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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TOLDOT
Nr. 1096
3. Kislev  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 25,19 - 28,9):

Geburt Jakovs und Eßaws, Verkauf des Erstgeburtsrechtes, Hungersnot, Jizchak und Riwka bei König Awimelech, Streit um Brunnen, Friedensvertrag, Jizchak segnet Jakov und Eßaw, Eßaws Mordabsichten und Flucht Jakovs.

Haftara: Maleachi 1, 1-14, 2, 1-7

EINZELHEITEN ZU MACHON MEIR/KIMIZION UND VIELE ANDERE INTERESSANTE INFORMATIONEN FINDEN SIE  IN DEN AUSGABEN DES AKTUELLEN JAHRGANGS

 

Am Schabbes-Tisch...


Wettkampf im Bauch

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

"Da bewegten sich die Kinder heftig gegen einander in ihrem Schoße, und sie sprach, wenn es so geschah: Warum ich dies? Sie ging hin, G~tt zu erfragen" (Gen. 25,22). - "Wenn ihre Mutter an den Pforten der Tora von Schem und Ewer vorüberging, lief Jakov und bewegte sich, hinauszukommen; wenn sie aber an Pforten des Götzendienstes vorüberging, bewegte sich Eßaw, hinauszukommen" (Raschikommentar nach Midrasch Bereschit raba). Woher hatten die talmudischen Weisen so genaue Informationen über Riwkas Schwangerschaft?! Hatten sie etwa die beiden Brüder zu einem Interview eingeladen, als sie groß genug waren, um sie zu ihren Erinnerungen an ihren Aufenthalt im Bauch ihrer Mutter zu befragen? Warum schreiben die Weisen Eßaw eine Neigung zum Götzendienst schon im embryonalen Zustand zu, wo doch bekanntlich erst "sobald er sich anschickt, den Schoß seiner Mutter zu verlassen, der böse Trieb in ihn gelegt wird" (Raschi zu Gen. 8,21, Ber. raba)?

Vielmehr gewähren uns die Weisen im Midrasch einen Einblick in die innersten und tiefsten Gefilde des Judentums. Bekanntlich ist die äußerliche Erscheinung der Dinge nicht das Ein-und-Alles. Diese reicht in einer langen Verkettung bis zu ihren spirituellen Wurzeln. Die irdischen Ereignisse offenbaren bloß das innere Wesen der Dinge. Die Weisen heben uns auf das Niveau des Himmels, zur seelisch-spirituellen Ordnung der Dinge, und mit ihrem Durchblick zu den Geschehnissen um Jakov und Eßaw lassen sie uns einen Funken von den 'höchsten Ideen' erhaschen, vom göttlichen Charakter und der urwüchsigen Natur, die das Fundament ihrer Persönlichkeiten ausmachen und alle Geschehnisse auslösen - wie ein Kern, in dem der Baum verborgen ist; darum heißt es im Midrasch Bereschit raba (63) über Jakov: "Bevor ich dich gebildet im Leibe kannte ich dich (Jirmijahu 1,6)", und über Eßaw: "Abtrünnig sind die Frevler vom Mutterschoße an (Psalm 58,4)". Je weiter sich das Leben der Brüder entwickelt, desto mehr enthüllt sich ihr Geheimnis: "und die Knaben wuchsen - wie eine Myrte und eine Dornenmyrte, die nebeneinander wuchsen; als sie ausgewachsen waren und Blüten trieben, gab die eine ihren Duft und die andere ihre Dornen" (Midrasch ebda.). "Und Jakov kochte ein Gericht, und Eßaw kam vom Felde und war matt - an jenem Tag war unser Stammvater Awraham gestorben, und unser Stammvater Jakov bereitete ein Linsengericht, um seinen Vater Jizchak zu trösten" (Gen. 25,29; Baba batra 16b). Im Gegensatz dazu spürte Eßaw keinen Grund zur Trauer, oder um seinen Vater zu sorgen, sondern widmete sich seiner normalen Tagesroutine als "ein jagdkundiger Mann, ein Mann des Feldes" (Gen. 25,27) - "Rabbi Jochanan sagte: Fünf Verbote übertrat dieser Frevler an jenem Tage: er beschlief eine verlobte Jungfrau, er beging einen Mord, er verleugnete G~tt, er verleugnete die Auferstehung der Toten und er verachtete die Erstgeburt" (Baba batra 16b).

Die talmudischen Weisen lenken unseren Blick auf eine weitere Ebene. Es geht hier nicht nur um Jakov und Eßaw, sondern um die "ideellen Wurzeln" zweier Reiche, die ihren Nachkommen entsprangen, Israel und Edom, deren wesentlicher Gegensatz einen komplizierten und lang anhaltenden Kampf auslöste, der erst im messianischen Zeitalter entschieden wird. "Und der Ewige sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zwei Stämme aus deinem Schoße werden sich scheiden; und ein Stamm wird mächtiger als der andere, und der ältere wird dienen dem jüngeren" (Gen. 25,23), Raschi: "Unter Stämme (Nationen) ist nichts anderes als Herrschaft zu verstehen, vom Schoße an trennen sie sich, dieser zu seiner Bosheit, und jener zu seiner Aufrichtigkeit. Sie werden nicht gleich sein an Größe; wenn der eine sich erhebt, sinkt der andere; so heißt es: 'Ich fülle mich von der zerstörten' (Jecheskel 26,2); Zor [Rom] füllte sich nur an der Zerstörung von Jeruschalajim".

Was hat dieser Kampf zu bedeuten? Raschi: "Sie stießen einander und stritten um den Besitz der beiden Welten". Erklärte der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw") aus Prag in seinem Werk Gur Arje, dass jeder von den beiden eine natürliche Zugehörigkeit nur zu einer Welt hatte: Jakov zur kommenden Welt, der spirituellen, abgesonderten, höchsten Welt, zur Tora G~ttes, zur Heiligkeit, und Eßaw zur diesseitigen Welt, zur niedersten, materiellen Seite. Jeder kämpft um die exklusive Herrschaft über beide Welten, diese und die kommende, und versuchte, seinen Opponenten zu verdrängen. In dem einen Schoße Riwkas findet ein Kampf statt als Vorzeichen für die späteren Geschehnisse in G~ttes Welt.

Israel ist mit dem Verkünden des Namens G~ttes beschäftigt, mit der geistigen Erhebung dieser Welt, mit der Heiligung des irdischen Materiellen, mit der Errichtung eines Staates, dessen Seele das Heilige ist und sein Herz der Tempel, von wo aus das göttliche Licht in alle Richtungen strahlt. Die Existenz und die Moral Israels an sich bedeuten den wesentlichsten Gegensatz zu Eßaw und bilden gleichzeitig die Wurzel des Antisemitismus.

Auf der anderen Seite finden wir Eßaw, der gegen das Heilige ankämpft und hartnäckig die Welt in ihrer Mangelhaftigkeit festhalten will. Auf seinem Wege nimmt er viele verschiedene Formen an. Unter dem Banner Eßaws verbanden sich viele Völker, die sich alle im Verhältnis zu Israel zusammenschlossen, wie die Arme eines Tintenfisches. Heutzutage beschäftigt sich der 'politische Arm' Eßaws unermüdlich mit der Errichtung eines Palästinenserstaates, wie es heißt: "Und so ging Eßaw zu Ischmael..." (Gen. 28,9), nicht weil er Ischmael so sehr liebte, sondern wegen seines Hasses auf Israel. Der 'militärische Arm' hat unlängst ein Atomabkommen zwischen den 'Fürsten Eßaws' und dem Iran unterzeichnet. Der religiöse Arm, der sich zum Teil als Freund Israels ausgibt, beschäftigt sich mit Mission, Spenden, freiwilligen Diensten und Propaganda, um uns an der 'guten Botschaft' des Christentums zu beteiligen und uns um unseren Glauben zu bringen, sowohl im Lande als auch außerhalb. Ein Teil unterstützt wirtschaftlich Jeden, der das Volk in Zion zerstören will, physisch oder dessen Identität. Der kulturelle Arm Eßaws beschäftigt sich einerseits mit der Verbreitung westlicher Kultur, Fortschritt und Wissenschaft, andererseits mit seichten Werten. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht G~tt, und am meisten interessiert ihn der persönliche Status, Geld, Schönheit und Befriedigung seiner Begierden.

"Vision Owadias: So spricht G~tt der Herr über Edom: Eine Kunde haben wir vernommen vom Ewigen und ein Bote ist unter die Völker gesandt: Auf, dass wir uns über sie hermachen, zum Kriege. Siehe, klein habe ich dich hingestellt unter den Völkern, sehr gering geachtet seiest du. Der Trotz deines Herzens hat dich berückt, der du Felsenhöhen bewohnest, auf seinem hohen Wohnsitze; er spricht in seinem Herzen: Wer will mich zur Erde herabstürzen! Ob du hoch steigest dem Adler gleich, und ob zwischen Sterne gesetzt ist dein Nest, von da stürze ich dich herab, ist der Spruch des Ewigen (V.1-4). ... Und das Haus Jakov wird ein Feuer, und das Haus Josef eine Flamme, und das Haus Eßaw zu Stoppeln, und jene zünden sie an und verzehren sie, und es bleibt keiner übrig dem Hause Eßaw, denn der Ewige hat es geredet (V.18). ... Und es ziehen hinauf die Sieger auf den Berg Zion, zu richten den Berg Eßaw, und des Ewigen wird sein das Königtum (V.21)".

"Jede Kultur, die sich mit Lügenklängen lobt, wird zwangsläufig aus der Welt verschwinden, und an ihrer Stelle wird ein Königreich von höchsten Heiligen erstehen. Das Licht Israels wird erscheinen, die Welt mit Völkern neuen Geistes ausrichten, mit Nationen, die nicht Leeres sinnen werden und nicht mehr G~tt und seinen Gesalbten erzürnen - auf das Licht des Lebens der Welten, und auf die Schlichtheit und den Glauben des ewigen Bundes" (Rabbiner A.J.Kuk, Orot, Hamilchama 8).




Kinder, Kinder...

Liebevolle Erziehung
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Was ist bei der Kindererziehung am wichtigsten? Und in der Familie überhaupt?

Antwort: Liebe. "Und Jizchak liebte den Eßaw" (Gen. 25,28). Sicher waren Jizchak und Eßaw einander nicht ähnlich. Unser Stammvater Jizchak war durch und durch heilig, voller Tora, voller Anhänglichkeit an G~tt, und Eßaw "ein jagdkundiger Mann, ein Mann des Feldes" (V.27). Und dennoch liebte Jizchak ihn, denn er war sein Sohn, er gehörte zur Familie.

Frage: Weil er ihm doch irgendwie ähnelte?

Antwort: Nicht unbedingt. Sicher wünscht sich ein Vater, dass der Sohn nach ihm gerät. Sein Sohn ist aber nicht sein Privatbesitz, und manchmal ähnelt er ihm nicht. Er ist anders. Er ist eine andere Person. Man muss ihn respektieren wie er ist. Während Eßaws Kindheit nutzte unser Vorvater Jizchak sicher alle Mittel, ihn bestmöglich zu erziehen. Jetzt aber ist er erwachsen, und darum liebt ihn Jizchak so wie er ist.

Frage: Hat auch Eßaw Jizchak geliebt?

Antwort: Aber sicher. Er gab seinem Vater, was er hatte, nicht Tora oder Heiligkeit, sondern Essen, "denn (dessen) Wildbret war für seinen Mund" (Gen. 25,28). Bekanntlich hielt Eßaw seinen Vater in hohen Ehren. Er wollte ihm zu seinen Lebzeiten keinen Kummer verursachen (siehe Raschi zu Gen. 27,41), und er trug immer seine feinen Kleider, wenn er seinem Vater diente (Midrasch).

Frage: Und Riwka liebte den Jakov?

Antwort: Versteht sich. Er ist nicht nur ihr Sohn, sondern auch ein großer Gerechter. Das ist ja nichts Neues.

Frage: Zurück zu Eßaw. Er tat keine bußfertige Umkehr?

Antwort: Noch nicht. Wohl aber in der kommenden Zukunft. So schrieb z.B. Rabbiner Kuk in seinen Briefen (I,112).

Frage: Und zum Abschluss?

Antwort: Eltern, die etwas von pädagogischer Psychologie verstehen, aber die Kinder nicht genug lieben, werden mit der Erziehung in große Schwierigkeiten geraten. Andererseits werden Eltern, die nicht viel von Erziehung verstehen und auch sonst zahlreiche Mängel aufweisen, ihre Kinder aber ganz besonders lieben, wenig Schaden anrichten und große Erfolge erzielen.


* * *


Spätes Junggesellentum


Für das späte Junggesellen/gesellinentum gibt es viele Gründe, der Hauptgrund aber besteht in der Vergötterung des Individualismus. Will sagen, den Menschen interessiert nur er selbst, sein Vergnügen, sein Glück, seine Gefühle und seine romantischen Erlebnisse.

Natürlich sind wir alle ein wenig Individualisten, und das ist ganz legitim; zum Problem wird es aber, wenn man damit übertreibt.

Egoismus gab es schon immer, doch wir wussten auch, dass es sich um eine negative Erscheinung handelt und versuchten, sie in Grenzen zu halten. Mehr und mehr wird der Individualismus jedoch zum Ideal und gewinnt an Bedeutung, von der Renaissance bis hin zum 'New Age'.

Wenn der Mensch sich selbst für den Mittelpunkt der Welt hält, dann wird der Partner zum Gegenstand nur mit dem Ziel, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Für ihn muss der Partner genau nach Maß geschneidert sein, was die Partnersuche erschwert und Scheidungen mehrt.

Im Westen, und leider auch bei uns, kristallisiert sich das Junggesellentum immer mehr als Bestimmung heraus.

Wir aber sind Schüler unseres Vorvaters Awraham, wir sind froh, unseren Ehepartner zu lieben und ihn glücklich zu machen.