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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TRUMA
Nr. 1109
6. Adar  5777

Diese Woche in der Tora (Ex. 25,1 - 27,19):

Sachspendenaktion zum Bau des Wüstenheiligtums (Bundeslade, Tisch der Schaubrote, Leuchter, Stiftszelt, umgebende Trennwand, Vorhänge, Altar), Maße und Anordnung der einzelnen Teile.

Haftara: Könige I, 5, 26-32, 6, 1-13

   



HaRav Zwi Jehuda Kuk 

G~ttesfurcht

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Es ist schon angebracht, einmal dem Begriff "G~ttesfurcht" auf den Grund zu gehen. Ein bekannter Vers lautet: "Anfang der Weisheit ist die Furcht vor dem Ewigen" (Psalm 111,10), und noch ein Vers: "Furcht des Ewigen ist die erste Kenntnis" (Sprüche 1,7). "Furcht" ist doch eigentlich der Ausdruck eines besonderen psychologischen und gefühlsmäßigen Zustands des Menschen. Der Mensch hat Angst. Man unterscheidet aber viele verschiedene Ängste. Sprachforscher verfassten schon einige Bücher über Synonyme. Man kann zwischen Furcht, Angst und Beklommenheit unterscheiden. Unter den 613 Ge- und Verboten gibt es "Den Ewigen, deinen G~tt, sollst du fürchten" (Dt. 6,13). Die talmudischen Weisen verordneten die Furcht vor Toragelehrten: "den Ewigen, deinen G~tt, sollst du fürchten - ['den'] schließt die Toragelehrten ein" (Pessachim 22b).

Im Hebräischen, der Sprache des Heiligen, ist 'Furcht' also ein Ausdruck für einen gefühlsmäßigen Zustand ähnlich der Angst und der Beklommenheit. Der Mensch hat vor allen möglichen Dingen Angst: vor Krieg und vor Bomben. Man muss sich vor einem Hund in acht nehmen, vor einem wilden Stier und vor vielen anderen Gefahren im Leben. Alle möglichen Zustände von Menschen in dieser Welt lösen bei ihnen Beklommenheit und Angst aus, Furcht einflößende Dinge, manchmal sogar nur Kleinigkeiten. Manche flüchten, andere versuchen sich zu schützen.

Auf den ersten Blick hat das alles nichts mit Weisheit zu tun. 'Furcht' - das liegt doch in der gefühlsmäßigen Natur des Menschen, Angst zu haben, worin besteht da die Weisheit?! Doch in den Versen "Anfang der Weisheit ist die Furcht vor dem Ewigen" und "Furcht des Ewigen ist die erste Kenntnis" begegnen wir Worten der Heiligkeit aus der Quelle heiliger Inspiration, die uns die Augen öffnen. Man muss sich vergegenwärtigen, dass es bei der Furcht verschiedene Stufen gibt. Da haben wir erst mal die einfache, instinktive Furcht, die keine Weisheit enthält. Der Mensch zittert und hat Angst. Das ist aber bloß die Furcht der diesweltlichen Kleinheit des Menschen. Davon muss man allerdings die Himmelsfurcht, die G~ttesfurcht unterscheiden. Der gleiche, grobe Begriff, so primitiv und materiell, wird dem Himmel beigegeben, dem G~ttesnamen. Man sollte sich angewöhnen, mit dem Verstand zu untersuchen, mit welcher Furcht wir es zu tun haben. Es lassen sich wirklich Unterschiede feststellen. Einfache Furcht - vor jemandem, vor irgendwas - enthält keinerlei Weisheit oder Intelligenz. Der gleiche Begriff jedoch lässt sich mit himmlischen Höhen verknüpfen. Wir benutzen dieses Wort wohl auch bei materiellen Dingen, aber so ist das im Leben, es gibt keine andere Wahl, man muss für höchstheilige Dinge ganz profane Worte verwenden. Auch die Tora wendet sich an den in einen materiellen Rahmen gegebenen Menschen und spricht zu ihm in der Sprache der Menschen, in materieller Sprache. Doch da heißt es den Verstand benutzen, kein Dummkopf sein! Redet man etwa vom Himmel, über den Herrn der Welt - als etwas Materielles?! Wir benutzen das Wort "Furcht" in psychologischen Dingen, bei Gefühlen, Charaktereigenschaften - und auch für sehr kleinliche, materielle Angelegenheiten dieser Welt; und ebenso benutzen wir es, ja müssen es benutzen, bei Themen des Heiligen.

Darin besteht der Unterschied. Durch Weisheit steigert sich diese Furcht zu G~ttesfurcht. Derselbe gefühlsmäßige, instinktive Begriff erhebt sich in die höchsten spirituellen Höhen. In den "Sprüchen der Väter" heißt es: "Wer keine Weisheit besitzt, hat keine G~ttesfurcht" (3.Kap.). Es gibt eine sehr primitive Furcht, aber die wahre Furcht, die echte Furcht, ist diejenige, die von der Weisheit der Tora erklärt wird, von der Quelle der Tora, aufgrund einer Klärung durch Worte der Tora. (aus "Gespräche HaRav Zwi Jehuda Kuk" zu Messilat Jescharim).




Am Schabbes-Tisch...


Von jedem, den sein Herz treibt

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Zwei Arten Beweggründe motivieren den Menschen, und zwar äußerliche und innerliche. Die äußerlichen Beweggründe ähneln einer Verpflichtung, einer 'Schuld', die es abzutragen gilt, einer äußerlichen Zwangslage. Die innerlichen Beweggründe bestehen eher aus Ansprüchen, die der Mensch an sich selbst stellt, die erwachen, nachdem der Mensch sich mit etwas verstandesmäßig solidarisiert und nach deren Erfüllung er sich ehrlich sehnt. Das gilt sowohl für Dinge des weltlichen Lebens als auch beim Dienst an G~tt. Manchmal verwandelt sich, was seelisch als 'äußerliches Gebot' empfunden wird, nach gründlichem Studium und gelassener Betrachtung, oder sogar durch direkte Betrachtung, in 'eigenen Willen' des Menschen, von äußerlicher Forderung in innerliche Solidarität. Die Sache hängt vom Erkennen des göttlich-moralischen Wertes einer jeden Pflicht ab, oder vom generellen Vertrauen auf die positive Wirkung der göttlichen Gebote und deren Anerkennung als absoluter Leitfaden, das Leben zu ordnen und die Welt zu regeln.

Demnach lässt sich verstehen, warum die Gebote vom Bau des Wüstenheiligtums (Mischkan, Vorläufer des Tempels) gerade auf der seelischen Wurzel der Spendenbereitschaft beruhten, wie es heißt: "Rede zu den Kindern Israel, dass sie mir Hebe bringen, von jeglichem, den sein Herz dazu treibt, nehmet meine Hebe" (Ex. 25,2). Man hätte meinen können, so eine zentrale Sache würde in Form eines verpflichtenden Gebotes gegeben, als Befehl, doch der Mischkan bedeutet für die jüdische Allgemeinheit einen so bedeutungsvollen spirituellen Fortschritt, dass der Beginn des Baus gerade vom freiesten, von der eigenen Entscheidung abhängigen Punkt der Seele erfolgt, "von jeglichem, den sein Herz dazu treibt", ohne jeden Zwang.

Zu den geheimnisvollen Einflüssen des Mischkans gehört bekanntlich seine vereinigende Wirkung auf die Masse der Seelen der Kinder Israel zu einer einzigen, G~tt dienenden Seele, die alle Ebenen des göttlichen Einflusses, der göttlichen Oberlenkung und der Offenbarung in der Welt erweckt (Malbimkommentar). "Das Geheimnis des Mischkans besteht darin, dass die Würde G~ttes, die auf dem Berge Sinai ruhte, im Verborgenen nun auf ihm ruht" (Nachmanides), nicht als einmaliges Ereignis der Anwesenheit der göttlichen Präsenz, göttlicher Anleitung und Führung, sondern auf Dauer. Diese Erkenntnis erweckt in jedem einzelnen Menschen das Bestreben, ein 'Glied zum Körper des Mischkans' beizutragen, der der höchsten Heiligkeit einen Anhaltspunkt auf der Erde bietet. Darum heißt es: "sie sollen für mich eine Hebe nehmen - für mich, in meinem Namen" (Raschikommentar), ohne eine Spur von Eigeninteresse, sich durch die Spende Respekt oder Bewunderung zu verschaffen, oder um dafür einen Lohn zu erhalten. Und auch nicht, weil ihn jemand dazu gezwungen hätte, oder aus Scham, sondern nur um G~ttes willen, aus vollem Herzen und innerlicher Solidarität. "Von jeglichem", nicht nur von den Reichen, sondern auch von dem, der nur einen Faden spendet.

Eine große Regel besagt, dass man die höchsten Stufen des Dienstes an G~tt nur aus Liebe erreicht, wenn man versteht, dass die Pflicht ein 'göttlicher Rat' voller Barmherzigkeit ist, der die Seele des Menschen offenlegt und die Welt auf eine höhere spirituelle Stufe erhebt. Es besteht in Israel eine Wehrpflicht, doch kann man niemanden zum Dienst in einer Kommandoeinheit zwingen. Dort finden sich nur diejenigen, die sich freiwillig melden, die den Dienst lieben. So lehrt uns Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto in seinem Buch Messilat Jescharim ("Der Weg der Frommen") im 18. Kapitel: "Die Gebote. die allen Israeliten auferlegt sind, sind bekannt, und ebenso bekannt ist, wieweit unsere Verpflichtung hierin reicht. Wer aber dem Schöpfer, gelobt sei sein Name, in rechter Liebe zugetan ist, der wird in seinen Bemühungen nicht darauf ausgehen, sich mit der Erfüllung der allgemein bekannten Pflichten, die allen Israeliten gleicher Weise auferlegt sind, zu begnügen. Es wird ihm ebenso gehen, wie es einem Sohn geht, der seinen Vater lieb hat. Hat der Vater ihm gelegentlich ein wenig zu verstehen gegeben, dass ihm an einer Sache etwas liegt, dann wird der Sohn Alles daran setzen, um das Betreffende in weitestem Umfange auszuführen".

Nur der Wille, ein bedeutendes Glied der Gemeinschaft Israels zu sein, zeitigt die wunderbarsten Erscheinungen auf dem Gebiet des Geistes und der Opferbereitschaft. Trotz der Schwierigkeit, von sich selbst zu geben, füllen ihn die Solidarität und das Bewusstsein, auf dem rechten Wege zu sein, die Erkenntnis der Notwendigkeit und der göttliche Wert sowie die Beteiligung des Menschen an der Offenbarung des göttlichen Namens in der Welt mit innerem Wonnegefühl über G~tt und dessen Güte. Ein Erwachen des 'inneren Willens', eine Lust, die erwacht und ihn antreibt, höhere Stufen der Spiritualität zu erreichen und weitere Ziele beim Dienst an G~tt zu erobern, ist das kostbarste Gut. So wie bei der Kindererziehung das Ziel darin besteht, im Kind eine Selbstverständlichkeit der Bedeutung der Erfüllung der Gebote oder der Hilfe der Eltern zu erzeugen und auf diese Weise seinen wahren Willen aufzubauen, und nicht eine Gefügigkeit gegenüber von außen wahrgenommenen 'Befehlen'.

Die Lehre Rabbiner A.J.Kuks öffnet das Tor für das spirituelle Wachsen hin zu einem von innerlicher Überzeugung begleiteten Allgemeinbewusstsein, und tatsächlich - wer einmal den Geschmack des Allgemeinbewusstseins gekostet hat, kämpft dafür wie um sein eigenes Leben. Wenn jemand von sich selbst spendet, gibt er von seinem Leben oder von seinem Geld für die Allgemeinheit; das bedeutet einen Sieg der Seele über den Körper, einen Sieg der Ewigkeit über die Gegenwart, einen Sieg der inneren Wahrheit und der Heiligkeit über die Gaukeleien der äußerlichen Vorstellungskraft. "Und dies ist die Hebe, die ihr von ihnen nehmen sollt (Ex. 25,3) - das ist die Gemeinschaft Israels, die 'Hebe' genannt wird, wie es heißt: Ein Heiligtum ist Israel dem Ewigen, Erstling seines Ertrags (Jirmijahu 2,3; Midrasch Schemot raba, 49,2)".

Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden. Hier eine kleine Auswahl

Frage: Hat Ritalin negative Auswirkungen auf die intellektuellen Fähigkeiten?
Antwort:
Im Gegenteil, es hilft. Natürlich darf es nur unter Aufsicht eines Psychologen genommen werden.

Frage: Ich habe gehört, dass Harry Potter tatsächlich im Lande Israel gelebt hat?
Antwort: Unsinn. Es gab einen britischen Soldaten mit diesem Namen, der 5689 in Hebron starb und in der Nähe von Ramle beerdigt wurde, das hat aber nichts mit der Buchserie zu tun, die voll von Unsinn und Fantasien ist.

Frage: Ist die G~ttesfurcht eine Bedingung für das Torastudium, oder erreicht man G~ttesfurcht durch Torastudium?
Antwort: Beides. Durch G~ttesfurcht lernt man Tora, und dadurch erreicht man ein höheres Niveau von G~ttesfurcht.

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