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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NIZAWIM-WAJELECH
Nr. 1136
25. Elul  5777

Diese Woche in der Tora (Dt. 29,9-31,30):

Das ganze Volk am Bund mit G~tt beteiligt, nochmalige Ermahnung zur Einhaltung der Gebote, göttliches Versprechen, auch nach schwerer Strafung zu G~tt und Land zurückzukehren. Moschehs 120. Geburtstag, moralische Unterstützung für seinen Nachfolger, Jehoschua, Ausblick auf die Zukunft, Wohlstand wird zur Abwendung von G~tt und Strafe führen.

Haftara: Jeschajahu 61,10 - 63,9


Nach Schabbatausgang: Beginn der "Selichot" vor dem täglichen Morgengebet bis Erew Jom Kippur [Minhag Aschkenas]

Donnerstag + Freitag: Rosch Haschana

 


HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Schofartöne

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

"Das Gebot des Tages ist das Blashorn" (Mischna Rosch Haschana 3,3), wie es heißt: "ein Tag erschütternden Tones soll euch sein" (Num. 29,1). Maimonides definiert dieses Gebot als "Bestimmung der Schrift" [d.h. ohne Begründung]. Welches Glück, solche Bestimmungen, solche Gebote zu haben. Ebenso bei uns, dem Hause Aharon [Rabbiner Kuk war ein Kohen], gibt es ein Gebot, das Volk Israel in Liebe zu segnen, und hinterher sagen wir: "Herr der Welt, wir taten, wie du uns bestimmt hast...". Wie gut unser Anteil mit solch angenehmen Bestimmungen.

Der Talmud sagt: "Der Allbarmherzige hat zum Blasen geboten" (Rosch Haschana 16a), das kommt vor allen Begründungen. Was G~tt sagte, ist im Wesen der Wirklichkeit verankert. Uns ist die Ausführung dieses Wesens der Gebote vergönnt, obwohl wir ihren Grund nicht verstehen. Es gibt noch viele andere "Bestimmungs-"Gebote oberhalb des Verstandes. "Gesetz erließ ich etc." (Bemidbar raba 19,1). Doch hier begnügt sich Maimonides nicht mit der Feststellung, dies sei eine Bestimmung der Schrift, sondern gibt seine eigene Begründung, wie es heißt: "Verständigen Sinn und Erkenntnis lehre mich" (Psalm 119,66) - "So kann man dennoch eine Deutung dafür finden": Erwachen zu reumütiger Umkehr, Rückkehr zum wahren Inneren des Menschen, nämlich der Tora und der Seele Israels - die Begegnung mit unserer Seele und unserem wahren Wesen. Die Rückkehr zu unserer Natürlichkeit - im Gegensatz zu der Überschwemmung mit äußerlichen Dingen, die uns unsere wahre Natur vergessen machen (siehe Gesetze von der Umkehr 3,4).

Fragen die Weisen im Talmud: Warum bläst man Schofar wieder und wieder? Und antworten: Um den Satan zu verwirren (Rosch Haschana 16b). Was soll das heißen, den Satan verwirren?! Erklärt Raschi: Wenn er hört, dass man die Gebote in hohem Ansehen hält, werden seine Anklagen stumpf. Es fällt uns schwer, uns von unserem Gebieter zu trennen. Wir hören uns so sehr satt an diesem angenehmen göttlichen Klang, bis dass wir uns gar nicht mehr davon trennen können. Mit solcher Affinität zu den Geboten ("darum lieb ich deine Gebote", Psalm 119,127) besiegen wir alle himmlischen Ankläger und den Todesengel.

Der Todesengel ist einer der Engel. Ein Engel ist eine reine himmlische Hochheit, so wie der Himmel an sich die spirituelle Reinheit symbolisiert. Wenn er sich nicht unter uns befindet, bedeutet das nicht, dass er nicht existiert. Unwissen ändert nichts an der Wahrhaftigkeit der Wirklichkeit. Im Gegensatz dazu begegneten die talmudischen Weisen Engeln. Im Talmud wird erzählt, wie ein Engel zu Rav Kattina kam und mit ihm über die Beliebtheit des Gebotes der Zizit (Schaufäden) sprach (Menachot 41a).

In unserem Streit mit dem Satan siegen wir kraft der in der Seele festgeschriebenen Liebe zur Tora und ihrer Gebote, durch die Anhänglichkeit an die Tora, die Liebe zur Tora und das beharrliche Studium der Tora. Da Israel über die Lebenskraft der Liebe zu den Geboten aus der Quelle der Tora verfügt, der Quelle unseres Lebens und der Länge unserer Tage, wird der Satan aufgehalten.

Damit kommen wir zurück zu den Worten Maimonides', dass sich eine Deutung für den Schofar finden lässt, eine Deutung reich an unterschiedlichen Aspekten. Von der Kraft des Erwachens und der göttlichen Erhebung durch das Anhören des Schofars und seiner Vielzahl von Klängen wird dem Satan klar, dass Israel der Tora anhängt.




Kinder, Kinder... 

Wie lehrt man Kindern die bußfertige Umkehr?
   
Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

RavElishaAviner

Viele Eltern finden sich vollzeitig in den Beruf der "Anleitung zu bußfertiger Umkehr" gedrängt (d.h. aus Anderen wieder gesetzestreue Juden zu machen; manche Rabbiner sind genau darauf spezialisiert). Wie kommt das? Von den Gipfeln ihrer Altersweisheit und Erfahrung wollen sie ihre Kinder auf den guten und rechten Weg leiten, und wenn Letztere von jenem Wege abwichen, sie wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Zum Beispiel: Das Kind lügt oder benimmt sich gewalttätig gegen seine Geschwister, macht keine Hausaufgaben oder hilft nicht im Haushalt - da versuchen seine Eltern mit aller Kraft, es zu vollkommener reumütiger Umkehr zu bewegen. In der ersten Phase ermahnen und warnen sie (wie die alte talmudische Regel besagt: Man darf nur bestrafen, wenn das Strafmaß allgemein bekannt ist). In der zweiten Phase wird die Strafe für die Sünden der Vergangenheit erteilt und eine Belohnung für gutes Benehmen in der Zukunft versprochen.

Obwohl bereits die talmudischen Weisen feststellten, dass es schon niemanden mehr gibt, der regelrechte Ermahnung zu erteilen weiß, sehen sich Eltern gezwungen, ihre Kinder zu ermahnen, um sie im Sinne der Tora zu erziehen. Solange das Kind noch klein ist, zeigen Ermahnung, Strafe und Belohnung eine Wirkung, und das Kind bessert sich. Aber je älter es wird, nimmt deren Wirksamkeit ab: die Ermahnung fällt auf taube Ohren, Strafe und Belohnung schrecken nicht mehr ab bzw. bieten keinen Anreiz mehr. Die reumütige Umkehr des Kindes hängt immer weniger von den Bemühungen der Eltern ab, umso mehr von seinem eigenen Willen und seiner persönlichen Entscheidung.

Wenn Ermahnungen keine Wirkung mehr zeigen - was kann die Kinder dann noch zur Umkehr bewegen? Die Ermutigung. Die Anwendung der Ermutigung erfolgt genau umgekehrt wie die Ermahnung. Die Ermahnung zielt auf das Schlechte im Menschen mit dem Ziel, es zu zermalmen und zu zerschmettern, bis es der guten Seele gelingt, sich von ihm und seinem Einfluss zu befreien. Demgegenüber wendet sich die Ermutigung an das Gute im Menschen mit dem Ziel, es zu stützen, zu stärken und zu intensivieren. Häufig liegt das Gute nicht offen zutage, vielmehr verbirgt es sich in einer verschmutzten Umhüllung, oder wie eine Rose unter Disteln, und es erfordert eine gewisse Mühe, es zu offenbaren. Als Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels) zur Erkenntnis gelangte, dass die reumütige Umkehr seiner (und unserer) Generation von Ermutigung abhängt und nicht von strenger Ermahnung, bemühte er sich unermüdlich, das Gute der Generation aufzuzeigen, damit wir unsere Ermutigung darauf ausrichten können.

Dieses erzieherische Konzept der Ermutigung anstelle der Ermahnung widerspricht scheinbar der im Vers vorgegebenen Ordnung des "Weiche vom Bösen und" erst dann "tue Gutes" (Psalm 34,15). Die Logik hinter "Weiche vom Bösen und tue Gutes" besagt, dass das Gute solange nicht erscheinen kann, wie der Mensch in den Fängen des Bösen feststeckt. Es gibt aber auch die umgekehrte Situation: Der Mensch kann sich nicht eher vom Bösen lösen, bis dass er viele gute Taten vollbracht hat. Erst nachdem sich seine positiven Kräfte gestärkt haben, kann er das Böse überwinden. So schrieb Rabbiner Kuk in seinem Buch Mussar Hakodesch (S.238): "Manchmal ergibt sich die Sache so, dass es dem Menschen unmöglich ist, sich mit den Besserungen in der ordnungsgemäßen Reihenfolge zu befassen, und so ein Mensch darf keinesfalls die normale Ordnung betrachten, sonst wird er von allen Seiten in Bedrängnis geraten...".

In unserem Zeitalter vollzieht sich die Umkehr bei vielen Jugendlichen in der ersten Phase durch "tue Gutes" und gelangt erst dann zum "weiche vom Bösen". Darum müssen unsere Anstrengungen bei der Erziehung unserer Kinder zur Umkehr vor allem der Stärkung des Guten durch Ermutigung und Unterstützung gelten. Will sagen: Weniger Ermahnung gegen das Schlechte, und mehr Bestärkung des Guten. Dabei wird auf keinen einzigen Buchstaben der Tora verzichtet; hier gibt es g~ttbehüte keine Legitimierung des Bösen, schlechte Taten werden weder akzeptiert noch toleriert, vielmehr handelt es sich um eine erzieherische Methode der Umkehr, die auf unsere Generation abgestimmt ist.

Wer den negativen Erscheinungen ausgesetzt ist, die sich im Umfeld der Jugend verbreiten, vermag sich kaum zu beherrschen, in Alarmgeschrei auszubrechen. Die Erscheinungen sind uns allen bekannt: Missachtung der genauen Einhaltung der Gebote, äußerliches Aussehen und unsittliche Verhaltensnormen, schäbige und gehaltlose Freizeitkultur, usw. Bei den Jugendlichen selbst gelten die genannten negativen Erscheinungen immer noch als "triebbedingte Sünden", aber bei einem Teil der Heranwachsenden haben sie sich bereits gefestigt und ideologisch abgestützte Formen angenommen. Darum ist es nur natürlich, wenn manche Eltern die Stimme erheben, scharfe Kritik üben und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erregen suchen. Der Aufschrei und die Kritik sind sicher nicht zu verachten, denn sie tragen dazu bei, dass wir uns mit diesen Erscheinungen nicht abfinden und dass sich keine neue ideologische Bewegung bildet, die Abstriche an der Tora macht. Die Ermahnung bremst den gefährlichen Schwung. Machen wir uns aber nichts vor: Die Kraft der Ermahnung ist begrenzt. Die Ermahnung bringt niemanden zu reumütiger Umkehr. Die Umkehr zum rechten Weg der Tora erfolgt nur durch Bestärkung und Ermutigung.

Doch wie gesagt richtet sich die Ermutigung auf das Gute im Menschen, und zu diesem Zweck muss man es offenlegen und ehrlich daran glauben. Die Ermutigung des Guten im Kind/Jugendlichen ist für einen Teil der Eltern eine sehr leichte und angenehme Arbeit. Die Liebe zu ihren Kindern fließt auf natürliche Weise, darum fällt es ihnen leicht, das Glas halb voll zu sehen und auf das Gute in ihren Kindern abzuzielen. Das Schlechte sehen sie auch, doch in ihrem Bewusstsein beziehen sie sich nur auf das Gute mit dem Ziel, es zu stärken und zu mehren. So halten sie es bei der Rückführung ihrer Kinder auf den Weg der Tora. Es gibt aber Eltern, für die die Ermutigung des Guten im Kind eine Sisyphusarbeit bedeutet und ihnen fast unmöglich vorkommt. Die persönliche Enttäuschung von ihren Kindern lässt ihnen keine Ruhe und wirft sie von Mal zu Mal zurück zu einer negativen Betrachtung ihres Nachwuchses. Auch sie versuchen sich mit der Aufforderung zu reumütiger Umkehr, aber ihre Sprache ist meistens voller Ermahnung und entsprechend von begrenzter Wirksamkeit.

Als hingebungsvolle Eltern beschäftigen wir uns mit mit der Rückführung unserer Kinder auf den Weg der Tora. Dafür braucht man sich nicht zu schämen. Wir müssen allerdings die wirksame Methode wählen, die zu unserer Generation passt: Ermutigung, Unterstützung und Bestärkung.


Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden. 
Hier eine kleine Auswahl

Frage: Darf man am Schabbat Skilaufen?

Antwort: Es ist aus mehreren Gründen verboten. 1. Der Skilift, auch wenn er von Nichtjuden für Juden betrieben wird. 2. Aufgrund einiger halachischer Auffassungen verstößt das Hinterlassen von Skispuren gegen das Verbot des Pflügens. 3. Verlassen des Schabbatgebietes (Tchum Schabbat). 4. Das Tragen der Skier an den Füßen vom Schnee auf schneefreies Gebiet. 5. Tragen der Skistöcke. 6. Es gilt als Werktagshandlung. (Einmal wurde Rabbiner Chajim Kanievski, eine der großen halachischen Autoritäten unserer Tage, diese Frage gestellt, und er antwortete: Ich weiß nicht, was Skilaufen ist. Als man ihm Bilder von Leuten beim Skilaufen zeigte, sagte er, das sei das gleiche wie das Verbot des Segelns am Schabbat. Im allgemeinen ist Rabbiner Kanievski der Ansicht, dass die Halacha zu Schnee ähnlich wie zu Wasser steht).

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