offenbart sich das Licht der Tora, "ein neues Licht mögest du über Zion leuchten lassen", "einen neuen Gesang sprachen preisend die Erlösten" (Morgengebet) [Auszug aus den Gesprächen über die Schoa].



Am Schabbes-Tisch...


Tiefe Gewässer

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Josefs Verhalten, vom Zeitpunkt, als er zum Herrscher über Ägypten eingesetzt wurde, ist unverständlich. Bevor er zu Größe gelangte, mangelte es ihm als Sklave und Inhaftierter jeglicher Freiheit, doch in den sieben Jahren, in denen er als Vizekönig Getreide anhäufte - warum schickte er nicht einen seiner Diener nach Chevron, sechs Tage zu Fuß entfernt, um seinem Vater ein Lebenszeichen zu übermitteln? Zur Zeit der Hungersnot sind zehn seiner Brüder gezwungen, nach Ägypten hinabzuziehen, "ich habe gehört, dass Nahrung sei in Ägypten" (Gen. 42,2). Josef zögert die Offenbarung seiner wahren Identität hinaus, und außerdem kehren seine Brüder zu Jakov ohne Schimon zurück, der bei Josef im Gefängnis sitzt. Warum fügt er seinem Vater so viel Schmerz zu? Warum setzt er kraft seiner Autorität als Vizekönig nicht Beamte zur Verteilung des Getreides ein? Würde z.B. jemand auf den Gedanken kommen, der Verteidigungsminister verteilte höchstpersönlich Gasmasken an die Bevölkerung?

Für alle diese Fragen gibt es eine gemeinsame Antwort. Josef versteht von dem Moment an, als er zu Größe gelangt, dass sich seine Träume in Kürze bewahrheiten werden, und als Beteiligter am Wissen um das göttliche Vorhaben durch seine prophetische Gabe und die Träume Pharaos sorgt er auch gezielt dafür. Mit sieben Jahren weltweiter Hungersnot vor sich ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Bewohner des Landes Israel seiner Hilfe bedürfen. Darum verteilt er selbst das Getreide, um den Moment nicht zu verpassen, wenn seine Brüder erscheinen. Und siehe, der ersehnte Moment ist gekommen, "als Josef seine Brüder sah, da erkannte er sie; aber er stellte sich fremd gegen sie und redete sie hart an" (Gen. 42,7). Bis hier waren seine Handlungen ganz durch die göttliche Lenkung bestimmt, die Ereignisse und ihre Konsequenzen wurden ihm zwangsweise aufgedrängt. Von nun an ist er selbst der Produzent, der Regisseur und auch der Hauptdarsteller in einer genialen Handlung, die er einzufädeln beginnt. "Also erkannte Josef seine Brüder - sie aber erkannten ihn nicht. Und Josef gedachte der Träume, die er von ihnen geträumt, und sprach zu ihnen: Kundschafter seid ihr, zu sehen die Blöße des Landes seid ihr gekommen" (V.8-9). Allerdings ist sein Bruder Binjamin nicht mit seinen Brüdern gekommen, wohingegen in seinem ersten Traum alle Brüder versammelt waren, wie es heißt: "Und siehe, wir banden Garbenbunde auf dem Felde, und siehe, es erhob sich mein Garbenbund und blieb auch stehen; und siehe, ringsum stellten sich eure Garbenbunde und beugten sich vor meinem Garbenbunde" (Gen. 37,7). Er sieht sich also gezwungen, einen Zustand zu 'konstruieren', aus dem sich die Erfüllung des Traumes ergibt. Vor seinem geistigen Auge sieht er, dass die zukünftigen Ereignisse noch ein zentrales Thema enthalten müssen, nämlich die Heilung der 'Beschädigung' der Brüderlichkeit, die seine Gefangennahme in der Grube ermöglichte. Josef konstruiert mit großer Begabung künstliche Komplikationen, um den aktuellen Stand der bußfertigen Umkehr seiner Brüder zu prüfen.

Am Anfang überrascht Josef seine Brüder mit einer merkwürdigen Anschuldigung: "Kundschafter seid ihr, zu sehen die Blöße des Landes seid ihr gekommen" (42,9). "Und er tat sie in Gewahrsam drei Tage" (42,17). Danach belässt er bloß Schimon in Haft, bis seine Augen den zusätzlichen Bruder geschaut haben, d.h. bis sich der Traum erfüllt hat. Die Reue der Brüder über das Vergangene lässt nicht lange auf sich warten: "Wir tragen also doch eine Schuld um unseren Bruder, dass wir die Not seiner Seele mit angesehen, als er zu uns flehte und wir kein Gehör gaben! Darum ist uns diese Not gekommen" (42,21). Auf den ersten Blick sieht das doch nach reumütiger Umkehr aus; es kann aber auch sein, dass die Reue noch nicht vollkommen ist, vielleicht offenbart sich hier nur eine spontane Angst vor Strafe und nicht ein tieferer Wandlungsprozess.

Wir begegnen hier einer äußerst seltenen Situation, wo Fleisch und Blut die weiteren Schritte der Wirklichkeit im Voraus kennt und diese auch einen nach dem anderen voranbringt. Normalerweise ist das eine rein göttliche Angelegenheit. Josef hat die Begabung, die Abläufe der göttlichen Vorsehung belauschen zu können. Der Herr der Welt treibt die Vervollkommnung der Wirklichkeit sogar auf den Wegen des Bösen voran, und Josef weiß das ganz genau. Er hat den 'Schaden an der Brüderlichkeit' an eigenem Leibe erfahren, und trotz alledem sieht er mit seinem Blick von über den Dingen die Zwangsläufigkeit des Herabziehens nach Ägypten als Teil des Schöpfungsprozesses der Nation, die die Welt mit der Königsherrschaft G~ttes zur Vollkommenheit bringen wird. "Alles, was G~tt tut, tut er zum Guten" (Brachot 60b), und hier scheint es, 'alles, was Josef tut, tut er zum Guten', er arrangiert den Hintergrund für die vollkommene reumütige Umkehr seiner Brüder über die Komplikationen der Realität. Es gibt keinen größeren Ba'al Tschuwa als den, der in eine ähnliche Situation geriet wie die, in der er in der Vergangenheit versagt hatte, und diesmal den richtigen Weg wählte.

"Und die Hungersnot war schwer im Lande" (43,1), die Brüder reisen ein weiteres Mal zu Josef, diesmal mit Binjamin. Josef sorgt für das Verstecken des Silberbechers bei Binjamin, und damit prüft er, wie es um den Zusammenhalt der Brüder bestellt ist. "Sagte Rabbi Chija bar Aba: Alle Dinge, die man liest, die Jehuda zu Josef vor seinen Brüdern sprach, bis man zum Vers gelangt: Da konnte Josef sich nicht mehr halten (45,1), enthielten Versöhnung mit Josef, und Versöhnung mit den Brüdern, und Versöhnung mit Binjamin. Versöhnung mit Josef, will sagen, seht, wie er sein Leben für die Söhne Rachels einsetzt. Versöhnung mit den Brüdern, will sagen, seht, wie er sein Leben für seine Brüder einsetzt. Versöhnung mit Binjamin, er sagte ihm, so wie ich mein Leben für dich einsetzte, werde ich mein Leben für deine Brüder einsetzen" (Midrasch Ber. raba 93,9).

"Ein tiefes Gewässer ist die Gesinnung im Herzen des Menschen; doch der Mann von Scharfsinn schöpft sie herauf" (Sprüche 20,5), "Ein tiefes Gewässer ist die Gesinnung im Herzen des Menschen, das ist Jehuda zur Stunde, als er vor Josef wegen der Sache um Binjamin stand, doch der Mann von Scharfsinn schöpft sie herauf, das ist Josef" (Sohar, Bereschit 201b). Josefs Plan gelang, und es offenbarte sich die tief verwurzelte Brüderlichkeit aus den verborgenen Gedanken im Herzen von Jehuda. "Denn dein Diener hat den Knaben nur auf seine Bürgschaft von seinem Vater erhalten und gesprochen: Wenn ich ihn dir nicht heimbringe, so will ich gegen meinen Vater alle Tage gesündigt haben. Und nun lasse doch deinen Diener an des Knaben Stelle zum Sklaven meinem Herrn verbleiben, und den Knaben mit seinen Brüdern hinaufziehen! Denn wie soll ich zu meinem Vater hinaufkommen und der Knabe ist nicht mit mir! Könnte ich etwa das Unglück mit ansehen, das meinen Vater träfe?!" (Gen. 44, 32-34).

Durch die Komplikationen offenbart sich das innere Wesen, die Einheit der jüdischen Seele. Jede Spur der Vergangenheit ist ausradiert. Jede Spaltung war nur eine Äußerlichkeit, sogar ein Riss, der unüberbrückbar schien, heilt beim Erscheinen der spezifischen inneren israelitischen Natur. "Da konnte Josef sich nicht mehr halten ... und Josef sprach zu seinen Brüdern: Ich bin Josef, lebt mein Vater noch?..." (45, 1/3).