mmcap6

DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Anschrift: Sderot Hame'iri 2
Kirjat Mosche / P.O.B. 34107
IL - 9134002 Jerusalem ISRAEL 
Tel. +972 2 6511906
Fax +972 2 6514820            
www.meirtv.co.il  torah@meirtv.co.il
für Kinder: www.meirkids.co.il

EINZELHEITEN ZU MACHON MEIR/KIMIZION UND VIELE ANDERE INTERESSANTE INFORMATIONEN FINDEN SIE  IN DEN AUSGABEN DES AKTUELLEN JAHRGANGS

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EMOR
Nr. 1118
17. Ijar  5777

Diese Woche in der Tora (Lev. 21,1-24,23):

Besondere Vorschriften für die Nachkommen Aharons, die Priester: Verbot der Leichenunreinheit, Heiratsvorschriften, Dienstuntauglichkeit durch Gebrechen oder Unreinheit, Strafen; Vorschriften für Mitglieder der Priesterfamilie; Regelungen über die Tauglichkeit von Opfertieren; Schabbat und Festtage und ihre Gebote; Leuchter und Brottisch im Heiligtum/Tempel; Strafe des Gotteslästerers; div. Gesetze von Schädigungen.

Haftara: Jecheskel 44, 15-31


Schabbatausgang: Lag Ba'omer


 


Am Schabbes-Tisch...

Lag Ba'omer

Rav Chagai Londin
Rabbiner an der Hesder-Jeschiwa Sderot

RavChagaiLondin

Neben der Tatsache, dass es in der Nacht von Lag Ba'omer ratsam ist, die Fenster hermetisch geschlossen zu halten, damit sich die Wohnung nicht mit Rauch fülle, gibt es noch ein paar andere Fakten, die man zu diesem Datum wissen sollte. Zum Beispiel, dass an Lag Ba'omer die Palmach (einer der Vorläufer der israelischen Armee während der Mandatszeit), Gadna (Jugendorganisation zur Vorbereitung auf den Militärdienst, ebenfalls während der Mandatszeit) und Bnej Akiva (nationalreligiöse Jugendorganisation) gegründet wurden. Vor allem aber symbolisiert dieses Datum Hoffnung - die Hoffnung, das Feuer möge alle Finsternis vertreiben.

Lag Ba'omer ("Lag": lamed=30, gimel=3; der 33. Tag in der 'Zeit des Omerzählens', die Pessach mit dem Wochenfest/Schawuot verbindet und nach dem Omer, dem Gerstenopfer, das nach dem ersten Pessachfeiertag im Tempel dargebracht wurde, benannt ist) fällt immer auf den 18. Ijar. Den offiziellen Grund für die besondere Hervorhebung dieses Tages finden wir im Talmud (Jewamot 62b): "Man erzählt, dass Rabbi Akiva zwölftausend Paare Schüler hatte ... und alle starben sie um eine Zeit, weil sie einander keine Ehrung erwiesen. Die Welt lag verödet ... Alle starben sie zwischen dem Pessachfest und dem Wochenfest". In der Zeit zwischen Pessach und Schawuot geschah also eine der furchtbarsten Katastrophen des jüdischen Volkes - das Massensterben der jüdischen Geisteselite aus einem unklaren Grund. Darum halten wir bis auf den heutigen Tag gewisse Trauerbräuche in dieser Periode (kein Haareschneiden, keine Hochzeiten usw.). Allerdings fügte dem Rabbiner Menachem HaMe'iri (bedeutender Talmuderklärer vor etwa 750 Jahren in Südfrankreich) hinzu: "Den Gaonim war überliefert, dass an Lag Ba'omer das Sterben aufhörte und man darum an diesem Tag nicht zu fasten pflegt".

Wir können uns nun fragen, wie kamen die talmudischen Weisen eigentlich dazu, Trauertage von nationalem Ausmaß für alle Generationen anzuordnen, wegen des Todes, so tragisch er auch gewesen sein mag, von einigen Tausend Schülern, und ebenso lässt sich fragen, warum wurde ein Feiertag auf alle Generationen angeordnet, als das Sterben aufhörte? Darauf antwortete Rabbiner Scherira Gaon, einer der Toragrößen Israels vor etwa 1000 Jahren, in seinem berühmten Sendschreiben: "Rabbi Akiva stellte viele Schüler auf, und es fand ein Schmad (Vernichtung) statt an den Schülern Rabbi Akivas". Unter Hinzuziehung weiterer Quellen, sowohl biblischer als auch historischer, scheint Rabbi Scherira Gaon damit ausdrücken zu wollen, dass die Schüler Rabbi Akivas am Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer teilgenommen hatten und dabei den Tod fanden ("Schmad"). Die Trauer über ihr Sterben und die Freude über dessen Aufhören - das sind die Gründe hinter der Hervorhebung dieser Tage.

Das Omerzählen und Lag Ba'omer haben sich ins Herz der Nation auf alle Zeit eingegraben, weil sie an das letzte Aufbäumen vor dem Zug ins langjährige Exil erinnern. An Lag Ba'omer pflegen wir große Freudenfeuer anzuzünden (ähnlich denen, die während des Aufstands der Kommunikation dienten), denn diese Tage symbolisieren das Feuer des jüdischen Nationalbewusstseins, das trotz der Finsternis des Exils nicht erlosch. Entsprechend ist es kein Zufall, dass Lag Ba'omer der jüdischen Tradition nach als Todestag des Rabbi Schimon bar Jochai überliefert ist, einer der hervorragendsten Schüler von Rabbi Akiva und Begründer der kabbalistischen Lehre. Rabbi Schimon bar Jochai erscheint im Talmud als einer der großen Gegner der römischen Besatzung, und in der kabbalistischen Lehre, die seinem Lehrhaus entsprang, finden sich gewaltige Sehnsüchte nach der Rückkehr der Nation in ihr Land und zu ihrer Souveränität. Das Ziel der kabbalistischen Geheimlehre besteht in der Erziehung zu einem Ausblick, der über den Horizont der oberflächlichen Realität hinausreicht - mit dem Blick nach innen die Zukunft sehen, die in der gegenwärtigen kläglichen Wirklichkeit verborgen ist. Der Talmud erzählt (Makkot 24b): "Einst pilgerten sie [die Weisen] nach Jerusalem ... kamen sie an den Tempelberg heran und sahen einen Fuchs aus dem Allerheiligsten herauskommen; da begannen sie zu weinen, während Rabbi Akiva lächelte. Da sprachen sie zu ihm: Weshalb lächelst du? Er entgegnete ihnen: Weshalb weint ihr? Sie erwidertem ihm: In der Stätte, von der es heißt: ein Fremder, der herankommt, soll getötet werden (Num. 1,51) gehen nun Füchse umher; wie sollten wir nicht weinen?! Er entgegnete ihnen: Das ist es eben, weshalb ich lächle ... Urija weissagte: darum soll euretwegen Zion zum Felde umgepflügt werden (Micha 3,12; Beschreibung der Zerstörung, die durch das genannte Umherlaufen von Füchsen auf dem Tempelberg zum Ausdruck kommt), und Secharja weissagte: noch werden Greise und Greisinnen auf den Plätzen Jerusalems sitzen (Sech. 8,4). Würde die Weissagung Urijas nicht in Erfüllung gegangen sein, so könnte ich fürchten, auch die Weissagung Secharjas werde nicht in Erfüllung gehen, jetzt aber, wo die Weissagung Urijas in Erfüllung gegangen ist, ist es sicher, dass auch die Weissagung Secharjas in Erfüllung gehen wird. Hierauf sprachen sie zu ihm: Akiva, du hast uns getröstet, Akiva, du hast uns getröstet".

Vielleicht ist dies auch der wahre Grund für die Angewohnheit der Kinder (vor dem Zeitalter der Computerspiele und dergl.), an Lag Ba'omer mit Pfeil und Bogen zu spielen. Die Schüler Rabbi Akivas zogen ausgerüstet mit Pfeil und Bogen in den Kampf gegen die Römer. Man darf wohl annehmen, dass sie sich keine allzu großen Chancen gegen das römische Imperium ausrechneten; nach allen "realistischen", "medialen" und "politischen" Berechnungen war der Aufstand zum Scheitern verurteilt. Dennoch, wie Pfeil und Bogen, zielten sie auf die Entfernung, auf die Zukunft. So wie ihr Lehrmeister, Rabbi Akiva, wussten sie, dass es möglich war, der Wirklichkeit ins Gesicht zu lachen. Der Kampf würde nicht sofort entschieden werden, das wird dauern. Vielleicht eine Generation, oder mehrere, oder noch länger - am Ende jedoch wird das Volk Israel in sein Land zurückkehren und das römische Reich nur noch in Geschichtsbüchern zu finden sein.

An Lag Ba'omer erinnerten wir uns, dass trotz der Finsternis ringsum das Feuer weiterhin brennt. Das Licht würde am Ende gewinnen, auch wenn es zweitausend Jahre dauerte. Wir haben Zeit... (und in der Zwischenzeit rösten wir Kartoffeln in den Freudenfeuern, das ist ja auch ganz nett).



Zur Haftara

Die Priester im Tempel der Zukunft

Rav Joaw Uri'el
(Rabbiner an MACHON MEIR) 

In der Haftara zum Wochenabschnitt Emor lesen wir aus den Abschnitten der Prophezeiung Jecheskels über den zukünftigen Tempel. Im Verlauf der ausführlichen Schilderungen zur Architektur des Tempels erwähnt der Prophet auch die Art und Weise des zukünftigen Tempeldienstes der Priester (Kohanim) und deren Standorte in diesem erhabenen Gebäude.

In den Versen, die unserer Haftara vorangehen, kündigt G~tt an, dass er in der Zukunft einen Teil der Kohanim vom Tempel fernhalten wird. Jene Kohanim, die ihm und seinen Geboten die Treue hielten, werden im Tempel dienen dürfen, während die Kohanim, die anderen Göttern folgten, nicht zugelassen werden - "und sie sollen nicht zu mir herantreten, mir den Priesterdienst zu tun, und nicht herantreten zu all meinen Heiligtümern, dem Hochheiligen, sondern sie sollen die Schmach tragen für ihre Gräuel, die sie verübt" (44,13).

In den darauffolgenden Versen, die wir in der Haftara lesen, offenbart sich die zukünftige Erhabenheit der Kohanim. Die Kohanim, denen im Tempel zu dienen vergönnt sein wird, stammen aus der Familie Zadok, einer Priesterfamilie mit Stammbaum, die konsequent die Gebote G~ttes befolgten - "aber die Priester, die Lewijim, die Söhne Zadoks, welche der Obhut über mein Heiligtum wahrten, als die Kinder Israel von mir abirrten, die sollen zu mir herantreten, mich zu bedienen, und sie sollen vor mich hintreten, mir darzubringen Fett und Blut, ist der Spruch G~ttes des Herrn" (44,15).

G~tt offenbart die zukünftige Erhabenheit der Kohanim auf verschiedene Weisen. Hier ein Teil:

1. Der Prophet erwähnt einige Regelungen, die nur den Hohepriester betreffen, doch verkündet er dazu, dass in Zukunft alle Priester, die den Tempeldienst verrichten, diese Regeln einhalten werden, d.h. sie werden als so hochrangig wie der Hohepriester gelten (Malbimkommentar). Es geht hier um das Tragen der Linnen- und nicht der Wollgewänder, so wie an Jom Kippur beim Dienst im Allerheiligsten (V.17; Raschi), die Pflicht des Haareschneidens alle 30 Tage, die nur für den Hohepriester galt (V.20); das Verbot, eine Witwe zu heiraten (V.22).

2. Darüber hinaus wird es für die Kohanim der Zukunft neue Regeln entsprechend ihrer spirituellen Erhabenheit geben, die sie verpflichten, sich wegen ihrer hohen Heiligkeit vom übrigen Volk abseits zu halten: Wenn sie zum Volk in den äußeren Tempelvorhof hinaustreten, müssen sie die heiligen Kleider ablegen und andere anlegen. Der Grund, den der Prophet angibt, ist die große Heiligkeit, an die das Volk nicht heranreicht, "...und sollen nicht mit dem Volk verkehren in ihren heiligen Kleidern" (V.19).

3. Die Kohanim werden sich vorsehen, keinen Wein zu trinken, auch wenn sie nicht mit dem Tempeldienst beschäftigt sind (V.21, Malbim).

Nach dem Verlesen der die Kohanim betreffenden Gesetze im Wochenabschnitt Emor begegnen wir in der Haftara den Kohanim auf ihrer höchsten spirituellen Ebene - ihre zukünftige Erhebung, durch die sie alle dem Hohepriester ähnlich werden, im zukünftigen Tempel.



Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden. Hier eine kleine Auswahl

Frage: Woher stammt das Verbot für Frauen, ein Auto zu lenken?
Antwort: Frauen dürfen Auto fahren (bekanntlich lenkte schon Rivka ihr eigenes Kamel, Gen. 24,61-64).

Frage: Sollte ein älterer, gebrechlicher Mann vom Tode seines Bruders unterrichtet werden, wenn sich das schädlich auf seine Gesundheit auswirken kann? Und was ist mit Schiwasitzen?
Antwort: Er sollte nicht informiert werden. Das gilt als 'üble Nachrede'. Man ist nicht zur Einhaltung der Trauergesetze verpflichtet, wenn man nichts vom Todesfall weiß. (Als der Bruder von Rabbiner Ovadia Josef [früherer sefardischer Oberrabbiner Israels], Rav Nissim, verstarb, sagte man Rav Ovadia nichts davon, da man eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands befürchtete).

Frage: Wie ist es möglich, dass es Rabbiner gibt, die den Dienst von Frauen in der israelischen Armee erlauben?
Antwort: Es sind nur einige Wenige, und sie gehören nicht zu den großen Toragelehrten, und darum folgt die Halacha nicht ihrer Ansicht. Das Oberrabbinat Israels verbietet es.

Frage: Dürfen Männer und Frauen zusammen einen Marathon laufen?
Antwort: Um Himmels willen! Das ist komplett unsittlich. Siehe Kitzur Schulchan Aruch 152:8.

SMS145-146