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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TAWO
Nr. 1135
18. Elul  5777

EINZELHEITEN ZU MACHON MEIR/KIMIZION UND VIELE ANDERE INTERESSANTE INFORMATIONEN FINDEN SIE  IN DEN AUSGABEN DES AKTUELLEN JAHRGANGS

Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8):

Erstlingsfrüchte, Land von Milch und Honig, Torasteine am Jordan, Fluch und Segen von den Bergen Ewal und Gerisim, ausführliche Warnung zur Einhaltung der Gebote, Lohn und Strafe, Erinnerung an Wunder und Bund mit G~tt.

Haftara: Jeschajahu 60, 1 - 22

 

 

Am Schabbes-Tisch...


Die erste Feige

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Das Gebot des Darbringens der Erstlingsfrüchte wird schon durch das Bringen einer einzigen Feige zum Priester im Tempel erfüllt. Was hat es demnach mit der großen Ansprache und der Kurzfassung der Geschichte des Volkes Israel auf sich, die er vorträgt, "du aber beginnst und sagst..." (Dt. 26,5), und warum wird diese Sache von so pompöser Festlichkeit begleitet, das Bringen der Erstlingsfrüchte zum Tempelberg, das Schwingen, die Verbeugungen, das Mahlopfer, der Gesang der Leviten, wie in der Mischna beschrieben (Bikurim 3.Kap.)? Weil es sich hier nicht um eine simple Feige handelt. Dieses Gebot verbindet den Darbringenden mit dem Blick auf das Allgemeine, auf die Einheit G~ttes, die in allem lebt.

Das Darbringen der Erstlingsfrüchte bringt die wahre fundamentale Ordnung zum Ausdruck, die Weisheit G~ttes im Ursprung der Schöpfung, die im Wort Reschit (Erstling) angedeutet ist, "so nimmst du eine Auswahl der Erstlinge aller Bodenfrucht" (Dt. 26,2). Der 'Erstling' steht für das Heilige, das in allem verborgen ist, das große göttliche Projekt, das sich bis in die kleinsten Einzelheiten erstreckt. Am Ende steht die Tat, die mit dem Gedanken an das Reschit begann. "Sagte Rav Huna im Namen von Rav Matna: Durch das Verdienst von drei Dingen wurde die Welt erschaffen, durch das Verdienst der Teighebe, durch das Verdienst der Zehntabgabe, und durch das Verdienst der Erstlingsfrüchte, und aus welchem Grund? 'Zu Anfang (BeReschit) schuf G~tt', ... und mit Reschit ist nichts Anderes als die Erstlingsfrüchte gemeint, wie es heißt: 'Das Früheste (Reschit) der Erstlinge deines Bodens usw.'" (Ex. 23,19; Midrasch Bereschit raba 1,4).

Weil eine spirituelle Betrachtungsweise Gefahr läuft, durch die Routine des Alltagslebens schnell abzuflachen, wie auch durch die Probleme des Lebens und die Vorspiegelungen äußerlicher Einflüsse, kann der Mensch leicht die Hauptsache in seinem Leben verpassen und sich eine Anschauung zu eigen machen, die alles separat sieht, örtlich, oberflächlich und - deprimierend. Da kommt diese kleine Feige daher und lässt den Menschen aufblicken und zu schauen, wie die Ereignisse von Generationen durch die göttliche Vorsehung wie Perlen auf einer Kette zu einem einzigen Entwicklungsprozess aufgereiht sind, der Himmel und Erde vereinigt. In dieser Erstlingsfrucht konzentriert sich das wahre Wesen der Wanderung des Volkes Israel zusammen mit dem Ziel des Lebens überhaupt. Der ganze lange Weg voller Wirrungen und Probleme, Höhen und Tiefen, von Versklavung und Erlösung, wird in einem Durchgang mit umfassenden Blick betrachtet. Vom Leben der Stammväter, "ein Aramäer, dem Untergang nahe war mein Vater, da zog er nach Ägypten, nahm dort seinen Fremdlingsaufenthalt mit geringer Zahl" (Dt. 26,5), bis hin zum Baum in meinem Garten, in den Tagen, in denen der Tempel erbaut an seinem Platz steht. Vom Anbeginn bis zur Endzeit. "Man beginne mit der Schmach und ende mit dem Ruhme" (Mischna Pessachim 10,4). Das erfreuliche Resultat von alledem, was das jüdische Volk durchlebte, findet sich in dieser Feige, die als erste reifte und die ich mit einem kleinen Bändchen kennzeichnete, und über die ich ausrief: 'Dies ist Erstlingsfrucht' - alles war zum Guten, und siehe, wir sind da, und ich, der Kleine, ein winziges Glied in der Kette der Generationen und der göttlichen Vorsehung, mir ist es vergönnt, einen Teil zu diesem großartigen Vorgang beizutragen, als Teil der israelitischen Gemeinschaft. Ich danke dem großen Gütigen, denn ich bin nicht undankbar, "und nun habe ich hier die Erstlinge der Frucht des Bodens gebracht, den Du, G~tt, mir gegeben. Sodann stellst du ihn vor dem Angesichte G~ttes deines G~ttes nieder und beugst dich vor dem Angesichte G~ttes deines G~ttes" (Dt. 26,10).

Eine kleine Feige bringt den Menschen dazu, in Ruhe über sich nachzudenken, bereit zu sein, dem wahrhaftigen inneren göttlichen Vorgang zu lauschen und mit ihm verbunden zu sein. Bei ausgeglichenem Geist ist dem Menschen die Klarheit der Gedanken und eine edle, bereichernde Seelenfreude vergönnt, eine Seelenruhe, und vor allem Dankbarkeit.

Hillel der Ältere sagte: "Bin ich da, so ist alles da" (Sukka 53a). Das ist g~ttbehüte kein Ausdruck von Megalomanie, sondern im Zusammenhang mit den oben erwähnten Dingen zu verstehen: Wenn ich ganz und gar hier bin, mit dem Augenblick verbunden, mit dem Ort, wirklich damit beschäftigt, unter Beteiligung meines Herzens und meiner ganzen Existenz - dann 'ist alles da', die ganze spirituelle Welt konzentriert sich vor mir. Die einigende Sichtweise beseitigt jene Irreführung, die eine Trennung zwischen der Welt und G~tt vorspiegelt, und ermöglicht die Öffnung der Gefühlswelt des Menschen, das Erwachen seiner materiellen und spirituellen Sinne, malt das Leben in leuchtenden Farben von Vorsehung und Gutem. Das Gebot der Erstlingsfrüchte bringt uns dahin, "und du freust dich dann all des Guten, das G~tt dein G~tt dir und deinem Hause gegeben" (Dt. 26,11).

Das Ziel des Säens und der Prozess des Sprossens kommen in der süßen Frucht zum Ausdruck. Als Pächter, die wir das Land G~ttes bearbeiten, bringen wir die Erstlingsfrüchte unserer Felder zum Herrn des Landes. Der Name G~ttes blüht durch uns, ebenso das Reschit, das im Kern des Endzeitlichen verborgen ist, das zu seinem Ursprung durch das Gebot der Erstlingsfrüchte zurückfindet. Die vereinigende Ansicht ist es, die das Gebot der Erstlingsfrüchte dem ihm gebührenden Ort zuordnen wird, "Wenn jemand Erkenntnis besitzt, so ist es ebenso, als wäre das Heiligtum in seinen Tagen erbaut worden" (Brachot 33a).




Zur Haftara

Die Erleuchtung der Erlösung

Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

Diesen Schabbat lesen wir die sechste der sieben Tröstungshaftarot Jeschajahus. Die letzten beiden (zu den Wochenabschnitten Ki Tawo und Nizawim) befinden sich auf einer höheren Stufe: Diese Haftarot wurden dem Block der letzten Kapitel von Jeschajahu (60-66) entnommen, der sich mit der Offenbarung der vollständigen Erlösung beschäftigt - im Gegensatz zu den ersten fünf Haftarot, die den übrigen Kapiteln der Tröstung aus dem Buch Jeschajahu stammen und hauptsächlich diverse Einleitungen zum Thema der Erlösung enthalten.

Die Haftara zum Wochenabschnitt Ki Tawo beginnt mit dem Vers: "Steh' auf, leuchte, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Ewigen bestrahlt dich" (60,1). Das ist eine wunderliche Aussage: Wenn das Licht G~ttes bereits über Israel erstrahlt, was bedeutet dann der Aufruf an sie, zu leuchten? Leuchten sie denn nicht schon im Lichte G~ttes? Vielmehr gilt zu bedenken, dass mit dem "Licht G~ttes" nicht das natürliche Licht gemeint ist, das der Mensch kennt und gewohnt ist. Das göttliche Licht steht für eine höchste Lebenswirklichkeit, die von G~tt erzeugt wird; G~tt wird Israel ein Leben von einer neuen Art schaffen, in dessen Mittelpunkt intensive G~ttesnähe und G~ttesgüte stehen, die alles durchsetzen. Die Juden werden sich also in einer radikal anderen Lage bezüglich der Lebensregeln wiederfinden, an die sie in der Zerstreuung (Galut) gewohnt waren. Darum muss man sie dazu aufrufen, "im Lichte G~ttes zu leuchten", d.h. an die Erlösung zu glauben, die sie derzeit spüren, ihre Bedeutung zu verstehen und ihr Leben entsprechend zu führen. Das Volk Israel muss sich an eine G~ttesnähe von ganz neuer Größe gewöhnen und seine Hochrangigkeit im Verhältnis zu den übrigen Völkern verinnerlichen.

In der Tat wird es Israel nicht leicht fallen, sich an die neue Realität der Erlösung zu gewöhnen. Im Midrasch (Psikta rabati) lernen die talmudischen Weisen aus diesem Vers, dass sich die Israeliten schwertun werden, an die Größe der Erlösung zu glauben, wobei die Lösung für diesen Mangel an Glauben in der Erleuchtung durch das göttliche Licht besteht: "Es lehrten unsere Lehrmeister: Zu der Zeit, wenn sich der König Maschiach offenbart, kommt er und steht auf dem Dach des Tempels, lässt Israel hören und spricht zu ihnen: Geknechtete! Die Zeit eurer Erlösung ist gekommen; und wenn ihr es nicht glaubt - sehet mein Licht, das über euch leuchtet, wie es heißt: Steh' auf, leuchte, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Ewigen bestrahlt dich, nur dich allein bestrahlt es, und nicht die Völker der Welt, wie es heißt: Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Wolkendüster die Völker, doch dich wird der Ewige bestrahlen, und seine Herrlichkeit wird über dir erscheinen (60,2). In jener Stunde lässt der Heilige, gelobt sei er, das Licht des Königs Maschiach und Israels erstrahlen, während alle Völker der Welt in Dunkelheit und Finsternis [verharren], und alle werden im Lichte des Maschiach und Israels wandeln, wie es heißt: Und es wandeln Nationen bei deinem Lichte, und Könige bei deinem Strahlenglanze (60,3)".




Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden. 
Hier eine kleine Auswahl

Frage: Bei meinem Gebetbuch ist der Einband falschherum - wie soll ich es ins Regal stellen: dass der Inhalt richtigrum steht, oder der Einband von außen richtig aussieht?
Antwort:
So dass der Inhalt richtigrum steht, und den Einband kennzeichnen Sie von außen mit einem Aufkleber.

Frage: Wie soll ich mich verhalten, wenn bei der Hochzeit meiner Schwester Männer und Frauen zusammen tanzen?
Antwort: Gehen sie solange nach draußen.

Frage: Ich bin zurzeit in Trauer, und in der Synagoge gab es einen großen Streit, wer das Vorrecht hat, als Vorbeter zu fungieren...
Antwort: Geben Sie nach. Auch das wird zur Seelenruhe des Verstorbenen beitragen (Rabbiner Moscheh Feinstein sagte einmal seinem Sohn, Rabbiner Re'uwen Feinstein, falls ein Streit darüber entstehen könnte, sollte man immer auf sein "Vorrecht" als Vorbeter verzichten, sogar wenn es ihm nach dem Gesetz zusteht).

Frage: Kann ein hämophiler Nichtjude konvertieren, obwohl es unmöglich ist, bei ihm die Brit Mila vorzunehmen?
Antwort: Die großen Rabbiner haben bereits entschieden, dass ihm der Übertritt zum Judentum nicht möglich ist. So ein Fall kam einmal vor Rabbiner A.J.Kuk (erster Oberrabbiner Israels), und er verbot es.

Frage: Ist ein Reformübertritt gültig?
Antwort: Nein. Es gibt dort weder ein Bet Din noch die Aufsichnahme der Gebote (Mitzwot).

Frage: Ist die Halacha "grün", d.h. verpflichtet sie uns zum Umweltschutz?
Antwort: Ja. Es ist verboten, die Umwelt zu schädigen. Wir müssen allerdings immer die Kosten des Umweltschutzes gegen die Ausgaben für andere lebensnotwendige Dinge abwägen, z.B. Nahrungsmittel für die Armen, Erziehung und Verteidigung.

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