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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NOACH
Nr. 1092
4. Marcheschwan  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 6,9-11,32):

Sittenverfall, Bau der Arche, Sintflut 150 Tage, Neubesiedlung der Erde, noachidische Gebote, Noach betrunken, Sünde Chams, Nachkommen Schem, Cham und Jafets, Turmbau zu Babel, Sprachenverwirrung, die Generationen bis Awra(ha)m und Sara(i).

Haftara: Jeschajahu 54, 1-17, 55, 1-5

EINZELHEITEN ZU MACHON MEIR/KIMIZION UND VIELE ANDERE INTERESSANTE INFORMATIONEN FINDEN SIE  IN DEN AUSGABEN DES AKTUELLEN JAHRGANGS

Am Schabbes-Tisch...


"Und die Erde war voll Gewalttat (chamas)" 

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Manchmal ordnet G~tt die Welt neu. Das lernen wir aus der Sintflut: "Da sah G~tt die Erde, und siehe, sie war verderbt; denn es hatte alles Fleisch seinen Wandel auf der Erde verderbt" (Gen. 6,12). Die Menschheit war vollkommen aus dem Gleis gesprungen, und darum gab es eine "Realitätsverbesserung", einen Neubeginn zugunsten des göttlichen Lichtes, das erscheinen wollte - mit all dem damit verbundenen Schmerz. "Da ward G~tt zur Änderung seines Entschlusses, dass er den Menschen auf Erden geschaffen, veranlasst (wajinachem), und er betrübte sich um sein Herz" (Gen. 6,6) - es gibt niemals eine Änderung in den göttlichen Plänen, sondern eine Erschütterung der Wirklichkeit, um sie entsprechend der himmlischen Ordnung auszurichten, wie Raschi erklärte: "Er änderte seinen Entschluss - der Entschluss des Allgegenwärtigen wandelte sich vom Erbarmen zum Recht; die Erwägung stieg vor Ihm empor, was mit dem Menschen geschehen solle, den Er auf Erden erschaffen hatte. Und so ist überall der Ausdruck nachum in der Schrift zu erklären, er bedeutet erwägen, was zu tun sei ... er war betrübt in seinem Herzen - Er trauerte über den Untergang des Werkes seiner Hände".

G~tt wartete geduldig 1656 Jahre lang, während die Welt immer weiter herunterkam. "Zehn Geschlechter von Adam bis Noach, zu zeigen, wie viel Langmut vor Seinem Angesichte waltet, da alle diese Geschlechter seinem Willen zuwider handelten, bis er die Wasser der Entseelung über sie brachte" (Mischna "Sprüche der Väter", 5.Kap.). Es war G~ttes Wille, seine Wahl, dass der Wille des Menschen vom Willen G~ttes entkoppelt sei, frei, das Gute oder das Böse zu wählen, "Rabbi Chanina sagte: Alles ist in den Händen des Himmels, ausgenommen die G~ttesfurcht" (Brachot 33b). "Vom ersten Tag, als G~tt die Welt erschuf, verlangte es ihn, mit seinen Geschöpfen in der unteren Welt zu wohnen" (Midrasch Bemidbar raba, 13,6), und das Ruhenlassen seiner Präsenz auf denen, die seinen Willen ausführen, wird gerade dadurch ermöglicht, dass der Mensch nicht gezwungen ist, die Wege G~ttes zu wählen. Wem die G~ttesnähe gewährt wird, gelangt dadurch zum vollkommenen Guten, und er hat es sich auch verdient, weil er dazu durch seine Taten kam und es ihm nicht zum Geschenk gemacht wurde. Die Menschheit trennte sich allerdings von G~tt, wählte die Wege des Bösen, und es bestand eine göttliche Notwendigkeit, die Luft der Welt von dieser Verpestung zu reinigen, mit einem neuen, reinen Kern zu beginnen und die gegenwärtige Realität zu zerstören, um eine andere, bessere Welt sprießen zu lassen.

Wir müssen von der göttlichen Führung lernen und ähnlich verfahren, im Sinne von "und wandelst in seinen Wegen" (Dt. 28,9). Der seit Tausenden von Jahren bestehende Plan für Israel sieht die Gründung eines Staates vor, der das Königtum G~ttes in diese Welt bringt, geleitet von der Ethik der Tora und göttlichen Idealen, "ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk" (Ex. 19,6). Unsere Beziehung zu den in unserem Land wohnenden Arabern ist sehr kompliziert. Bis heute scheint die israelische Führung Frieden und Koexistenz anzustreben, wohingegen die andere Seite den Krieg sucht, ja die Auslöschung des Staates Israel, und das sogar lautstark verkündet. Im Midrasch Wajikra raba (17.Kap.) wird geschildert, wie Jehoschua beim Einzug ins Land vorging. Er sandte drei Briefe an die Bewohner des Landes: "Wer fortziehen will, ziehe fort; wer Frieden schließen will, schließe Frieden; wer Krieg führen will, führe Krieg". Wir sandten den Arabern Briefe des Friedens, und sie antworteten mit Krieg, doch wir versteifen uns anscheinend darauf, die Botschaft nicht zu verstehen, so wie jemand, der den umarmt, der mit gezogenem Messer vor ihm steht. Die Zeit ist reif für eine neue staatliche Ordnung, nämlich das Gebot zu erfüllen, wonach wir verpflichtet sind, das Land in Besitz zu nehmen, das G~tt unseren Vätern Awraham, Jizchak und Jakov gegeben hat und es nicht den Händen einer anderen Nation oder der Verödung zu überlassen. Wie er ihnen gesagt hatte: "Und ihr sollt austreiben (die Bewohner) des Landes und sollt darin wohnen; denn euch habe ich das Land gegeben, es zu besitzen" (Num. 33,53; siehe Anmerkungen des Nachmanides zum Buch der Gebote des Maimonides, Gebot Nr. 4). "Wenn ihr aber nicht die Bewohner des Landes vor euch austreiben werdet, so werden die, die ihr verschonet von ihnen, zu Stacheln in euren Augen, und zu Dornen in euren Seiten, und sie werden euch befeinden in dem Lande, in welchem ihr wohnet" (V.55). Raschi: "Zu Stacheln in euren Augen - zu Stacheln, die euch die Augen ausstechen, und zu Dornen - deuten die Erklärer als Dornenhecke, die euch umgibt, um euch einzuschließen und zu umzingeln, dass keiner heraus noch hinein kann", "Erklärung: Nicht nur, dass sie an dem Teil des Landes festhalten, den ihr euch nicht angeeignet hattet, vielmehr auch in dem Teil, den ihr euch angeeignet hattet und dort wohntet, werden sie euch befeinden um den Teil, den ihr bewohnt und sagen: Steht auf und hebt euch hinweg von uns" (Or hachajim hakadosch ebda.).

Man muss vom "Traum vom Frieden" in die Realität zurückkehren, die "Zweistaatenlösung" in die Tiefen des Meeres versenken und den Druck der übrigen Völker abschütteln, der bloßem Eigeninteresse und Israelhass entspringt und nicht der Liebe und einer ehrlichen Sorge um unsere Zukunft. Wir müssen unsere Einigkeit stärken, uns mit israelischem Mut füllen, mit Freiheit des Denkens und tiefem Glauben, und dem göttlich gebotenen Weg genau folgen, so wie König David, der Israel aus der mächtigen Hand der Philister befreite, die die Israeliten lange Jahre plagten, und die Eindringlinge in ihre Ursprungsländer zurückbefördern, um damit wirklich dem Nahen Osten ein neues Gesicht zu geben. Es gibt hier keine 'Terrorwelle', die in Zukunft abebben wird, sondern einen blutigen, andauernden Kampf, dessen Bestehen anzuerkennen die Zeit reif ist, den man nicht mit Wundverbänden behandelt, sondern das Übel an der Wurzel packt. Eine wichtige Sache können wir von unseren Feinden lernen: Bei ihnen sind Weg und Ziel absolut klar. "Und die Erde war voll Gewalttat (chamas)" (Gen. 6,11).





Der Stand der Dinge...

Bequeme Ehe?

Esther Awrahami
Eheberaterin 

Frage: Wir wollen in Kürze heiraten. Diverse "Ratgeber" bereiten uns seelisch auf ein schwieriges Leben vor, "nicht wie das bequeme Leben, das ihr jetzt habt". Und wirklich sehen wir vor allem die Probleme, die Eheleute miteinander haben, obwohl wir wissen, dass es auch gute Zeiten gibt. Unsere Frage lautet also: Muss das Eheleben wirklich unbedingt schwierig sein?

Antwort: Eure Frage zeugt von Verantwortungsbewusstsein und Vorausdenken, was für die Ehe nötig ist, meinen Glückwunsch. Mir scheint, hier liegt eine gewisse Begriffsverwirrung vor. Man muss es mit den Worten genau nehmen und dadurch das Wesen der Ehe verstehen.

Die Begriffsverwirrung beruht im Wesentlichen auf der modernen Kultur, die unser Leben von allen Seiten umgibt. Die westliche Kultur brachte verfälschte Begriffe von Glück, Bequemlichkeit, 'gut', Genuss usw. mit sich. 'Glück' bedeutet Erhalten statt Geben, 'gut' ist das Angenehme, im Gegensatz zum Guten, das durch Taten und Herausforderungen entsteht. 'Genuss' bedeutet: "Hat es dir Spaß gemacht? Hast du es genossen?", womit gemeint ist: Hast du bekommen, was du wolltest? Das ist die Genusssucht. (Die westlichen Medien gewöhnen uns ans Sitzen und Zuschauen, an den Konsum von egoistischen und interessenbeeinflussten Inhalten von Kämpfen, um etwas zu erreichen und zu bekommen). Ausruhen - das Sitzen vor dem Fernseher wird irrtümlich als 'Ausruhen' bezeichnet - im Gegensatz zum wirklichen Ausruhen nach einer Anstrengung und befriedigender Tätigkeit. Bei einem Fehlen von Tätigkeit kommen die Ehepartner nicht auf Gedanken vom Aufbau des Lebens unter Anstrengung. Darum ergibt sich eine Flut von Problemen, zu deren Lösung infolge einer Gewöhnung an ein oberflächliches Leben keine ausreichende Kraft vorhanden ist. Das Ergebnis lässt nicht lange auf sich warten: Man kommt nicht miteinander zurecht, und darum passt man wohl nicht zueinander, und dann trennt man sich eben - physisch oder gefühlsmäßig. Auch hier besteht eine Verfälschung der Begriffe: Ehe = Beschränkung, Scheidung = Befreiung und Freiheit.

Der technologische Fortschritt ermöglicht ein bequemeres Leben als in der Vergangenheit. Trotzdem wird man von der Freizeitkultur mitgerissen, und es bleibt keine Zeit für den Aufbau einer bedeutungsvollen Partnerschaft.

Wollen wir uns einmal in unsere eigene Arche zurückziehen vor der westlichen Sintflut, die unsere Welt überschwemmt, und eine gute Ehebeziehung aufbauen.

Bei der Erschaffung der Welt und des Menschen gab es zuerst einen perfekten göttlichen Plan. Dann 'überlegte G~tt es sich aber anders' und schuf eine mangelbehaftete Wirklichkeit mit dem Ziel, uns aktiv an der Vervollkommnung der Schöpfung zu beteiligen. Auf welche Weise? In uns existieren zwei Pole: Der Körper sucht die physische Ruhe, er mag es bequem. Die Seele sucht spirituelle Ruhe, das Gute.

Die Seelenruhe entsteht durch ein Gleichgewicht und eine Anpassung der Bedürfnisse von Körper und Seele. Diese Ruhe hat eine gewisse (positive) Unbeschwertheit an sich, die für eine bestimmte Zeit dazu dient, die Änderungen zu verdauen, die durch die Arbeit an sich selbst zur Partnerschaft entstehen. Da unsere Bestimmung vorsieht, uns immer weiter zu entwickeln und neue Kräfte und Begabungen zu offenbaren, wird uns die Ruhe wieder fehlen. Wiederum entstehen Schwierigkeiten/ Meinungsverschiedenheiten/ unterschiedliche Reaktionen auf bestimmte Geschehnisse - Verwicklungen, mit denen das Paar fertig werden muss. Eine erfolgreiche Auseinandersetzung damit erzeugt wiederum Ruhe, bis zur nächsten Runde.

Ihr fragt immer noch, ob das Eheleben schwierig sein muss? Und ich frage: Was ist "schwierig"?

Es ist schwierig, einen unterschiedlichen und gegensätzlichen Menschen zu verinnerlichen, und gerade deshalb, unter Zuhören und wahrem Geben, werden eure Persönlichkeiten im Laufe des gemeinschaftlichen Lebens aufgebaut und ins Gleichgewicht gebracht.

Es ist schwierig, wenn man fortwährend seine Aufmerksamkeit physischen, seelischen und spirituellen Bedürfnissen im Rahmen der Ehe und der Familie widmen muss.

Dieses "schwierig" zeitigt folgende Resultate: Ein gutes Leben, denn es gibt ein Schaffen und Ergebnisse. Glück, denn es gibt Bestätigung durch Zusammenarbeit in der richtigen Richtung. Genuss, der die Motivation für weitere Zusammenarbeit beim konstanten Schaffen enthält.

Einander verpflichtet sein ist auch eine Art von Schwierigkeit. Die Verpflichtung bewahrt die Partnerschaft in Zeiten der Ebbe und hilft dabei, Krisen heil zu überstehen, die im Laufe des Lebens erscheinen.

Krisen sind sicher schwierig, doch gerade durch sie entsteht eine neue und bessere Verbindung.

Mühe gilt auch als schwierig. Doch sie entwickelt die Muskeln der Seele. Darum sind Schwierigkeiten eine gute Sache, die Befriedigung und Wonne verschaffen.

Hättet ihr eine große Summe im Lotto gewonnen, wärt ihr wohl höchstwahrscheinlich sehr froh, für die Verwaltung der Gelder und die Verantwortung für die Güter hart arbeiten zu müssen. Wenn ihr fühlt, dass ihr einer den anderen gewonnen habt, freut euch bei der Verwaltung der menschlichen Güter, die sich bei euch finden.

Masal tov!