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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJECHI
Nr. 1102
16. Tewet  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 47,28 - 50,26):

Jakov segnet Josef und seine anderen Söhne vor seinem Tode in Ägypten; der Segen bezeichnet die Charaktereigenschaft eines jeden der 12 Stämme; großer Trauerzug und Begräbnis in der Machpela-Höhle; Josef prophezeit, dass G~tt die Kinder Israels ins Land der Vorväter zurückbringen wird und bittet, dann seine Gebeine zum Begräbnis dort mitzunehmen.

Haftara: Kö. I, 2, 1-12



Am Schabbes-Tisch...


Jakov starb nicht

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

"Folgendes sagte Rabbi Jochanan: Unser Vater Jakov starb nicht. Jener entgegnete: Haben denn vergeblich die Trauernden getrauert, die Einbalsamierenden einbalsamiert und die Totengräber begraben? Dieser erwiderte: Ich deute dies aus einem Schriftvers. Es heißt: Du aber fürchte dich nicht, mein Knecht Jakov, Spruch des Herrn, und erschrick nicht, Israel, denn ich will dich erretten aus fernem Lande und deine Nachkommen aus dem Lande ihrer Gefangenschaft (Jirmijahu 30,10); er wird mit seinen Nachkommen verglichen: Wie seine Nachkommen noch am Leben sind, so ist auch er noch am Leben" (Ta'anit 5b). Und Raschi erklärt dort: "Einbalsamieren - er schien ihnen wie tot, er lebte aber".

Dieser Ausspruch der talmudischen Weisen ist kaum zu verstehen; was beabsichtigt der Midrasch mit der Erklärung, Jakov sei nicht tot? Zwar heißt es im entsprechenden Vers nicht, dass Jakov starb, sondern: "und verschied (wa-jigwa) und ward versammelt zu seinen Stämmen" (Gen. 49,33), aber an anderer Stelle heißt es doch: "Mein Vater hat mich schwören lassen mit den Worten: Siehe, wenn ich sterbe..." (50,5), "als nun die Brüder Josefs sahen, dass ihr Vater tot war" (50,15), "dein Vater hat geboten vor seinem Tode die Worte..." (50,16). Warum wird zudem bei den anderen Vorvätern und bei Moscheh der Ausdruck "sterben" gebraucht, wie geschrieben steht: "Und Awraham verschied und starb (wa-jamot)" (25,8), "und Jizchak verschied und starb" (35,29), "und es starb daselbst Moscheh" (Dt. 34,5)?

Rabbiner A.J.Kuk erklärte in seinem Werk Midbar Schur, der Tod habe zwei Wirkungen: Die eine betrifft den Körper - Entzug aller Kräfte und Verhinderung jeglicher Aktivität, bis er nicht mehr "lebendig" genannt wird. Die zweite betrifft die Seele - Beendigung ihrer Zusammenarbeit mit dem Körper, was für sie eine Notwendigkeit darstellt, weil durch die Sünde des Ersten Menschen ein Verderben entstand, vor dem der Tod der Seele Ruhe verschafft; vor den Belästigungen und Gefühlen des Körpers, vor dem sinnesbetonten Leben, das den Menschen von wahrer Anhänglichkeit an G~tt ablenkt. Durch das Kappen der Verbindung der Seele zum Körper mit seinen materiellen Vorstellungen, Ideen und Begriffen verbleibt die Seele pur und aufnahmebereit für reine Begriffe, die sie vom Antlitz des Königs im Licht des Lebens erhält.

Wenn dem so ist, hat der Tod auf den ersten Blick nichts bei Leuten zu suchen, die ihr ganzes Leben in Heiligkeit G~tt widmen, die sich mit jeder körperlichen und materiellen Angelegenheit unter dem Aspekt ihrer heiligen Bestimmung beschäftigen, diese Welt bei der Begegnung mit ihr erheben und heiligen und deren Anhänglichkeit an G~tt niemals nachlässt. Doch die Dinge verhalten sich nicht so, denn der Tod ist auch eine körperliche Notwendigkeit nach dem Versiegen aller Kräfte, wobei der Körper seiner Natur nach nicht mehr existieren kann. Darum wird bei jenen Gerechten, deren Tod nicht auf irgendwelches Fehlverhalten zurückzuführen ist, in der Tora der Begriff "verscheiden" gebraucht.

Nun sind zum Erreichen jedes erhabenen Ziels auch Mittel nötig, die nichts mit dem Ziel gemeinhaben, wie z.B. das Essen eines Toragelehrten und dessen Fahrt im Autobus zur Jeschiwa. Obwohl dieses Mittel nicht so respektabel ist wie das Ziel, in diesem Fall das Torastudium, ist es aber auch nicht als schlecht anzusehen und erst recht nicht zu verwerfen. Es gibt aber auch Mittel, die dem Ziel entgegenstehen, und die Würde des Ziels erscheint erst beim Ausschluss dieses Mittels. Zum Beispiel kann man den böse Trieb als ein Mittel ansehen, den Menschen zum großen Ziel der Anhänglichkeit an G~tt zu bringen - indem der Mensch ihn bekämpft und niederringt und gerade durch diesen Kampf spirituelle Höhen erreicht.

Unser Stammvater Jakov war ein heiliger Mensch, wie es heißt: "und sie heiligen den Heiligen Jakovs" (Jeschajahu 29,23). Im Buch Messilat Jescharim (Der Weg der Frommen, Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto), im letzten Kapitel, wird erläutert, wie beim wirklich heiligen Menschen seine Beschäftigung mit der diesseitigen Welt und alle seine Begegnungen mit materiellen Dingen genau auf das heilige Ziel abgestimmt sind. Alle seine Taten erhalten einen reinen und würdigen Wert, und nicht nur als 'notwendige Mittel'; vielmehr offenbaren sich durch sie seine einzigartige Seele und sein göttlicher Rang. Jakov agierte sein ganzes Leben lang bei allen seinen Beschäftigungen als reines Fundament der israelitischen Nation. Sogar im Hause Lawans, beim Hüten dessen Viehs, durch besonders sorgfältiges Hüten (Baba mezia 93b). "Und Jakov diente um Rachel sieben Jahre; und sie waren in seinen Augen wie einige Tage, weil er sie liebte" (Gen. 29,20). Normalerweise, wenn jemand in eine Frau verliebt ist und er auf den Tag der Hochzeit wartet, kommt ihm jeder Tag, der ihn noch von der Trauung trennt, wie eine Ewigkeit vor - warum also erschienen Jakov die sieben Jahre bloß wie "einige Tage"? Weil er in der Zeit als Stammvater der Nation mit der Schaffung der Stufe der Heiligkeit auch bei der Begegnung mit dem Materiellen beschäftigt war, nicht nur mit Torastudium im Lehrhaus von Schem und Ewer.

Im Gegensatz zu Jakov bestand im Leben von Awraham und Jizchak eine göttliche Notwendigkeit auch für Mittel, die zu einem späteren Zeitpunkt, als deren Ziel erreicht war, eliminiert werden mussten. Darum entsprangen ihnen die Nationen von Ischma'el und Eßaw, die, obwohl sie dem Ziel entgegenstanden und sogar aktiv störten, gerade deswegen zu dessen Vervollkommnung gebraucht wurden. Vom Volk Israel wird verlangt, eine spirituell und politisch vollkommene Stufe einzunehmen, gerade angesichts der Kulturen und Religionen jener, die im absoluten Gegensatz zu ihm stehen. Und wenn dieses Ziel erreicht ist, ermöglicht sich von alleine deren allgemeine Auflösung (siehe Rabbiner A.J.Kuk, Orot, Hamilchama §8). Bei Awraham und Jizchak heißt es 'sterben' zusammen mit 'verscheiden', denn ihre seelische Verknüpfung mit den Liebesbezeugungen und den Handlungen, die zur Gründung jener Nationen führten, sollte besser ausgelöscht werden, wodurch nur ein leuchtender Eindruck der Heiligkeit ihrer Seelen in jener Mehrheit ihrer Handlungen verblieb, die nicht dem Ziel entgegenstanden. Ebenso verhielt es sich beim Tod Moschehs, wegen der Mitnahme des Erew raw (Mischvolk, Nichtjuden) aus Ägypten (Sohar, Bereschit 25a), ebenfalls Mittel zum Zweck, das am Ende ausgeschieden werden muss, wie es heißt: "und läutere wie Lauge deine Schlacken, und schaffe fort all deinen Beisatz" (Jeschajahu 1,25).

Über unseren Stammvater heißt es, "sein Lager war vollkommen", d.h. alle seine Kinder waren der Befähigung zur Prophetie würdig, sodass die göttliche Präsenz auf dem ganzen Volk ruhen konnte. Jakov benutzte niemals Mittel zum Zweck, die später hätten entfernt werden müssen, denn alle seine Unternehmungen waren auf ewigen Bestand ausgelegt, genauestens auf das gewünschte Ziel des Schöpfers in dessen Welt ausgerichtet. Und auch wenn er in das Gefilde des Todes gelangte, wird seine Seele nicht hauptsächlich davon berührt. Deshalb wird kraft seines Wesens als Stammvater der israelitischen Gemeinschaft bei ihm kein 'Sterben' erwähnt, und in diesem Sinn starb er auch nicht wirklich, denn keine Verknüpfung seiner Seele zu irgendeiner seiner materiellen Beschäftigungen brauchte entfernt zu werden, der Sinn des Todes; sie alle waren heilig und auf vollkommene Weise dem Ziel angepasst.

Wie eine Leuchte, deren Öl zu Ende ging, deren Feuer aber nie verlöschte; viele Lichter, viele Seelen im Laufe der Generationen - durch sie lebt und leuchtet auf ewig die große Seele unseres Stammvaters Jakov, "wie seine Nachkommen noch am Leben sind, so ist auch er noch am Leben" (s.o.).

Zur Haftara

Generationenwechsel

Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

Im Tanach gibt es zwei einzigartige Geschlechter, die von G~tt gegründet wurden und mit denen er den Bund ewigen Bestehens schloss - das Haus Israel und das Haus David (siehe Jirmijahu 33,25-26).

Unsere Haftara beschreibt die Weisungen von David an Schlomo vor seinem Tode, zum Zeitpunkt, als er ihm die Königsherrschaft übertrug. Darin besteht die Verbindung zum Zentralpunkt unseres Wochenabschnitts - die durch Jakov jedem Stamm zugeteilte Bestimmung und sein Segen, als sich seine Tage ihrem Ende zuneigten.

Allgemeiner gesagt: Diese Parscha und ihre Haftara handeln beide vom Zeitpunkt des Übergangs von der schwierigen und langen Periode der Familiengründung zur Periode von Stabilität und Kontinuität. Sowohl das Leben unseres Stammvaters Jakov (praktisch aller drei Stammväter) als auch die Herrschaft König Davids waren von Kämpfen und Schwierigkeiten bezüglich der Gründung des Volkes Israel bzw. des ewigen Königsgeschlechts gekennzeichnet. Beide mussten schwere Rückschläge verkraften: Lange Zeit sah es so aus, als ob zwischen Jakovs Söhnen nur Zwietracht und Streit herrschten, und bei David - Scha'ul, der seinen Aufstieg zum Thron verhindern wollte, Awschalom, sein Sohn, der die Herrschaft an sich riss und König David ins Exil schickte, und im weiteren Verlauf auch Schewa ben Bichri und Adonijahu.

Erst gegen Ende ihres Lebens, kurz vor dem Tode, war es beiden vergönnt zu sehen, dass sie nicht nur würdige Nachfolger zur Fortsetzung des Stammes hinterließen, sondern auch die neue Epoche, die mit der nächsten Generation begann - bei David durch Stammhalter Schlomo, dessen Königtum, und dessen Kontinuität, bereits gesichert waren.

Jakov erlebt noch, im Gegensatz zu seinen Sorgen und seiner Trauer über Josef, die Freude über seine Rückkehr unter die Stämme, sogar die Verdoppelung Josefs Stärke zu zweien der zwölf Stämme: "Und nun deine beiden Söhne, die dir im Lande Ägypten geboren wurden, bevor ich zu dir gekommen nach Ägypten, mein seien sie; Efraim und Menasche seien mir wie Re'uwen und Schimon" (Gen. 48,5). Und im Gegensatz zur tragischen Spaltung zwischen den Söhnen erlebt er noch deren Einigkeit und ihre Versammlung um sein Sterbebett.

König David, der seine Herrschaft an Schlomo vererbt, weiß, dass dessen Königtum größer noch als sein eigenes sein wird, wie ihm Benajahu verkündete: "So wie der Ewige war mit meinem Herrn dem Könige, so sei er mit Schlomo, und vergrößere seinen Thron über den Thron meines Herrn, des Königs David" (Kö. I, 1,37). Ebenso verpflichtet er Schlomo zur Ausführung dreier Aufträge, die allesamt zur Beilegung von Zwietracht und Konflikten dienen, die zu Davids Lebzeiten entstanden, allen voran der Aufstand Awschaloms: 1. Schlomo sollte für die Tötung Joaws sorgen, der erst Avner getötet hatte und dann Awschalom und den Heerführer Amassa, wodurch die Beilegung des Streites mit ihnen auf friedlichem Wege verhindert wurde. 2. Den Söhnen des Barsilai HaGiladi Gnade erweisen, der David auf der Flucht vor Awschalom unterstützt hatte. 3. Für die Tötung des Schimi ben Gera sorgen, der David auf seiner Flucht vor Awschalom geflucht hatte.

Nach Ausführung dieser drei Aufträge würden Schlomo in Zukunft Ruhe und Gelassenheit zuteilwerden, ohne irgendwelche Angriffe abwehren zu müssen, nicht wie die vielen Attacken, die gegen das Königtum Davids gerichtet waren. In diesem Sinne endet die Haftara: "Und Schlomo saß auf dem Throne Davids, seines Vaters, und sein Königtum war sehr gesichert" (Kö. I, 2,12).