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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TASRIA-MEZORA
Nr. 1116
3. Ijar  5777

Diese Woche in der Tora (Lev. 12,1-15,33):

Das Gebot der Beschneidung; Geburtsunreinheit und Reinigungsopfer; Ausschläge, deren Bedeutung für den Reinheitsstatus des Befallenen, die Begutachtung durch den Priester und die Behandlung; Reinigungsprozedur und zugehörige Opfer; entsprechende Behandlung eines vom Aussatz befallenen Kleides oder Hauses; entsprechende Regelungen für Ausflussleidende und die Monatsblutung.

Haftara: Könige II, 7,3-20


Dienstag (6. Ijar): Jom Ha'Azma'ut


 


Am Schabbes-Tisch...


Herr der Zunge

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Neben den theologischen und kultischen Irrtümern, die der Götzendienst enthält, besteht seine besondere Schädlichkeit in seiner Ideologie des Verbrechens, indem er den Menschen von den natürlichen Mahnungen seines Gewissens befreit. Darüber hinaus verleiht er den niedersten Aktivitäten den Anschein eines Gebotes, und nicht nur, dass er diese Taten legitimiert, er macht aus ihnen sogar gute und notwendige Handlungen, die Segen bringen. Das ist eine der gefährlichsten psychologischen Fallen, eine seelische Solidarisierung mit und Unterwerfung unter weltzersetzende Verhaltensweisen.

Dieses Prinzip besteht auch in Bezug auf die "üble Nachrede" (Laschon hara); da der Mensch im "Ebenbild G~ttes" geschaffen wurde, sollte er innerlich einen Stich spüren - wenn er nicht schon vollkommen verdorben ist - zur Zeit, wenn er Schlechtes von seinem Nächsten spricht oder über ihn hört. Doch so wie sich Menschen daran gewöhnen, an einem Ort mit hoher Luftverschmutzung zu leben, haben sich seltsamerweise viele Menschen an Massenmedien wie Zeitung und Rundfunk gewöhnt, bei denen die 'Redefreiheit' als Ideologie vor allen anderen Werten kommt, die vor ihr zurücktreten müssen. Etwa so wie ein Mensch, der auf der Straße wild um sich schießt und niemand ihn festnimmt, um ja nicht sein 'Recht auf Bewegungsfreiheit' anzutasten. "Sage nicht, weil mir doch die Erlaubnis zu reden gegeben wurde, rede ich alles, was ich will. Davor hat dich schon die Tora gewarnt, wie es heißt: Wahre deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden (Psalm 34,14)". Die Sprache ist dem Menschen gegeben worden, damit er damit Gutes tue und nicht, um Zerstörung anzurichten. "Wer Mund und Zunge wahrt, wahrt vor Leiden (zarot) seinen Leib (Sprüche 21,23) - lies nicht zarot, sondern zara'at (Ausschlag, die biblische Strafe für üble Nachrede). Denn die üble Nachrede wiegt so schwer wie das Vergießen von Blut. Wer jemanden tötet, bringt nur eine Seele um. Wer aber üble Nachrede verbreitet, tötet drei: den, der sie redet, den, der sie anhört, und den, über den geredet wird" (Midrasch Tanchuma, Mezora).

Wenn die Sache nun so schlimm ist, warum wird sie dann nicht unterbunden? Weil die 'Redefreiheit' der Medien als Grundwert präsentiert wird, als Retter, als 'Wachhund der Demokratie'. Man muss doch wissen, was um einen herum passiert, doch auf dem Wege lauert ein aggressiver 'Wachhund', befallen von einer ansteckenden Krankheit, vor dem es keine Rettung gibt. So wie es körperliche Gewalt gibt, gibt es auch mediale Gewalt. So geschah es vor nicht allzu langer Zeit, dass ein Mensch nach einer Fernsehreportage über ihn seinem Leben ein Ende setzte, und die Antwort der verantwortlichen Journalistin lautete, dass es ja sehr bedauerlich sei und auch nicht von der Reportage beabsichtigt war, dennoch muss die 'journalistische Freiheit' bewahrt werden und das 'Recht der Öffentlichkeit zu wissen'. Und so geht es Tag um Tag, wenn ein Interviewer im Radio, im Fernsehen oder auf einer Nachrichten-Webseite 'das Gesicht seines Nächsten blass macht', d.h. den Interviewten beleidigt, und das vor Hunderttausenden Zuschauern bzw. Zuhörern und noch dazu mit dem Gefühl, damit Fehler der Gesellschaft zu korrigieren. Das Leben eines Menschen und das seiner Familie werden so nach der Veröffentlichung einer Anschuldigung gegen ihn in der Zeitung ruiniert, obwohl eine polizeiliche Nachforschung noch nicht einmal begonnen hat, und selbst wenn ein Mensch vor Gericht für schuldig befunden wurde, gibt es nur wenige Fälle, in denen eine echte Notwendigkeit besteht, den Fall vor die Öffentlichkeit zu bringen. "Tod und Leben sind in der Macht der Zunge" (Sprüche 18,21). Im Schutze eines Systems, das Alles veröffentlicht, lassen sich ungehindert 'Rechnungen begleichen' oder eine politische oder militärische Karriere zum Absturz bringen, wenn die Ansichten des Betroffenen nicht mit denen des "Herrn der Zunge" übereinstimmen.

Die Tora erzieht mithilfe vieler Gebote zum genauen Gegenteil - zum "Hüten der Zunge" und zum Bewahren der Würde des Menschen. Die Hautausschläge, die in unserem Wochenabschnitt beschrieben werden, sollen über die Schwere des Verbotes der üblen Nachrede lehren. "Dies ist das Gesetz inbetreff des Aussätzigen ('mezora'; Lev. 14,2) - dies ist das Gesetz für den Verleumder ('mozi ra') ... Wer Verleumdung spricht, steigert die Sünde bis zum Himmel" (Archin 15b). Jeder Mensch muss sich mit seinen Trieben auseinandersetzen, doch das Versagen des Aussätzigen gelangt an die Öffentlichkeit, als Vergeltung 'Gleiches mit Gleichem' für die Veröffentlichung pikanter Privatgeschichten. "Und der Aussätzige, der diesen Ausschlag an sich hat, dessen Kleider seien zerrissen und sein Kopf sei entblößt und bis an das Kinn soll er sich verhüllen, und unrein! unrein! soll er rufen" (Lev. 13,45) - "und der Grund: damit er über seine Missetaten trauere" (Ibn Esra). "Die ganze Zeit, wo der Aussatz an ihm unrein ist, ist er unrein; abgeschieden soll er wohnen, außerhalb des Lagers sei seine Wohnung" (V.46). "Worin unterscheidet er sich von anderen Unreinen, dass er allein wohnen muss? Weil er durch böse Rede Mann und Frau, Mensch und Nebenmensch entzweit hat, soll auch er von den anderen getrennt werden ... außerhalb der drei Lager" (Raschi). Obwohl man heutzutage nicht mehr diese äußerlichen Ausschläge sieht, werden die Seelen der "Herren der Zunge" vom Aussatz befallen (SchLa"H, Sohar). Während der Aussätzige abgeschieden einsam wohnt, getrennt von menschlicher Gesellschaft, von WhatsApp und von der Umgebung seines Versagens, hat er Zeit zum Nachdenken und zu reumütiger Umkehr. Die Heilung des Aussätzigen von seinen Ausschlägen kann nicht durch einen Arzt erfolgen, sondern nur durch einen Priester (Kohen), den göttlichen Gesandten wohlwollenden Blickes, der ihn auf den verschieden Stufen seiner Sühne begleitet und anleitet. Seine Strafe von G~tt, sein gebrochenes Herz und die zwangsläufige Reinigung seiner Seele bringen ihn zurück zu einem erneuerten Verhältnis zu G~tt.

Freie Massenmedien sind für eine allgemeine Ausgewogenheit nur dann wichtig, wenn sie nicht auch frei sind von G~ttesfurcht. Darum muss ein integraler Teil der Ausbildung von Journalisten und Vorbedingung für deren Beschäftigung aus dem intensiven Studium und dem Erwerb von sattelfestem Wissen der Gesetze von der üblen Nachrede bestehen, wie wir sie in den Büchern Schmirat Halaschon und Chafez Chajim (Rabbiner Israel Meir Hakohen Kagan aus Radun) zusammengefasst finden. Darüber hinaus besteht der Ausgangspunkt für jedes Hüten der Zunge, noch vor dem Erlernen der entsprechenden Halachot, in einer allgemeinen wohlwollenden Einstellung, die durch das Studium der jüdischen Nächstenliebe in den entsprechenden Toraschriften entsteht, durch die man die göttliche Liebe zu jedem einzelnen Juden und der ganzen jüdischen Nation weiterleitet, bis dass der Mensch gar nicht mehr den Willen hat und auch gar nicht mehr dazu imstande ist, irgendetwas Schlechtes über seine Mitjuden zu reden, deren Seelen vom absoluten göttlichen Guten voll sind. Die jüdische "Voreinstellung" sollte die Abwendung des Blickes von allem Schlechten sein, und sich nur dort, wo ein Missstand behoben werden muss, auf den ehrlichen Willen zu helfen konzentrieren, unter maximaler Wahrung der Vertraulichkeit.





Frage und Antwort

Fälscher des Judentums
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

[Interview] 

Frage: Wie sollte man sich mit der neuen Erscheinung der Reformbewegung auseinandersetzen, die das Judentum untergräbt?

Antwort: Das ist keine neue Erscheinung. In jedem Zeitalter erstehen uns Fälscher, um uns zu verwirren, und G~tt rettet uns aus ihren Händen. Nebenbei bemerkt ist das ein gutes Zeichen: Wichtige und wertvolle Objekte ziehen immer Fälscher an.

F: Wer waren diese Fälscher?

A: Sadduzäer, Boethusianer, Karäer. Und in der neueren Zeit die jüdische Aufklärung, die konservative und die Reformbewegung. Auch die Christen. G~tt zeigte dem Ersten Menschen "jedes Zeitalter und seine Gelehrten, jedes Zeitalter und seine Weisen" (Sanhedrin 38b), und höchstwahrscheinlich auch jedes Zeitalter und seine Fälscher, denn er setzte in jedes Zeitalter Weise, um jene zu bekämpfen. Jene Fälscher haben uns schwer zugesetzt, aber am Ende verschwanden sie, lösten sich auf, wurden ausgelöscht.

F: Worin besteht der Unterschied zwischen Reformjuden und nichtreligiösen Juden?

A: Die Nichtreligiösen sind keine Fälscher. Dort gibt es nur Leere. Leere lässt sich mit G~ttes Hilfe anfüllen. Aber die Fälschung behauptet, sie sei das Judentum. Da lässt sich nichts anfüllen. Womit lässt sich das vergleichen? Ein Nichtreligiöser ähnelt einem Menschen, der keine Steuern zahlt, und der Reformjude ähnelt einem Menschen, der seine Steuern mit Falschgeld bezahlt, das er selber druckt.

F: Es gibt viele Strömungen im Judentum - Chassidim, Mitnagdim, Nationalreligiöse, Charedim, Sefaradim, Aschkenasim und andere. Warum sind die Reformjuden nicht auch eine Strömung im Judentum?

A: Alle Vorgenannten befinden sich innerhalb des Judentums. Die Reformjuden sind eine Strömung gegen das Judentum. Judentum bedeutet die dreizehn Glaubensgrundsätze, Judentum bedeutet Glauben und Gebote (Mitzwot), Judentum bedeutet Tora vom Himmel, die schriftliche Tora und die mündliche Tora. Die Reformjuden leugnen jene. Zum Beispiel erlauben sie, dass ein Jude eine Nichtjüdin oder einen Mann heiratet.

F: Wenn dem so ist, worin besteht dann der Unterschied zwischen der Reform und dem Christentum? Ist denn nicht die Reformbewegung eine Fälschung wie das Christentum?

A: Tatsächlich bewegen sie sich auf dünnem Eis, das sie in eine ähnliche Richtung zu bringen droht. Man muss aber trotzdem einen Unterschied machen. Die Reformbewegung ist eine Art Christentum, eine Nachahmung des Christentums. Die Reformjuden sind aber keine Christen. Die Christen behaupten nämlich, wir seien nicht mehr das Volk Israel, wohingegen die Reformjuden zugeben, dass wir ja das Volk Israel sind, und darum sind sie Juden (jedenfalls die Hälfte von ihnen; die andere Hälfte sind Nichtjuden als Resultat von Ehen mit Nichtjüdinnen bzw. Reformübertritten, die bekanntlich halachisch wirkungslos sind).

F: Am Anfang behaupteten sie aber doch, wir seien gar kein Volk?

A: Ja, auch dabei befanden sie sich auf dünnem Eis. Sie behaupteten, das Judentum sei kein Volk, sondern eine Religion, d.h. ihr Volk sei z.B. das deutsche, und im deutschen Volk gibt es eben Protestanten, Katholiken und Juden. Darum widersetzten sie sich dem ersten Zionistischen Kongress, der in Deutschland hätte stattfinden sollen und deshalb nach der Schweiz verlegt wurde. Mit dem Ausbruch der Schoa änderten sie ihre Einstellung. Sie sind nicht mehr gegen den Zionismus, aber es gibt leider so gut wie keine Einwanderung (Alija) aus ihren Reihen, sie bilden bloß 0,3% der israelischen Bevölkerung.

F: Und zum Schluss - was wird aus ihnen werden?

A: Man kann mit ihnen nicht reden. Sie hören nicht hin. Darum bleibt uns nur, für sie an der Klagemauer zu beten. Natürlich unter der Bedingung, dass sie uns dort nicht beim Beten stören...