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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT HA'ASINU / SUKKOT
Nr. 1090
13. Tischri  5777

Diese Woche in der Tora (Dt. 32,1-32,52):

Weltgeschichte von ihren Anfängen bis zum Ende in kurzer Gedichtform, nochmalige Ermahnung des Volkes, Vorschau auf Moschehs Tod.

Haftara: Schmu'el II, 22, 1 - 51


Montag: Beginn des Laubhüttenfestes (Sukkot)


EINZELHEITEN ZU MACHON MEIR/KIMIZION UND VIELE ANDERE INTERESSANTE INFORMATIONEN FINDEN SIE  IN DEN AUSGABEN DES AKTUELLEN JAHRGANGS


HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Die Geschichte von Ha'asinu

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Der ganze Wochenabschnitt Ha'asinu ist ein einziges Lied, das das Wesen Israels und die Geschichte aller Generationen umfasst. Nachmanides nannte die Schwerpunkte dieses Liedes bis zum Vers "und es versöhnt seinen Boden sein Volk" (Dt. 32,43): die Eigentümlichkeit Israels, die Auserwähltheit Israels, das Exil Israels und die Ewiglichkeit Israels. Es gibt dort einige Verse, die alles besagen. "Gedenke der Tage der Vorzeit" (32,7) - Gebot an den Menschen auf der Welt. Du bist verpflichtet, der Tage der Vorzeit zu gedenken! "Erwäget die Jahre vergangener Geschlechter" (ebda.). Welche sind die Jahre vergangener Geschlechter? "Frage deinen Vater, dass er dir erzähle, deine Alten, dass sie es dir deuten" (ebda.), die Anordnung der Generationen. Sofort wird die Sache in zwei Versen detailliert. Der erste Vers besteht aus vier Teilen. Ist das nicht wunderbar? Göttliche Weisheit! Göttliche Wissenschaft! "Als der Höchste Völkern Besitz anwies" (32,8) - der Höchste, er ist der "höchste G~tt, Eigner des Himmels und der Erde" (Gen. 14,22). Der Herr der Welt schafft Generationen, "der die Menschengeschlechter berief" (Jeschajahu 41,4), Mensch und Völker. Alle Völker haben einen Anteil an der Erdoberfläche. Der "Höchste" weist den Völkern Besitz an der Erde an, an der Welt; den Völkern: diesem Volk in Asien, jenem in Afrika, diesem in Europa, dem einen hier, dem anderen dort. Diese drei Worte [im hebr. Text] drücken die göttliche Ordnung aus: Der Höchste (1) weist Besitz an (2) den Völkern (3). Darauf folgen drei Worte von Teilung und Detail: "da er abteilte die Menschensöhne" (32,8) - die Menschensöhne teilen sich auf in Völker, Länder und Besitztümer. "stellte er fest Grenzen der Völker" (32,8) - wo es viele Menschen gibt, gibt es Völker, und dadurch Staaten und Grenzen.

Im "Kusari" lernten wir, dass "Israel das Herz der Nationen" sei, das Zentrum. Alle Völker, alle Menschen, ihre Staaten und ihre Grenzen - alle sind auf das Zentrum ausgerichtet, hängen damit zusammen - "nach Anzahl der Kinder Israel" (32,8). Es gibt so eine "Anzahl der Kinder Israel", 600.000 Kinder Israel, zwölf Stämme Israels; eine geordnete Anzahl, ein fortschrittliches Gebäude. Und nun ist alles auf die Anzahl der Kinder Israel ausgerichtet, parallel und passend. Alles ist auf den Fortschritt dieses Zentrums, dieses Herzens ausgerichtet, des Herzens der Völker. Die vier Teile dieses Verses bringen deutlich, detailliert und klar ein Weltbild zum Ausdruck, eine Weltanschauung.

Es folgt ein Vers in Kurzfassung. Die Kinder Israel sind das Volk G~ttes, ein besonderes Volk, ein Volk des Heiligtums - "Denn G~ttes Teil ist sein Volk" (32,9). Der Herr der Welt besitzt sozusagen einen besonderen Teil der Menschheit. Auch in den ersten Versen im Prophetenbuch Jirmijahu heißt es: "Ein Heiligtum ist Israel dem Ewigen, Erstling seines Ertrages" (2,3), "Erstling", so wie die Abgabe des Bodenertrages an den Priester. "Denn G~ttes Teil ist sein Volk, Jakov das ihm zugefallene Erbe". Das Volk und das Land. Es gibt ein besonderes Volk auf der Welt, ein göttliches Volk. Das ist die Bedeutung des Verses im Prophetenbuch Jeschajahu: "Das Volk, das ich mir gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen" (43,21). Im Wesen ist das Volk Israel eine göttliche Schöpfung. Der Schöpfer des Menschen, Schöpfer der Zeitalter, Schöpfer der Völker, Schöpfer der Nationen - schuf sich eine besondere Schöpfung. "Die Himmel erzählen die Herrlichkeit G~ttes" (Psalm 19,2) - in der Welt der Natur, in Himmel und Erde. Und zum Schluss - nicht weniger, sondern noch darüber hinaus: "Die Lehre des Ewigen ist untadelig" (Psalm 19,8), Israel und die Tora, Israel und die göttliche Lehre.


Am Jontef-Tisch...

Wahre Größe

Rav Nathan Kotler
MACHON MEIR

Vielleicht eines der wunderlichsten Gebete im Judentum ist jenes, das man beim endgültigen Verlassen der Sukka (Laubhütte) spricht: "Sei es dein Wille, Ewiger unser G~tt und G~tt unserer Väter, so wie ich [das Gebot] erfüllt habe und in dieser Sukka saß, so möge es mir im kommenden Jahr vergönnt sein, in der Sukka aus der Haut des Leviathan zu sitzen".

Dazu lässt sich fragen, worin denn der Zusammenhang zwischen der Sukka und der Haut des Leviathan (biblischer Riesenwal) besteht? Was symbolisiert dieser Leviathan?

Der Blauwal ist das größte Lebewesen, das jemals diesen Planeten bevölkert hat. Er kann bis zu 33 Meter lang werden, und sein Gewicht erreicht bis zu 200 Tonnen. Das Herz des Blauwals hat die Größe eines Autos, und seine Zunge ist so groß, dass 50 Menschen und ein Elefant darauf stehen können...

Doch dieses größte aller Lebewesen ernährt sich vom kleinsten aller Lebewesen - von Plankton, ein Lebewesen von mikroskopischer Größe, das der Blauwal aus dem Wasser filtert und in großen Mengen verzehrt.

Wir lernen von diesem "Leviathan", je größer man ist, desto besser weiß man die kleinen Dinge zu schätzen.

Das Laubhüttenfest symbolisiert die Wertschätzung der einfachen Dinge im Leben, die klein und trivial scheinen, in Wirklichkeit aber von großem Wert sind. Zum Beispiel der Etrog, eine meist eher unbedeutende Zitrusfrucht, wird plötzlich zu einem hochgeschätzten Wertobjekt, und manche Leute sind bereit, dafür viel Geld hinzublättern. Wir freuen uns an den Myrtenzweigen, den Bachweidenstängeln und dem Palmwedel, doch zu anderen Zeiten schenken wir ihnen kaum Beachtung. Wir verlassen unser gemütliches Heim und veranstalten eine Woche lang "Camping" am Busen der Natur, essen, schlafen und lernen unter freiem Himmel in einer wackeligen Hütte - und erlangen dadurch das Verdienst des Erfüllens eines leichten, aber dennoch bedeutungsvollen Gebotes.

Über die Freude beim Fest des Wasserschöpfens im Tempel sagten die talmudischen Weisen, dass jeder Hof in Jerusalem erleuchtet war: "Es gab keinen Hof in Jerusalem, der nicht vom Lichte der Wasserprozession bestrahlt worden wäre" (Sukka 51a, Mischna). Doch warum lenken die Weisen die Aufmerksamkeit vom Licht im Tempel auf das Licht in den privaten Höfen in Jerusalem?

Der Rabbi von Izbica (Rabbiner Mordechai Josef Leiner) schloss daraus, dass die talmudischen Weisen nicht das große Licht im Tempel betonten, sondern das Licht auf dem Privatgebiet eines jeden Einzelnen, weil sich das wahre Licht nicht nur an den hohen und über alles erhabenen Orten anfindet, sondern auch in den vier Wänden eines jeden Einzelnen. Man braucht das Glück nicht in der Ferne zu suchen, es findet sich doch ganz in der Nähe. Der Rabbi von Izbica schrieb, als die Leute ihr Privatgrundstück erleuchtet vorfanden, verstanden sie, dass ihnen das Licht niemals vorenthalten worden war (Mej HaSchiloach II - Likutim Sukka 51a).

Die wahre Größe besteht darin, den Wert der kleinen Dinge schätzen zu wissen und sich an den einfachen Segnungen des Lebens zu freuen, und zu verstehen, dass sie gar nicht so einfach sind.


Der Stand der Dinge...

Psychiatrische Behandlung in der Sukka

Dr. Michael Abulafia
Kinder- und Jugendpsychiater, gefragter Dozent an Machon Meir, Rosch Jehudi und vielen anderen jüdischen Bildungsinstitutionen

DrMichaelAbulafia

Eine halbe Milliarde Menschen auf der Welt leiden an psychischen Störungen. Bekanntlich beeinflussen Denkmuster die Handlungsweise, der Glauben produziert Denkmuster, das gesellschaftliche Leben wirkt auf das Nervensystem, die Eheverbindung kommt in der Genetik zum Ausdruck, das Essen beeinflusst die Stimmung und das Konzentrationsvermögen, und ebenso umgekehrt... d.h. beim Menschen wirkt Alles auf Alles. Wir sind ein einziges organisches System, und darum müssen wir in Bezug auf Behandlung und Erziehung auch in Begriffen von allumfassender Sicht denken.

Die Sukka kennzeichnet die vollkommene Verbindung des Menschen zu sich selbst, zwischen dem Menschen und seinem Nächsten, zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer. Es handelt sich um einen physischen Ort, der geeignet ist, auf jede einzelne Körperzelle entspannend und beruhigend zu wirken, eine harmonische Verbindung, d.h. angemessene Kommunikation. Wollen wir einmal versuchen uns so eine Kommunikation vorzustellen, wobei Leute beieinandersitzen, natürlich ohne Smartphone und dergleichen, sie sehen einander, unterhalten sich und hören einander zu, vielleicht singen sie sogar, vielleicht lernen sie gemeinsam... aber ermöglichen dem Sonnenlicht - die äußere Welt, die energetische - hereinzukommen, aber nur in dem Maße, soweit der Schatten das Licht übersteigt. Die Seitenwände erinnern uns daran, dass uns dieser Ort umarmt, schützt und umgibt, ein Privatraum, aber mit offener Tür für jeden, der nur eintreten will. Jedes Neuron (Nervenzelle in unserem Gehirn) erhält in der Sukka eine Erleuchtung vom "Schatten des Glaubens" (kabbalistischer Begriff für die Sukka, deren Laubdach dazu da ist, Schatten zu spenden), d.h. dem Licht des Glaubens, ein so tiefer Glauben, der keinen Raum für Zweifel lässt, der uns in Demut leben lässt, in Freude und in Ausgeglichenheit, denn es gibt ja diesen liebenswürdigen, toleranten und umfassenden Ort, allerdings mit klaren Grenzen. Ein Ort wo die Tora sowohl gelernt wird als auch einen Weg zu leben und auch das Leben selbst darstellt.

Die Sukka steht für ein einheitliches System, und der Lulaw kennzeichnet das Vermögen, die einzelnen Teile zu nehmen und zu vereinen. Die Sukka wirkt von außen und der Lulaw von innen... Stellen wir uns einmal einen innerlichen Raum vor, wo es dem Menschen gelingt, sich nur an die angenehmen Ereignisse zu erinnern, wo die Gedanken von spirituellen Vorstellungen durchflutet sind, wo jedes Gefühl von der menschlichen Wahlfreiheit gesteuert wird, wo das Essen die Widerstandskraft erhöht, weil der Mensch dort in Freude und Ruhe isst. Der Mensch übernimmt die Verantwortung für seine Rede, beherrscht sein Vorstellungsvermögen und vor allem ermöglicht sich die Verbindung zum strömenden Leben, das aus einer tieferen Quelle hervorgeht, ein Strömen, das alle Körperzellen erfreut.

Die Sukka erinnert uns daran, dass man niemals wegen Krisen verzweifeln darf, denn wir befinden uns in einer Welt der Einheit mit einem unaufhörlichen Zustrom des Guten, das auf jede Zelle wirkt, auf harmonische und einigende Weise.