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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MIKEZ
Nr. 1100
2. Tewet  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 41,1 - 44,17):

Pharaos Träume und Josefs Deutung: 7 fette und 7 Hungerjahre, Josef Vizekönig, Anlage von Vorratsspeichern, Neuordnung der ägyptischen Wirtschaft, Josefs Brüder kommen Getreide zu kaufen, erkennen ihn aber nicht.

Haftara: Secharja 2,14-17, 3,1-10, 4,1-7


Schabbat Chanukka


Midrasch "Ma"asse Chanukka"


Chanukka

Das neunte Licht


Rav Ejal Vered
Rabbiner an der Jeschiwa "Nezer Mata'aj" in Ari'el

Rav Eyal Vered

Ganz Chanukka dreht sich um acht Lichter. Doch jedes Kind weiß, dass wir neun Lichter anzünden und nicht acht, Alles in Allem 44 und nicht 36. Das neunte Licht ist der Schamasch.

Bei diesen Lichtern muss man auf einige Halachot (Gesetze) achten. Man darf z.B. deren Licht nicht zur Beleuchtung benutzen, und vorzugsweise sollte man an ihrer Anzahl den entsprechenden Chanukka-Tag erkennen. Und da gesellt sich plötzlich ein anderes Licht hinzu, aufgrund einer weit hergeholten Befürchtung, vielleicht würde man doch das Licht nützen [aber wir sagten schon, das sei verboten, warum sollte also jemand so etwas tun?]. Und dennoch zünden wir wegen dieser fernen Befürchtung ein extra Licht an, wobei wir allerdings die Kennzeichnung des entsprechenden Tages verlieren, denn jemand sieht von draußen am ersten Tag zwei Lichter, und am achten Tag neun Lichter - und wo bleibt das so wichtige Erkennen der Tage?!

Aus diesem Grund hatte sich wohl Rabbiner Moscheh Isserles [in den Anmerkungen zum Schulchan Aruch O.C. §673] den Schamasch vorgenommen, indem er schrieb, keinen eingebauten Schamasch zu benutzen, sondern die Kerze, mit der man die Chanukkalichter anzündet, nach Gebrauch nicht zu dicht neben dem Leuchter anzubringen, um so jede Verwirrung auszuschließen. So werden nur die Gebotslichter angezündet, wobei die Extrakerze nicht dazu gehört. Das ist auch der Brauch bei Chabad. Doch die meisten Juden zünden auch einen Schamasch.

Wenn wir einmal versuchen wollten, den Schamasch zu definieren, so haben wir hier eine außerplanmäßige Mehrung des Lichtes, die uns die Sache komplizierter macht, ein verwirrendes Licht. Gibt es überhaupt so ein Licht? Was hat es mit dem neunten Licht auf sich? Wie kamen wir von acht auf neun, von 36 auf 44?

Die neunte Kerze [oder Öllampe] überragt die anderen und begleitet sie, so wie der neunte Wochenabschnitt seit Beginn der Tora, Parschat Wajeschew, der meist kurz vor Chanukka fällt.

Es gibt nämlich ein Licht, das zur Sieben gehört. Das ist das Licht der guten Ordnung, das Licht des Schabbat - oder des Siebtjahres - ein Licht des Heiligen, das sich über dem Weltlichen ausbreitet, das Licht der Schabbatkerzen.

Und dann gibt es ein Licht der Acht, das Licht oberhalb der natürlichen Ordnung, des Heiligen, das sich über stärkere Kräfte hinwegsetzt, das Licht eines kleinen Krügleins, das ein Riesenimperium überlebt. Das Licht der Acht (schmone) ist das Licht der Seele (neschama), ein Anteil G~ttes von droben, eine Seele, die Finsternisse zu überwinden versteht und ihren Punkt der Reinheit zu beleuchten weiß, "mein G~tt, die Seele, die du in mich gabst, ist eine reine" (Morgengebet).

Und an Chanukka reicht dieses Licht der Acht bis nach unten, bis an die natürliche Ordnung, bis unterhalb von zehn Handbreiten [wo die Chanukia außerhalb der Haustür aufgestellt werden sollte] auf übernatürliche, wundersame Weise...

Es gibt aber auch ein Licht der Neun, das 'Licht des Maschiach' ["Messias"]. "Denn ich weiß die Gesinnungen, die ich gegen euch hege, ist der Spruch des Ewigen (Jirmijahu 29,11) - die Stämme waren beschäftigt mit dem Verkauf von Josef, Josef war beschäftigt mit seinem Sackkleid und seinem Fasten, und Jakov war beschäftigt mit seinem Sackkleid und seinem Fasten, Jehuda war damit beschäftigt, sich eine Frau zu nehmen, und der Heilige, gelobt sei er, war damit beschäftigt, das Licht des Königs Maschiach zu schaffen" (Midrasch Ber. raba 85,1).

Das 'Licht des Maschiach' im Abschnitt Wajeschew ist ein Licht, das direkt von den Wirrungen erzeugt wird und nicht als Ergebnis der Überwindung derselben auf diesem oder jenem Wege. Die Komplikation an sich, das Abwegige, die Schwierigkeit, bilden das in den Wirrungen verhüllte und verborgene Licht. Das ist ein besonderes Licht, das Licht der neunten Parscha, das der neunten Kerze entspricht, dem Schamasch, wie gesagt ein verwirrendes Licht.

Die Erleuchtung des Maschiach aus den Komplikationen um Tamar und Jehuda, aus einer komplizierten Geburt von Zwillingen, wo einer zuerst seine Hand herausstreckt und der andere ihn dann überholt, sieht auf den ersten Blick (und auf den zweiten) wie eine unerwünschte Erscheinung aus, die besser nicht geschehen wäre, denn das macht die Sache doch nur komplizierter.

Das Licht des Maschiach dringt jedoch bis in die kompliziertesten Kanäle vor und zeigt das Licht auf, das sich dort befindet. Es kann sein, dass sich Menschen nicht an diese Orte begeben dürfen, aber diese komplizierten Orte existieren, und es stellt sich heraus, dass es auch dort Licht gibt. Das Licht des Maschiach.

Warum ist das so kompliziert? Warum gibt es Licht, das aus der Komplikation selbst stammt, und nicht aus deren Überwindung?

Manchmal ist das Licht von solch hoher Güte, dass man es an einem Ort verstecken muss, an dem es niemand vermutet. Das Licht des Maschiach ben David würden wir nicht in den halbseidenen Wirrungen von Lot und seinen Töchtern suchen, von Jehuda und seiner Schwiegertochter, von Ruth und Boas. Und genau dort befindet es sich. Es muss also verborgen werden. Die Komplikation verdeckt das Licht. Das neunte Licht.

Je größer das Licht, desto weiter, tiefer dringt es vor, bis in die trübsten Winkel. Das Chanukkalicht sind wir geboten, unterhalb von zehn Handbreiten (ca. 80cm) aufzustellen. Und dennoch - es ist verboten, irgendeinen Nutzen daraus zu ziehen.

Und was den Schamasch angeht - dessen Licht darf man benutzen. Sein Licht gilt ganz dem Weltlichen, und überhaupt dient er anscheinend nur dem Anzündenden und gehört gar nicht zum Chanukkagebot? In Wahrheit jedoch verbirgt sich in ihm das Licht des Allerheiligsten - das Heilige, das sich im Weltlichen verbirgt und darin leuchtet.

Auch Josef passt zum neunten Licht, dem Schamasch, auch er ist eine Erscheinung, deren Licht sich aus der Komplikation selbst ergibt, nicht aus der Überwindung derselben. Zwar ist Josef gar nicht schlecht beim Überwinden von Problemen und weiß, seinen Trieb im Zaum zu halten und ihn sogar zu bezwingen, doch der Hauptaspekt seiner Persönlichkeit, der langsam zum Vorschein kommt, besteht darin, dass die ganze Problematik, in deren Zentrum Josef sich befindet, nicht nur dazu bestimmt ist, überwunden zu werden - im Gegenteil, sie dient als gewolltes Arbeitsumfeld! Josefs Ziel ist nicht die Flucht aus Ägypten oder der Versuch, seinen Aufenthalt dort so gut es geht zu überstehen, vielmehr erfüllt er dort die Rolle des Schamasch: Er hat innerhalb dieser Komplikation zu wirken und sie von innen zu erleuchten.

Interessanterweise wird bei den talmudischen Weisen die Bezeichnung Schamasch zum ersten Mal auf die Urschlange angewendet. "Rabbi Schimon ben Menassja sagte: Schade, dass so ein guter Diener der Welt verloren gegangen ist; wäre nämlich die Schlange nicht verflucht worden, so würden jedem Israeliten zwei gute Schlangen zur Verfügung gestanden haben; er würde eine nach Norden geschickt haben und eine nach Süden geschickt haben, um für ihn Sandarensen [eine Art Edelstein], Edelsteine und Perlen zu holen" (Sanhedrin 59b).

Die Schlange ist ein Schamasch, und 'Maschiach' hat bekanntlich den gleichen Zahlenwert [der hebräischen Buchstaben, was auf einen Zusammenhang hindeutet] wie 'Nachasch' (Schlange).

Wir lernen also von Alledem, dass das Licht des Schamasch, das in halachischer Hinsicht ein gewisses Problem darstellt, sogar eine Komplikation, auf das Licht im Sinne der 'Neun' hindeutet, tiefer als das Licht der 'Sieben' - das Heilige gegenüber dem Weltlichen, und als das Licht der 'Acht', das verborgene Heilige, das Geringe, das die Vielen überwältigt. Der Schamasch befindet sich über all den anderen Kerzen, leuchtet das Licht der 'Neun' aus der Komplikation heraus. [Neun ist auch die Zahl der Wahrheit, Emmet, die Quersumme ihrer Buchstaben, und auch alles Vielfache von Neun ergibt in der Quersumme immer Neun]. Der Schamasch schließt sich der Zahl der zu zündenden Chanukkakerzen an, auch er gehört dazu, auch er verbreitet Licht der Heiligkeit, Heiligkeit der 'Neun', die aus der Komplikation heraus leuchtet, aus dem neunten Wochenabschnitt, der Chanukka als Vorhut begleitet.

An diesem Punkt lässt sich fragen - wer ist das 'neunte Licht' in historischer Hinsicht?

Die Antwort fällt sehr eindeutig aus - der Staat Israel. Ein großes Licht, eingepackt in Schichten von Weltlichkeit, kompliziert, und darum Allerheiligstes. Chanukka enthält die Botschaft staatlicher Unabhängigkeit, Vorläufer des Jom HaAtzma'ut. Das offenbare Licht der Acht verkündet das Kommen des im Dickicht des Weltlichen und den Komplikationen der Wirklichkeit verborgenen neunten Lichtes, das Geheimnis der Erlösung auf natürlichem Wege.

Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass der Staat Israel im neunten Jahr gegründet wurde, d.h. nach Vollendung von 5708 Jahren...

Auch das Wappen des jüdischen Staates basiert auf der Neun - der siebenarmige Leuchter und zwei Olivenzweige. Nicht nur das helle Licht des Leuchters, ein klares, ungetrübtes Licht, sondern auch die Olivenzweige, die von bitterem Geschmack sind; dort sind noch Verarbeitung und Pressen nötig.

Jom HaAtzma'ut ist die direkte Fortsetzung von Chanukka, und die Neun folgt der Acht, das Sprechen des Hallel-Gebetes an Jom HaAtzma'ut wird vom Sprechen des Hallel-Gebetes an den acht Tagen Chanukka gelernt.

Dieses neunte Licht verträgt sich allerdings ganz ausgezeichnet mit den übrigen Lichtern. Zündet man den Schamasch doch alle acht Mal an, was sich bei den anderen Lichtern nur beim ersten Licht findet. Und so verbindet sich die Neun des Schamasch mit der Acht der Chanukkalichter und der Sieben der Schabbatlichter zu unterschiedlichen Aspekten von Heiligkeit und Erleuchtung, die die Seele vollkommen ausleuchtet, "denn bei dir ist Quell des Lebens, in deinem Lichte schauen wir Licht" (Psalm 36,10).



Frage und Antwort - Chanukka
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ab welchem Alter zündet ein aschkenasisches Kind Chanukkalichter?
Antwort: Vom "Erziehungsalter" an, sechs. Aber wenn es will, kann es das auch früher tun.

Frage: Ist eine ledige Frau, die alleine wohnt, zum Zünden der Chanukkalichter verpflichtet?
Antwort: Ja. Auch die Frauen waren an diesem Wunder beteiligt.

Frage: Wenn jemand aus Versehen zu viele oder zu wenige Lichter als für diesen Tag nötig gezündet hat, was kann er tun?
Antwort: Die überzähligen löschen oder die fehlenden zünden, ohne Segensspruch.

Frage: Darf man an Chanukka Gräber besuchen?
Antwort: Manche entscheiden erschwerend, manche erleichternd.

Frage: Und Gräber von berühmten Gerechten?
Antwort: Erlaubt.