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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT RE'E
Nr. 1132
27. Aw  5777

Diese Woche in der Tora (Dt. 11,26-16,17):

Segen und Fluch - abhängig von freier Entscheidung; Vorschriften bezügl. des Opferdienstes, falsche Propheten, koschere Tiere, Erlassjahr, Pessach-, Sukkotopfer.

Haftara: Jeschajahu 54,11 - 55,5

 
 

Am Schabbes-Tisch...


Verbannung des Götzendienstes

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

[Klarstellung: Dieser Artikel enthält keine Weisungen zur praktischen Ausführung, sondern stellt eine Untersuchung eines der Toragebote dar, gestützt auf die Worte der talmudischen Weisen].

So schrieb Maimonides in seiner Liste der 613 Ge- und Verbote der Tora (Gebot Nr. 165), "dass uns geboten wurde, alle Götzen und deren Stätten in jeder Weise zu vernichten, durch Zerstören und Zerbrechen und Verbrennen und Zerhacken, jede Sorte auf die am besten geeignete Weise, d.h. die vollständiger und schneller zur Vernichtung führt, mit dem Ziel, dass nichts mehr an sie erinnert; dass ist es , was der Erhabene sagte: Vernichten sollt ihr all die Orte, woselbst die Völker, die ihr austreibet, ihren Göttern gedient, auf den hohen Bergen, und auf den Hügeln, und unter jedem belaubten Baume. Und reißt ihre Altäre nieder und zertrümmert ihre Standbilder, und ihre Haine verbrennet durch Feuer und ihre Götzenbilder hauet um ... und weiter heißt es dort: und vertilget ihren Namen von diesem Orte (Dt. 12,2-3) - im Lande Israel ist es dir geboten, sie zu verfolgen, und im Ausland ist es dir nicht geboten, sie zu verfolgen". Wie kommt es demnach, dass es im Lande Israel immer noch so viele Kirchen und dergleichen gibt?

Unter dem Deckmantel der westlichen Kultur, der großen Erzieherin zur Pluralität, d.h. zur Meinungsvielfalt und Freiheit der Grundwerte, mischte sich auch dieses Verderben unter die vorhandene Vielfalt. 'Jeder und seine eigene Wahrheit', und solange der Mensch seinem Nächsten keinen Schaden zufügt, weder seinem Körper noch seinem Eigentum, gilt sein Weg als legitim. Wenn es keine universelle Wahrheit gibt, besteht eine Offenheit für andere Lebensweisen, wie es die talmudischen Weisen ausdrückten: "Götzendienst ist nachgiebig" (Talmud jeruschalmi, Awoda sara 1,1). Das ist nicht der Weg des Volkes Israel, und darum sagen wir als Teil der Aufsichnahme des himmlischen Joches "Ich bin der Ewige, euer G~tt, in Wahrheit" (Ende des Schma-Gebetes). Die Tora ist eine umfassende göttliche Anleitung, ganz und gar nicht pluralistisch, und darum gibt es im Judentum keinerlei Bestrebung zur Duldsamkeit gegenüber allen Ansichten und Taten. Das kommt nicht von einem etwaigen 'Raummangel' in der Seele, das Andere mit unterbringen zu können, sondern weil die moralische Bestrebung zur Vervollkommnung und spirituellen Erhebung der Welt die exakte Einhaltung der göttlichen Wegweisung erfordert, wie es zu Beginn unseres Wochenabschnitts heißt: "Siehe, so gebe ich heute vor euch hin Segen und Fluch. Den Segen, dass ihr auf die Gebote G~ttes hören werdet, die ich euch heute gebiete; und den Fluch, wenn ihr auf die Gebote G~ttes eures G~ttes nicht hören werdet und weichen werdet von dem Wege, den ich euch heute gebiete, sodass ihr fremden Göttern nachgeht, die ihr nicht kennt" (Dt. 11, 26-28). Der nachgiebige Wille, für jeden Weg offen zu sein, ist kein Ausdruck von spiritueller Größe, sondern von unaufbereiteter Spiritualität. Wenn der Weg göttlich und bestens geklärt ist, erwacht auch die Bestrebung, danach zu leben, und gleichzeitig damit, jede Behinderung an dessen Erscheinen zu beseitigen.

Heutzutage wird jeder angegriffen, der absolute Ansichten vertritt, die die kulturelle Liberalität bedrohen, doch in Wahrheit ist es die Liberalität, die sich gegenüber dem göttlichen Gebot verteidigen muss. So schrieb Maimonides: "Nicht nur bezüglich des Götzendienstes ist es verboten, ihm in Gedanken anzuhängen, sondern jeder Gedanke, der den Menschen veranlasst, einen der Grundsätze der Tora abzuschaffen - sind wir verwarnt, ihn uns nicht vorzustellen; denn der Geist des Menschen ist kurz, und nicht jedes Hirn vermag der Wahrheit bis auf den Grund zu gehen; und wenn jeder Mensch den Gedanken seines Herzens folgte, wäre es möglich, dass er die Welt zerstörte wegen der Kürze seines Geistes" (Gesetze vom Götzendienst, 2,3).

Es lässt sich fragen, warum denn der Götzendienst eine so schwere Sünde ist, denn auf den ersten Blick geht es ja bloß um einen Irrtum. Müssen denn Name und Andenken eines jeden Menschen, der sich irrt, aus der Welt radiert werden?! Vielmehr gilt es zu begreifen, dass "Götzendienst" nicht einfach nur einen von vielen möglichen Irrtümern bedeutet, sondern den Untergang der Welt! Er schafft die ideologische Grundlage für ein Leben des Bösen, wo das Böse als das wahre Gute angesehen wird. Das Lösen der Zügel der Triebe, das zum Götzenkult gehört, befreit den Menschen von allen Gewissensbissen, und der Geist der Verdorbenheit dringt durch den Kult wie eine Infusion in seine Venen. Darum gibt es in der Tora so viele Gesetze gegen den Götzendienst (49 Ver- und 2 Gebote). Rabbiner A.J.Kuk schrieb, dass das Christentum noch schlimmer als Götzendienst sei, da es sich scheinheilig nach außen hin als Dienst an G~tt ausgibt, doch praktisch die negativen Aspekte des Götzendienstes sein ganzes Wesen ausfüllen (Israel veTchiato §15).

In unserer heutigen Zeit ist das Gebot der Verbannung des Götzendienstes aus unserem Land eine heikle nationale Angelegenheit und obliegt derzeit nicht dem Einzelnen, weil sich daraus viele politische Konsequenzen ergäben. Ein Privatmann, der im Namen der Tora auszieht, dieses Gebot zu erfüllen, wird schleunigst die Polizei auf den Fersen haben, obwohl in Wahrheit die Polizei es sein sollte, die als ausführende Gewalt den Befehl der Regierung auf Beseitigung des Götzendienstes auszuführen hätte. Praktisch ist dieses Gebot nur bei einer starken Regierung ausführbar, die sich nicht von politischen Überlegungen und internationalem Druck beeinflussen lässt, und wie gesagt auf souveräne Weise durch die Regierung selbst. In diesem Sinne sagten die talmudischen Weisen: "Eile nicht, die Altäre der Völker umzustoßen, dass sie nicht durch deine Hand wiederaufgebaut werden, zerstöre nicht solche aus Ziegeln, damit man die nicht sage, erbaue sie wieder mit Steinen" (Midrasch Tanaim 12,2). Zerstören ist sinnlos, wenn sofort auf Kosten der Steuerzahler eine prächtigere Kirche gebaut wird, unter Entschuldigungen gegenüber der internationalen Öffentlichkeit und der Verhaftung des Täters.

Je weiter das spirituelle Niveau der israelischen Nation wachsen wird, desto mehr Gebote werden wieder praktisch ausführbar werden, unsere Tage werden sich wie ehedem erneuern und alles Böse wie Rauch verwehen.


Zur Haftara

Die zukünftige Größe Jerusalems


Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

Von der Haftara des Wochenabschnitts Re'e zur Haftara des vorigen Wochenabschnitts, Ekew, besteht eine direkte Verbindung. In der Haftara von Ekew lesen wir die Verse ab Beginn des Blockes in Jeschajahu, der sich mit dem Glauben an das Stattfinden der Erlösung beschäftigt (Kapitel 49-54). In jenen Versen setzt sich Jeschajahu mit den grundsätzlichen Fragen der Israeliten auseinander, ob die Erlösung überhaupt stattfinden kann. In der Haftara zum Wochenabschnitt Re'e werden die letzten Verse dieses Blocks gelesen. An diesem Schabbat liest Israel aus den Kapiteln 54 und 55: "Arme, Verstürmte...".

Im ganzen Kapitel 54 behandelt der Prophet den Glauben an die Stabilität der Erlösung und an ihre Ewiglichkeit, nachdem sie bereits eingetreten ist. Es wird klar, dass auch nach dem Eintreten der Erlösung die Auseinandersetzung mit den Überresten der Galut(=Exil)mentalität und mit den schlimmen spirituellen Wurzeln, die sie hinterließ, noch nicht abgeschlossen ist. Während die Juden in der Verbannung befürchteten, die Erlösung würde niemals kommen, breitet sich nun, zu Beginn der Erlösung, die Furcht aus, sie könnte abbrechen und das Exil wiederkehren. Diese Furcht liegt in der Annahme begründet, die Galut könne auch im Zeitalter der Erlösung existieren. Demgegenüber demonstriert der Prophet eine gesunde und normale Einstellung zur Erlösung: Die einzig mögliche Form der Existenz Israels ist die Erlösung, während die Galut bloß eine vorübergehende, in Zukunft nicht mehr mögliche Erscheinung darstellt: "Fürchte nicht; denn du wirst nicht zuschanden, und sei nicht beschämt, denn du darfst nicht erröten. Denn die Schmach deiner Jugend wirst du vergessen, und der Schande deines Witwentums nicht mehr gedenken" (54,4).

Im zweiten Teil des 54. Kapitels, den wir in der Haftara zu Re'e lesen, erhebt sich die Prophezeiung auf eine höhere Stufe. Nach der Erklärung der Unwiderruflichkeit der Erlösung wird uns nunmehr verdeutlicht, wie das Leben des jüdischen Volkes auf so eine reine und erhabene Stufe gelangen wird, bis dass es sich nicht mehr mit dem uns heute bekannten Leben vergleichen lässt.

Der Prophet schildert die Wirklichkeit während der Erlösung als eine Wirklichkeit von ganz anderer Art: Jerusalem wird nicht wie eine gewöhnliche Stadt aussehen, die aus normalen Steinen gebaut wurde, sondern wie eine Stadt mit juwelengeschmückten Straßen - "und mache Rubine zu deinen Zinnen, und deine Tore zu Karfunkelsteinen, und deine ganze Grenze zu Edelsteinen" (54,12). Diese Beschreibung Jerusalems ist eine Art Gleichnis: Das Leben des Volkes Israel in allen seinen Aspekten wird lauter und rein sein von allen Trübungen des Materiellen, und wie der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw") aus Prag in seinem Werk Nezach Israel schrieb: "Denn Jerusalem ist keine gewöhnliche Stadt wie alle anderen, vielmehr ist sie eine göttliche Stadt auf ihrer göttlichen Stufe. Und darum heißt es in der Schrift: 'Und mache Rubine zu deinen Zinnen' (s.o.), denn der Rubin ist ein Edelstein. Und darum sagte er, dass in Zukunft Jerusalem ein noch göttlicheres Niveau haben wird als vorher, und darum ist es nur recht, wenn der Aufbau dem Niveau entsprechend mit Edelsteinen erfolge. Aus dem gleichen Grund war der Brustschild des Hohepriesters mit den Urim weTumim, mit den heiligen Namen, mit Edelsteinen besetzt" (Kap. 51). Auch die Einwohner Jerusalems werden in jenen Versen als spirituelle Menschen beschrieben, denen die Lehre G~ttes aufgeprägt ist: "Und alle deine Kinder sind Lehrlinge des Ewigen" (54,13), und auch die allgemeine moralische Verfassung wird sich auf Gerechtigkeit stützen, und auf den Straßen wird keine Gewalt herrschen: "Durch Gerechtigkeit wirst du aufgerichtet, entschlage dich der Gewalt, denn du hast nichts zu fürchten" (V.14).

Am Ende des Kapitels (Verse 16-17) erscheint der fundamentale Grund für das Unvermögen der Feinde, die Erlösung zu sabotieren. Diese Verse erklären, wie die Sicherheit Israels vor allen Arten von Terroristen auf direkte Weise ihrer Nähe zu G~tt entspringt: "Rottet sich auch einer, ein Nichts (ist er) ohne mich" (V.15) - nur "wer sich abwendet und sich trennt und weit entfernt von mir" (RaDaK-Kommentar) hat etwas zu befürchten. G~tt fügt noch hinzu, dass er die Vernichtungswaffen geschaffen hat und auch derjenige ist, der sie beherrscht, und er kann auch ihre Kraft beschneiden, wenn er es will: "Siehe, ich habe erschaffen den Schmied, der in die Kohleglut bläst und ein Werkzeug herausbringt für sein Geschäft und ich hab' erschaffen den Verderber, zu vernichten" (V.16), und darum: "Jedes Gerät, geschmiedet gegen dich, richtet nichts aus, und jede Zunge, die gegen dich auftritt zum Gerichte, sprichst du schuldig" (V.17). Und warum? Weil "dies ist der Anteil der Knechte des Ewigen und ihr Verdienst von mir, ist der Spruch des Ewigen" (ebda.).