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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ERA
Nr. 1104
1. Schwat  5777

Diese Woche in der Tora (Ex. 6,2 - 9,35):

G~tt erinnert Moscheh an seinen Bund mit den Vorvätern und das Versprechen, ihren Nachkommen das Land Kanaan zu geben; schickt ihn zu den Kindern Israels, den Auszug anzukündigen, doch sie wollen nichts davon hören; kleine Stammeskunde; Moscheh und Aharon wieder bei Pharao; Wunderzeichen, Pharaos Zauberer machen es nach; die ersten 7 der 10 Plagen.

Haftara: Jeschajahu 66, 1 - 24 (Haftara für Rosch Chodesch)


HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Die Unterteilung in Völker

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Frage: Warum müssen die Völker in Nationen unterteilt sein?

Antwort von Rabbiner Zwi Jehuda Kuk: Beim Menschengeschlecht, beim 'Ebenbild G~ttes' des Menschen, gibt es viele Nuancen, Begabungen und Kräfte. Das 'Ebenbild G~ttes' kennzeichnet die ganze Menschheit, nicht nur das Volk Israel. Bei der Erschaffung der Welt heißt es: Lasst uns einen Menschen in unserm Bilde nach unserer Ähnlichkeit machen" (Gen. 1,26). Rabbiner Chajim ben Attar, der Or HaChajim, war ein heiliger Toragelehrter, ein Mann von Wundern. Auf den ersten Seiten [seines Torakommentars] vermerkt und betont er, dass es verschiedene Stufen beim 'Ebenbild G~ttes' gibt. Zum einen ein allgemein-menschliches 'Ebenbild G~ttes', und daneben gibt es noch ein 'Ebenbild G~ttes', ein verborgenes, sehr tiefes, ein weggeschlossenes, innerliches, höchstes, erhabenes, das sich im Volk Israel manifestiert.

Gleichfalls gibt es Abstufungen und Stämme beim Volk Israel. Das vollständige Gebäude der gesellschaftlichen und nationalen Sammlung der israelitischen Allgemeinheit besteht aus verschiedenen Strömungen und Teilen, und alle Teile zusammen erbauen das vollständige Gebäude. Jeder Stamm verfügt über eine besondere Begabung, symbolisiert durch seinen Edelstein im Brustschild des Hohepriesters, sein eigenes Banner, und alle zusammen bilden das vollständige Gebäude. In bestimmter Hinsicht verhält es sich so auch im allgemein-menschlichen Sinne. In den letzten Generationen hat sich die Wissenschaft enorm entwickelt, darunter die Psychologie und die Psychologie der Öffentlichkeit, der Völker. Diese Psychologie unterscheidet zwischen verschiedenen Strömungen, Begabungen und Kräften. Die talmudischen Weisen verwenden folgende Begriffe: 'Fürsten der Nationen' [himmlische Wesen, die einem bestimmten Gebiet auf der Erde seinen besonderen Charakter geben, was sich auch auf die dort lebenden Menschen auswirkt], 'Seele der Nationen', 'Engel der Nationen'. Es gibt mehrere Seiten, allesamt Nuancen und Unterabteilungen des 'Ebenbild G~ttes' im Menschen. In jeder Nation offenbaren sich besondere kulturelle und künstlerische Kräfte.

Auch wir verfügen über Begabungen, und unsere besondere Begabung ist die Prophetie. Wir sind ein Volk von Propheten, "denn wenn sie auch keine Propheten sind, so sind sie Kinder von Propheten" (Pessachim 66a).

Bei uns gibt es eine Anhänglichkeit an G~tt, die sich in Prophetie ausdrückt. Unterhalb des Aufstiegs zu dieser höchsten Stufe göttlicher Anhänglichkeit, die sich in Prophetie ausdrückt, gibt es bei den Nichtjuden, die keine Beziehung zu der höchsten Stufe haben, verschiedene Begabungen und Aspekte, wie Kunst, Architektur, Technologie und die übrigen Dinge, die "Aufbau der Welt" (Sanhedrin 24b) genannt werden. Dieser Abschnitt im Talmud, nachdem auch das Gesetz entschieden wurde, lautet: Die Nichtjuden müssen sich mit dem Aufbau der Welt befassen. Die talmudischen Weisen erläutern den Vers "...das G~tt geschaffen, um es zu fertigen" (Gen. 2,3), um es zu fertigen - durch den Menschen, der das Werk des Himmels vollendet.




Am Schabbes-Tisch...

Anpflanzen oder Maschiach empfangen?

Rav Nathan Kotler
MACHON MEIR

Das Dilemma und seine Lösung

Die talmudischen Weisen bieten einen Ausweg aus einem einzigartigen Dilemma: "Raban Jochanan ben Sakkai sagt: Hattest du einen Setzling in deiner Hand und man sagte dir, der Maschiach ("Messias") ist gekommen, dann geh erst den Setzling pflanzen, und danach gehe, ihn zu empfangen" (Awot deRabbi Nathan N.B., §31). Die Frage lautet, wie kann das Pflanzen von vorrangiger Bedeutung vor dem Empfang des Maschiach sein?! Wir träumen vom Maschiach doch schon Tausende von Jahren, schon seit der Schöpfung, und wie kann es also angehen, dass eine scheinbar so triviale Sache wie das Pflanzen die große Vorfreude des Kommens des Maschiach verdrängt?

Es gibt eine Anzahl von möglichen Denkansätzen, diese Frage zu beantworten.

Die Bedeutung der kleinen Einzelheiten

Wenn es regnet, danken wir G~tt nicht nur im weiteren Sinne, sondern auch (und vielleicht vor allem) für diesen besonderen Fall: "Wir danken dir [Ewiger, unser G~tt und G~tt unserer Väter,] für jeden Tropfen, den du uns herabfallen ließest" (Brachot 59b). Normalerweise konzentrieren wir uns auf den Wasserpegel des Kinneret und die Menge der Niederschläge im Negev, man muss sich aber über jeden Regentropfen freuen. Entsprechend bedeutet der Maschiach etwas Großes und Erhabenes, auf das wir seit Tausenden von Jahren warten, gleichzeitig dürfen wir aber die kleinen Einzelheiten nicht vergessen, wie z.B. die Pflanzungen.

Ununterbrochene Tätigkeit

Maimonides schrieb Folgendes über das Zeitalter des Maschiach: "Komme gar nicht erst auf den Gedanken, dass im Zeitalter des Maschiach sich irgendetwas am normalen Lauf der Welt oder in der Schöpfung ändern werde - nein, die Welt bleibt, wie sie war" (Gesetze von Königen und Kriegen 12,1). Nach Maimonides kommt der Maschiach nicht, um etwas am Leben zu verändern, sondern um das Leben zu verbessern, um es zu einer neuen Dimension zu erheben: "Und in jener Zeit wird es weder Hunger noch Krieg geben" (12,5), und Maimonides erzählt uns weiter über das messianische Zeitalter: "und das Gute wird in Fülle vorhanden sein. Und alle Delikatessen wird es wie Sand am Meer geben. Und die ganze Welt wird sich mit nichts Anderem beschäftigen als allein mit dem Wissen um G~tt" (ebda.).

Und darum sagen uns die Weisen, dass wir auch bei Ankuft des Maschiach noch weiter Bäume pflanzen und die Welt aufbauen müssen. Vielleicht wollen sie uns damit andeuten, dass selbst wenn sich großartige Ereignisse um uns herum abspielen, wir mit unserem tagtäglichen Werk fortfahren müssen.

Das "Sprießen des Maschiach"

Was ist wichtiger, der Entwicklungsprozess oder das Ergebnis? In materieller Hinsicht entscheidet meist das Ergebnis. Wenn man z.B. dem Zug nachläuft und ihn nicht mehr erreicht, dann war die ganze Anstrengung umsonst. Doch in spirituellen Dingen ist der Weg nicht weniger wichtig als das Ergebnis. Zum Beispiel heißt es in den Psalmen (105,3): "Es freue sich das Herz derer, die den Ewigen suchen". Dazu lässt sich fragen: Wenn der Mensch G~tt sucht, dann hat er ihn anscheinend noch nicht gefunden, und warum sollte er sich dann freuen, er müsste doch eher frustriert sein?!

Rabbi Schlomo Carlebach ("der Singende Rabbi") sagte: "Wenn ich G~tt suche, erfüllt mich jeder Schritt, den ich auf dem Weg dorthin nehme, mehr und mehr ... Unser Vorvater Jakov brachte die Erkenntnis in die Welt, dass wer G~tt wirklich sucht, dem sagt G~tt, sogar im Traum: Schon als du mich suchtest, war ich mit dir ... Ich war mit dir die ganze Zeit". Wenn man also G~tt sucht, bedeutet die Suche an sich schon das Finden, und ganz von selbst füllt man sich mit Freude.

Das Pflanzen symbolisiert die Mühe und den Kräfteeinsatz jenseits von Ergebnissen und Erreichtem. Erzählt der Midrasch eine "Geschichte von König Adrianus, der mit seinen Soldaten auf dem Weg zum Krieg um eine Stadt war, da begegnete er einem Greis, der einen Feigenbaum pflanzte, da sagte Adrianus zu ihm: Du bist ein Greis und mühst dich für Andere. Erwiderte jener: Mein Herr, der König, ich pflanze eben; wenn es mir vergönnt ist und ich lebe, esse ich von den Früchten meiner Pflanzung, und wenn nicht, werden meine Kinder davon essen. Er führte drei Jahre Krieg und kehrte zurück, was tat jener Greis? Er nahm einen Korb und füllte ihn mit schönen Erstlingsfrüchten seiner Feigen und kam vor Adrianus ... Sagte Adrianus zu seinen Dienern: Nehmt ihm [den Korb] ab und füllt ihn ihm mit Goldstücken" (Jalkut Schimoni, Kohelet, §968).

Adrianus lebt in einer Welt, in der nur Erfolge und Resultate zählen und ist nicht fähig zu verstehen, warum sich der Greis so sehr abmüht, einen Baum zu pflanzen, von dem er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr genießen wird. Doch der Greis sorgt sich nicht um Resultate, "ich pflanze eben; wenn es mir vergönnt ist und ich lebe, esse ich von den Früchten meiner Pflanzung, und wenn nicht, werden meine Kinder davon essen". Der Greis versteht, dass seine Mühe des Pflanzens nicht umsonst sein kann, auch wenn sie keine unmittelbaren Ergebnisse zeitigt. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Mühen nicht nur nicht umsonst waren, sondern dem Greis sowohl Früchte als auch Goldstücke beschieden waren.

Wenn man sich also mit Säen und Pflanzen beschäftigt, braucht man Glauben, "glaubt an den, der in Ewigkeit lebt, und sät" (Tossafot Schabbat 31a, nach Talmud jeruschalmi). So verhält es sich auch mit der Erlösung, die nicht plötzlich erscheint, sondern nach einem Entwicklungsprozess: "So verhält es sich mit der Erlösung Israels - zu Beginn Schritt um Schritt, und je weiter sie geht, um so stärker wird sie" (Talmud jeruschalmi, Brachot 1.Kap.). Entsprechend wird der Maschiach auch Zemach (Pflanze) genannt, so wie wir im Gebet sagen: "Den Sprössling deines Knechtes David (Zemach David) lass rasch emporsprießen". Und warum? "Denn sein Vorzug wird einer Erdpflanze gleichen, die Stück um Stück wächst, so wird sein Vorzug ansteigen, bis er sehr groß ist" (Em habanim smecha, S.101).

Und gerade weil der Maschiach durch langsames Wachsen erscheint, passt es ausgezeichnet, sich in dieser großen Stunde mit Sprossen und Pflanzen zu beschäftigen. Wenn du also einen Setzling in der Hand hast, pflanze ihn sogleich ein und gehe erst dann, den Maschiach zu empfangen.



Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden. Hier eine kleine Auswahl

Frage: Wie verhält es sich nach der Halacha, wenn ich Nahrung oder Medizin in der Tasche hatte und damit auf den Lokus ging?
Antwort: Es gibt kein Verbot, Nahrung oder Getränk ins WC mitzunehmen, schon gar nicht Medizin. Manche legen sich eine strengere Haltung auf und vermeiden es, aber die Nahrung ist hinterher keinesfalls für den Genuss verboten. Bezüglich Medizin gibt es keinen Grund für eine strengere Haltung.

Frage: Meine Familie organisiert eine Gedenkfeier für meine erste Frau. Sollte ich meine gegenwärtige Frau mitbringen?
Antwort: Gehen Sie überhaupt nicht hin. Sie sind jetzt wieder verheiratet, und ihre frühere Frau gehört nicht zu Ihrer Welt. Wenn Sie gehen würden, selbst alleine, wird es Ihrer jetzigen Frau Schmerz verursachen, auch wenn sie es bestreitet.

Frage: Sollte man auf der Hochzeitseinladung darum bitten, dass die Gäste in sittsamer Kleidung erscheinen, oder wäre das beleidigend?
Antwort: Es ist nicht beleidigend, seien Sie aber vorsichtig bei der Wortwahl.

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