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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHEMOT
Nr. 1103
23. Tewet  5777

Diese Woche in der Tora (Ex. 1,1 - 6,1):

Vermehrung und Ausbreitung der Kinder Israels über ganz Ägypten; neuer Pharao "vergisst" Josef und unterdrückt die Israeliten; Tötung der neugeborenen Söhne; Moschehs Geburt; adoptiert von Pharaos Tochter; Moscheh tötet den ägyptischen Schläger; flieht nach Midian und heiratet Jitros Tochter; G~tt schickt ihn zurück um die Kinder Israels zu befreien; Beschneidung seines Sohnes auf dem Wege; Begegnung mit seinem Bruder Aharon; Audienz beim Pharao; Verschärfung der Sklaverei; Protest der Israeliten gegen Moscheh und Aharon.

Haftara: Jeschajahu 27,6-13, 28,1-13, 29,22-23


Am Schabbes-Tisch...


Sende durch wen auch immer

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Warum weigerte sich Moscheh anfangs, hinzugehen und das Volk Israel aus Ägypten zu erlösen? War dies doch eine höchst erhabene Mission, eine göttliche Mission, die die Geschichte für immer ändern sollte, mit ihm als Zentralfigur? Dieses Verhalten ist umso verwunderlicher, wenn man die Worte Maimonides' über die verschiedenen Stufen der Prophetie hinzuzieht: "Die erste Stufe der Prophetie ist die, dass einem Manne der Beistand G~ttes zuteil wird, der ihn dazu bewegt und antreibt, eine wichtige Tat zu vollbringen, wie z.B. die Gemeinschaft der Frommen vor der Gemeinschaft der Bösen, oder eine angesehene und edle Einzelperson zu retten oder vielen Menschen Wohltaten angedeihen zu lassen. Doch das, was ihn dazu bewegt, und dahin bringt, es zu tun, ist in ihm selbst vorhanden, und dies nennt man den 'Geist des Herrn' ... Und eine solche Kraft blieb ohne Unterlass bei Moscheh, unserem Lehrer, von dem Zeitpunkt an, da er ins männliche Alter trat, und durch diese wurde er angetrieben, den Ägypter zu töten und dem Ungerechten der beiden Streitenden entgegenzutreten, und es ist ein Zeichen, wie stark diese Kraft in ihm war, dass er, als er in Furcht geraten, aus Ägypten geflohen und nach Midjan gelangt war, wo er als schutzloser Fremdling sich aufhielt, sich, als er das geringste Unrecht sah, nicht abhalten ließ, es zu beseitigen, und es nicht ertragen konnte, wie die Heilige Schrift sagt: Moscheh stand auf und half ihnen" (Ex. 2,17; "Führer der Unschlüssigen" II, §45). Gab es denn eine größere Ungerechtigkeit und Ausbeutung als die Sklaverei in Ägypten?! Wo blieb der Beistand, "der ihn dazu bewegt und antreibt, eine wichtige Tat zu vollbringen"? Gerade diese Fragen bringen uns zur Betrachtung von Moschehs Größe und Demut.

"Sieben Tage versuchte G~tt, Moscheh zu überreden, doch er wollte nicht, bis zum Ereignis des brennenden Busches" (Midrasch Schemot raba 3,14). "Und nun, komme, dass ich dich sende zu Pharao, und führe mein Volk, die Kinder Israel, aus Ägypten". Moschehs Antwort: "Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe? Und dass ich die Kinder Israel aus Ägypten führen soll?" (Ex. 3,10-11) - Bekanntlich muss das Mittel geeignet sein, zum Zweck zu führen, und demnach wäre es angebracht, wenn du einen großen Menschen schicktest oder einen bedeutenden König mit einer großen Armee, und nicht einen armseligen Schafhirten von den Verbannten, besonders, wo ich von den Ägyptern wegen der Tötung eines der Ihren steckbrieflich gesucht werde...

"So sprach Moscheh vor G~tt: Herr der Welten, als Jakov nach Ägypten herabzog - sagtest du ihm nicht so: Ich werde hinabziehen mit dir nach Ägypten und ich werde dich auch herausführen (Gen. 46,4), und jetzt sagst du mir: komme, dass ich dich sende zu Pharao?!" (Schemot raba 3,4). 'Die Erlösung muss durch dich erfolgen, nicht durch mich!'.

"Und dass ich die Kinder Israel aus Ägypten führen soll?" - Moschehs Verwunderung ist eine zweifache. Erstens geht die seelische und kulturelle Abkoppelung von Ägypten über meine Kräfte, sind doch die Kinder Israel der Verdorbenheit des ägyptischen Götzendienstes verfallen, und zweitens der Zug in die Wüste, kann ich sie etwa dort ernähren, in Öde und Steppe? (siehe Malbimkommentar). Natürlich wollen die Kinder Israel aus der Knechtschaft entlassen werden, es liegt ihnen aber nichts an den Kriegen gegen die Kana'aniter, die sie beim Einzug ins Land erwarten.

"Sagte ihm der Heilige, gelobt sei er: Denn ich werde mit dir sein; und das sei dir das Zeichen, dass ich dich sende (Ex. 3,12), an dieser Sache wird man erkennen, dass du mein Gesandter bist, wie ich mit dir sein werde, und alles, was du willst, werde ich tun. Wenn du das Volk geführt aus Ägypten, werdet ihr G~tt auf diesem Berg dienen (ebda.), und was du sagtest, aufgrund welchen Verdienstes werde ich sie aus Ägypten herausholen - wisse, durch das Verdienst der Tora, die sie zukünftig durch dich auf diesem Berg erhalten, werden sie von dort ausziehen" (Schemot raba 3,4).

"Und Moscheh antwortete und sprach: Aber siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf meine Stimme hören, denn sie werden sprechen: Der Ewige ist dir nicht erschienen" (Ex. 4,1). Erklärte Nachmanides: "Siehe, G~tt hatte ihm doch mitgeteilt, dass der König Ägyptens sie nicht gehen lassen wird, und darum sagte Mosche: sie werden mir nicht glauben, nachdem sie sahen, dass Pharao sie nicht gehen lassen wird, und sie würden überhaupt nicht mehr auf mich hören, vielmehr werden sie sprechen: Der Ewige ist dir nicht erschienen, denn wärst du wirklich Gesandter G~ttes, hätte Pharao dir nicht widersprochen".

Nach dieser Debatte zeigte G~tt Moscheh durch die Umwandlung des Stabes in eine Schlange und durch das Zeichen des Ausschlages, dass er anhand des G~ttesnamens, unter dem er ihm bekannt war, Zeichen und Wunder außerhalb der Natur vollbringen werde, unter Änderung der üblichen Kausalkette von der höheren in die materielle Welt, um dadurch diese Sache in Moschehs Herz zu festigen, damit er wirklich wisse, dass durch ihn nie Dagewesenes in der Welt geschehen werde.

"Und der Ewige sprach zu ihm: Wer hat einen Mund gemacht dem Menschen? (Ex. 4,11) - er sagte ihm, wenn du kein Mann von Worten bist, sorge dich nicht, habe ich doch alle Münder auf der Welt geschaffen ... und wenn ich wollte, du wärst ein Mann von Worten, so würde es geschehen, vielmehr möchte ich an dir ein Wunder tun, damit wenn du redest, deine Worte richtig seien ... Und nun gehe, und ich werde mit deinem Munde sein und dich unterweisen [horeticha], was du reden sollst (V.12). Was bedeutet 'horeticha'? Rabbi Abahu sagte, ich werde die Worte wie einen Pfeil in deinen Mund schießen [moreh] ... Rabbi Simon sagte, ich werde dich als neues Geschöpf schaffen, wie es heißt: und die Frau ward schwanger [wa-tahar, Moschehs Mutter; Ex. 2,2]" (Schemot raba 3,15).

"Und er sprach: Bitte, Herr, sende, durch wen du sonst senden magst!" (Ex. 4,13). "Du glaubst etwa, Moscheh zögerte zu gehen? Dem ist nicht so, vielmehr wollte er Aharon Ehre erweisen, denn Moscheh sagte, bevor ich kam, hatte ihnen mein Bruder Aharon in Ägypten schon achtzig Jahre lang prophezeit, wie geschrieben steht: und tat mich kund im Lande Ägypten (Jecheskel 20,5) ... Sagte Moscheh: Jetzt gerate ich meinem Bruder ins Gehege und er grämt sich; darum wollte er nicht gehen, und sogleich: Da entbrannte der Zorn des Ewigen über Moscheh (Ex. 4,14; Schemot raba 3,16).

"Sende, durch wen du sonst senden magst - denn es gibt keinen Menschen auf der Welt, der für diese Mission nicht besser als ich geeignet wäre. Und der Grund Moschehs für diese ganze Drückebergerei war seine Demut, eine größere als bei jedem anderen Menschen auf dem Angesicht der Erde; er konnte es nicht übers Herz bringen, groß herauszukommen und zum König zu sprechen, und sich dessen zu rühmen, G~tt habe ihn gesandt, und nicht die Israeliten aus Ägypten herauszuholen und über sie König zu sein" (Nachmanides).

Die außergewöhnliche Demut Moschehs, seine Flucht vor jeglicher Ehrung und Macht, das Wahren der Ehre seines erstgeborenen Bruders Aharon, und alle seine wahrhaftigen Behauptungen, sie alle offenbaren die edle Reinheit und Heiligkeit seiner Seele und zeigen, dass es tatsächlich keinen Würdigeren als ihn zur Erlösung Israels und den Erhalt der Tora gab.

Zur Haftara

Die Verlorenen und die Verstoßenen

Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

In unserem Wochenabschnitt setzen sich die Kinder Israel in Ägypten fest. In krassem Gegensatz dazu prophezeit Jeschajahu in der Haftara über die Einsammlung der Verstreuten Israels in ihr Land, unter besonderer Betonung der "Verstoßenen im Lande Ägypten": "Und es geschieht, an selbigem Tage schüttelt der Ewige (Früchte) von der Strömung des Stromes (Frat) bis zum Bache Ägyptens, ihr aber werdet einzeln aufgelesen, Kinder Israel. Und es geschiehet, an selbigem Tage wird in das große Schofar gestoßen, und herbei kommen die Verlorenen im Lande Aschur und die Verstoßenen im Lande Ägypten, und bücken sich vor dem Ewigen auf dem heiligen Berge, in Jeruschalajim" (27,12-13). Mit der Haftara sorgen wir sozusagen schon für die "Medizin" noch vor der Krankheit - die Erlösung aus der Verbannung.

In Wirklichkeit ist das Wunder der zukünftigen Einsammlung der Verstreuten, das in unserer Haftara beschrieben wird, viel größer und erhabener selbst als die Wunder beim Auszug aus Ägypten, denen wir in den kommenden Wochenabschnitten begegnen werden. So erklärte Rabbiner Zwi Hirsch Chajes (lebte vor etwa 200 Jahren in Osteuropa) über das Verhältnis der ersten zur zweiten Erlösung, in den Tagen Esras: "Der Auszug von Sklaven in die Freiheit und ihre Wandlung in ein gewaltiges Volk benötigt zwei große Dinge: 1. Der Hauptpunkt der Befreiung aus dem Sklavenhaus besteht im Wegzug vom Ort der Unterdrückung durch langjährige Fronarbeit, wo sie zu ewigen Sklaven wurden... 2. Auch nachdem ihr Bestreben erreicht war, müssen sie sich doch noch einen ruhigen Ort suchen und einen Herrscher über sich einsetzen, der sie anführe, damit sie zu einem richtigen Volk werden... Bekanntlich ist es nur möglich, ein Volk zu versammeln, wenn die Mitglieder der Nation, die ein richtiges Volk werden wollen, sich in ihrer Sprache, ihren Sitten und Gebräuchen, ihrer Mentalität und ihren Charakterzügen gleichen, wie die Erfahrung lehrt... und wenn man jetzt zu einem Volk und einer Nation aus unterschiedlichen Menschen werden will, die in verschiedenen Ländern und unter vielen Völkern wohnten, so ist es auf natürlichem Wege unmöglich, ihre Einsammlung zu vollenden und sie zu einem Volk zusammenzuschweißen, weil sich die Mitglieder der Gesellschaft extrem unterscheiden und es nach der Natur der Dinge fast unmöglich ist, aus ihnen eine einheitliche Gesellschaft und Nation zu machen.

Nun waren aber die Israeliten in Ägypten, alle Israeliten, die es überhaupt gab, an einem Ort versammelt, und sie sprachen alle dieselbe Sprache, und sie unterschieden sich nicht in ihren Gebräuchen, und weil ihnen G~tt zuhilfe kam und sie mit starker Hand von den Leiden Ägyptens befreite, war es doch sehr leicht, sie zu einer Nation zu formen, weil sie ja schon in Ägypten ein Volk waren und am selben Ort wohnten, und es fand sich kein Israelit, der woanders gewohnt hätte, sodass bei allen Mitgliedern der Nation die nötigen Voraussetzungen gegeben waren, ein richtiges Volk zu werden.

Nicht so bei der Einwanderung aus Babylonien, das war ein Wunder von anderer Qualität, denn außer, dass Allen die Einwanderung nach Jerusalem von König Koresch erlaubt worden war, waren die Juden schon zwischen verschiedenen Völkern und Nationen verstreut, sie kamen aus dem Norden und aus Ägypten, aus Griechenland, Spanien, Frankreich, Indien und Persien, und wo sonst noch Juden wohnten - sie unterschieden sich in Sprache und Gebräuchen, und ohne die Hilfe G~ttes wären sie auf natürliche Weise nicht zu einem Volk zusammengewachsen, auch nachdem sie König Koresch in die Freiheit entlassen hatte, denn ihrerseits, wegen der Unterschiedlichkeit der Mitglieder, mangelte es ihnen an der Vollkommenheit der Voraussetzungen für die Existenz einer einheitlichen Nation, deren Bürger lange Zeit zusammenleben. Es gab hier also zwei offene Wunder: Das eine, ihre Einwanderung aus Babylonien, und dass G~tt in Koreschs Herz gab, mit ihnen in Milde zu walten, und zweitens, das größere Wunder, die so unterschiedlichen Menschen zu vereinigen...".

Das eigentliche Wunder bei der zweiten Erlösung war also nicht der Auszug aus dem Exil an sich, sondern der Zusammenschluss aller Juden, trotz der großen kulturellen Unterschiede. Und wenn es sich schon so bei der Einsammlung der Verstreuten während der Periode des Zweiten Tempels verhielt, wo immerhin der harte Kern der aus Judäa Verbannten an einem Ort konzentriert war (Babylonien), dann doch erst recht bei der dritten Einsammlung der Verstreuten, von der Jeschajahu sagte: "ihr aber werdet einzeln aufgelesen, Kinder Israel" (s.o.), d.h., G~tt sammelt die Juden einen nach dem anderen ein, von allen Winkeln der Erde. Glücklich der, dem ein Wunder geschieht - und der es auch wahrnimmt.