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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TISSA
Nr. 1111
20. Adar  5777

Diese Woche in der Tora (Ex. 30,11 - 34,35):

Volkszählung durch Tempelspende; Wasserbecken für Priesterwaschung; Salböl; Räucherwerk; 2 Architekten des Heiligtums; Mahnung zur Schabbathaltung; Sünde des Goldenen Kalbes; Moscheh zerbricht die ersten Gesetzestafeln; Tötung der Kalbsünder; Moscheh und die göttliche Präsenz im Versammlungszelt; Moscheh macht neue Gesetzestafeln; G~tt verspricht, bei der Eroberung Israels zu helfen; Mahnung, nicht den Wegen der Bewohner zu folgen; Moscheh strahlt nach 40 Tagen und Nächten auf dem Berg Sinai.

Haftara: Jecheskel 36, 16-38

Schabbat Para

 
 


HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Vater und Sohn

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

[Zur Jahrzeit von Rabbiner Zwi Jehuda Kuk am 14. Adar]

Man kann ruhig mal etwas Historisches über die Entstehung des Buches Orot erzählen. Der Heilige, gelobt sei er, arrangiert die Ursachen, "der die Menschengeschlechter berief von Anbeginn" (Jeschajahu 41,4), er hat es arrangiert, dass sich die Dinge so entwickelten. Mein Vater sel. [Rabbiner Awraham Jizchak Hakohen Kuk, erster Oberrabbiner Israels] kam im Jahr Taw-resch-ssamech-dalet (5664/1904) ins Land, im Jahr Taw-ssamech-dalet-resch (gelesen: tessader, Ordne!), von G~tt logisch geordnet. Später war mein Vater sel. in Deutschland, und auch ich hielt mich dort auf. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde ich von den Deutschen verhaftet, doch nach einer Woche gelang es dem Rabbiner von Kissingen, mit dem ich in Freundschaft und Respekt verbunden war, mich freizubekommen. Wir fuhren von Deutschland in die Schweiz, meine Eltern und ich, und verbrachten dort ungefähr vier Jahre.

Dieser Krieg war ein Werk G~ttes. Ich erinnere mich, wie er an Tischa be'Aw ausbrach. Das ist eine Zeit der Strafungen von den frühen bis zu den letzten Generationen. Es herrschte Aufruhr in der Welt, und wir bemerkten all die Veränderungen; "der die Kriege beherrscht, der Wohltaten aussät, der das Heil hervorsprießen lässt" (Segensspruch vor dem Schma-Gebet am Morgen). Das ist die Ordnung des Ablaufs: aufgrund von "der die Kriege beherrscht" - "ein neues Licht lass über Zion aufleuchten!" (ebda.; Anspielung auf die Balfour-Erklärung und ihre Folgen). Auf dem Weg gibt es Komplikationen, doch so verhält es sich mit den Gedanken des Herrn der Welt.

Der Krieg ging vorüber, und g~ttseidank gelangten wir nach Hause. Vater und Sohn, in treuer Eintracht, mit starkem Zugehörigkeitsgefühl, seelisch innerlichst miteinander verbunden - mit der Herausgabe der Schriften im Sinn. Ich war jung, aber gereift, von spiritueller Reife. Die Manuskripte, die heiligen Schriften meines Vaters sel., hatte ich im Kopf, in Hirn und Herz. Mein Kopf war voll davon. Als ich vom Krieg zurückkehrte, wurde mir die außerordentliche Notwendigkeit bewusst, diese Schriften zu ordnen und daraus ein großes Werk hervorzubringen, heilige Worte, große und erhabene Worte, die in heiliger Inspiration verfasst wurden, die die Lage der jüdischen Allgemeinheit, des Landes Israel, den Ablauf der Erlösung und der Errettung in klares Licht tauchen. Daraus entstand das Buch Orot. Ich dachte, es bestehe Bedarf, ordnete das Material in zwei Teile, legte es meinem Vater sel. vor, und er stimmte zu.

Erst nachdem ich die Schriften geordnet hatte, bemerkte ich gegenüber meinem Vater sel.: Hier ist ein besonderes Kapitel über die Heiligkeit der Leibesübungen Israels, das zwar mit dem generellen Thema zusammenhängt, aber vielleicht besser momentan nicht veröffentlicht werden sollte. Ich dachte mir: Wie werden die Leute diesen radikalen Ausdruck verstehen und auffassen, dass die sportliche Betätigung in Israel eine große und heilige Angelegenheit sei. Ich befürchtete Missverständnisse. Und so kam es auch. Es gibt anständige strengorthodoxe Juden ("Charedim"), aber es gab auch Fromme-Bösewichte, die Fälschungen und Lästerschriften zu diesem Kapitel verbreiteten, und erklärten: Leibesübungen - gemeint sind gemeinschaftliche Tänze von Jungen und Mädchen. Wegen dieser Befürchtung sagte ich bei der Ordnung dieser heiligen Schriftensammlung: Vielleicht besser dieses Kapitel zurückhalten? Doch mein Vater sel. rügte mich und sprach folgende Worte: Das entspringt keiner Himmelsfurcht, sondern Furcht vor Fleisch und Blut. Das ist eine Schwächlichkeit gegenüber Worten von Heiligkeit, Worten himmlischen, göttlichen Ursprungs. Er rügte mich und ließ mich dies nicht zurückhalten, und dabei blieb es. In dieser Weise beschäftigte ich mich mit der Ordnung der Schriftensammlung, mit seiner Zustimmung. So verhält es sich mit der Ordnung der Aufeinanderfolge der Taten G~ttes (aus "Gespräche HaRav Zwi Jehuda" zu Orot).




Am Schabbes-Tisch...


Der treue Hirte

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Nach der Sünde um das Goldene Kalb sagte G~tt zu Moscheh: "Nun denn, lasse mich, dass mein Zorn über sie entbrenne, und ich sie vernichte; und ich will dich zu einem großen Volke machen" (Ex. 32,10). Was denn, Moscheh hielt G~tt von irgendetwas ab, es augenblicklich zu tun?! Im Gegenteil, er hatte doch gerade erst von dem Vorfall erfahren, und mit seinem Gebet begann er doch erst später! Darüber hinaus bedeuten die Worte "dass mein Zorn über sie entbrenne" doch, dass sein Zorn bis jetzt noch nicht entbrannte, doch hat er vor, ihn einzusetzen - aber das ist doch nicht G~ttes Weise, er besänftigt doch sonst seinen Zorn? Und warum wollte Moscheh nicht der Anfangspunkt eines neuen Volkes sein, das "Volk Moscheh", war dies doch ein Angebot von höchster historischer Ehre, ein Neubeginn ohne die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit all den Problemen der gegenwärtigen Generation?

Als Folge der deutlich spürbaren Beschämung entstand der 'Zorn'. Die Größe der Beschämung hängt von mehreren Faktoren ab: von der Bedeutung des Beschämten, vom Rang des Beschämenden und seinem Verhältnis zum Beschämten, und der Art und Weise der Beschämung. Die Beseitigung des Gefühls der Beschämung kann auf einem von zwei Wegen erfolgen: durch eine Genugtuung verschaffende Entschuldigung, oder durch Vergeltung. Nun hatten die Israeliten ja eine so schändliche Tat verübt, dass man sich kaum eine größere Schmach für den höchsten G~tt vorstellen kann, wie er sagte: "Sie sind gar bald gewichen von dem Wege, den ich ihnen geboten" (Ex. 32,8), "schamlos ist die Braut, die in ihrer Hochzeitskammer buhlt" (Schabbat 88b), bis es aussah, als gäbe es keine Möglichkeit der Besänftigung wegen der Größe der göttlichen Strenge, und es blieb nichts anderes als der Weg der Vergeltung. Allerdings passt hier auch der Weg der Vergeltung nicht so ganz, weil er Moscheh großen Schmerz verursachen würde, und G~tt verträgt es nicht, seine Gerechten und seine Freunde leiden zu sehen, wie die talmudischen Weisen sagten, dass er mit der Sintflut wartete, bis Metuschelach ["Methusalem"] und alle Gerechten jener Generation gestorben waren (siehe Midrasch Bereschit raba §32), und "vor der Bosheit wird hinweggerafft der Gerechte" (Jeschajahu 57,1).

Doch weil G~tt wusste, dass der große Schmerz Moschehs, seines Hausgetreuen, vom Verlust und dem Schmerz der göttlichen Präsenz in dieser Sache verursacht würde, über den Schmerz bezüglich des Verlustes seiner Freunde und Verwandten hinaus, bat ihn G~tt "nun denn, lasse mich", dass sich Moscheh nicht für G~tt grämen sollte, "dass mein Zorn über sie entbrenne, und ich sie vernichte". Darüber hinaus versuchte G~tt, Moscheh mit dem Angebot zu beruhigen, "und ich will dich zu einem großen Volke machen", wodurch sich das Versprechen gegenüber den Stammvätern erfüllen sollte.

"Nun denn, lasse mich ... Rabbi Abahu sagte: Wäre dies nicht ein geschriebener Schriftvers, so dürfte man es nicht aussprechen. Dies lehrt, dass Moscheh den Heiligen, gepriesen sei er, angefasst hat, wie ein Mensch seinen Nächsten an seinem Gewande anfasst, und vor ihm gesprochen hat: Herr der Welt, ich lasse dich nicht eher los, als bis du ihnen vergeben und verziehen hast!" (Brachot 32a) "Sagte Moscheh: Weil der Heilige, gelobt sei er, möchte, dass ich ihn wegen der Israeliten besänftige, darum sagte er 'nun denn, lasse mich', darum begann Moscheh sofort damit, Gnade für sie zu erbitten, 'da flehte Moscheh vor dem Ewigen, seinem G~tt...'" (Ex. 32,11; Midrasch Schemot raba §42).

Bei Moscheh zeigen sich die Eigenschaften der Barmherzigkeit und der Opferbereitschaft sogar in einem größeren Maße als bei unserem Vorvater Awraham, der für Sdom betete; Awraham machte seine Bitte nämlich von einer Bedingung abhängig, "vielleicht finden sich dort zehn [Gerechte]" (Gen. 18,32), Moscheh aber bat ganz ohne Bedingungen. "Ach, das Volk hat sich zuschulden kommen lassen eine große Schuld, dass sie sich goldene Götter gemacht", ich gebe die Schuld zu, "nun denn, dass du ihre Sünde vergebest!" (Ex. 32,31-32) - "so ist es gut" (Raschi), ich führe unsere Beziehung fort, "wenn aber nicht, lösche mich doch aus deinem Buche, das du geschrieben" (ebda.); "dies lehrt, dass er sich für sie dem Tode ausgesetzt hat" (Brachot 32a), und dass er sich sogar aus der kommenden Welt hätte löschen lassen. Wegen seiner großen Liebe zum Volk Israel verknüpfte er sein Schicksal mit dem ihren, obwohl er nicht mit ihnen gesündigt hatte, zeigte seinen Schmerz wegen dieser Sache und betete zu seinem Schöpfer mit bitterer Seele.

Aus diesem Verhalten von Moscheh lassen sich Lehren für alle weiteren Generationen ziehen. So einen Menschen gab es nicht noch einmal auf der Welt, der sich so wie Moscheh, der 'treue Hirte' (Sohar), schützend vor seine Generation stellte. Sogar als die Israeliten einen moralischen Tiefpunkt erreicht und einen furchtbaren Verrat begangen hatten, fuhr Moscheh fort, an sie zu glauben und sie zu verteidigen. "Die Liebe zu Israel ist ein Ergebnis des Glaubens an das göttliche Licht der spirituellen Gemeinschaft Israels, das ihr eine wesenseigene Eigenschaft ist, das auch im Wandel der Zeiten nicht von ihr weicht. Besonders muss diese höchste Liebe, und ihr Ursprung, der innere Glauben, der in ihrer göttlichen Wurzel, in Menschen von Herz und Geist in Zeiten des Niedergangs der Nation erwachen..." (Rabbiner A.J.Kuk, Orot Israel 4,2).

Die Sünde ist ein äußerlicher und zufälliger Schmutzfleck, ein "vorübergehendes Gebrechen", während die Heiligkeit der Seele Israels ein Gut des Wesens darstellt, das keiner Änderung unterliegt.

'Da flehte Moscheh vor dem Ewigen, seinem G~tt...', sofort begann er für den Wechsel von der strengen Anwendung des Gesetzes zu göttlicher Barmherzigkeit zu beten, "und sprach: Warum, Ewiger, soll dein Zorn entbrennen über dein Volk" (Ex. 32,11), wo doch das Problem eigentlich durch das 'Mischvolk' [Erew raw; Ägypter, die sich den Israeliten angeschlossen hatten] verursacht wurde, die als 'mein Volk' gelten, auf deren Mitnahme ich bestanden hatte, und nicht als 'dein Volk', "das du geführt aus dem Lande Ägypten mit großer Kraft und mit starker Hand" (ebda.). Obwohl die Kinder Israel nicht dagegen protestiert hatten, gibt es aber zu bedenken, dass sie doch erst vor kurzer Zeit aus Ägypten geführt worden waren, wo sie Götzen dienten und tief in 49 Stufen spiritueller Unreinheit steckten - wie sollten sie innerhalb weniger Tage von einem Extrem ins andere wechseln können?! "Warum sollen die Ägypter sprechen: Zum Unglück hat er sie herausgeführt, sie zu erschlagen auf den Bergen und sie hinwegzutilgen vom Erdboden", was deinen heiligen Namen entweihen würde, "kehre um von deiner Zornglut und bedenke dich wegen des Unheils über dein Volk" (V.12). Dann würden die Israeliten weiterhin deine Göttlichkeit bekannt machen, das Ziel des Auszugs aus Ägypten. "Gedenke Awrahams, Jizchaks und Israels, deiner Diener, denen du bei dir geschworen und zu denen du gesprochen hast: Ich werde eure Nachkommen wie die Sterne des Himmels vermehren, und dieses ganze Land, von dem ich gesagt, dass ich es euren Nachkommen geben werde, das sollen sie für immer als Eigentum behalten" (V.13), du hast es ihnen doch bei deinem großen Namen geschworen...

"Und der Ewige bedachte sich wegen des Unheils, das er geredet, seinem Volke zu tun" (V.14).