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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TEZE
Nr. 1134
11. Elul  5777

Diese Woche in der Tora (Dt. 21,10-25,19):

Die Kriegsbraut, geliebte u. gehasste Frau, ungehorsamer Sohn, Fundsachen, Dachgeländer, div. Eherecht, Verhältnis zu Nachbarvölkern, Entlohnung, Zinsen, Pfand, Schwagerehe, Ehefrau greift in Streit ein, korrekte Gewichte, gedenke Amalek.

Haftara: Jeschajahu 54, 1 - 10

  

Am Schabbes-Tisch...


Eine besonders schöne Frau

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Unsere für ihr kabbalistisches Wissen bekannten Lehrmeister, der Ari sel. und der Or Hachajim Hakadosch, deuteten den Abschnitt von der "schönen Frau" in unserem Wochenabschnitt gestützt auf den Sohar (Hauptwerk der Kabbala) und verbanden ihre Deutung mit den besonderen religiösen Pflichten des Monats Elul.

"Wenn du ausziehst zum Krieg gegen deine Feinde, und der Ewige dein G~tt ihn in deine Hand gibt, und du von ihm Gefangene machst" (Dt. 21,10).

"Wenn du ausziehst zum Krieg gegen deine Feinde", zum Krieg gegen deine Triebe - das ist der große Krieg, zu dessen Entscheidung die Seele in die Welt kommt, denn aller Aufbau der Welt und ihr Bestehen hängen von den Taten der Israeliten ab. Wenn sie ihre Taten bessern, besteht die Welt und blüht, und die Güte G~ttes leuchtet Allem: Es freuen sich die Himmel und es jubelt die Erde, und auch der Ewige unser G~tt freut sich an uns. Die Geradheit des Weges der Juden und ihr Einfluss auf alle Existenz hängt vom Sieg über den Bösen Trieb in einem Mehrfrontenkrieg ab. Darum heißt es hier "zum Krieg", d.h. zu dem bekannten und dem so sehr entscheidenden Krieg.

"Und der Ewige dein G~tt ihn in deine Hand gibt"; bei diesem ständigen Krieg darf der Mensch keinen Moment ruhen oder auf der Wacht einnicken, denn bei jeder kleinen Nachlässigkeit wird ihn der Feind überwältigen und aus der Welt schaffen, "es lauert der Gottlose dem Gerechten auf und sucht ihn zu töten" (Psalm 37,32). Darum verspricht die Schrift, wenn auch der Trieb stärker ist als Menschenkraft, wird G~tt dennoch, wenn sich der Mensch nur erst zu diesem Krieg aufrafft, das Haupt aller Feinde in seine Hand geben.

"Und du von ihm Gefangene machst", durch die Kraft des Guten in dir holst du dir zurück, was in die Gefangenschaft des Triebes fiel. Denn so hält es der Trieb: Er reitet durch seine Verführungen und seine Siege auf den Kräften und den Begabungen des Menschen und benutzt sie für niedere Äußerlichkeiten, das Gegenteil des Heiligen. Erneuere die Treue deiner Taten zur Natur deiner Seele durch Umkehr zu G~tt.

"Und du siehst unter den Gefangenen eine Frau von schöner Gestalt, und du begehrst nach ihr und nimmst sie dir zum Weibe" (Dt. 21,11).

"Und du siehst unter den Gefangenen eine Frau von schöner Gestalt" - das ist die reine, himmlische Seele (Neschama). Nach ihrem Herabsteigen und ihrer Verbindung mit dem Körper wird diese spirituelle Persönlichkeit Nefesch genannt. Mängel können nur der Nefesch anhaften, die dem Mond ähnelt, der sich zum Teil verdunkelt, aber nicht der Neschama, die der Sonne gleicht, die in Vollkommenheit leuchtet. Wenn der Mensch in sich hineinschaut und im Grunde seiner Persönlichkeit eine "schöne Frau" sieht, die wie eine Sonne leuchten will, wünscht er, dass seine Nefesch - die im Gefängnis seiner Taten unter abgedunkeltem Licht sitzt - vom Licht seiner Innerlichkeit erleuchtet und der fremde, äußerliche Schmutz, der ihr anhaftet, entfernt werde. Nur wenn der Mensch seinen Trieb besiegt, wird es ihm gelingen, die Schönheit und die Annehmlichkeit seiner göttlichen Seele zu sehen. "Und du begehrst nach ihr", das gleiche Begehren, das der Trieb mit seinen Verführungen in ihm auslöste, richtet er jetzt "nach ihr", auf seine Nefesch, ihre Erkenntnisse von ihrer inneren Welt zu korrigieren, die gänzlich gut ist.

"So soll sie, wenn du sie in dein Haus gebracht, ihr Haupt scheren und ihre Nägel schneiden" (Dt. 21,11).

"Wenn du sie in dein Haus gebracht" - der Körper dient als Behausung für die Seele (Nefesch). Durch die Verführungen des Bösen entfernt sich das Licht der Neschama, und an seiner Stelle dringt spirituelle Unreinheit ein. Doch nach dem Sieg über den Trieb bringt der Mensch seine göttliche Seele in sein Haus und wird dann "Herr einer Seele" (Ba'al Nefesch) genannt. "So soll sie ihr Haupt scheren", dann werden aus seinen Gedanken fremder Glauben und Ketzerei ebenso wie sündhafte Gedanken verschwinden, "und ihre Nägel schneiden", wenn er Diebesgut oder Wucher in Händen hält, die er wie mit den Krallen eines Falken seinen Opfern entriss und raubte, "so soll er den Raub, den er geraubt, zurückgeben, oder das, was er vorenthalten, oder das anvertraute Gut, das bei ihm zur Verwahrung gegeben war, oder das Verlorene, das er gefunden" (Lev. 5,23).

"Und legt das Gewand ihrer Gefangenschaft ab und sitzt in deinem Hause und beweint ihren Vater und ihre Mutter einen Monat lang, nachher erst kannst du zu ihr kommen und sie ehelichen, dass sie dein Weib werde" (Dt. 21,13).

"Und legt das Gewand ihrer Gefangenschaft ab", lege die schmutzigen Gewänder ab, die die Seele mit einem Geist der Unreinheit umhüllen, indem die Sünden auf dem Weg der Umkehr bereinigt werden, und durch den Erwerb ungetrübten Wissens der Wege G~ttes. "Und sitzt in deinem Hause", das ist das Lehrhaus, das eigentliche Haus eines jeden Juden, "und beweint ihren Vater und ihre Mutter", und beweint, wie sie ihrem Vater und ihrer Mutter untreu war, und wegen ihrer Trennung von ihnen. Ihr Vater - G~tt, und ihre Mutter die Gemeinschaft Israels. "Einen Monat lang", diese Zeit reicht fürs Weinen, und diese Tränen öffnen die Quellen reinen Wassers, die Verstopfung der Leitung vom Himmel wegzuschwemmen, außerdem ein Hinweis auf den besonderen Monat der Umkehr und der Slichot, Elul. "Nachher erst kannst du zu ihr kommen und sie ehelichen", tritt ein, von ihrem Licht zu genießen; das ist das Geheimnis des Spruches: "Die mühende Seele - ihre Mühe gilt ihm" (Sprüche 16,26), sie wird dir helfen, auf dem rechten Weg standzuhalten, und du wirst "ihr Herr" genannt werden, der sie sich kraft seiner Taten erworben hat, "dass sie dein Weib werde", auch bei der Wiederauferstehung der Toten wird sie dein sein, in deinen Körper zurückkehren und dort verbleiben.



HaRav Aviner

Der Schabbat im jüdischen Staat
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Wir wollen zusammen leben. Wir sind alle Juden, zwar unterschiedliche, aber wir wollen einen Staat und nicht mehrere. Darum müssen wir miteinander zurechtkommen. Wir können alles in allem sehr zufrieden sein, denn wir kommen doch recht gut in diesem Staat miteinander aus, trotz der gewaltigen Unterschiede. Der Ort, wo wir am besten miteinander auskommen, sind die Streitkräfte (Zahal). Wir sind zufrieden. Wir sind überhaupt nicht an separaten Staaten interessiert, einen für die Religiösen und einen für die Nichtreligiösen, einen für Rechte und einen für Linke. Wir sind ein Volk, und das Gemeinsame überwiegt bei Weitem das Trennende.

Frage: Es gibt aber doch viele Konflikte zum Thema Staat und Religion?

Es gibt zwar viele Konflikte zu diesem Thema, z.B. was den Schabbat betrifft, doch Konflikte stören uns nicht. Es gibt unterschiedliche Ansichten, doch auch Leute mit unterschiedlichen Ansichten können in Liebe und Brüderlichkeit zusammenleben.

Natürlich gibt es eine Kluft zwischen dem Einzelnen, zu tun und zu lassen, was er will, und Jenen, die einen jüdischen Staat wollen, doch keine theoretische Lösung der Probleme wird das Zusammenleben ermöglichen, sondern im Gegenteil, weil wir gute Freunde sind, werden wir immer miteinander zurechtkommen. Ein Mann kommt mit seiner Frau zurecht, weil er sie liebt, aber er liebt sie nicht deswegen, weil er mit ihr zurechtkommt.

Auch in der israelischen Gesellschaft ist das nicht schwierig, weil das Gemeinsame, nämlich das jüdische Volk und der jüdische Staat, viel größer ist als das Trennende. Wenn man eine tief gehende, umfassende, weite, ernsthafte und erwachsene Betrachtungsweise anlegt, sehen wir, dass wir uns einander viel mehr ähneln als dass wir uns unterscheiden. Und weil wir Freunde sind, finden wir immer Wege, miteinander zurechtzukommen. Aber durch ein künstliches und im Rechtssystem verankertes Vorbild von Multikultur werden wir weder die Gesellschaft aufbauen noch Liebe erzeugen können.

Damit das einmal klar ist - der Staat Israel ist zuerst ein jüdischer Staat, dann ein demokratischer Staat. Dazu lässt sich Herzl zitieren:

1. "Der Zionismus ist die Heimkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins Judenland" (Ansprache beim ersten Zionistischen Weltkongress).

2. "Wir erkennen uns als Nation am Glauben" (Tagebücher, 1. Band, S.64).

3. "Wir erkennen unsere historische Zusammengehörigkeit nur am Glauben unserer Väter" (ebda., S.171).

Natürlich müssen wir einen jüdischen Staat aufbauen. Wenn nicht, erfüllen wir nicht unsere Mission gegenüber der Vergangenheit, und nicht unsere Mission in Bezug auf die Zukunft, außerdem zerstören wir die Gegenwart, denn der jüdische Staat ist der innere Kitt, der uns zusammenhält. Für diesen Kitt leben wir hier, auch wenn's schwerfällt, und wir sind auch bereit, uns für diese Einigkeit in der Armee zu opfern. Wenn wir aber kein jüdischer Staat sind, was verbindet uns dann?! Eine künstliche Multikultur? Dafür ist kein Mensch bereit, sein Leben zu geben!

Niemand mischt sich in das Privatleben des Einzelnen ein. Wir reden hier vom öffentlichen Leben. So verhält es sich in jedem Land der Erde, überall gibt es einen Unterschied zwischen dem privaten und dem öffentlichen Leben.

Was jemand in seinen eigenen vier Wänden treibt, geht niemanden etwas an. Seinerzeit sagte Bialik: In meinem Haus halte ich nicht den Schabbat, aber der Schabbat gehört zum Charakter des Staates, und darum protestiere ich gegen die Entweihung des Schabbats in der Öffentlichkeit. Die Einhaltung des Schabbats könnte also gesetzlich vorgeschrieben werden. In jedem Land gibt es Gesetze bezüglich der Arbeitstage und der Ferien. Wenn man aber ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, muss es von Erläuterungen und Freundschaftlichkeit begleitet sein.

Der Schabbat ist ein nationales Gut, und in der Öffentlichkeit muss die Einhaltung des Schabbats gewährleistet sein. Wie erreichen wir das? Wie bei jeder Angelegenheit besteht unter Freunden ein Einverständnis zu beidseitigen Verzichten. Je besser wir Einer den Anderen kennen, wird es uns immer besser gelingen, den öffentlichen Bereich so zu gestalten, dass er Allen passt.

Grundsätzlich muss klargestellt sein, dass Israel ein jüdischer Staat ist und wir alle Juden sind - und wir alle Juden sein wollen. Das ist unser Erbe; wenn wir aber einen nichtjüdischen Staat hätten gründen wollen, in dem Jeder den Schabbat halten kann, bräuchten wir weder den Staat Israel noch Zahal; Napoleon hätte gereicht, der Jedem gestattete, nach seiner Façon selig zu werden. Nachdem dieser Ausgangspunkt geklärt ist, kann man sich zusammensetzen und entsprechende Regelungen ausarbeiten.

Zusammengefasst lässt sich sagen, wir sind zuerst einmal ein jüdischer Staat, und diese Tatsache ist es, die die innere Einigkeit der Nation schafft, und keine künstliche Einigkeit. Und da wir über innere Einigkeit verfügen, sind wir Freunde und Genossen, und daher werden wir mit Rücksichtnahme auf jeden Einzelnen gemeinsam den Weg zu Regelungen finden. Wir sind ein jüdischer Staat, darauf beruht die Existenz der Nation. Die Gemeinsamkeiten überwiegen bei Weitem das Trennende. Das Gemeinsame besteht darin, dass wir alle Juden sind und uns hier gesammelt haben, um den jüdischen Staat wiederauferstehen zu lassen. Und was die Unterschiede zwischen uns angeht, so sind die Ansichten des Anderen zu respektieren und darauf zu achten, wie man gemeinsam auf dieser Vielfalt unsere Nation erbaut.