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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NASSO
Nr. 1121
9. Sivan  5777

Diese Woche in der Tora (Num. 4,21-7,89):

Weitere Aufgabenverteilung für den Stiftszelttransport; Prozedur für Ehebruchsverdächtigte; Enthaltungsgelübde und deren Opfervorschriften; die Gaben der Stammesfürsten zur Einweihung des Wüstenheiligtums (Stiftszelt).

Haftara: Richter 13, 2-25


 


Am Schabbes-Tisch...

Wer hat den Käse zum Bahnhof gerollt?

Rav Chagai Londin
Rabbiner an der Hesder-Jeschiwa Sderot

RavChagaiLondin

Das Verhältnis der israelischen Medien zum Wochenfest (Schawuot) lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wer hat den Käse zum Bahnhof gerollt? Wenn man den meisten Webseiten der Medien Glauben schenken kann, wurden am Berge Sinai von der Hand G~ttes Rezepte für Käsekuchen und Blintzes verteilt. Da ich einer sehr bestimmten Familientradition folge, bin ich sicher der Letzte, der etwas Schlechtes über Käseblintzes sagen würde, doch lässt sich darüber hinaus noch Vieles mehr zum Wochenfest anbieten. Ehrlich gesagt ist die übertriebene Beschäftigung der Medien mit den gastronomischen Aspekten des Wochenfestes der Ausdruck einer Erscheinung, die auch bei anderen Gelegenheiten auftritt: Vor Rosch Haschana werden tiefschürfende Untersuchungen angestellt, wie viele Israelis über die Hohen Feiertage ins Ausland reisen; Chanukka bietet die Gelegenheit, sich genauestens über den Kaloriengehalt der diversen im Angebot befindlichen Berliner Pfannkuchen zu informieren; an Purim konzentriert sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Frage, wie viel Tinkerbells Kostüm gekostet hat; und an Pessach erhält man eine detaillierte Statistik zu den Ausgaben einer durchschnittlichen Familie für den Sederabend. Die obsessive Beschäftigung mit den Randerscheinungen der Feiertage ist kein Zufall, sondern der Ausdruck einer Kultur, die nicht die Fähigkeit besitzt, die wirkliche Bedeutung der jüdischen Feiertage zu verdauen. Einige kurze Überlegungen zum Wesen des Chanukkafestes, zum Beispiel, würden den in einer westlichen Kultur lebenden Bürger mit einigen unangenehmen Fragen konfrontieren, so wie mit der Frage, wen er zur Zeit des Chaschmonäeraufstands unterstützt hätte: die Makkabäer oder die Hellenisten?; ein etwas angestrengtes Nachdenken zur Bedeutung des Pessachfestes für unser Zeitalter könnte eine wahre Erschütterung hervorrufen bei jemandem, der eine liberale, postmoderne Weltanschauung vertritt; und so weiter. Der einfache Ausweg besteht in der Flucht in eine unverfängliche religiöse Folklore, wie z.B. die Beschäftigung mit der hochsensiblen Frage, ob Matze zur Diät geeignet sei (ist sie nicht, nebenbei bemerkt). Nach dem gleichen Prinzip laufen wir Gefahr, bei der um das Wochenfest herum geschaffenen Atmosphäre die Hauptsache zu verpassen. Einer der Gründe für den Brauch, am Wochenfest Käse zu verzehren, beruht auf dem Vers: "Honig und Milch unter deiner Zunge" (Hohelied 4,11), der uns daran erinnern soll, dass die Tora nicht ein äußerlicher Inhalt für unsere Persönlichkeit bleiben kann. Das Bedürfnis, eine Süße beim Dienst an G~tt zu verspüren, ist eine unverzichtbare Gegebenheit. In einer postmodernen Welt wie der unseren kann man sich nicht mit kaltem und mechanischem Dienst an G~tt begnügen. Es gab Perioden in unserer Geschichte, in denen Juden auch ohne ein bewusstes Gefühl der Solidarität mit den religiösen Inhalten für die Heiligung des göttlichen Namens lebten und starben. Heute ist das nicht so. Die Gründe dafür, warum sich die Dinge so sehr geändert haben, gehören separat untersucht, doch das letztendliche Ergebnis bleibt bestehen: Wer nicht 'seinen Buchstaben' in der Tora findet, wer sich keinen individuellen Weg bahnt, der ihm ein Gefühl der Befriedigung und der Erfüllung beim Dienst an G~tt verschafft - wird es sehr schwer haben, im Orkan der Kultur unserer Tage standzuhalten. In der Nacht des Wochenfestes, zwischen dem Lernen der traditionellen Texte (Tikun), einem Glas türkischen Kaffees und einem Nickerchen während eines Vortrags wäre es sehr vorteilhaft, etwas Zeit für sich selbst zu finden, z.B. mithilfe eines Buches zu religiösen Themen, das einem zusagt, das einem ans Herz geht. Aus dieser halben Stunde, die der Mensch Freude und Süße beim Lernen empfand, wird er das ganze Jahr hindurch schöpfen. Zwischendurch, versteht sich, gibt es Käsekuchen und Blintzes (am besten mit Rosinen). 

Zur Haftara

Schimschon, der Einzelgänger


Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

In unserem Wochenabschnitt ist vom "Enthaltsamen" (Nasir) die Rede, und parallel dazu lesen wir in der Haftara die Geschichte von Schwangerschaft und Geburt Schimschons, der bereits vom Mutterschoß her ein Nasir war.

Auf den ersten Blick steht die Geschichte von Schimschon in offensichtlichem Kontrast zu der generellen Linie ab Beginn des Buches Bemidbar (4. Buch Moscheh). Im Buch Bemidbar konfrontiert uns die Tora mit der genauen Anordnung der Stämme, wobei alle zusammen zu einem großen Heer gemustert werden. Die Musterung der Kinder Israel und die Ordnung der Stämme nach Lagern sind zwei bedeutende Vorgänge, die zum ersten Mal das ganze Volk als einen Körper ansehen und diesem eine organische Ordnung geben. Im Gegensatz zu dieser gewaltigen Einheit ist nun Schimschon der Einzige, der ganz allein wirkt, der ohne Hinzuziehung seiner Brüder aus dem Volk auskommt, die doch mit ihm hätten kämpfen können. Überhaupt kennzeichnet sich die Epoche der Richter durch eine innerisraelitische Aufspaltung und Trennung - jeder hält sich an seinen Stamm, geht getrennte Wege, es gibt keinen König in Israel, das Volk hat kein Zentrum und ähnelt nicht mehr einem organischen Körper. Daneben finden wir bei den meisten der Richter (darunter die bedeutenderen), dass sie wenigstens bei der Kriegführung ihren Stamm beteiligen, sogar weitere Stämme. Schimschon hingegen handelt ohne jegliche Beteiligung Anderer und ohne irgendwelche Hilfe von außen. Den Kampf gegen die Philister führt er allein mit seinen eigenen Händen, und er bedient sich noch nicht einmal eines Gehilfen als Waffenträger.

Das ist aber noch nicht alles - der übliche Ablauf während der Richterzeit war nämlich folgender: Das Volk zeigte reumütige Umkehr, dann traf der jeweilige Richter ein und erlöste das Volk, wobei das verbesserte moralische Niveau der ganzen Nation dem Richter den nötigen Rückhalt für seine Rettungsaktionen bot. Schimschon ist dagegen der einzige Richter, bei dem vor der Schilderung seiner Aktivitäten nichts von reumütiger Umkehr des Volkes erwähnt wird. Wir können den Versen also entnehmen, dem üblichen Ablauf der Dinge nach war das Volk Israel der Erlösung durch Schimschon gar nicht würdig.

Der Punkt, an dem Schimschons Isolation am deutlichsten zutage tritt, befindet sich im 15.Kapitel, als sogar die Angehörigen des Stammes Jehuda, dem führenden Stamm der Nation, Schimschon unter dem Eindruck und mit dem Verständnis an die Philister ausliefern, "dass die Pelischtim über uns herrschen" (Richter 15,11). Diese Episode lehrt, wie wenig die Taten Schimschons dem seelischen Zustand der Nation entsprachen.

Diese Angelegenheit bedarf weiterer Erklärung: Eigentlich ist ein Zustand, in dem ein Einzelgänger "das Gesetz in die Hand nimmt" und sich die Konsequenzen seiner Taten auf die ganze Nation auswirken, absolut unakzeptabel. Normalerweise hat jedermann die Pflicht, und besonders die politische Führung, auf die Lage der Nation und ihre auswärtigen Beziehungen Rücksicht zu nehmen. Worin liegt also der Grund für Schimschons außergewöhnliche Methoden?

Die Erklärungen der talmudischen Weisen über den Segen, mit dem unser Vorvater Jakov den Stamm Dan segnete, werfen ein klares Licht auf diese Frage. Jakov segnete Dan: "Dan wird sein Volk richten wie einer der Stämme Israels" (Gen. 49,16). Im Talmudtraktat Sota (10a) wird erklärt, dass mit diesem Segen Schimschon gemeint ist. "Ferner sagte Rabbi Jochanan: Schimschon richtete Israel wie ihr Vater im Himmel, denn es heißt: Dan wird sein Volk richten wie einer ... ähnlich dem Namen des Heiligen, gepriesen sei er; wie der Heilige, gepriesen sei er, die ganze Welt beschützt, ebenso beschützte Schimschon während seines Zeitalters die Israeliten".

Und der Midrasch (Bereschit raba 99,10) erklärt, dass der Segen der Kampfweise Schimschons als Einzelgänger gilt, "wie einer der Stämme Israels, wie der Eine der Welt, der keine Unterstützung beim Krieg braucht, wie es heißt: die Kelter trat ich allein (Jeschajahu 63,3), so braucht auch Schimschon, der von Dan abstammt, keine Unterstützung durch Andere".

Jakov segnet den Stamm Dan, dass er jemanden als Oberhaupt einsetze, der das Volk nicht aus ihrer Mitte, sondern von oben herab anführe. Dieses Oberhaupt verfährt nicht wie ein gewählter Volksvertreter, sondern als ein Gesandter G~ttes. Vor Jakovs geistigem Auge zeichnet sich ein besonderes Muster für die Führung des Volkes Israel ab. Jakov sieht ein Zeitalter voraus, in dem die Handlungen des Volksoberhauptes auf direktem Wege von 'oben' kommen werden - von der göttlichen Weltlenkung, und nicht von 'unten', nicht aus dem Zustand der Generation und der aktuellen Lage erwachsen werden.

Das Verlesen der Episode von Schimschon in der Haftara lässt das Thema des Nasirs in unserem Wochenabschnitt in neuem Licht erscheinen. Nach der Aufstellung und der Anordnung der Lagerstätten des jüdischen Volkes in den gegenwärtigen Wochenabschnitten im Allgemeinen stellt die Tora zur Vervollständigung eine Verhaltensweise von seelischer Erhebung eines einzelnen Menschen vor. Es gibt Situationen, in denen ein einzelner Mensch eine seelische Erhebung von ganz neuer Größenordnung erlebt; eine Erhebung, die sich nicht in kontinuierlicher Folge aus dem einfachen Zustand der Generation ergibt. So ein Mensch, der von G~tt gesandt ist, bringt der Öffentlichkeit Segen und erhebt sie auf ein anderes spirituelles Niveau.



Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden. 
Hier eine kleine Auswahl

Frage: Sagt man einen Segensspruch über den Geruch von Kaffeebohnen?
Antwort: Nein, weil sie nicht zum Riechen gepflanzt wurden.

Frage: Ist es moralisch vertretbar, seine Beziehungen zu benutzen, um eine Arbeit oder sonstige Vorteile zu erlangen?
Antwort: Nur unter der Bedingung, dass man sie wirklich verdient, aber auf dem normalen Weg nicht erreichen kann.

Frage: Von unseren Weisen wissen wir, dass seinerzeit 4 von 5 Juden nicht Ägypten verlassen wollten, und selbst diejenigen, die Ägypten verließen, in Götzendienst verstrickt waren und bis zur 49. Stufe der Unreinheit gesunken waren (Sohar). Worin bestand demnach der Unterschied zwischen ihnen?
Antwort: Sie waren alle tief gesunken, aber die, die Ägypten verließen, wollten davon loskommen.

Frage: Wenn ich Jahrzeit habe, sollte ich darum kämpfen, Vorbeter zu sein? (Zum Beispiel wenn noch jemand Jahrzeit hat und auch gerne Vorbeter sein möchte)?
Antwort: Es ist zwar der korrekte Brauch, zur Jahrzeit vorzubeten, aber nicht um den Preis eines Streites, denn das ist ein großes Vergehen. Nachgeben hilft der Seele des Verstorbenen viel mehr, eine höhere himmlische Stufe zu erreichen.

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