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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJERA
Nr. 1094
18. Marcheschwan  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 18,1-22,24):

Besuch der 3 Engel bei Awraham, Ankündigung Saras Sohn, Verhandlung mit G~tt über Sdom, Engel bei Lot, Vernichtung von Sdom und Amora, Lot und seine Töchter, Awraham und Sara bei Awimelech, Geburt Jizchaks, Vertreibung Hagars und Jischma'els, Bündnis mit Awimelech, Opferung Jizchaks/Widder, göttliches Versprechen zahlreicher Nachkommenschaft und Segen für alle Völker der Erde.

Haftara: Könige II, 4, 1-37



HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Die Erlösung in umgekehrter Reihenfolge

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Im Mussafgebet von Schabbat sagen wir: "Du hast den Schabbat gegründet, hast Wohlgefallen an dessen Opfern", die Anfangsbuchstaben der Worte (im hebräischen Original) lauten: Taw-Schin-Resch-Kuf (taschrak), die vier letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets in umgekehrter Reihenfolge. Das deutet auf das Ende der Tage: Dann werden sich große Ereignisse auf diese Weise offenbaren, wie es beim Propheten Jeschajahu heißt: "...der die Menschengeschlechter berief von Anbeginn" (41,4). Der Talmud (Chulin 63a) zitiert dazu einen anderen Vers aus den Propheten: "Ich locke (äschreka) sie [die Juden in der Verstreuung] und versammle sie" (Secharja 10,8). Erklärt der Talmud: Es gibt einen Vogel namens Schrakrak. Wenn er ausgerechnet auf dem Boden sitzt und seinen Lockruf ausstößt, "kommt der Maschiach ('Messias')". Wir entnehmen dieser Talmudstelle, dass die Einsammlung der Verstreuten unmittelbar mit dem Maschiach zusammenhängt. Der Prozess der Erlösung beginnt mit der Einsammlung der Verstreuten. Die besagte Talmudstelle ergeht sich zunächst in einfachen religionsgesetzlichen Diskussionen über die Kaschrut von verschiedenen Vogelarten, fährt allerdings fort mit dem Verhalten dieses Vogels: Wenn dieser seinen Lockruf hören lässt - nicht auf die normale, sondern auf eine besondere Weise - dann kommt der Maschiach. Das ist eine einfache, aber sehr tief gehende Erläuterung.

Ebenso schrieb Maimonides: Wer nicht an den Maschiach glaubt, verleugnet die ganze Tora. Doch wo steht in der Tora etwas vom Maschiach? Schreibt Maimonides: "Und Jeder, der nicht an ihn glaubt, oder wer sein Kommen nicht erwartet - nicht nur, dass er sich damit gegen sämtliche Propheten auflehnt, er trotzt selbst der Tora und unserem Lehrer Moscheh. [Und woher dies?] Denn die Tora selbst bezeugt ihn, wie es heißt: 'So wird der Ewige dein G~tt zurückführen deine Gefangenen und sich dein erbarmen und dich wieder sammeln usw.', 'Wenn deine Verstoßenen sein werden am Ende des Himmels usw.' und '...wird dich bringen in das Land usw.' (Deut. 30,3-5)" (Gesetze von Königen und Kriegen, 11,1). Einsammlung der Verstreuten - das ist der Maschiach.

Die Einsammlung der Verstreuten ist unsere heutige Realität. "Ich locke sie und versammle sie". Zu unserem Leidwesen gibt es Häretiker, die Gebote erfüllen, und Fromme, die nicht glauben. "Und Jeder, der nicht an ihn glaubt", weil ihm alles umgekehrt erscheint. "Ich locke sie und versammle sie" aber offenbart sich immer in Form des Z-Y-X-W und nicht als A-B-C-D. Es gibt Komplikationen bei der Erlösung, auch schmerzhafte Dinge und Entweihung des göttlichen Namens. "Und eine Zeit der Bedrängnis ist es für Jakov, und von ihr aus soll ihm geholfen werden" (Jirmijahu 30,7). Aus der Tiefe der Bedrängnis erstehen Befreiung und Ausbreitung.

Zur Haftara

Und ein Weib...

Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

Unsere Haftara schildert das Versprechen des Propheten Elischa an die Frau aus Schunem, sie werde zur gleichen Zeit im nächsten Jahr einen Sohn zur Welt bringen, nachdem sie jahrelang unfruchtbar gewesen war. Auf natürlichem Wege war die Sache unmöglich, genau so wie bei der Botschaft an Awraham und Sara über die Geburt von Jizchak in unserem Wochenabschnitt.

Im Tanach (Bibel) finden sich viele Wunder, doch nicht oft lesen wir, dass G~tt ein Wunder der Geburt neuen Lebens vollbringt. Ein Wunder, das die Quelle des Lebens öffnet und aus ihr neues Leben hervorsprudeln lässt, wo die Sache allen Gesetzen der Realität zuwiderläuft, zeugt vom erhabenen Rang des Propheten, dem dieses Wunder gewährt wird, das einem erneuten Erschaffen des Menschen ähnelt. Im Talmudtraktat Megilla (2a) heißt es, dass sich der Schlüssel der Geburt von neuem Leben nur bei G~tt selbst befindet und keinem Boten überlassen wurde, und darum ist so ein Wunder von besonders hoher Stufe.

In beiden Geschichten - bei Jizchak und dem Sohn der Schunamit - begegnen wir zwei verschiedenen Aspekten des Erhalts neuen Lebens von G~tt. Bei Jizchak diente das neue Leben der Erfüllung G~ttes Willens durch den neugeborenen Sohn selbst, denn schon bei der Erwählung Awrahams durch G~tt wurde ihm zahlreiche Nachkommenschaft versprochen, die das Land besiedeln werde. Bei der Schunamit hingegen heißt es ausdrücklich, dass das neue Leben hauptsächlich zugunsten der Mutter gegeben wurde, der Frau aus Schunem, die für das Wohlergehen des Propheten Elischa gesorgt hatte, und nicht um des neugeborenen Sohnes willen. Hätte die Frau etwas anderes benötigt als die Geburt eines Sohnes, hätte sie es bekommen, "da sprach Gechasi: Doch! Sie hat keinen Sohn, und ihr Mann ist alt" (Könige II, 4,14).

Beim Lesen jener beiden Abschnitte an diesem Schabbat begegnen wir der besonderen göttlichen Präsenz auf Israel, die in keiner Weise den Naturgesetzen unterworfen ist. Mit dem Willen G~ttes, eine neue Seele in die Welt zu bringen oder Israel Gutes zu tun, öffnet er ihnen die Quelle des Lebens und erschafft ihnen neues Leben.

Damit nicht genug. Bei beiden wundersamen Personen - Jizchak und dem Sohn der Schunamit - finden wir, dass sie nicht nur im Widerspruch zu den Naturgesetzen zur Welt kamen, sondern war ihnen auch, als sie bereits an die Tore des Todes gelangten, neues Leben vergönnt. Jizchak erhielt von G~tt neues Leben, nachdem sein Tod bei seiner Bindung bereits beschlossene Sache war, und der Sohn der Schunamit wurde durch Elischa wiederbelebt, nachdem er nach den Naturgesetzen bereits tot war.

Im Kommentar des Malbim erklärt sich die Größe des Wunders der Wiederbelebung des Sohnes der Schunamit: "Als nämlich Elischa kam, alle seine Großtaten zu vollbringen - der Überfluss des Öls aus dem Krüglein, die Entgiftung des Gemüseeintopfs, die Heilung im Wasser, das Aufschwimmenlassen des Eisens (Könige II, 4.-6.Kap.) - wurde bei diesen nicht erwähnt, dass er sich des Gebets bedient hätte, vielmehr vollbrachte er sie dank seiner Prophetenkraft, und hatte damit Erfolg; doch als er den Sohn der Schunamit wiederzubeleben kam, musste er beten, denn die Wiederbelebung der Toten wurde keinem Boten überlassen, nur von G~tt allein".

Das neue Leben, das Jizchak und dem Sohn der Schunamit eingepflanzt wurde, die beide nicht auf natürliche Weise geboren wurden, besiegte mit seiner Macht sogar den Tod.



Frage und Antwort

Die Tora des Lebens
    

Rav Re'uwen Feuermann
Rabbiner an MACHON MEIR

RavReuwenFeuermann

Der Sohn: Warum hat G~tt die Erde nicht rechteckig geschaffen?

Der Vater: Warum ausgerechnet rechteckig?

S: Um darauf ein riesiges Lehrhaus zu bauen, denn das ist normalerweise rechteckig, und Alle säßen dort und lernten Tora. Wenn das Ziel der Schöpfung das Torastudium ist, hätte G~tt viele Buchständer und viele Talmudbände erschaffen müssen. Stattdessen wurden Wasserfälle erschaffen, Pinguine, Sterne und Glühwürmchen...

V: Wir leben nicht, um Tora zu lernen. Im Gegenteil, wir lernen Tora, um zu wissen, wie man richtig lebt. Die himmlische Tora möchte sich im ganzen irdischen Leben offenbaren, nicht nur in den Schriften, und nicht nur in den Jeschiwot und in den Synagogen. Die Tora muss auf der allgemeinen Ebene des Lebens erscheinen: in der Natur und in den staatlichen Institutionen, in der Musik und in der Weltraumforschung, in Liedern und im Sport, im ganzen Sein - alles ist dazu bestimmt, der Tora Ausdruck zu verleihen und sie in der Welt zu offenbaren.

S: Also nur vom Augenblick an, wenn sich die Tora im Leben offenbart, erscheint sie wirklich?

V: Ja. Jemand, der die Realität dieser Welt ignoriert und sich nur auf die Tora konzentriert, macht sich eigentlich nur vor, dass er sich mit der Tora beschäftigt. Praktisch beschäftigt er sich bloß mit einer Art "religiösen Spiritualität", aber nicht mit der Tora. Die talmudischen Weisen sagten, wenn jemand behauptet, Alles auf der Welt sei ihm egal außer der Tora, kennt die Tora nicht und versteht sie nicht: "Wenn jemand sagt: Ich habe nichts als Tora ... selbst Tora hat er nicht" (Jewamot 109b).

S: Aber auch umgekehrt ist das so - einer Welt ohne Tora fehlt die Bedeutung: "Zweitausend Jahre öde - das ist die Welt ohne Tora". Die talmudischen Weisen sagen auch, dass G~tt bei der Erschaffung der Welt eine Bedingung gestellt hat, nämlich wenn die Israeliten die Tora nicht annehmen sollten, er die Welt in den Urzustand des 'öd und wüst' verfallen lassen werde" (Midrasch).

V: Richtig. Nur durch die Vereinigung von Tora und Leben lassen sich der hohe Rang der Tora und der höchste Vorzug des Lebens offenbaren.

S: Das hört sich an wie das Motto der "Bnej Akiwa": "Tora und Arbeit"?

V: Ganz und gar nicht! Es gibt nichts, das sich mit der Tora verbinden könnte, und auch nichts außerhalb von ihr.

S: In den "Sprüchen der Väter" steht aber doch: "Auf drei Dingen steht die Welt: auf der Lehre, auf dem Dienst und auf der Wohltätigkeit" (1.Kap.), das heißt doch, dass der Mensch arbeiten soll, und dass das nicht weniger wichtig sei als die Tora zu lernen?

V: In den "Sprüchen der Väter" ist vom Tempeldienst die Rede, vom Gebet und von den Opfern, alles als Teil derjenigen Tora, die sich in Zukunft durch das Torastudium, den Tempeldienst und die Wohltätigkeit offenbaren wird. Tora und Dienst sind nicht zwei Bereiche, die man miteinander verflechten soll. Das Judentum redet von einer vollkommenen Einheit von Leben und Tora. Nicht wie zwei Inhalte, sondern wie ein Erheben auf eine höhere Stufe, in eine neue Dimension, die sich 'Tora des Lebens' nennt, wo Gebet, Gebote, Ethik usw. inbegriffen sind.

S: Demnach sind alle Bereiche des Lebens eigentlich verschiedene Zweige der höchsten Tora, nur dass sie noch nicht in Erscheinung traten, noch nicht wirksam wurden. Jetzt ist mir auch etwas anderes klar: Moscheh erhielt die Tora am Sinai, um sie im Leben zu verwirklichen. Wenn das Volk Israel nach dieser Tora lebt, verwandelt sie sich von einer theoretischen, abstrakten zu einer handfesten Sache, die in der Realität verankert ist.

V: Folgendes schrieb Rabbiner A.J.Kuk: "Die Zukunft entwickelt sich hin auf die Entstehung des vollkommenen Lebens, auf die Erhebung des Weltlichen zum Heiligen, Alles, was sich unterordnet - unter das Erhabene und das Erhöhte seit ehedem. Jetzt gab ich euch Tora, in der kommenden Zukunft gebe ich euch Leben" (Orot Hakodesch III, S.106).