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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MATTOT-MASS'EH
Nr. 1128
28. Tammus  5777

Diese Woche in der Tora (Num. 30,2-36,13):

Selbstauferlegte Verbote, Vernichtung der Midjaniter, Landzuteilung an die Stämme Gad und Re'uwen, Liste aller Reisestationen während der Wüstenwanderung, Gebot der Austreibung der Kana'aniter, die 6 Levitenstädte, Gesetz von der Zuflucht des Totschlägers, Bodenerbrecht für Frauen; Ende des 4. Buches Moscheh.

Haftara: Jirmijahu 2,4 - 28, 3,4


Am Schabbes-Tisch...


Begegnung mit dem König

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Es waren einmal zwei Brüder, die machten sich auf den Weg zum König, und es war ein so langer Weg, dass ihnen vorzeitig das Geld ausging. Der eine wollte unbedingt vorankommen und bezahlte deshalb mit von ihm anvertrauten fremden Geld die Fahrt mit dem Zug. Der andere blieb vor Ort, arbeitete ein-zwei Monate und finanzierte so seine Weiterreise. So ging jeder Bruder seinen eigenen Weg. Als der erste wieder mal kein Geld hatte, schlich er sich an Bord des Schiffes als blinder Passagier, ohne dass man ihn bemerkte, während der andere lange Zeit stecken blieb, um sich mit Gelegenheitsarbeiten Geld zu verschaffen, oder sich als Matrose anheuern ließ, um so die Schiffsreise zu bezahlen. Als man den letzteren fragte, ob ihm die Überlänge der Reise nichts ausmache, antwortete er: Ich begegne schon jetzt jeden Tag dem König, während mein Bruder einen Irrtum begeht, denn er wird niemals beim König ankommen...

"Und Moscheh gab ihnen, den Söhnen Gad und den Söhnen Re'uwen und der Hälfte des Stammes Menascheh, Sohnes Josefs, das Königreich des Sichon, Königs der Emoriter, und das Königreich des Og, Königs von Baschan, das Land nach seinen Städten in Grenzen, die Städte des Landes im Umkreis" (Num. 32,33). Woher taucht plötzlich die "Hälfte des Stammes Menascheh" auf? Hatten doch nur die Söhne Re'uwens und Gads von Moscheh ihren Erbbesitz auf der Ostseite des Jordans erbeten! Und warum heißt es in dem Vers "Menascheh, Sohnes Josefs", wissen wir etwa nicht, dass Menascheh ein Sohn Josefs war?! Der Neziw erklärte, Moscheh siedelte die Hälfte des Stammes Menascheh dort an, damit sich zwischen den Stämmen Re'uwen und Gad auch Toragelehrte fänden. Damit ist allerdings noch nicht geklärt, warum dieser Stamm geteilt wurde, die Hälfte im Lande Israel und die andere in Transjordanien, so eine Trennung bedeutet doch eine große Härte.

Eine Deutung findet sich im Midrasch raba (Bereschit §84): "Menascheh verursachte den Stämmen ein Reißen, darum wurde sein Erbbesitz zerrissen, eine Hälfte im Lande des Jarden, eine Hälfte im Lande Kana'an". Als Josef seine Brüder zum zweiten Mal aus Ägypten fortschickte, lief ihnen Menascheh nach, noch bevor sie sich weit von der Stadt entfernt hatten, unter dem Vorwand, sie hätten den Kelch seines Herrn gestohlen. "Und er durchsuchte, beim Größten fing er an, und beim Kleinsten hörte er auf; und der Kelch wurde gefunden im Sacke Binjamins" (Gen. 44,12). Wegen des ihnen damals verursachten Leides und dem Zerreißen ihrer Kleider wurde dereinst der Erbbesitz Menaschehs in zwei Teile geteilt. - Diese Erklärung überrascht so sehr, wie sie erschreckt, denn wodurch hat sich "Menascheh, Sohnes Josefs" schuldig gemacht? Er hatte doch bloß das Gebot der Elternehrung ausgeführt, wobei sein Vater gleichzeitig auch noch sein Lehrer war, und in gutem Glauben lief er sofort los, dessen Willen als Bote auszuführen, und nicht er hatte dies alles veranlasst. Darüber hinaus hatte auch sein Vater, Josef der Gerechte, nur Reines und Erhabenes im Sinn, nämlich seine Brüder zu vollkommener bußfertiger Umkehr zu veranlassen bezüglich des Mangels an Brüderlichkeit, den sie bei seinem Verkauf gezeigt hatten. Doch weil Menascheh den Stämmen G~ttes Leid verursacht hatte, wurde es seinem Stamm mit Gleichem vergolten, denn er hätte zum Erreichen des Zieles einen anderen Weg suchen müssen.

Wir lernen also aus dieser Geschichte über das Ausmaß der Vorsicht, selbst wenn man ein erhabenes Ziel verfolgt, nämlich dass man mit größter Sorgfalt auf die Legitimität aller Mittel achte und sich bei ihnen nicht der kleinste Makel finde. Auch bei den Bemühungen um die Mehrung der Göttlichkeit in der Welt, oder bei Kämpfen zur Verhinderung der Entweihung des göttlichen Namens, der Missachtung der Tora, der Gebote und des Landes Israel gibt es keine Rechtfertigung für die Benutzung von Mitteln, die nicht vom "Schulchan Aruch" autorisiert sind und die einen Schaden an Körper, Seele oder Eigentum verursachen können. Vielleicht möge nun jemand sagen, dass dadurch viele Vorgehensweisen und Möglichkeiten des Kampfes versperrt seien oder 'zahnlos' verbleiben! Ja, das stimmt. Der Herr der Welt hat allerdings solche Komplikationen vorhergesehen und dennoch die Tora geboten. Die Erhebung und die Vervollkommnung der Welt werden stattfinden, gerade wenn wir nicht seine Gebote übertreten. Wege, die der Tora zuwiderlaufen, bauen nicht, sondern zerstören.

Geh hin und lerne von König David, der vom Propheten Schmu'el zum König gesalbt und ungerechterweise von Scha'ul verfolgt wurde. Er hatte mehrmals die Gelegenheit, ihn als 'Verfolger' rechtmäßig töten zu können, trotzdem "sprach er zu seinen Leuten: Fern sei von mir um des Ewigen willen, dass ich diese Sache tue meinem Herrn, dem Gesalbten des Ewigen, auszustrecken meine Hand nach ihm" (Schmu'el I, 24,7). David hatte keine Eile und wartete geduldig, bis sich die göttliche Wahrheit offenbarte.

Wenn es tatsächlich würdige Vorgehensweisen gibt, die zur Vollendung einer Sache führen, muss man seine ganze Kraft darauf konzentrieren. Wenn es so aussieht, als gäbe es keine solchen, muss man seine Gehirnzellen zu etwas mehr Kreativität ermuntern, doch niemals heiligt der Zweck die Mittel, man darf kein Gebot durch eine Sünde erfüllen. "Denn ich, der Ewige, liebe das Recht, hasse frevligen Raub..." (Jeschajahu 61,8). Die Schwierigkeiten, die Problematik, die Komplikationen, die Be- und Verhinderungen auf dem Wege - auch sie bieten bereits die Möglichkeit, dem König zu begegnen.



HaRav Aviner

Müssen Rabbiner lügen?
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

In letzter Zeit stehen Rabbiner immer häufiger unter Beschuss, was zu der Forderung führt, im Namen der Tora zu lügen. Zum Beispiel in Bezug auf Dinge, die die Tora eine "Abscheu" nennt, sollen sie sagen, diese Dinge seien legitim.

Ein Rabbiner soll doch "umgänglich" und "menschennah" sein, "den Anderen akzeptieren" usw. Doch unsere Lehrmeister hatten andere Vorstellungen. Sie sagten, wenn ein Toragelehrter von allen Gemeindemitgliedern geliebt wird, dann wohl deswegen, weil er sie nie ermahnt...

Vielleicht möge jemand einwenden: "Wie es einem Menschen geboten ist, etwas zu sagen, wenn man dem gehorcht, ebenso ist es geboten, nicht zu sagen, wenn man dem nicht gehorcht" (Jewamot 65b). Das ist sicher richtig. Doch der Ausdruck "gehorchen" bedeutet nicht unbedingt, dass der Betreffende sofort strammsteht und den Befehl schnurstracks ausführt, sondern dass er je nach seinem moralischen Niveau und seiner Vernunft die Sache einsehen kann. Und das kann eine ganze Weile dauern, bis die Dinge bis in die Tiefe seiner Persönlichkeit vordringen.

Wir finden bereits beim Propheten Jecheskel (9.Kap.) die Überlegung, sowohl den Bösewichten als auch den Frommen ein Todeszeichen auf der Stirn anzubringen, den ersteren, weil sie eben böse sind, und den letzteren, weil sie hätten protestieren können und nicht protestierten (Schabbat 55a). Aber warum? Was nützt denn ein Protest gegen Gebotsübertretungen, der doch nur ignoriert wird? Erklärte Rabbiner A.J.Kuk, dass solcher Protest immer eine Wirkung hat, auch wenn sie nicht sofort sichtbar wird. Außerdem reinige er die spirituelle Atmosphäre der Welt (Ejn Aja).

Entsprechend schrieben die halachischen Autoritäten, dass dem Menschen zwar erlaubt ist, zum Zwecke der Friedensstiftung die Unwahrheit zu sagen, und erst recht, um sein Leben zu retten, er darf aber nicht im Namen der Tora lügen. Eine Lüge im Namen der Tora ist um jeden Preis zu vermeiden, auch wenn es das Leben kostet. Das ist auch verständlich, denn das bedeutet die Zerstörung der Welt.

Darum wurde uns geboten: "Fürchtet euch vor niemandem" (Dt. 1,17), und Jitro riet, "tüchtige Männer" (Ex. 18,21) auszuwählen, "die nicht nötig haben zu schmeicheln und auf das Ansehen zu achten" (Raschi). Die Definition von "schmeicheln" lautet, etwas Schlechtes Gutes zu nennen, um sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen. Jedem Menschen ist das Schmeicheln verboten, und erst recht den Geistesmenschen, denn sonst ist die Gesellschaft verloren.

Es stimmt, dass derzeit ein breiter Feldzug geführt wird, Rabbiner zum Schweigen zu bringen. Allerdings ist das ein gutes Zeichen, denn das beweist, dass ihre Worte wirken und Einfluss ausüben.

Im Talmud jeruschalmi wird die Geschichte von Rabbi Elasar erzählt, an den sich eine bedeutende Frau mit einer gelehrten Frage wandte, die er aber nicht beantworten wollte. Dadurch verlor er eine gewaltige Jahresspende, doch das rührte ihn überhaupt nicht; er rückte keinen Millimeter von seiner Ansicht ab (Sota 3,4).

Die Regel lautet so, wie Rabbiner Kuk einst den Briten (während der Mandatszeit) erwiderte: "Die Wahrheit kennt keine Angst und geniert sich auch nicht".

In seinem Artikel über Rabbiner Schmu'el Mohilever (Gadol veGibor) führte Rabbiner Kuk weiter aus, dass wir uns in der Diaspora an Toragrößen gewöhnt hatten, die keine Helden (Gibor) waren, an denen sich bewahrheitete: "und es wird deine Stimme gleich der eines Schattens aus der Erde" (Jeschajahu 29,4), eine armselige, schwache Stimme. Heute aber erscheinen wieder wahre Größen, Gerechte, Heilige, Bescheidene, die gleichzeitig Helden und Starke sind, ohne Furcht und Tadel in der Konfrontation mit allen Problemen und Hindernissen. Die Früheren gleichen einem König zu Friedenszeiten, und die Letzteren einem König im Kriege (Ma'amarej Hara'aja S.127).

Entsprechend wurde die Tora 'aus dem Munde der Allmacht' (mipi hagwura) dem mächtigen Volk (Am gibor) gegeben. Das Christentum ist eine Religion der Schwäche, darum schaffte es alle Gebote ab, die Mut und Heldentum erfordern.

Jedem Rabbiner ist geboten: Schwimme nicht mit dem Strom! Halte dich an die Tora.

Ebenso schrieb der göttlich engelhaft weise Rabbiner Schimschon (ben) Raphael Hirsch: "...dürfte ihm [dem Priester] das Bewusstsein werden sollen, dass er mit seiner Priesterexistenz, seiner Priesterstellung und seinem Priesterberuf in tieferem Grunde nur auf dem Boden des Stammesgeistes der Leviten stehe, sich als die Elite jenes Stammes zu bewähren habe, der schon in seinem Ahn die mächtige Flamme des Gesamtgeistes gepflegt, der allein, als das Volk der Entartung verfiel, dem Mosesrufe 'Wer es mit G~tt hält, zu mir!' (Ex. 32,26) gefolgt und sich damit für immer zum Vertreter und Retter der G~ttessache im Volke geadelt; auf dass sie nicht als Kohanim aufhören Leviim zu sein, trotz ihrer Existenzabhängigkeit die unabhängigsten, selbstständigsten, unerschrockensten, unbestechbarsten Vertreter des göttlichen Gesetzes im Volke und, wenn es sein muss, gegen das Volk bleiben und es wissen, dass die Nation ihnen nicht deshalb das Brot der Existenz reiche, damit sie an ihnen sich schmiegende, konnivierende Ja- und Amen- und Heiligsprecher zu allen ihren Verirrungen und Schwächen habe, sondern damit sie, wo es sein muss, mutige rücksichtslose Vertreter des Gesetzesheiligtums gegen sich selbst an ihnen finde, von welchen der größte Mensch, zugleich der größte Levite, es ausgesprochen, dass sie 'Vater und Mutter nicht sehen, Brüder und Kinder nicht kennen, wenn es gilt, G~ttes Wort zu schützen, G~ttes Bund zu wahren' (Dt. 33,9)" (aus seinem Kommentar zu Lev. 22,9).