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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT LECH LECHA
Nr. 1093
11. Marcheschwan  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 12,1-17,27):

Awra(ha)ms Umzug nach Kana'an, göttliches Versprechen, seinen Nachkommen das Land zu geben, ägyptisches Intermezzo, Trennung von Lot, dessen Rettung aus der Gefangenschaft nach den Kriegen mit 4-5 Königen, "Bund der Opferteile", Geburt Jischma'els durch die ägyptische Magd Hagar, Awram>Awraham, Sarai>Sara, Versprechen der Fruchtbarkeit, Gebot der Beschneidung

Haftara: Jeschajahu 40, 27-31, 41, 1-16

EINZELHEITEN ZU MACHON MEIR/KIMIZION UND VIELE ANDERE INTERESSANTE INFORMATIONEN FINDEN SIE  IN DEN AUSGABEN DES AKTUELLEN JAHRGANGS

 

Frage und Antwort

Brit Mila - ja oder nein?
    

Rav Joni Lavi
Rabbiner an MACHON MEIR

RavYoniLavi

-Schalom, Herr Rabbiner Lavi, ich heiße Schimon und bin aus Be'er Schewa. Meine älteste Tochter hat vorgestern Nacht einen gesunden Jungen zur Welt gebracht, und ich brauche Ihre Hilfe...

Meine Tochter will unter keinen Umständen das Kind beschneiden lassen. Ich bin ein traditioneller Jude und gehe regelmäßig am Schabbat zur Synagoge und mache Kiddusch, aber meine Kinder sind sehr von der Umgebung und von "draußen" beeinflusst. Meine Tochter wurde leider G~ttes vollkommen nichtreligiös. Sie wissen ja gar nicht, wie viel Leid das mir und ihrer Mutter bereitet. Das verkürzt uns wirklich unser Leben...

-Zuerst einmal Masal tov! Daneben tut es mir natürlich leid, von so einer Verkettung der Ereignisse zu hören. Wir können als Eltern unseren Beitrag leisten, erklären, erziehen, überreden... Letztendlich aber hatte G~tt sich dafür entschieden, sie mit Entscheidungsfreiheit auszustatten, damit sie selbst entscheidet, auf welche Weise zu leben, auch wenn uns das nicht gefällt. Sagen Sie, als Ihre Tochter heiratete, tat sie das auf traditionelle Weise, mit einem Rabbiner, der die Chuppa leitete?

-Ja, aber fragen Sie nicht, wie sehr wir darum kämpfen mussten. Sie müssen nämlich verstehen, verehrter Herr Rabbiner, unsere Tochter ist nicht einfach so nichtreligiös. Sie hat ihre Prinzipien! Sie redet die ganze Zeit davon, wie es hierzulande religiösen Zwang gibt und immer mehr orthodoxe Strenge und man dafür kämpfen müsse, "Freiheit und Menschenrechte zu bewahren". Als ich ihr die Sache mit der Brit Mila vorschlug, explodierte sie geradezu und schrie mich an: "Du hast dich genug in mein Leben eingemischt und deinetwegen habe ich religiös geheiratet. Wenn es um meine Kinder geht - bestimme ich, und ich bin nicht bereit, mit meinem Baby eine primitive religiöse Zeremonie zu veranstalten...". Herr Rabbiner, ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass mein Enkel unbeschnitten sein soll wie irgendein Nichtjude, dass meine Tochter ein Gebot verachtet, für das die Juden Leib und Seele riskierten. Verzeihen Sie, falls dies eine aufdringliche Bitte sein sollte, aber wären Sie vielleicht bereit, mit meiner Tochter telefonisch zu sprechen und sie davon zu überzeugen, ihren Sohn beschneiden zu lassen?

-Sehen Sie, ich möchte Ihnen schon helfen, aber man muss sich genau überlegen, wie man das anstellt. Das wird sehr merkwürdig aussehen, und wahrscheinlich auch nichts nützen, wenn Ihre Tochter plötzlich von einem wildfremden Mann angerufen wird, der versucht, sich in ihr Privatleben einzumischen... Wenn sie sich aber mit mir in Verbindung setzt, werde ich gern mit ihr sprechen. Was glauben Sie, gibt es eine Chance, dass sowas passiert?

-Ich glaube, dazu muss mindestens ein Wunder geschehen. Meine Tochter, ich schäme mich, das auszusprechen, hasst Rabbiner.

-Wenn sie mich nicht anrufen will - wäre sie vielleicht wenigstens bereit, mir eine Textmitteilung zu schicken mit anschließender Korrespondenz, und wir beten, dass es gut geht?

* * *

-Hallo! Bin ich bei Joni Lavi gelandet?

-Ja.

-Sind Sie Rabbiner? Tragen Sie einen schwarzen Anzug?! Sind Sie ein Charedi (schwarzorthodoxer)?! Haben Sie Armeedienst geleistet?!

-Schalom. Ich bin Rabbiner und habe eine vielfarbige Garderobe. Ich bin kein Charedi und habe in der Armee gedient. Mit wem habe ich die Ehre?

-Ich heiße Dafna. Mein Vater hat mir Ihre Telefonnummer zugeschoben und mich angefleht, Ihnen eine Textmitteilung zu schicken. Was ich hiermit getan habe. Wiedersehn.

-Schalom, Dafna. Einen Moment - sind Sie die Tochter von Schimon? Demnach gebührt Ihnen ein Masal tov! Wie geht es Ihnen? Was macht der Kleine? Sind Sie bereits aus der Klinik entlassen worden?

-Was bloß für eine Klinik?! Das war eine Hausgeburt. Ich glaube an die natürliche Lebensweise. Ich kann keine Einmischungen von außen vertragen, ich glaube nicht an das Establishment und hasse eure Bevormundung - durch Religion, die Rabbiner und die religiösen Politiker - in unserem nichtreligiösen Leben.

-Ich verstehe, Dafna, dass Sie Kritik am rabbanitischen Establishment und der religiösen Politik hegen. Es kann sogar sein, dass ich dem zum Teil zustimmen könnte. Es gibt aber im Staat Israel kein einziges Gesetz, das zur Beschneidung verpflichtet, gegen das Sie sich auflehnen müssten. Diese Angelegenheit ist der freien Entscheidung der Eltern überlassen - ob sie die jüdische Tradition von Jahrtausenden fortsetzen oder plötzlich die Linie kappen wollen...

-Nun entschuldigen Sie aber mal, Herr Lavi, versuchen Sie nicht, mich zu manipulieren. Das halten Sie für moralisch, ein kleines Baby zu nehmen, das sich nicht wehren kann, und an ihm gewaltsam einen schmerzhaften Akt zu vollziehen, ohne es zu fragen, ob es überhaupt daran interessiert ist?

-Sagen Sie, Dafna, werden Sie Ihr Kind impfen lassen?

-Ja, aber was gibt es da zu vergleichen?! Impfen ist ein echtes medizinisches Bedürfnis und nicht ein blöder, primitiver Brauch ohne jede Logik dahinter.

-Im Prinzip ist es dasselbe. Wenn wir glauben, dass etwas nötig und richtig ist, dann tun wir das für unser Kind, auch wenn ihm das gerade nicht angenehm ist. Das ist unser Recht und unsere Pflicht als Eltern. Jemand, der den großen Wert der Brit Mila versteht, wird sie natürlich auch an seinem kleinen Kind ausführen. Jedenfalls kann ich Ihnen versichern, wenn gerade der Schmerz Ihnen Sorge macht, dass er minimal ist. Ein paar Sekunden nach der Beschneidung hat sich das Kind wieder beruhigt und schläft ein, und wenn man selbst dieses momentane Gefühl verhindern will, kann man vorher eine örtlich betäubende Creme auftragen.

-Es geht nicht nur darum. Wie kann man ein so hübsches und vollkommenes Geschöpf wie ein Baby nehmen (besonders meines!) und ihm etwas abschneiden und es so zu einer beschädigten und mangelhaften Sache machen?!

-Sehen Sie, das Gebot der Brit Mila erfüllen wir aus einem tiefen Glauben an den Schöpfer heraus, der es uns gab, auch wenn es uns nicht gelingt, zu verstehen, was dahinter steht. Wir spüren auch die Schwere der Verantwortung für die Fortsetzung der Tradition vieler Generationen von Juden, die alles riskierten, um es zu erfüllen, manchmal unter äußerst schwierigen Bedingungen und sogar Lebensgefahr. Vielleicht ist einer der im Gebot der Beschneidung verborgenen Gedanken gerade die Botschaft unseres Vermögens, die Natur zu überwinden und uns über sie zu erheben.

-Ich stimme dem nicht zu! Ich glaube nämlich ganz besonders an die Natur. Bei uns kommt keine industriell gefertigte Nahrung auf den Tisch, auch keine Konservierungsstoffe und kein 'Junkfood'.

-Davon rede ich nicht. Natürlich ist es wichtig, auf die Gesundheit zu achten, und die Nahrungsmittelindustrie benutzt viel zu viele schädliche Inhaltsstoffe. Ich rede von unserem Vermögen als menschliche Wesen, die rohe, unreife und tierische Natur zu nehmen, sie zu entwickeln und zu verbessern. Mit Verlaub nehme ich an, dass Sie zum Frühstück keine Weizenkörner kauen, sondern gebackenes Brot bevorzugen. Ich glaube auch nicht, dass Sie sich mit Feigenblättern bedecken, sondern eher in modische Textilien hüllen. So verhält es sich auch bei den moralischen Werten. Der jüdische Glauben betont den "Vorzug des Menschen vor dem Vieh" (Prediger 3,19). Der Mensch hat ein Moralbewusstsein, ideelle Werte, die Freiheit zu entscheiden und niedere Triebe zu überwinden. Die Natur hingegen ist blind und instinktiv. Sie ist sicher nicht vollkommen. Gerade unsere Taten sorgen für unsere Weiterentwicklung und bringen uns der Vollkommenheit näher.

-Mit diesem Gedanken kann ich mich durchaus anfreunden, und dennoch ziehe ich es vor, meinem Sohn die Freiheit zu geben, wenn er groß ist, selbst zu entscheiden, ob er sich beschneiden lassen will oder nicht.

-So ein Aufschub macht die Sache für ihn viel komplizierter. Im Alter von acht Tagen geht die Beschneidung mit großer Leichtigkeit vonstatten; beim Erwachsenen ist das eine komplizierte Operation mit Betäubung. Sie machen das Kind auch zu einer Ausnahme unter seinen Freunden. So gut wie alle Männer im Staat Israel sind beschnitten, und nebenbei bemerkt, auch in der Welt, besonders in den USA. Dort wird die Beschneidung aus gesundheitlichen Gründen bei allen männlichen Geburten empfohlen (besonders zur Verhütung von Krebs und ansteckenden Geschlechtskrankheiten, entsprechend einem Standpunktepapier der amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention CDC). Wir wissen nicht, ob das der Grund für das göttliche Gebot der Brit Mila ist, aber zweifellos wird sie heute von der medizinischen Wissenschaft befürwortet. Wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen die Telefonnummer eines Freundes von mir, ein professioneller und erfahrener Mohel, und Sie besprechen die Sache direkt mit ihm?

-He, ich kann gar nicht fassen, wie mir geschieht. Mein Mann wird mich für verrückt halten. Aber schicken Sie mir die Nummer und ich werde mir das schon überlegen...

Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden. Hier eine kleine Auswahl

Frage: Hat es einen Wert für jemanden, der den Schabbat durch seine Arbeit entweiht, vor oder nach der Arbeit Kiddusch zu machen?

Antwort: Sicher. So wird er nicht vergessen, dass es Schabbat ist, und wohin er umkehren muss. (Rabbiner Jakov Weinberg, Autor von Sridej Esch, erzählte, wie Rabbi Israel Salanter einmal nach Königsberg kam, wo viele Leute den Schabbat entweihten. Er wies sie an, Kiddusch zu machen und zur Synagoge zu gehen, damit sie wüssten, dass es Schabbat ist, und wenn sie nicht mehr am Schabbat zu arbeiten bräuchten, würden sie zur Einhaltung des Schabbat zurückkehren).

Frage: Mein Baby wurde durch ein Wunder gerettet. Muss ich den Ha-Gomel Segensspruch sagen?
Antwort:
Nein.

Frage: Wer sollte die Ketuba aufbewahren?
Antwort:
Natürlich die Braut, die Ketuba gehört ja ihr. Wenn sie allerdings ihrem Mann so sehr vertraut, dass er im Falle einer Scheidung daraus keinen Vorteil ziehen würde, kann sie ihn die Ketuba aufbewahren lassen.


Frage: Darf man eine Trauung (Chuppa) in einer Synagoge abhalten?
Antwort: Sefaradim - ja, Aschkenasim - nein, außer wenn keine andere Wahl besteht. (Rabbiner Moscheh Stern, Autor der Responsen Be'er Moscheh, sollte einmal eine Trauung durchführen. Als er ankam und sah, dass sie in einer Synagoge stattfinden sollte, weigerte er sich. Viele beschwerten sich darüber. Der Satmarer Rebbe stimmte ihm allerdings zu. Rabbiner Josef Solowejtschik geschah einmal dasgleiche, er seufzte und sagte, wenn er das vorher gewusst hätte, wäre er nicht gekommen. Er erklärte, das Abhalten einer Chuppa sei nicht angebracht, da die Heiligkeit einer Synagoge nur Torastudium und Gebet erlaube, aber nicht andere Aktivitäten, selbst wenn es sich dabei um Gebote handelt).

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