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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KORACH
Nr. 1124
30. Sivan  5777

Diese Woche in der Tora (Num. 16,1-18,32):

Putschversuch Korachs und seiner Anhänger gegen Moscheh und Aharon; harter Kern versinkt im Erdboden, andere werden von himmlischem Feuer verzehrt; deren Räucherpfannen dienen als Altarüberzug zum Mahnmal; anschließender Unmut im Volk wird mit Seuche bestraft; Aharon heilt; göttliches Wunder mit Aharons Stab bestätigt Führung durch Moscheh und Aharon; Bestimmung der Priester und der Leviten zum Tempeldienst und die ihnen zustehenden Abgaben.

Haftara: Jeschajahu 66, 1 - 24

(Schabbat Rosch Chodesch)



Der Stand der Dinge...
Integrieren und Differenzieren
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die Behauptung Korachs und seiner Rotte gegen Moscheh und Aharon: "Ihr maßt euch zu viel an! Denn die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig und unter ihnen ist G~tt, und warum erhebt ihr euch über die Gemeinde G~ttes?" (Num. 16,3) scheint auf den ersten Blick gerechtfertigt. Ganz Israel ist wirklich "ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk" (Ex. 19,6), "und dein Volk, sie alle sind Gerechte" (Jeschajahu 60,21) - nur dass Korach und seine Bundesgenossen nur die halbe Wahrheit vorbringen und die Tatsache ignorieren, dass es in der Nation im Allgemeinen verschiedenen Stufen zu erkennen und zu unterscheiden gilt, und zwar in Bezug auf Ort, Zeit und Mensch. Bei den Zeiten unterscheiden wir Schabbat, Feiertage und Wochentage, bei den Orten zwischen dem Land Israel und den anderen Ländern, innerhalb Israels zwischen Jerusalem und den anderen Orten, und innerhalb Jerusalems zwischen dem Tempelberg mit dem Tempel und den übrigen Stadtteilen. So auch bei der Menschheit - zwischen Israel und den Völkern. Die talmudischen Weisen ordneten bereits an, dass man den Unterscheidungssegen (zwischen Schabbat und Werktag) im Schmone Esre-Gebet beim Segen "der du mit Erkenntnis begnadest" einfügt (Brachot 33a). Und wer nicht weiß oder nicht wissen will, wie man zwischen Heiligem und Unheiligem unterscheidet, zwischen Israel und den Völkern, zwischen dem Land Israel und den übrigen Ländern - ist nicht "mit Erkenntnis begnadet". Bei ihrer Gier nach Ehre und ihrem Willen, die Autorität von Moscheh und Aharon zu untergraben, die G~tt zur Führung des jüdischen Volkes auserwählt hatte, bedienten sich Korach und seine Leute der demagogischen Behauptung der Gleichheit, alle seien heilig, alle seien gleich, und eine Untersuchung dazu und Unterscheidungen seien fehl am Platze. Dazu heißt es an der genannten Talmudstelle: "Wer keine Erkenntnis besitzt, dessen darf man sich nicht erbarmen, denn es heißt: es ist kein verständiges Volk, darum erbarmt sich seiner sein Schöpfer nicht (Jeschajahu 27,11)". Und genau das war das Schicksal von Korach und seinen Leuten, die uns in ein Chaos der Anarchie stürzen wollten.

Nach dem Stand der Dinge bedeutet die Behauptung Korachs und seiner Rotte von Gleichheit als angeblichem Grundwert, der das Fundament des gesamten gesellschaftlichen, nationalen und sogar juristischen Lebens zu bilden habe, eine äußerst gefährliche, mit potenziell katastrophalen Konsequenzen. Sie droht, alle Lebensbereiche in Anarchie zu stürzen. Toleranz und Gleichheit sind wahre Werte, aber unter der Bedingung, dass auch eine Unterscheidung und eine Unterteilung erfolgt. Alle Menschen wurden im "Ebenbild G~ttes" geschaffen, ihnen gebührt Würde und sogar Liebe, wie es heißt: "liebt die Geschöpfe" (Mischna "Sprüche der Väter", 1.Kap.), denn sie sind Geschöpfe G~ttes; gleichzeitig aber muss man zwischen Israel und den Völkern unterscheiden und wissen, dass Israel auserwählt wurde, G~ttes Ruhm auf der Welt zu verbreiten, "das Volk, das ich mir gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen" (Jeschajahu 43,21). Bietet doch der Mangel an Bewusstsein vom Unterschied zwischen Israel und den Völkern den Grund für die Schoa der Assimilation in unserem Zeitalter.

So steht es auch um unser Verhältnis zum Land Israel. G~tt schuf die ganze Welt und darinnen alle Länder, doch gleichzeitig sonderte er das Land Israel ab durch seine Wahl: "Denn erkoren hat der Ewige Zion, begehrt zum Wohnsitze sich" (Psalm 132, 13), und von hier die besondere Beziehung zu Israel, dem Land unseres Lebens, ebenso die lebendige Verbindung zwischen dem Volk Israel und dem Land Israel, ebenso das absolute Verbot, einem fremden Volk Teile unseres Landes zu überlassen. Ebenso sind alle Zeiten von G~tt, "denn sechs Tage hat der Ewige gemacht den Himmel und die Erde" (Ex. 20,11), man muss aber zwischen Heiligem und Unheiligem unterscheiden, zwischen den sechs Tagen der Arbeit und dem Schabbat, und Schabbat und Feiertage heiligen. Wir müssen lernen, uns klar machen, uns vergegenwärtigen, glauben und wissen, dass "sein Reich über Alles herrscht" (Psalm 103,19), und gleichzeitig die unterschiedlichen Stufen erkennen und unterscheiden in der Welt dessen, "der sprach, und sie war" (Sota 10b).

In Erwartung der vollkommenen Errettung,
Rav Dov Begon

Kinder, Kinder... 

Lieben oder Verwöhnen?
   
Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

RavElishaAviner

Frage: Man redet viel über die Notwendigkeit der Liebe bei der Kindererziehung. Viele Bücher und Artikel zur Erziehung betonen, dass ohne ein reichliches Maß an Liebe zu den Kindern ihre Erziehung Schaden nimmt und überhaupt zum Scheitern verurteilt ist. Ganze Bücher sind dem Thema gewidmet, wie man den Kindern Liebe angedeihen lässt, und besonders, wie man sie zum Ausdruck bringt. Gleichzeitig warnen sie vor der Gefahr des Verwöhnens. Das Verwöhnen der Kinder sei an allen erziehungsbedingten Verderbnissen unserer Generation schuld. Unsere Generation trägt sogar das dubiose Prädikat "verwöhnte Generation".

Liebe - ja, Verwöhnung - nein. Aber wo genau liegt der Unterschied zwischen den beiden? Man nennt gewöhnlich die Verwöhnung "übertriebene Liebe". Stimmt das überhaupt? Besteht zwischen den beiden nur ein quantitativer Unterschied? Wenn ja, wo verläuft die Grenze? Wie können wir wissen, ob es sich um empfohlene Liebe oder verkehrtes Verwöhnen handelt?

Antwort: Der Unterschied zwischen Lieben und Verwöhnen liegt nicht bloß in der Quantität. Er besteht auch in der Quantität. Das Geheimnis der Erziehung liegt im richtigen Verhältnis verschiedener erzieherischer Maßnahmen. Die talmudischen Weisen sagen zur Kindererziehung: Die linke Hand weist ab und die rechte Hand führt heran. Nicht nur Abweisung und nicht nur Annäherung, sondern eine Kombination aus beiden. Die jüdischen Geistesgrößen spezifizierten, dass die Hauptsache im Näherbringen liegt, weil die rechte Hand die stärkere ist. Trotzdem ist auch das Abweisen nötig. Man kann es so formulieren: Die Weisen gaben die allgemeine Regel für das Verhältnis der beiden Erziehungsinhalte vor, und die Festlegung der genauen Dosierung bleibt der Abwägung der Eltern überlassen.

Wir lernen also, dass die richtige Dosierung einen Hauptbestandteil der Erziehung darstellt. Darum scheint die Feststellung gerechtfertigt, der Unterschied zwischen Lieben und Verwöhnen bestehe in der Menge. Diese Feststellung beantwortet allerdings nicht die erzieherische Frage: Wie viel, und wo genau verläuft die Grenze? Wo wird die Liebe zum Verwöhnen?

Manche definieren "Verwöhnen" nach der Anzahl der Geschenke, die das Kind bekommt. Ein Kind, das von seinen Eltern mit Geschenken überhäuft wird, ist ein verwöhntes Kind. Darum neigen unsere Kinder, die in einer Überflussgesellschaft aufwachsen, eher zum Verwöhntsein als die Kinder früherer Generationen, die sich einschränken mussten. In bestimmter Hinsicht waren die Kinder der vorigen Generation verwöhnter als ihre Vorgänger, die mit spärlicher Nahrung und schäbiger Kleidung auskommen mussten.

Nach dieser Definition, wenn die Eltern nicht wohlhabend sind und ihren Kindern nur wenige Geschenke geben, dürften solche Kinder niemals verwöhnt sein. Dem ist jedoch nicht so: Es gibt Kinder, die nicht viele Geschenke bekommen und trotzdem verwöhnt sind. Und andererseits gibt es Kinder aus wohlhabendem Hause, die nicht verwöhnt sind!

Wir müssen den Unterschied zwischen Lieben und Verwöhnen also auf einer qualitativeren Ebene suchen.

'Liebende Eltern' sind sich der erzieherischen Bedürfnisse ihres Kindes bewusst, zeigen ein Gespür für dessen Bedürfnisse und wissen sie zu befriedigen. Das beginnt beim Einfühlungsvermögen, geht über zur Diagnose der Bedürfnisse und endet mit der Befriedigung derselben. Dabei liegt die Betonung auf den lebensnotwendigen Bedürfnissen, d.h. keine überflüssigen Bedürfnisse, Dinge, für die das Kind/der Jugendliche nicht selber sorgen kann. Die Initiative zu helfen geht von den Eltern aus, die das Kind unterstützen und es voranbringen wollen, nachdem die Entscheidung getroffen wurde, diese Hilfe sei notwendig und gerechtfertigt.

Beim 'Verwöhnen' stellt das Kind die Forderungen, und die Eltern befriedigen sie. Die Eltern bieten Hilfe, obwohl sie überflüssig ist, weil das Kind selbst zurechtkommen könnte, ohne Hilfe von außen. Ein verwöhntes Kind gibt sich keine Mühe, seine Probleme selbst zu lösen, sondern fordert die Eltern an, die Probleme an seiner Stelle zu lösen. So gewöhnt sich das Kind daran, stets seine Umgebung seinen Zielen zu unterwerfen, gewöhnt sich eine Haltung des "das steht mir zu" an und lernt nicht, sich mit den ihm gestellten Aufgaben auseinanderzusetzen. Seine Eltern erweisen ihm damit einen Bärendienst, weil der erzieherische Schaden die Hilfe überwiegt, die sie ihm zukommen lassen. Solange die Eltern das verwöhnte Kind bedienen, ist es zufrieden, weil es sich nicht anzustrengen braucht. Sobald es aber das Haus verlässt und sich in einer Gesellschaft wiederfindet, die kein Mitleid zeigt mit Einem, der kein Mitleid braucht, wird es vollkommen hilflos reagieren. Es wird nicht fähig sein, die Herausforderungen des Lebens zu bewältigen. Auch wenn es um Hilfe ruft, wird ihm keiner zu Hilfe kommen. Zum ersten Mal in seinem Leben wird es einer Weigerung begegnen, und es wird nicht wissen, sich selbst aus dieser Lage zu befreien.

Darum handelt es sich bei schönen Geschenken für die Kinder nicht um Verwöhnung, wenn die Initiative dazu von den Eltern ausgeht, die damit ihre Liebe zu ihren Kindern ausdrücken wollen. Doch wenn das Kind ein Spielzeug will und die Eltern nachgeben und das Spielzeug kaufen - das ist Verwöhnung. Heute fordert es ein Spielzeug im Werte von 2 Euro und morgen besteht es auf einem Geschenk im Wert von mehreren Hundert Euro. Später wird es Geld fordern, und so weiter.

Und warum verwöhnen die Eltern? Manche Eltern fürchten die Reaktion des Kindes auf ihre Weigerung. Andere glauben, so die Liebe ihres Kindes zu erwerben. Wieder andere wollen so die "Ruhe im Haus" sicherstellen, damit sie ihren eigenen Beschäftigungen und Vergnügungen ungestört nachgehen können. Und schließlich gibt es auch Eltern, die in ihrer Einfältigkeit glauben, zur Erfüllung der Forderungen der Kinder verpflichtet zu sein, um so ihrer elterlichen Liebe Ausdruck zu verleihen, wissen dabei aber nicht zwischen Liebe und Verwöhnung zu unterscheiden.

Zum Schluss ein paar Zitate aus dem Buch "Ben Sira" (gehört zu den außerbiblischen Schriften, verfasst in Jerusalem zur Zeit des Zweiten Tempels auf Hebräisch. Gelangte zu uns durch die griechische Übersetzung. Einige Originalfragmente fanden sich in der "Gnisa" von Kairo): "Ein verwöhnter Knabe treibt sich herum wie ein Wildesel. Wenn du dich mit ihm vergnügst, wirst du erschrecken, anstelle des Vergnügens Verwirrung... Gib ihm nicht nach in seiner Kindheit, dulde nicht sein Missverhalten. Solange er noch zart ist - beuge sein Haupt, und in seiner Jugend neige seine Schulter, damit er nicht seinen Nacken versteife und sich gegen dich auflehne. Züchtige deinen Sohn und lass ihn mühen, dass er nicht scheitere zu deiner Schande".