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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHOFTIM
Nr. 1133
4. Elul  5777

Diese Woche in der Tora (Dt. 16,18-21,9):

Regierung: Richter, König, Priester, Propheten; Warnung vor Götzendienst, Erkennen und Bestrafen desselben - Zeugen; Wiederholung Totschlägergesetze, -städte; Betrug durch Verschieben von Landmarkierungen; intrigierende Zeugen; Gesetze der Kriegführung; Gebot der Vernichtung der Kana'aniter; die Leiche im Feld/Mörder unbekannt.

Haftara: Jeschajahu 51,12 - 52,12

 

Am Schabbes-Tisch...


Bestechung

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

"Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst kein Ansehen kennen und nicht Bestechung nehmen; denn Bestechung blendet die Augen der Weisen und verfälscht die Worte der Gerechten" (Dt. 16,19). Wenn man sich dieses Gebot gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen vor Augen führt, beleuchtet jede dieser Ebenen verschiedene Aspekte der anderen.

Dieses Gebot gilt für den Dajan (Rabbinatsrichter), doch kann daraus jeder Jude etwas für eine anständige Lebensführung lernen, wie aus allen Geboten für Richter und Priester (Kohanim). Man kann die Seele des Menschen mit einem Gerichtssaal vergleichen, in dem ununterbrochen verhandelt wird. Zwei Stimmen, die Stimme seiner Seele und die Stimme seines Triebes, erfüllen den Raum, und der Richter des Menschen, d.h. sein Verstand, muss zwischen den beiden entscheiden. Eine der Listen des Bösen Triebes besteht im Bestechen des Verstandes mit dem Angebot einer Vielfalt von Begierden und Versuchungen, damit der Verstand das Urteil zu seinen Gunsten neige. So schrieb Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto: "Aber bekanntlich gibt es in der Selbstzucht eine Hauptregel, die sich bewährt hat: Jede [halachische] Erleichterung bedarf einer besonderen Prüfung. Sie kann etwas Rechtes und Gutes sein, aber die Gefahr liegt immer nahe, dass sie den trügerischen Ratschlägen des Bösen Triebes entspringt, daher muss man sie ganz genau unter die Lupe nehmen. Und wenn sie vor dieser Prüfung besteht, dann wird sie das Rechte sein" ("Der Weg der Frommen", 6.Kap.). In diesem Sinne "sagte Rav Hona: Wenn jemand eine Sünde begangen und sie wiederholt hat ... kommt sie ihm erlaubt vor" (Arachin 30b), wegen der Blendung der Sicht des bestochenen Verstandes, so wie man auch sagt, 'die Sünde verdumme das Herz des Menschen'.

Die Bestechung ist eine Vergütung, die eine spirituelle Absenkung und echten Schaden verursacht. Darum sagte Schlomo: "Sein Haus verderbt, wer nach Gewinn greift, aber wer Bestechung hasst, wird leben" (Sprüche 15,27). "Wer Bestechung annimmt, um Recht zu sprechen, verdirbt sein Haus und schädigt, das Gegenteil seiner Absicht. Wer aber Geschenke hasst und sie nicht von den Leuten annehmen will, der wird leben und bestehen, weil er auf G~tt vertraut und sich nicht auf die Geschenke der Leute verlässt" (RaLbaG-Kommentar).

Die Bestechung ist kein harmloses Geschenk, dahinter steht ein Interesse. Wenn der Richter die Bestechung annimmt, ist er schon nicht mehr frei in seiner Entscheidung, und seine Ansicht neigt sich zwangsläufig dem Geber zu, seinem "Wohltäter". So verhält es sich bei jeder Sache, über die ein Mensch zu entscheiden hat. "Denn Bestechung blendet die Augen der Weisen", und umso mehr die der Toren, "und verfälscht die Worte der Gerechten", und umso mehr die der Frevler. Fragt der Talmud: Sind denn Toren und Frevler zum Rechtsprechen geeignet?! Vielmehr selbst ein großer Weiser, wenn er Bestechung nimmt, scheidet nicht aus der Welt ohne Herzensblendung. "Denn Bestechung blendet die Augen der Weisen"; "und verfälscht die Worte der Gerechten", selbst ein vollkommener Gerechter, wenn er Bestechung nimmt, scheidet nicht aus der Welt ohne Sinnesverwirrung (nach Ketubot 105a/b). Obwohl bei einem 'vollkommenen Gerechten' die üblichen Verlockungen nicht ziehen, verfügt die Bestechung über eine besonders finstere Kraft, stärker als die natürlichen Verlockungen dieser Welt, und diese Kraft verwirrt seinen Sinn. Zu Beginn der Bestechungsnahme weiß er noch, dass er das Recht beugt, doch nach einiger Zeit wird er mit "Blendung des Herzens" bestraft, und deshalb hält er nun seine Entscheidungen für richtig.

Weil der Richter Bestechung von einem Anderen annahm, nähert er seine Ansicht dessen Ansichten an, sie wachsen sozusagen zusammen und werden eins, und bekanntlich übersieht der Mensch seine eigenen Schwächen. Darum legt der Talmud das Wort "Bestechung" - schochad - so aus: schehu chad - er ist eins, der Nehmer und der Geber werden zu einem Herzen. Dazu wird die Bestechung chad - scharf - wie ein Messer, das Urteil so zuzuschneiden, wie es ihm sein Herz diktiert, anstatt in Milde das gerechte Urteil zu suchen.

Aus den Gesetzen für das Synedrion (das Oberste Gericht) von Maimonides: "Das Vorgenannte gilt nicht nur für Bestechung mit Geld, sondern auch für Bestechung mit anderen Dingen. Es passierte einmal, dass ein Richter aus einem kleinen Boot aussteigen wollte, mit dem er den Fluss überquert hatte. Jemand reichte ihm die Hand, um ihm dabei zu helfen. Später kam diese Person zu ihm mit einem Rechtsfall. Der Richter sagte ihm: Ich bin ungeeignet, für dich als Richter zu fungieren. Bei einer anderen Gelegenheit entfernte jemand eine Vogelfeder vom Schal des Richters, und ein anderer bedeckte Spucke auf dem Weg vor dem Richter, da sagte er jedem: Ich bin ungeeignet, für dich als Richter zu fungieren. Bei anderer Gelegenheit brachte jemand die Abgaben für den Priester einem Richter, der auch Priester war. Der Richter sagte ihm: Ich bin ungeeignet, für dich als Richter zu fungieren. Ein anderer Fall betraf den Pächter eines Richters, der ihm jeden Freitag Feigen von seinem Feld zu bringen pflegte. Einmal brachte er die Feigen schon am Donnerstag, weil er am Freitag eine Streitsache vor den Richter bringen wollte, und der Richter sagte ihm: Ich bin ungeeignet, für dich als Richter zu fungieren. Und das, obwohl die Feigen dem Richter gehörten. Denn weil er sie vor der üblichen Zeit brachte, wurde durch diesen Vorteil der Richter für ihn disqualifiziert" (§23,3).

Eine heutige Erscheinungsform der Bestechung besteht in der Annahme von Spenden, die von verschiedenen Fonds verteilt werden, die sich als "Freunde" ausgeben, und durch freiwillige Dienste und Hilfsleitungen von ganz bestimmten mildtätigen Organisationen. Ihr verdecktes Ziel besteht in der Förderung bestimmter Interessen, Glaubensrichtungen und Überzeugungen, die auf Israel wie ein Schlangengift wirken. Manchmal ist diese Bestechung mit dem schweren Verbot des Genusses von Geldern des Götzendienstes sowie christlicher Mission verbunden. Es ist unmöglich, dass der Empfänger der Vergütungen sein Herz nicht dem Geber zuneige, um sich zu seinen Gunsten zu bemühen (Raschi zu Dt. 16,19). So werden die Worte der Gerechten zu Worten der Rechtfertigung, zu entstellten Worten, die das Kriechtier auf 49 Weisen für rein erklärt. "Rav Nachman ben Kahan hat vorgetragen: Es heißt: ein König erhält das Land durch Gerechtigkeit; wer Abgaben erhebt, zerstört es (Sprüche 29,4). Gleicht der Richter einem Könige, der nichts braucht, so erhält er das Land, gleicht er aber einem Priester, der durch die Tennen streift [um seine Abgaben zu erhalten], so zerstört er es" (Ketubot 105b).

Möge es G~ttes Wille sein, unsere Mängel durch Geschenke vom Himmel auszugleichen, nur Licht und Gutes.

Zur Haftara

Doppeltrost


Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

Die Haftara zum Wochenabschnitt Schoftim ist die vierte 'Haftara der Tröstung' aus der Serie von sieben, die immer nach Tischa beAw gelesen werden. In dieser Haftara, genau wie in den beiden vorangegangenen (Ekew, Re'e), lesen wir aus dem Block der Kapitel des Propheten Jeschajahu, der sich mit der Stärkung des Glaubens der Juden an die Verwirklichung der Erlösung beschäftigt. Dieser Block besteht aus den Kapiteln 49 bis 54, und diesen Schabbat lesen wir aus den Kapiteln 51 und 52: "Ich, ich bin es, der euch tröstet" (51,12).

Ein besonders auffälliges Merkmal der Prophezeiungen des Trostes in diesen Kapiteln ist der jeweilige Beginn der Ansprache des Propheten durch verdoppelte Worte. Das begann einige Verse vor dieser Haftara: "Erwache, erwache, Sieg lege an, Arm des Ewigen" (51,9) und erscheint noch vier Mal in der Haftara - "Ich, ich bin es, der euch tröstet" (51,12), "Ermuntre dich, ermuntre dich, auf, Jeruschalajim" (51,17), "Erwache, erwache, leg an deinen Siegesschmuck, Zion" (52,1), und zuletzt: "Entweichet, entweichet, ziehet von dannen" (52,11).

Die Verdoppelung von Worten ist eine charakteristische Erscheinung der Prophetie Jeschajahus, und die talmudischen Weisen erklären, dass sie seiner Vorrangigkeit vor den anderen Propheten entspringt - "Sagte ihm der Heilige, gelobt sei er: Jeschaja, du liebst Gerechtigkeit (Psalm 45,8) - du hast Gerechtigkeit für meine Kinder gesucht, und hassest Frevel (ebda.) - sie zu belasten, darum salbte dich G~tt, dein G~tt, mit Wonneöl vor deinen Genossen (ebda.) [d.h. G~tt bevorzugte Jeschajahu für diese Aufgabe vor allen anderen Propheten] - was bedeutet vor deinen Genossen? Sagte er ihm ... Bei deinem Leben, alle Propheten prophezeien einfache Prophetien, du aber doppelte Tröstungen: Erwache, erwache / Ermuntre dich, ermuntre dich / freudig freue (61,10) / Ich, ich bin es / tröstet, tröstet" (40,1; Wajikra raba 10,3).

Was hat dieser Stil der Wortverdoppelung zu bedeuten? Rabbiner Joschua ibn Shuaib (Spanien, lebte vor etwa 700 Jahren, bekannt durch seine Predigten) erklärte es folgendermaßen: "...und alle seine Tröstungen doppelt: Ich, ich bin es, der euch tröstet (s.o.); ziehet, ziehet durch die Tore (62,10); Ermuntre dich, ermuntre dich, auf, Jeruschalajim (s.o.); erwache, erwache, Sieg lege an (s.o.); bahnet, bahnet die Bahn (62,10) ... [Worin besteht der Grund für die Verdoppelung?] Im Midrasch heißt es: Tröstungen der göttlichen Präsenz und unsere Tröstungen, denn in unserer Verbannung leidet die göttliche Präsenz mit uns, wie geschrieben steht: Bei all ihrer Bedrängnis war ihm leid, und der Engel seines Antlitzes half ihnen, in seiner Liebe und in seiner Milde erlöste er sie, und hob sie auf und trug sie all die Tage der Urzeit (63,9). Und die talmudischen Weisen sagten: 'Wohin die Israeliten auch verbannt wurden, war die Göttlichkeit immer bei ihnen - wurden sie nach Babylonien verbannt, war die Göttlichkeit bei ihnen' (Megilla 29a). Darum heißt es: Tröstet, tröstet (40,1) - Imperativ, und nicht 'tröstet euch', sondern als sollte es heißen: 'tröstet mich'...". Rabbi Joschua ibn Shuaib erläutert, die Wortverdoppelung bei den Prophezeiungen sei als Andeutung zu verstehen, dass jene Rufe nach der Erlösung eine doppelte Bedeutung enthalten. Einerseits wenden sie sich an die Kinder Israel und fordern sie auf, sich zu trösten, zu erwachen, das Exil zu verlassen usw. Gleichzeitig wenden sie sich aber auch an G~tt, indem sie die Göttlichkeit untrennbar vom jeweiligen Zustand des jüdischen Volkes sehen. Wenn sich das jüdische Volk in der Verbannung befindet, dann auch die Göttlichkeit. Durch die Prophezeiungen Jeschajahus offenbart sich, dass auch bei der Göttlichkeit sozusagen ein Bedürfnis auf Trost besteht, und auch sie muss aus der Verbannung zurückkehren.

Es ist sicher kein Zufall, dass sich die doppelten Tröstungen im Buche Jeschajahus gerade in den Kapiteln unserer Haftarot konzentrieren. Wie bereits erwähnt stärken diese Prophezeiungen den Glauben an die Verwirklichung der tröstenden Worte der Propheten, ebenso die Offenbarung der Verbindung zwischen dem Zustand des jüdischen Volkes in der Verbannung mit dem Zustand der Göttlichkeit - diese Verbindung an sich bedeutet schon einen großen Trost. Diese Verbindung ist im Wesentlichen die stabilste und ursprünglichste Quelle der Gewissheit, dass die Erlösung, mit der wir uns in diesen Kapiteln beschäftigen, tatsächlich erfolgen wird. Solange die Juden glauben, die Leiden der Zerstreuung betreffen nur sie, hegen sie Zweifel bezüglich der Erlösung.Sobald aber offenbar wird, dass diese Leiden von der Göttlichkeit geteilt werden, wird sie ganz sicher das baldige Ende der Zerstreuung herbeiführen!