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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ETCHANAN (NACHAMU)
Nr. 1130
13. Aw  5777

Diese Woche in der Tora (Dt. 3,23-7,11):

Fortsetzung Moschehs Rückblicksrede, Bitte, doch einwandern zu dürfen, und deren göttliche Ablehnung; Ermahnung, die Tora nicht zu ändern; Warnung vor Götzendienst; Zufluchtstädte; Wiederholung der 10 Gebote; das Schma-Gebet; Vermeiden von Mischehen; nochmalige Aufforderung zur Vertreibung der Ka'ananiter.

Haftara: Jeschajahu 40,1-26

 


Der Stand der Dinge...

Getröstet hat der Ewige Zion
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

[Interview]

Frage: Nachdem wir Tischa be'Aw hinter uns haben und auf Schabbat Nachamu (Schabbat der Tröstung) zusteuern - gibt es denn überhaupt etwas, das uns Trost spenden könnte?

Antwort: Aber sicher! Wir leben hier in Israel in einem Garten Eden. Darum kommen alle möglichen Migranten, Nichtjuden in unser Land. Würden wir die Tore Allen öffnen, kämen hier eine Milliarde Menschen an, und nach ihnen noch eine Milliarde... Es erfüllt sich an uns: "macht seine Wüste einem Eden gleich, und seine Verödung gleich einem Garten des Ewigen" (Jeschajahu 51,3). Welch eine Heiligung des göttlichen Namens!

F: Es gab aber auch eine Entweihung des göttlichen Namens - die Zerstörung von Gusch Katif (der jüdisch besiedelte Teil des Gasastreifens)!

A: In der Tat, eine schreckliche Sache. Aber wir wussten schon im Voraus, dass unsere Erlösung Stück um Stück vorangeht, über Höhen und Tiefen. Gleichzeitig muss man die Dinge im Verhältnis sehen: Ein wunderbarer Landstrich wurde zerstört - wunderbar in spiritueller als auch in siedlungsmäßiger Hinsicht - bewohnt von zehntausend feinen Menschen. Doch demgegenüber gibt es derzeit in Jehuda und Schomron ("Judäa und Samaria") fast eine halbe Million Menschen, und niemandem wird es gelingen, eine so große Anzahl von Menschen zu entwurzeln.

F: Aus praktischen oder aus spirituellen Gründen?

A: Sowohl als auch. Aus praktischen Gründen, weil man eine so große Anzahl von Menschen nicht einfach verschieben kann. Und aus spirituellen Gründen, weil das Volk in Zion in gewissem Maße glaubt, das hier sei das Land Israel...

F: Nur "in gewissem Maße"?!

A: Ja. Es hat schon eine ganze Weile gedauert, bis unser Volk daran glaubte, die Galut (Exil) verlassen zu müssen, nach Zion zurückzukehren und einen Staat zu gründen. Und es wird noch eine Weile dauern, bis es an die Notwendigkeit glauben wird, das Land in seiner ganzen Länge und Breite zu besiedeln. Auch diese Erlösung erfolgt nur Stück um Stück. Die Zerstörung von Gusch Katif konnte nur deshalb geschehen, weil das Volk noch nicht glaubt, dass dies unser Land ist, und darum erfüllt es nicht das Gebot dessen Besiedlung. Der Glauben ist die Seele des Gebotes. Die talmudischen Weisen sagen in der Mischna (Brachot 2.Kap.): "Der Abschnitt 'Höre Israel' geht [dem Abschnitt] 'Wenn ihr hören werdet' deshalb voran, damit man vorher das Joch der himmlischen Herrschaft und danach das Joch der Gebote auf sich nehme". Aus der Aufsichnahme des himmlischen Joches, aus Glauben, erfolgt das Erfüllen der Gebote. Das gilt für alle Gebote, und natürlich auch für das Gebot der Besiedlung des Landes.

F: Das gilt für alle Gebote, nur dass das Volk in Zion nicht so ganz die Gebote erfüllt?

A: Allerdings, und der Grund dafür: Schwäche des Glaubens. Man darf aber nicht aufgeben; schon die talmudischen Weisen wiesen darauf hin, dass G~tt zuerst den Körper des Ersten Menschen schuf und ihm erst dann eine Seele einhauchte (Sanhedrin 38b). Rabbiner Elijahu (genannt "der Gaon") von Wilna erklärte in seinem Kommentar zu Sifra deZniuta, dass es sich so auch mit der Erlösung der Allgemeinheit Israels verhalten werde.

F: Und wie sorgen wir für Glauben im jüdischen Volk?

A: Indem wir es Glauben lehren. Doch erst mal lernen wir selbst Glauben. Und noch davor eine tiefe und wahre Liebe zum ganzen Volk Israel. Das ist das Geheimnis: Liebe und Glauben. Im Ausland schrieb Rabbiner A.J.Kuk verschiedene Artikel und Bücher, wie wir unsere spirituelle Erlösung bewirken. Unser Lehrmeister Rabbiner Zwi Jehuda Kuk (Sohn des Ersteren) erklärte in seinem Artikel 'Die erlösende Tora' (erschienen in seinem Buch Or leNetiwati), dass diese Schriften lediglich verschiedene Möglichkeiten aufzeigten. Natürlich sind auch diese Möglichkeiten heilig, stellen aber nicht die endgültige Entscheidung dar.

F: Und wie lautete die endgültige Entscheidung?

A: Sie findet sich in zwei Büchern, die Rabbiner Kuk gleich nach seiner Ankunft im Lande (5664/1904) schrieb. Das erste Buch, Eder Hajakar, erläutert das Grundprinzip für alle Erzieher: Zuerst muss man sich selbst mit großer Heiligkeit und erhabenen Charaktereigenschaften rüsten. Danach das Buch Ikwe haZonn, das erklärt, mit welcher Generation wir es zu tun haben (die "Pioniere", Chaluzim), und was die Tora eigentlich ist.

F: Für wen ist dieses Buch gedacht?

A: Rabbiner Zwi Jehuda Kuk erklärte in seinem ersten Schreiben (wiedergegeben in seinem Buch Zemach Zwi) an Josef Chaim Brenner (damals ein populärer jüdischer Schriftsteller), dass es aus zwei Teilen besteht. Der erste Teil richtet sich an den Jischuw hajaschan (der "alte Jischuw", d.h. Juden, die über die Jahrhunderte im Lande Israel lebten und Tora lernten und auf die Spenden der Diaspora angewiesen waren), um ihnen die neue Generation zu erklären, und zwar in den Kapiteln: Die Generation, Lust und Freude, Furcht, Gedanken, Verlangen nach G~tt. Darin werden die Eigenschaften der jungen Generation beschrieben, die es zu verstehen gilt. Der zweite Teil richtet sich sehr analytisch an die neue Generation: Das Wissen um G~tt - Wer ist G~tt, d.h. Glauben, und Der Dienst an G~tt, weshalb G~tt dienen, d.h. die Gebote.

F: In der Realität zeigen sich aber viele Glaubenskrisen?

A: Das war von vornherein klar. Und es wird noch mehr geben. Heutzutage leiden wir an allen möglichen "post-" Erscheinungen: Post-Moderne, Post-Zionismus, Post-Himmelsfurcht, Post-Tora der Weisen, usw. usf., der Herr der Welt aber sorgte für genug 'Wegzehrung', wie man all diese überwinden und noch mit großem Gewinn daraus hervorgehen kann.

F: Und zum Schluss?

A: Wir werden fortfahren, unser Land aufzubauen und darin erbaut zu werden, durch die Gnade G~ttes, der G~tt Israels, der sein Volk erlöst.


HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Zu Tu be'Aw (15. Aw)

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

"Welches Bewenden aber hat es mit dem fünfzehnten Aw? ... Rabbi Mathna erklärte: An diesem Tage wurden die Erschlagenen von Bitther zur Beerdigung freigegeben. Rabbi Mathna sagte nämlich: An dem Tage, an dem die Erschlagenen von Bitther zur Beerdigung freigegeben wurden, ordnete man in Jawne [den Segen] 'Der Gute und Gütige' an; der Gute - dass sie nicht verwesten, der Gütige - dass sie zur Beerdigung freigegeben wurden" (Ta'anit 30b/31a).

Der erste Segensspruch des Tischgebets ist ein Gebot der Tora und wurde von unserem Lehrer Moscheh verfasst, der zweite durch Jehoschua, der dritte durch David und Schlomo, und der vierte durch die talmudischen Weisen in Jawne. Im ersten Segensspruch kommt das Land noch nicht vor, im zweiten wird es bereits erwähnt. Der dritte stammt aus einer späteren Periode: "über das große und heilige Haus". Der vierte stammt aus einer noch späteren Periode, aus der Zeit von Bar Kochba, und auch Rabbi Akiwa gehört dazu.

Man muss sich dazu vergegenwärtigen, dass die Seele Rabbi Akiwas die ganze heilige Tora und die Halacha umfasste - und nebenbei war er auch Waffenträger Bar Kochbas (Maimonides, Gesetze von Königen und Kriegen, 11,3) und las über jenen den Vers: "Es tritt hervor ein Stern (kochaw) aus Jakov" (Num. 24,17). Er sah den Geist des Heldentums bei Bar Kochba sowie dessen Opferbereitschaft für die Allgemeinheit Israels, und die Tatsache, dass es ihm gelang, die besten Soldaten Israels in seiner Truppe unter seinem Kommando zu versammeln. Von daher bestimmte er den messianischen Wert Bar Kochbas. Das Erwachen nationalen Heldenmutes ist eine Erscheinung von Heiligkeit. Die Opferbereitschaft für die Größe der Tora und ihres Ruhmes und die Opferbereitschaft für die Wiedererrichtung des israelitischen Königtums sind ein und dieselbe Sache. Gerade wegen seiner enormen Toragelehrsamkeit beteiligte sich Rabbi Akiwa, zusammen mit seinen Schülern, am Krieg gegen die Römer, trotz der zahlreichen Gefahren und der Gegnerschaft einiger der talmudischen Weisen, und er selbst nahm aktiv Anteil, sogar als "Waffenträger Bar Kochbas". Die Opferbereitschaft für den Erhalt des jüdischen Volkes im Lande Israel ist eine Manifestation der Heiligkeit. Ebenso ist die Opferbereitschaft des Volkes Israel für sein Land eine Manifestation der Heiligkeit, und daran haben alle Juden einen Anteil.

Zwei-drei Jahre lang wurde der Aufstand versucht, aber ohne Erfolg. Die Römer behielten die Oberhand und besiegten uns. Es gab viele Tote, die nicht beerdigt wurden. Es war furchtbar, ein schrecklicher Zustand. Erst viele Jahre später erlangten sie die Freigabe der Leichen der Getöteten und konnten sie begraben. Das war ein Grund zu großer Freude, und darüber wurde der Segensspruch Hatov weHametiv (der Gute und Gütige) verordnet. Daneben fand ein wirkliches Wunder statt. Wenn die Seele, die Seele des Lebens im Menschen, ihn verlässt, verwest der Körper, doch diese Leichen waren nicht verwest. "der Gute - dass sie nicht verwesten, der Gütige - dass sie zum Begräbnis freigegeben wurden" (Brachot 48b; s.o.).

Wenn Einem etwas Gutes widerfährt, z.B. wenn man eine gute Nachricht erhält, sagt man diesen Segensspruch, doch wurde er im Tischgebet in der Lebensordnung des Menschen auf besondere Weisung der talmudischen Weisen fest verankert, nämlich genau wegen dieses Wunders um die bei Bitther Getöteten, bezüglich des Fleisches dieser Menschen, die lange Zeit liegen gelassen wurden. Es ist ein Gebot, dem zu gedenken, davon zu erzählen und es bekannt zu machen, auch heute, was mit den Leichen in Ägypten geschah. [Elijahu Chakim und Elijahu Bet-Zuri, die wegen des Attentats auf Lord Moyne 5705/1945 in Kairo gehängt worden waren]. Dreißig Jahre, nachdem sie gefallen waren, gelang die Rückführung der Leichen der beiden jungen Männer, und sie waren nicht verwest. Das ist ein wahres Wunder. Hat man je so etwas gehört?! Wir glauben nicht nur den Worten der talmudischen Weisen, wir sehen so einen Vorfall auch mit unseren eigenen Augen. Ihre Körper waren unversehrt, und wer sie zu Lebzeiten gekannt hatte, sah ihr Gesicht wie damals. Welch ein Wunder! Wer sein Leben für die Allgemeinheit Israels opfert, wird 'heilig' genannt.