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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MISCHPATIM
Nr. 1108
29. Schwat  5777

Diese Woche in der Tora (Ex. 21,1 - 24,18):

Gesetze vom Umgang mit Sklaven, von den Schädigungen durch Mensch, Tier und Feuer, Diebstahl, Leihe, Hütung, Wucher, Gerichtsbarkeit, Schabbat u.v.a.m. G~tt verspricht Segnungen und Hilfe bei der Eroberung des Landes Israel, wenn die Gebote eingehalten werden; das Volk verspricht die Einhaltung der Gebote, und sie zu erlernen; Moscheh steigt auf den Berg Sinai, um die Gesetzestafeln zu erhalten.

Haftara: Könige II, 12, 1-17


Schabbat Schekalim

   


Am Schabbes-Tisch...


Hat die Mehrheit immer recht?

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Obwohl für Viele die Demokratie eine 'heilige Kuh' bedeutet, ist sie in Wahrheit nicht heilig. Sie verfügt über Vor- und Nachteile wie jede andere nichtgöttliche Methode. Mit dem Vorankommen und der Intensivierung des Erlösungsprozesses sehen wir ihre Mängel unter dem Aspekt der "Leere, die dem Sein vorangeht", einem neuen Sein, das an ihrer Stelle unser geliebtes Land krönen wird - das Fundament des Thrones G~ttes in der Welt.

Die Demokratie hat das Verfahren nach der Entscheidung der Mehrheit auf ihre Fahnen geschrieben, und als Herrschaftsform ermöglicht sie den Bürgern, durch Abstimmung bei Wahlen auf die öffentliche Politik Einfluss zu nehmen. Jeder Bürger hat Einfluss und Rechte, und der Wille der Mehrheit der Öffentlichkeit kommt in der Politik zum Ausdruck. Die unbeschränkte Anwendung dieser Methode enthält ein systemimmanentes Problem, nämlich dort, wo eine Weisung der Tora besteht, denn da ist keine Abstimmung nötig. Die Mehrheitsentscheidung als Ersatz für das G~tteswort fällt in den Rahmen des Gebotes: "Du sollst keine fremden Götter vor mir haben" (Ex. 20,3). Unsere israelische Bestrebung lautet: "Unsere Regierung auf den Fundamenten des Guten und der Weisheit zu führen, der Ehrlichkeit und der klaren göttlichen Erleuchtung" (Rabbiner A.J.Kuk, Orot Hamilchama §3), und nicht nach der Mehrheit.

Andererseits fordert die Tora selbst, nach der Mehrheit zu entscheiden: "Folge nicht der Mehrheit zum Bösen, und stimme bei strittigen Meinungen nicht so ab, dass einer von seiner Meinung abgehe, damit nach der Mehrheit der Ausschlag erfolge" (Ex. 23,2). Man muss die Gewichtung von "damit nach der Mehrheit der Ausschlag erfolge" und "Folge nicht der Mehrheit zum Bösen" verstehen, doch darf es dabei niemals zum Verlassen des von der Tora vorgegeben 'Spielfelds' kommen. Diese Weisungen gehen besonders die Rabbinatsrichter an, die religionsgesetzliche Fragen zu entscheiden haben, aber auch weitere Kreise: "Selbst wenn du siehst, wenn sich viele Menschen nicht rechtens verhalten, sei nicht unter ihnen" (Rabenu Bechaje). Nicht jede Meinung oder Tat ist legitim, und wenn Viele eine Entscheidung unterstützen, die der Tora widerspricht, handelt es sich um "einen Bund von Frevlern, und ein Bund von Frevlern zählt nicht mit" (Sanhedrin 26a).

Rabbiner Kuk nennt folgende Bedingungen für das Handeln aufgrund einer Mehrheitsentscheidung:

1. Die Vielen müssen vollständige Kenntnis der Gegenmeinung haben. Wenn aber nicht bei derselben Gelegenheit, wenn eben keine gemeinsame Diskussion stattfand, kann es ja sein, dass sich die eine Seite durch das Anhören der Gegenargumente hätte überzeugen lassen. Die Begegnung mit vielen umstrittenen Themen findet heutzutage durch die 'Brille der Journalisten' statt, von vornherein mit der Privatmeinung des Redakteurs durchsetzt und weit davon entfernt, andere Richtungen aufzuzeigen.

2. Einer Mehrheit, die sich aus Einzelnen mit unterschiedlichen Beweggründen zusammensetzt, sollte keine Autorität verliehen werden. Eine Mehrheit muss sich auf gemeinsame Grundwerte stützen, aber nicht auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner oder den Zufall.

3. Wenn zwischen den Weisen Israels ein Meinungsstreit oder Zweifel bestehen, soll zuerst nach der Wahrheit geforscht werden, nach dem, zu dem Verstand, Argumente und Beweise neigen, und so entscheiden. Erst wenn es nicht gelingt, nach Beweisen zu entscheiden, dennoch eine Entscheidung nötig ist - nur dann gilt der Spruch, dass "nach der Mehrheit der Ausschlag erfolge", nämlich um den Frieden zu bewahren, damit sich nicht Streitfälle im Judentum mehren.

4. Wenn die eine Seite aus größeren Toragelehrten besteht, wie z.B. Bet Schammai, kommt die Regel der Mehrheitsentscheidung nicht in Betracht, weil die größeren Gelehrten der Wahrheit tiefer auf den Grund gehen.

Wie im Körper, wo die einzelnen Glieder vom Gehirn gesteuert werden, muss es sich auch bei der Nation verhalten. Keiner würde auf den Gedanken kommen, dem Fingernagel die gleiche Bedeutung wie dem Gehirn beizumessen, einem spirituellen Leichtgewicht die gleiche Bedeutung wie dem größten Toragelehrten. Die Weisen Israels, die 'Augen der Gemeinschaft', gleichem dem Verstand des Menschen. Darum müssen unterschiedliche Standpunkte vor der Festlegung einer Politik und vor Entscheidung von Halacha geklärt werden. Nicht alle Ansichten haben das gleiche Gewicht. "Rabbi Jizchak sagte: Jerusalem wurde nur deshalb zerstört, weil sich da Klein und Groß ebenbürtig dünkten" (Schabbat 119b).

Wenn die Grundregeln erst einmal erschüttert sind, zielen die persönlichen Bestrebungen nur noch auf die Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse, wie z.B. ein bequemes Leben in wirtschaftlicher, verteidigungsmäßiger und kultureller Hinsicht, wohingegen das Bestreben zum Aufstieg zu einem erhabenen Leben voll heiliger Ethik und klarer göttlicher Anleitung den einigen Wenigen vorbehalten bleibt, aber nicht zum Allgemeingut gehört. Parallel dazu wird das unaufhörliche Eindringen von dem Geiste Israels fremden Einflüssen möglich, die sich das Leben unterwerfen. Es entsteht eine nebulöse Politik, die viele Mängel beseitigt, aber ohne eine klare Vision für die Zukunft, der Erhaltung der Popularität der Gewählten und äußerlichen Beweggründen unterworfen, was automatisch ihre Kraft schwächt. Ebenso entsteht ein Druck, Alle auf das gleiche Niveau herabzubringen; vielleicht leitet uns 'einer von oben', 'wir sind doch alle nur Menschen', und 'ein jeder tue, was recht ist in seinen Augen'. "Es werden Tage kommen, da sich die Demokratie zu Herzen nimmt, dass das Glück der Allgemeinheit von der reinen Anhänglichkeit abhängt, mit der sich die Masse in ihrer Gesamtheit den Edlen des Geistes anschließt, und in diesem Maße werden sich die Bereiche der Rechte der Ersteren erweitern und ihr Leben an Bedeutung gewinnen" (Rabbiner A.J.Kuk, Orot Hakodesch IV, S.468).

Der Schaden beschränkt sich nicht auf die Welt der Gedanken. Unsere Feinde, die unter uns leben, machen sich auf zynische Weise die unbewusste Verneigung vor dem 'Gott der Demokratie' zunutze. Sie fördern auf den Staat Israel zerstörerisch wirkende Mechanismen unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit, der Gleichberechtigung und durch ihre Vertreter in der Knesset. Und wenn jemand dagegen angehen will, wird er sogleich als 'Feind der Demokratie' gebrandmarkt. Auch antiisraelische Organisationen aus dem Ausland mischen sich in das Geschehen ein, sei es durch Geldspenden, sei es durch diverse Interessenvertreter.

Worin besteht die Alternative? "Bis der Tag kühler weht und die Schatten fliehen" (Hohelied 2,17; 4,6), und aus unserer Mitte ein Prophet erwächst und uns nach G~ttes Wort anleitet bis zur Wiedereinführung des Königtums; und viele Dinge lassen sich schon jetzt ändern. Zu den meisten Themen gibt es klare Weisungen der Tora, sodass dort keine Mehrheitsentscheidung nötig ist. In Bereichen, wo anscheinend klare Weisungen fehlen, ersuche die politische Führung ein Gremium um Rat, das die größten Toragelehrten umfasst, wie früher das Synedrion, das sich nach der Vision Rabbiner Kuks aus dem israelischen Oberrabbinat entwickeln soll. "Königs Heiligtum, Regierungsstadt, stehe auf, tritt hinaus aus der Verwüstung" (aus Lecha dodi).

Der Stand der Dinge...

Ethik und Religion

Rav Jakov Ari'el
Stadtrabbiner von 
Ramat Gan und ehem. Kandidat zum israelischen Oberrabbinat

Echte und vollkommene Ethik lässt sich nicht kurz und bündig als Angelegenheit von Gefühl und Verstand definieren. So wie einer verstandesbetonten Ethik das natürliche Gefühl fehlt und sie damit zu einer grässlichen und gefährlichen Moral wird, so auch die am blinden Gefühl orientierte Ethik, die auf komplizierte moralische Probleme keine Antwort zu geben vermag, wie zum Beispiel tragische Fälle, wo man den Einen gefährden muss, um den Anderen zu retten. Sollten wir beide gefährden? Und wenn wir einen retten können - welchen von beiden? Jede gefühlsorientierte Lösung muss zwangsläufig unmoralisch sein, denn das Gefühl kann keine genauen rechtlichen Unterscheidungen anstellen, die in diesem Fall angelegt werden müssen. Auch der menschliche Verstand, für sich allein genommen, kann für dieses Problem keine moralische Lösung finden, den wer hat dem Menschen die Autorität verliehen, das Leben seines Mitmenschen für wertlos zu erklären? Nur die göttliche Anleitung, die alles Leben in ihren Händen hält, kann uns wahrhaft moralische Verhaltensregeln geben. Wenn wir dieser Anleitung folgen, verdrängen wir nicht unsere Gefühle zugunsten eines fremden, äußerlichen Einflusses, vielmehr ähneln wir jemandem, der im Dunkeln tappt und plötzlich einen Lichtschein wahrnimmt, der ihn nun durchs Dunkel leitet.

Unser Moralgefühl identifiziert sich vollständig mit der göttlichen Anleitung, und mit ihr gibt sich auch der Verstand zufrieden, auch das Gefühl und die weiteren Kräfte der Seele, die denjenigen preisen, der uns die Lehre des Lebens gab, um danach zu leben.

Als Awraham bei G~tt den Fall von Sdom einklagte, stellte er nicht die beschränkte menschliche Ethik der göttlichen Moral gegenüber. Er wollte die Wege der göttlichen Leitung verstehen, um sich damit vollkommen identifizieren zu können. Entsprechend hatte Awraham ein ruhiges Gewissen bei der Vernichtung Sdoms im Namen der menschlichen Moral und der Gerechtigkeit, nach dem Erhalt der gewünschten Information, dass es nicht einen einzigen Gerechten mit dem nötigen Einfluss auf seine Umgebung in Sdom gebe.

Die religionsgesetzlich geleitete Ethik weiß eine Wertordnung aufzustellen, wozu die blinde, gefühlsorientierte Ethik nicht fähig ist. Ein Beispiel dafür ist der im Talmud erwähnte Fall von Zweien, die durch die Wüste gehen und nur eine Flasche Wasser dabeihaben: Wenn der eine das Wasser mit dem anderen teilt, müssen beide sterben, wenn nur einer trinkt, reicht ihm das Wasser, bis er zu einer Siedlung gelangt. Trinkt nur der Eigentümer der Flasche und wird gerettet, oder trinken beide und teilen ihr Schicksal (Baba mezia 62a)? Im Talmud streiten darüber Ben-Petora und Rabbi Akiva, und beide stützen sich auf Präzedenzfälle. Rabbi Akiva schrieb sich keine naturgegebene Autorität zu, diesen Fall von Leben und Tod allein nach seinen Gefühlen zu entscheiden. Die Autorität und die Kraft der Weisung liegen in den Händen des Schöpfers des Menschen, der ihn auf dem Wege der Wahrheit führt. Darum wurde das Gesetz zu diesem schwerwiegenden Problem nach Rabbi Akiva entschieden, nach dem Toravers: "Es lebe dein Bruder mit dir (Lev. 25,36) - dein eigenes Leben geht dem Leben deines Nächsten vor". Es wäre eine große Bosheit, von einem Menschen den Verzicht auf sein Leben zugunsten seines Nächsten zu fordern.

MJ221