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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EKEW
Nr. 1131
20. Aw  5777

Diese Woche in der Tora (Dt. 7,12-11,25):

Die Segnungen des Gehorsams, Heranziehung der Geschichte als Motivation zur Erfüllung der fundamentalen Pflicht, G~tt zu lieben und seine Gesetze zu halten, persönliches Erleben der Wunder zu Gunsten Israels sollen zu Liebe und Gehorsam führen, Belohnung und Strafe im Judentum (Mittelteil des Schma-Gebetes).

Haftara: Jeschajahu 49,14 - 51,3

 

HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Erfundene Erlaubnisse

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Unser Kapitel (das elfte im "Weg der Frommen", Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto) enthält Gebote, Sünden und Charaktereigenschaften in Länge und Breite bis in die kleinsten Einzelheiten. "In überaus mannigfacher Weise gestaltet sich die Läuterung im Einzelnen. Sie nimmt eigentlich so viele Gestalten an, wie sie in den 365 Verboten mit allen ihren Einzelheiten gegeben sind. Denn die Lauterkeit besteht ja eben in der Befreiung von jeder Sünde und ihrem letzten Ableger. Obwohl nun der Böse Trieb bei allen Sünden seine Hand im Spiel hat, um den Menschen zu verleiten, so gibt es doch gewisse, zu denen eine stärkere Begierde drängt, und die darum vom Bösen Trieb in größerem Umfang als erlaubt hingestellt werden. Bei ihnen bedarf es darum auch einer größeren Festigung, will man Sieger bleiben und frei von der Sünde". Der Mensch findet Erlaubnisse, weil er den Willen zur Übertretung hat. Er erfindet Erlaubnisse.

"So sagen die Weisen: 'Nach Raub und Unzucht gelüstet und verlangt die Seele des Menschen' (Chagiga 11b)". Damit ist nicht offener Raub gemeint, sondern dass die Leute nicht so ganz genau darauf achten, ob ihnen ihr Geld 100% rechtmäßig zusteht. Die meisten achten nicht darauf und verstricken sich in Raub. Ihr Geld ist nicht so ganz koscher. "In der Tat! Bei den meisten Menschen, obwohl sie nicht geradezu Diebe sind, die dem Nächsten Geld wegnehmen, um es sich in die Tasche zu stecken, streift das Geschäftsgebaren an Diebstahl". Die meisten Leute verstricken sich in Komplikationen, was den rechtmäßigen Erwerb von kleinen Beträgen angeht, und dazu ist eine reumütige Umkehr gemäß dem Schulchan Aruch, Abt. Choschen Mischpat (u.a. Gesetze von Geschäftsangelegenheiten) nötig. Dazu muss man erst mal viel Choschen Mischpat lernen und anhand dessen über jede kleine Münze Rechenschaft ablegen, bis man sicher ist, dass sie auch wirklich mir gehört, und wenn nicht, mich von ihr entfernen. Darum gibt es so eine Situation wie "den meisten haftet Raub an" (Baba batra 165a) bezüglich der genauesten Beachtung komplizierter Eigentumsverhältnisse, bei der Viele versagen. Die meisten Menschen sind keine Diebe, und sicher halten sie Diebstahl für keine schöne Sache, aber es "streift das Geschäftsgebaren an Diebstahl. Sie halten es für erlaubt, sich durch die Schädigung eines Anderen zu bereichern, und meinen: Geschäft ist Geschäft!". Der Mensch hat ein natürliches Verlangen nach Reichtum, darum erfindet er Erlaubnisse. Man darf wohl davon ausgehen, dass die meisten Menschen keine Räuber sind, aber sie "kosten den Geschmack des Diebstahls" in den gesellschaftlichen Beziehungen, so wie im Handel und der Kultur: dem Nächsten einfach so einen Schaden zuzufügen ist nicht nett, aber Gewinn machen auf Rechnung des Verlustes eines Anderen ist doch wohl erlaubt... Ein Beispiel dafür: "Rabbi Jehuda sagt: Der Krämer darf nicht an die Kinder Naschwerk verteilen, um sie an seinen Laden zu gewöhnen". Das ist eine List, Käufer von anderen Geschäften wegzulocken. "...und die Weisen, die anderer Meinung sind, haben es nur deshalb gestattet, weil es ja seinen Konkurrenten freisteht, dasselbe zu tun".

"...und die alle verboten sind. Denn nicht nur eine Handlung, die sich klar als Unterschlagung und Betrug kennzeichnet, ist verboten; was nur letzten Endes dazu führt und sie veranlasst, das fällt alles unter das Verbot".

Im Buch Mussar Awicha erklärt Rabbiner A.J.Kuk, dass die "Zäune", die den Menschen vom Verbot fernhalten sollen, keinen äußerlichen Schutz bedeuten, sondern mit zum Verbot gehören, wie hier steht: "was nur letzten Endes dazu führt". Ebenso steht in der ersten Mischna im Traktat Brachot: "...um den Menschen von der Übertretung fernzuhalten".


Zur Haftara

Die Gewissheit der Erlösung


Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

Die Haftara zum Wochenabschnitt Ekew lesen wir normalerweise aus dem Buch Jeschajahu (49,14-51,3). Dort beginnt praktisch ein neues Thema in diesem Buch, das den Glauben Israels zum Vermögen G~ttes und dessen Absicht, Israel zu erlösen in Beziehung setzt.

In dieser Haftara setzt sich Jeschajahu mit drei schweren Fragen aus der Seele des Volkes Israel auseinander, die die Juden am Glauben an die zeitliche Begrenzung der Zerstreuung hindern. In ihren eigenen Augen sind sie zur Erlösung weder fähig noch ihr würdig. Jeschajahu nimmt sich in seiner Prophezeiung diese Fragen vor, eine nach der anderen, und schafft im Volk Israel eine neue Stufe des Glaubens an die Erlösung.

Die erste Frage

Die erste und gleichzeitig wesentlichste Frage der Israeliten bezieht sich auf ihre Verbindung zu G~tt. Die Zerstreuung (Exil/Galut) scheint ein permanenter Zustand von Trennung und Abstand vom Schöpfer geworden zu sein, und in ihrem Verharren in der Galut scheint es ihnen, G~tt habe sie verlassen - "und Zion spricht: Der Ewige hat mich verlassen, und der Herr mein vergessen" (49,14). Die Antwort G~ttes darauf folgt sogleich, sie drückt überhaupt Verwunderung über die Frage an sich aus. Die Antwort G~ttes lehrt, dass er in dieser Frage kein wirkliches Problem sieht, und die Antwort fällt dann auch sehr deutlich aus: Die Verbindung zwischen G~tt und Israel ist stärker als die stärkste Verbindung der Welt - die Verbindung zwischen Mutter und Kind: "Vergisst ein Weib ihres Säuglings, dass sie sich nicht erbarmte des Sohnes ihres Leibes? Und ob diese vergäße - so will ich nicht dein vergessen" (V.15).

Die beiden nächsten Punkte beziehen sich auf die Wahrscheinlichkeit der Erlösung: Realistisch gesehen - wie soll es möglich sein, dass die Israeliten die viel stärkeren Völker besiegen, die sie beherrschen? Und in spiritueller Hinsicht - wie können sie die Erlösung erhoffen, da sie doch weiterhin sündigen?

Die zweite Frage

Nachdem die Israeliten die Antwort erhielten, G~tt habe sie nicht vergessen, stellen sie eine eher praktisch orientierte Frage: Wie kann man den starken Kräften etwas entgegensetzen, die über sie herrschen? "Wird dem Helden die Beute genommen, oder wird des Siegers [wörtl.: Gerechten] Fang entrinnen?" (V.24) - d.h. die Gefangennahme Israels durch die Völker durch gerechtes Urteil - mündet praktisch in eine grundsätzlichere Frage: Wenn der 'Gerechte' jetzt gesiegt hat, wie kann sein Gefangener gleich entrinnen? Und besonders, da die Bezeichnung 'Gerechter' auf den ersten Blick anzudeuten scheint, dass in bestimmter Hinsicht das Recht auf der Seite der Völker ist, die Israel beherrschen, das gesündigt hat?! G~tt antwortet Israel, dass es dennoch möglich ist, diese Kräfte zu überwinden: "Auch des Helden Fang wird ihm genommen, und des Gewaltigen Beute entrinnen" (V.25). Und dann holt G~tt noch weiter aus mit seiner Antwort und geht damit über den Inhalt ihrer Frage hinaus: G~tt wird nicht nur auf bestimmte Weisen die Israeliten aus der Hand der Feinde befreien, sondern jene noch bekämpfen und sie zur Selbstzerstörung bringen: "...und mit deinen Widersachern hadere ich, und deine Kinder werde ich retten. Und zu essen geb ich deinen Bedrückern ihr Fleisch, und wie in Most sollen sie in ihrem Blute sich berauschen" (V.25-26). So offenbart sich die Schwäche des Helden, den die Israeliten fürchteten. Der 'Fang' und die 'Beute' kommen automatisch durch den Niedergang der Eroberer frei.

Die dritte Frage

Die dritte Frage richtet sich nicht auf die Vorbereitung zur Erlösung in der Gegenwart, wie bei den beiden vorangegangenen Fragen, sondern auf den Grund für die Galut - wenn G~tt uns in die Zerstreuung schickt, dann muss das doch der neue permanente Zustand sein, ohne irgendeine Aussicht auf Erlösung. Israel fragt:

Wie können wir erlöst werden? Hatten wir doch gesündigt, und unsere Strafe war über uns verhängt worden! G~tt sagt sofort, dass Israel hier einer irrigen Annahme unterliegt, denn er hat Israel niemals einen Scheidebrief gegeben und auch nicht gesagt, er schicke sie für immer fort: "So spricht der Ewige: Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter, die ich verstoßen?" (50,1). Nein, das Gegenteil ist richtig: G~tt, von sich aus, möchte uns erlösen, doch unsere Sünden behindern die Erlösung: "Siehe, um eure Sünden seid ihr verkauft, und um eure Missetaten ist eure Mutter verstoßen" (ebda.), und sofort, wenn wir reumütige Umkehr tun, werden wir gerettet. G~tt erscheint tatsächlich zu unserer Rettung, doch der Mangel an Glauben an unsere Erlösung verhindert selbige: "Warum komme ich, und niemand ist da, rufe ich, und niemand antwortet? Ist zu kurz mein Arm zum Erlösen, oder ist in mir keine Kraft zum Retten?" (V.2).

Der Prophet Jeschajahu erzieht das Volk Israel darauf zu vertrauen, dass G~tt es niemals vergessen wird, und damit zu der Gewissheit des Eintreffens der Versprechen bezüglich der Erlösung.

Angesichts des Unglaubens des Volkes an die Erlösung erzählt ihm Jeschajahu, dass in der Zukunft, zur Zeit der Erlösung, ein paralleler Unglauben auftauchen werde - Israel wird sich in einer wundersamen und schnellen Einsammlung der Zerstreuten wiederfinden - und es wird ihnen schwerfallen, zu glauben, dass ihnen dieses wundersame Geschehen wirklich widerfährt: "Erhebe rings deine Augen, und siehe, sie alle sammeln sich, kommen zu dir. So wahr ich lebe! - ist der Spruch des Ewigen, - dass du sie alle wie einen Schmuck anlegen wirst, und sie dir umwinden, wie eine Braut. Denn deine Trümmer und deine öden Plätze und dein zerstörtes Land - ja, jetzt wirst du es zu eng haben vor Bewohnern, und es werden entfernt deine Verderber. Fortan werden sprechen vor deinen Ohren die Kinder deiner Verwaisung: Zu eng ist mir der Ort, geh mir hinweg, dass ich wohnen mag. Und du wirst sprechen in deinem Herzen: Wer hat mir diese geboren? Ich bin ja verwaist und vereinsamt, verwiesen und verstoßen, und diese - wer hat sie großgezogen? Siehe, ich war allein übrig; diese, wo waren sie?" (49,18-21), woher kamen plötzlich all diese Massen?


Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden. 
Hier eine kleine Auswahl

Frage: Ist es ein Problem, in einem Buffet-Restaurant ("soviel wie reingeht") zu essen?
Antwort:
Ja. Das gilt als Völlerei. Siehe Maimonides, "Sittenlehren", 5.Kapitel.

Frage: Woher stammt der Ausruf "Chasak, chasak wenitchasek" - "Sei stark, sei stark und lass uns stark sein" am Ende der Lesung eines der Fünf Bücher Moscheh?
Antwort:
Die Rischonim erwähnen nur den Ausruf "Chasak" am Ende jedes Buches, siehe Schulchan Aruch O.C. 139,11. "Chasak, chasak wenitchasek" wird erst bei den späteren Rabbinern erwähnt, und das ist der Brauch bei den Aschkenasim und einigen Sefaradim.
Frage:
Wird das letzte Wort "nitchasek" oder "nitchasak" ausgesprochen?
Antwort: Die meisten sagen "wenitchasek", und manche sagen "wenitchasak", so wie es in Schmu'el II, 10,12 vorkommt.
Frage: Ist es von Bedeutung, zu diesem Abschnitt aufgerufen zu werden?
Antwort: Ja. Es gilt als Vollendung eines Gebotes. Rabbiner A.J.Kuk zog diese Alija jener zu Parschat Para vor, obwohl letztere nach manchen Ansichten ein Toragebot darstellt.
Frage: Warum sagen wir das?
Antwort: Jehoschua bin-Nun wurde geboten: "Nur sei sehr stark und fest zu beobachten, zu tun ganz nach der Lehre" (1,7), denn die Tora ist eines von "vier Dingen, die der Stärkung benötigen" (Brachot 32b).

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