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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHEMINI
Nr. 1115
26. Nissan  5777

Diese Woche in der Tora (Lev. 9,1-11,47):

Aharon bringt Sühnopfer für seine Beteiligung am "Goldenen Kalb"; Stiftszelt-Einweihungsopfer und göttliche Erscheinung vor dem versammelten Volk; zwei der Söhne Aharons werden für falsches Räucherwerk von himmlischem Feuer getötet; Speisegesetze, erlaubte und verbotene Tiere.

Haftara: Schmu'el II, 6,1-23, 7,1-17

  


Am Schabbes-Tisch...


Neues Feuer

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

"Und die Söhne Aharons, Nadaw und Awihu, nahmen ein jeder seine Rauchpfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf, und brachten vor den Ewigen unheiliges Feuer, das er ihnen nicht geboten" (Lev. 10,1). Wie kann es angehen, dass Nadaw und Awihu, in höchstem Maße weise und fromme Männer - die wie Moscheh und Aharon selbst galten - in einer so einfachen Sache irrten, und "niemals in einer anderen" (Midrasch raba), wie sogar jedes Schulkind weiß, nämlich dass es verboten ist, nach eigenem Gutdünken dem Heiligen etwas hinzuzufügen?!

Das kann gar nicht sein, diesen Geistesgrößen kann überhaupt nicht so ein dummer Fehler zugeschrieben werden, vielmehr handelten sie mit absolut heiliger, tiefer und innerlicher Absicht - doch verfügten sie nicht über die Kraft, das von ihnen Beabsichtigte zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Es geschah am Tag der Einweihung des Wüstenheiligtums (Mischkan), dem 'Tag der Herzensfreude', an dem gewaltige göttliche Präsenz fühlbar war und Feuer vom Himmel herabkam, "und es erschien die Herrlichkeit des Ewigen dem ganzen Volke, und es fuhr eine Feuerflamme aus von dem Ewigen und verzehrte auf dem Altar usw." (Lev. 9,23-24). Gerade weil sich das ganze Volk Israel auf solch erhabene spirituelle Höhen aufschwung, schien es den Söhnen Aharons, dass die Überbleibsel der Sünde des Ersten Menschen und des Goldenen Kalbes restlos von den Seelen getilgt worden waren und die Willensabsichten der Israeliten gänzlich und getreu nach dem göttlichen Willen ausgerichtet waren, so wie der Willen des Ersten Menschen vor der Sünde. Tatsächlich wird die Welt am Ende der Tage dieses wunderbare Niveau erreichen und die Neigungen des Willens von allen Verunreinigungen des Bösen Triebes restlos gesäubert sein, die nach der Sünde entstanden waren, und es wird sich die natürliche Heiligkeit der Seele offenbaren, die Prägung der Tora auf unserem inneren Wesen, die nicht mehr als Anleitung von außen aufgefasst werden wird. So schilderte dies der Prophet Jirmijahu (Kap. 31,33-24): "...hab ich meine Lehre in ihr Inneres gelegt, und auf ihr Herz werde ich sie schreiben ... und sie werden ferner nicht lehren Einer den Anderen, und ein Jeglicher seinen Bruder, also: Erkennet den Ewigen; denn sie alle werden mich erkennen von Klein bis Groß, ist der Spruch des Ewigen; denn ich werde vergeben ihrer Missetat, und ihrer Sünde nicht ferner gedenken". Diese Edlen des Geistes [Nadaw und Awihu] erkannten in ihrem spirituellen Erwachen die Stimme G~ttes, die aus ihren reinen Seelen sprach, und sie sahen in ihrer Opfergabe eine Vervollkommnung aller Existenz, und darum sahen sie keinen Grund, noch Moscheh und Aharon um Rat zu fragen, und auch nicht 'Einer vom Anderen' (Midrasch raba). "Da fuhr eine Feuerflamme vom Ewigen aus und verzehrte sie und sie starben vor dem Ewigen" (Lev. 10,2).

"An den mir Nahen will ich geheiligt und so vor dem ganzen Volk geehrt werden" (Lev. 10,3) - dieses Ereignis enthält eine spirituelle Weisung für alle Zeitalter. In unserer Generation, der Generation der Erlösung, in der wir die Rückkehr der göttlichen Präsenz nach Zion erleben, die enorme Entwicklung des Staates Israel sowohl in materieller als auch in spiritueller Hinsicht und das Volk G~ttes langsam aber sicher zu seiner wahren Statur zurückfindet, ergibt sich von Zeit zu Zeit eine ähnliche ungezügelte Erscheinung auf den unterschiedlichsten Gebieten. "Weil sie ein neues Feuer sahen, standen sie bereit, Liebe auf die Liebe hinzuzufügen" erklärt der Midrasch Safra zu Nadaw und Awihu. Nicht selten erfolgt eine rabbanitische Weisung oder entsteht eine volkstümliche Bewegung, die 'nicht nach dem Sinne der Mehrheit der Toragrößen jener Generation ist'. So ein Erwachen erfolgt aufgrund eines kraftvollen inneren Schubes, aufgrund einer, diesbezüglich, inneren Vollkommenheit, oder dass dieser Schub die Grundlage für die Vervollkommnung produziert, den 'Schlüssel der Erlösung', und erst auf der nächsten Stufe der Versuch unternommen wird, die dafür nötigen halachischen Stützen zu finden, um den Widerstand dagegen abzubauen. "Und dieser Irrtum, die Welt für vervollkommnet zu halten, während sie noch voller Schlacken ist, die noch geläutert werden müssen, Läuterung um Läuterung, hat uns viel Lehrgeld gekostet. In verschiedenen Epochen geschah es bereits, dass begnadete Individuen, wirklich von höchstem moralischen Standard, von sich aus auf die ganze Welt schlossen, oder von einem Punkt der Erleuchtung aus, zu einer Zeit der spirituellen Erhebung in der Nation über den normalen Gang der Dinge, und wollten dafür die Endzeit beschleunigt herbeiführen, die ständigen Pflichten der Tat und der Tradition abschaffen, die in Maß und Gewicht dem festbestimmten Wert des Voranschreitens der Welt entsprechen. Immer aber offenbarte sich der Irrtum durch zahlreiche schmerzliche Umstände ... und darum ist es angebracht, dass die sich Welt nicht auf die Zerstörung und Abschwächung der beständigen Pflichten stürze ... und jene Versuche, die die Söhne Aharons unternahmen ... seien uns zu Wegweisern über die Verantwortung bezüglich der Eile" (Rabbiner A.J.Kuk, Igrot Nr.140).

Man darf sich nicht auf das Gefühl des Herzens verlassen, selbst wenn von höchst heiligen Menschen die Rede ist, dort, wo die Tora einen anderen Weg lehrt. "Wer sich nach dem höchsten Gefühl der Erscheinung heiliger Inspiration richtet und nach jeder Weisheit und Erscheinung auf der Welt, ohne Verbindung mit der Tora und zu den von ihr individuell verordneten Taten sowie der angemessenen Anwendung der von ihr genau definierten guten Eigenschaften, so haben wir die Sünde von Nadaw und Awihu vor uns" (Orot Hakodesch III, S.360). Der Erfindungsgeist und die Kreativität, die zur Welt und Einsicht des Menschen gehören, der eine Sache aus der anderen schlussfolgern kann, sind für die spirituelle Entwicklung des Menschen außerordentlich wichtig, nur dass sie nicht getrennt von der Weisung und den Ordnungen der Heiligkeit göttlicher Weisheit erscheinen. Bei den talmudischen Weisen gibt es verschiedene Erklärungen für diese Sünde, und Rabbiner Kuk führt sie alle auf einen Ursprung zurück. "Da sie Wein getrunken hatten", zwar begeistert Wein den Menschen, doch bringt er bekanntlich Unordnung ins Leben. "Die ihr Haar haben wild wachsen lassen", sie kamen ohne Ehrfurcht vor dem Himmel, vor den vorrangigen Ordnungen der Weisheit, die über ihnen, und vertrauten auf ihre eigene besondere Auffassungsgabe. Und weil sie ihre innere Größe kannten, "fragten sie einander nicht um Rat", und "lehrten das Gesetz in Gegenwart ihrer Lehrer", denn je größer der Mensch ist, umso größere Demut muss er vor der Quelle der Tora und des Lehrens zeigen.




HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Weniger Geschäfte

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

"Von der Vielgeschäftigkeit haben wir schon oben gesprochen. Wenn der Mensch mit seinen irdischen Dingen beschäftigt ist", jene körperlichen und materiellen Dinge, die den Menschen ablenken, "dann sind auch seine Gedanken an die Bande dieser Last geknüpft" (Messilat Jescharim, "Der Weg der Frommen", 5.Kap.), seine Gedanken unterwerfen sich ihr, als wären sie daran gefesselt, "und werden sich nicht auf die guten Werke richten. Im Hinblick hierauf sagen unsere Weisen: 'Gib dich nicht so viel mit deinen Geschäften ab, beschäftige dich mit der Tora' (Mischna "Sprüche der Väter", 4.Kap.)". Sie sagten aber nicht: Mach keine Geschäfte. Es gibt zwar den Ausdruck: "...sich mit den Worten der Tora zu beschäftigen" (Segensspruch im Morgengebet), doch wenn allgemein von 'Beschäftigung', 'Geschäft' die Rede ist, dann im Zusammenhang mit dem Lebensunterhalt. Man darf sich dabei bemühen, es darf aber nicht in eine Unterwerfung ausarten, sondern nach Notwendigkeit und Bedarf. Wenn du deine Geschäftstätigkeit auf das Notwendige reduzierst, kannst du dich weiterhin mit der Tora beschäftigen, je nach der freien Zeit und einem klaren Kopf. Geschäftstätigkeit an sich kann man dem Menschen überhaupt nicht verbieten, das kommt gar nicht infrage, er muss doch seine Familie ernähren. Der Mensch lebt auch vom Brot (nicht allein, aber auch...). "Freilich, ohne Berufsgeschäfte kann der Mensch nicht leben, aber sie müssen keinen solchen Umfang annehmen, dass für seine Pflichten G~tt gegenüber kein Raum mehr übrig bleibt". Wenn sich der Mensch ganz seinen Geschäften verschreibt, sich voll und ganz darin vertieft, dann verliert sich sein Weg in alle möglichen Abweichungen, dann verliert er die Fähigkeit, sich zu kontrollieren und standzuhalten.

In diesem Zusammenhang gibt es ein satirisches Buch, eine Art 'Purimtraktat'. Leute machen solche Erfindungen, und eine davon ist das 'Traktat Ama rejka' ("leeres Volk"), eine Anspielung auf Amerika. Die politischen, menschlichen, staatsherrschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte in Amerika sind alle am Dollar ausgerichtet. Es gibt dort auch Toragelehrte und andere gute Erwerbungen, doch das Fundament der Kreativität, das Fundament der Fundamente bildet der Dollar.

Man muss sich vorsehen, sich nicht den Moden der Zeit zu unterwerfen. Man muss ständig sein Wissen und Gewissen prüfen, um standzuhalten und sich mit der Macht der Tora und guten Taten zu überwinden. "Ohne Berufsgeschäfte kann der Mensch nicht leben, aber sie müssen keinen solchen Umfang annehmen, dass für seine Pflichten G~tt gegenüber kein Raum mehr übrig bleibt". Die Beschäftigung mit dem Lebensunterhalt braucht nicht grenzenlos zu sein, darum wurde uns über die talmudischen Weisen geboten: "Gib dich nicht so viel mit deinen Geschäften ab, beschäftige dich mit der Tora" (s.o.).

Und noch einen Rat gaben uns die Weisen, nämlich feste Zeiten für das Torastudium freizuhalten. "Darum sollen wir uns bestimmte Stunden für das Torastudium vorbehalten". Sorge für deinen Lebensunterhalt, aber mache dir einen Plan, eine Stunde der Tora zu reservieren. Eine Stunde, drei Stunden oder fünf Stunden - je nach der Lage des Menschen. Das ist einer der Ratschläge an den Menschen, eine der Verordnungen des Esra (keine drei Tage verstreichen zu lassen, ohne aus der Tora zu lesen; Baba kama 82a), damit der Mensch in den Strömen der Zeit standhalten kann, die ihn gefährden.

"Wir haben es bereits gesagt", sich anzustrengen, feste Zeiten für das Torastudium zu bestimmen, "das ist das Wichtigste, will anders Einer die Achtsamkeit erwerben, wie es im Ausspruch des Rabbi Pinchas steht: die Tora führt zur Achtsamkeit, und ohne sie kann er sie niemals erlangen" zur Vervollkommnung seiner Taten, "wie unsere Weisen sagten: 'Der Unwissende kann nicht fromm sein' (Mischna "Sprüche der Väter", 2.Kap.)". Die Frömmigkeit ist nicht die Quelle der Tora, sondern die Tora ist die Quelle der Frömmigkeit.