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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT JITRO
Nr. 1107
22. Schwat  5777

Diese Woche in der Tora (Ex. 18,1 - 20,23):

Jitro, Moschehs Schwiegervater, kommt zum Volk Israel in die Wüste; gibt Moscheh Rat, Richtervollmachten zu delegieren; Bund mit dem Ewigen, ein heiliges Volk zu sein und seine Worte zu befolgen; die 10 Gebote am Berge Sinai; das ganze Volk Augenzeugen.

Haftara: Jeschajahu 6, 1-13, 7, 1-6, 9, 5-6

    


Am Schabbes-Tisch...


Wie ein verlorenes Schaf

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Ist das eine gute Idee, wenn der Mensch "sich selbst sucht"? Die Leute sagen dazu gewöhnlich in herablassendem Ton und mit einer abweisenden Handbewegung: 'Soso, er sucht sich selbst...'. Das zeugt von einem groben Mangel an Einfühlungsvermögen im Verhältnis zum Drang eines Menschen, der seiner inneren Stimme lauscht, der aufbricht und sich mutig vorantastet, ohne das Ziel zu kennen. Dieser Mensch will eine befriedigende Antwort für seinen fordernden Geist finden, der manchmal selbst nicht genau weiß, was er will, ihn aber von innen heraus antreibt mit einem Gefühl der Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen, in seinen Augen unvollkommenen Realität.

Jitro suchte sich selbst, und am Ende wurde er fündig. Auf seiner Suche gelangte er in die finstersten Winkel. Nach dem hebräischen Buchstabenwert kann 'Jitro' sowohl 'Tora' als auch 'Priester des Götzendienstes' bedeuten, und er kam, um zu konvertieren und die Tora zu erhalten (Ba'al Haturim zu Ex. 18,1). Aus den Toraversen und den Schilderungen der talmudischen Weisen erhalten wir den Eindruck von einem Menschen, der einen langen Weg zum Dienst an G~tt hinter sich hat. Moscheh lebte einige Jahrzehnte in Midjan, und sicher gab es zwischen ihm und seinem Schwiegervater theologische Gespräche zu Moschehs Glauben, und siehe, erst "jetzt weiß ich, dass der Ewige groß ist vor allen Göttern (Ex. 18,11)", und "bis dahin hatte er die Sache nicht zugegeben" (Mechilta). "Sagte Jitro: Es gibt keinen Götzendienst auf der Welt, den ich nicht probiert habe, doch fand ich keinen Gott wie den G~tt Israels. Nun weiß ich, dass der Ewige groß ist vor allen Göttern" (Midrasch Tanchuma).

Schrieb Rabbiner A.J.Kuk: "Je größer der Mensch, desto mehr muss er sein Selbst suchen, um so mehr verbirgt sich vor seiner Erkenntnis seine tiefe Seele, bis dass er verstärkt die Zurückgezogenheit suchen muss, seine Ideen zu entwickeln, seine Überlegungen zu vertiefen, seine Gedanken zu befreien, bis sich ihm am Ende seine Seele im Durchscheinen eines Bisschens vom Glanz ihrer Lichter offenbart. Dann wird er sein Glück finden..." (Orot HaKodesch III, S.270). Wenn der Mensch sein Selbst sucht, besteht die Möglichkeit, dass er tatsächlich sein Selbst findet, und wenn er dem Verlangen seiner Seele konsequent folgt, wird er über sich hinauswachsen, bis er die Seele des Seins hört. Doch ein Mensch, der nicht sucht - was wird er schon finden?

Jemand, der in eine Umgebung hineingeboren wurde, die von Heiligkeit durchtränkt ist, in eine gesunde Lebenswirklichkeit, sollte sich 'selbst' auch in der Welt des Heiligen suchen, mit besonderer Aufmerksamkeit für die Besonderheit seiner göttlichen Persönlichkeit. So wird er seine Aufgabe im Rahmen der israelitischen Allgemeinheit entdecken. Das 'Umfeld der Wirklichkeit' [hier eine Anspielung auf die freien Flächen neben den Schriftreihen in einer Torarolle] fehlt, solange 'sein Buchstabe in der Tora' [jede jüdische Seele entspricht einem Buchstaben in der Tora] noch nicht geschrieben wurde, und genau dafür kam seine Seele in die Welt. Der Herr der Welt fertigt keine identischen Seelen am Fließband, und darum bedeutet "die hauptsächliche Umkehr (Tschuwa), die die dunklen Orte sofort mit Licht flutet, darin besteht, dass der Mensch zu sich selbst zurückkehre, zur Wurzel seiner Seele, und sogleich wird er zu G~tt zurückkehren, zur Seele aller Seelen" (Orot HaTschuwa 15,10).

Wenn es sich so bei jemandem verhält, der im Licht geboren wurde, dann erst recht bei Jitro, einem Nichtjuden, der aus der Ferne kommt, aus einer finsteren Welt vor der Übergabe der Tora. Ohne die Möglichkeit, sich selbst unter göttlich-absoluter Anleitung zu prüfen, stellt er spirituelle Theorien auf und verwirft sie, versucht den einen Götzendienst und geht weiter zum nächsten. So kommt er durch die Methode 'Versuch und Irrtum' voran, in einer Demut, die ihm ermöglicht, von seinem Standpunkt auf einen anderen, womöglich vollkommeneren, zu wechseln, zuhörbereit und aufgeschlossen.

Jitro hat bestimmte Moralvorstellungen. Die talmudischen Weisen lehren, dass er zu den Ratgebern Pharaos gehörte und sich gegen den krankhaften Gedanken widersetzte, die jüdischen Neugeborenen in den Fluss zu werfen. "Drei waren an diesem Ratschlage beteiligt, Bil'am, Ijow ("Hiob") und Jitro. Bil'am, der den Rat erteilte, wurde [im Krieg mit den Midjanitern] erschlagen, Ijow, der schwieg, wurde durch Züchtigungen bestraft, Jitro, der floh, war es beschieden, dass Enkelkinder von ihm in der Quaderhalle [im Synedrion] saßen" (Sota 11a). Außerdem war er ein großer Gelehrter, der Moscheh einen wichtigen Rat gab, der auf Dauer angenommen wurde: "Sei du für das Volk G~tt gegenüber ... aber ersehe du auch aus dem ganzen Volke Männer von Tüchtigkeit, g~ttesfürchtige, Männer von Wahrheit, die Gewinnst hassen, und setze sie Obere über Tausend, Obere über Hundert, Obere über Fünfzig und Obere über Zehn. Diese richten das Volk zu jeder Zeit, und sei es also: jede große Angelegenheit bringen sie zu dir, jede kleine richten sie; erleichtere dir die Last und lasse sie mit dir tragen" (Ex. 18,19-22).

Wir lernen daraus, dass man nach einem Charakter von Moral und Weisheit streben kann, obwohl man sich in einem wilden Gewühl von Irrwegen befindet, weit weg von der Wahrheit. Das ehrliche seelische Verlangen nach dem Guten, nach der Wahrheit und nach Barmherzigkeit läuft Gefahr, vom Zauber des Eitlen geblendet zu werden, von geraubten Funken, welche im Götzendienst, und von Menschenhand geschaffenen Religionen, und in den Fallen ihrer Lügen gefangen und irregeleitet zu werden, bis auf den heutigen Tag.

"Jitro freute sich (wajichad) über all das Gute, welches G~tt an Israel getan, dass er es aus der Hand Ägyptens gerettet" (Ex. 18,9) - "wajichad Jitro, er band (jiched) sein Herz an den Einen G~tt und wurde Jude" (Ba'al HaTurim). Mit dem Wissen um die göttliche Offenbarung, das Herabkommen der göttlichen Präsenz, die offen sichtbaren Wunder, die Spaltung des Meeres und den Krieg gegen Amalek setzte Jitro den Irrwegen seiner Suche ein Ende und konvertierte. "Und Jitro, der Schwiegervater Moschehs, brachte G~tt Brandopfer und Schlachtopfer" (18,12) - "kam vor G~tt zum Glauben an die Einheit, durch Beschneidung, Untertauchen und Blutbesänftigung [die Sprengung des Blutes auf den Altar]" (Malbimkommentar, Kritot 9a). Jitro ist das Musterbeispiel für alle Irrenden, denen die Augen aufgehen, und für die Umkehr der Menschheit. "Ich irre wie ein verlorenes Schaf, suche deinen Knecht" (Psalm 119,176).

Zur Haftara

Die Prophetie Jeschajahus

Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

In unserem Wochenabschnitt lesen wir über den Erhalt der Tora am Sinai - vom Herabkommen des G~tteswortes vom Himmel zur Erde. Die Übergabe der Tora schuf eine Verbindung der unteren Welt mit der höheren Welt, indem sich G~tt auf den Berg Sinai herabließ und Moscheh auf den Berg hinaufstieg. In der Haftara begegnen wir einer der zentralen Stellen in der ganzen Bibel (Tanach), wo die Verbindung von Himmel und Erde stattfindet und ausdrücklich erwähnt wird. In der Vision von der Erwählung Jeschajahus zum Propheten 'steigt er auf' in den Himmel und sieht, was in den Himmelshallen des Königs aller Könige vorgeht.

Die talmudischen Weisen vergleichen die prophetische Stufe Jeschajahus mit der unseres Lehrers Moscheh - "Es gibt keine größeren Propheten als Moscheh und Jeschajahu" (Midrasch Dewarim raba 2,4). In anderen Midraschim wird der Vorzug Jeschajahus vor anderen Propheten deutlicher ausgedrückt: "Sagte Rabbi Elasar im Namen des Rabbi Jossi ben Simra: Alle Propheten erhielten Visionen und wussten nicht, was sie sahen, doch Moscheh und Jeschajahu wussten, was sie sahen" (Jalkut Schimoni). Die talmudischen Weisen schildern weitere Ähnlichkeiten: Jeschajahu kam wie Moscheh beschnitten zur Welt, und er lebte ebenfalls 120 Jahre.

Bei der Übergabe der Tora an das Volk Israel offenbarte G~tt das Vermögen des Menschen, Taten zu vollbringen, deren Auswirkungen nicht nur im menschlich-materiellen Bereich liegen, sondern auch göttlichen Charakter haben können. Ein Mensch vollbringt eine materielle Tat, doch hat diese Tätigkeit Auswirkungen auf die höchsten Sphären. Und hier, in unserer Haftara, sehen wir bei Jeschajahu eine Tat von enormen Einfluss auf die lenkende Hand G~ttes in der Welt.

Die Eröffnungsprophezeiung Jeschajahus ist von besonderer Qualität, indem sie nicht nur die Beauftragung und Erwählung von oben enthält, sondern auch eine umgekehrte Aktion: die 'Einmischung' des Propheten, der sich selbst über die göttlichen Pläne einsetzt. Auch Jirmijahu (1.Kap.) und Jecheskel (2.-3.Kap.) wurden unter ganz besonderen Umständen von G~tt als Propheten erwählt. Bei ihrer jeweiligen Einsetzung war ihnen auch zum ersten Mal die Prophetie vergönnt. Durch diese Prophetie wurde ihnen ihre Aufgabe als Prophet erteilt, und sie erhielten auch besondere Kräfte, ihre Mission zu verwirklichen. Bei Jeschajahu jedoch finden wir die höchst erstaunliche Erscheinung, nämlich dass er an der Festlegung seiner Mission als Prophet aktiv beteiligt ist. Die Milderung des Schicksals seiner Generation ist praktisch ihm zu verdanken.

Die Mission, zu der Jeschajahu vom Himmel beauftragt wird, besteht daraus, dem Volk Israel fürchterlichste Zerstörung anzukündigen. Schon an der Frage G~ttes zu Beginn seiner Wahl: "Wen soll ich schicken und wer wird gehen von uns?" (6,8) lässt sich die schwierige Lage Israels ablesen: Es ist nötig geworden, jemanden zu suchen, der zur Prophetie geeignet ist, nachdem in früheren Generationen des jüdischen Volkes die Prophetie noch eine breite Erscheinung war. Als Jeschajahu sich bereit erklärt, Prophet und Gesandter G~ttes zu sein, wird ihm erst mal eine Hiobsbotschaft zuteil: "Verstockt bleibe das Herz dieses Volkes, und seine Ohren schwer und seine Augen stumpf, dass es nicht sehe mit seinen Augen, und höre mit seinen Ohren, und sein Herz erkenne, und es wieder genese" (6,10). Nach der ersten Deutung des RaDaK (zu Vers 9, und ebenso schrieb Maimonides in den Acht Kapiteln, VIII) wird Jeschajahu zum Volk Israel gesandt, ihm zu verkünden, es habe so sehr gesündigt, dass G~tt ihr Herz verstockt machen werde und sie keine reumütige Umkehr mehr vollführen können. An diesem Auftrag lässt sich erkennen, dass Jeschajahus Mission eine von Strafung und Zerstörung für das Volk Israel ist.

Jeschajahu jedoch, anstatt zu erschrecken und sich zu quälen, stellt eine erstaunliche Frage: "Und ich sprach: Wie lange, o Herr?" (6,11), d.h.: "Wird Israel etwa auf ewig widerspenstig sein?!" (Malbimkommentar). An dieser Frage lässt sich Jeschajahus große Sorge um das Volk Israel erkennen, und es offenbart sich seine wichtige Rolle als Prophet, die Verdienste Israels geltend zu machen und das gute Ende offen zu legen, auch wenn die Lage wegen nicht wiedergutzumachender Sünden ausweglos scheint.

Durch Jeschajahus Frage offenbart sich allerdings das Ende der Strafungen Israels: "Bis dass die Städte verödet sind, leer von Bewohnern, und die Häuser menschenleer, und der Boden zur Wüste verödet wird ... (doch) wie Terebinthe und Eiche, bei deren Fällung ein Stamm bleibt, bleibt ein heiliger Samen ihr Stamm" (6,11/13) - G~tt verspricht, dass auch wenn an Israel viele Strafungen erfolgen, werde ihr Stamm unerschütterlich und fest im Erdboden bleiben, wie ein Baum, der stehen bleibt, auch wenn er alle Blätter abwirft, weil sie "ein heiliger Samen" sind!

Im Midrasch Psikta rabati (§33) wird erwähnt, dass Jeschajahus besonders hohe Stufe der Prophetie auf seine Fürsprache zugunsten Israels zurückzuführen sei: "Du findest, das Jeschaja viel mehr Prophezeiungen empfing als alle anderen Propheten, und nicht nur das, zudem empfing er auch Prophezeiungen über alle Völker der Welt ... Was brachte Jeschaja all diesen Ruhm und Ehre? Dafür, dass er Israel rechtfertigte und ihre Verdienste würdigte".