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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT DEWARIM (CHASON)
Nr. 1129
6. Aw  5777

Diese Woche in der Tora (Dt. 1,1-3,22):

Im 40. Jahr, am 1. des 11. Monats, spricht Moscheh zu den Kindern Israels, bevor sie den Jordan überqueren: Rückblick auf die Reise, Einsetzen von Richtern, Aussenden der Kundschafter+Sünde dazu, welche Länder in Ruhe gelassen und welche erobert werden.

Haftara: Jeschajahu 1,1 - 27


9. Aw Dienstag - Fasttag zum Gedenken an die Tempelzerstörung "Tischa Be'Aw

 

Am Schabbes-Tisch...


Der Schwanz als Haupt

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

G~tt leitet seine Welt mit dem Maßstab des Rechtes. In den Heiligen Schriften hat der Begriff 'Recht' zwei Bedeutungen: eine allgemeine göttliche Führung mit innerer Ordnung, und ein moralisch-sittliches Urteil, wie z.B. in einem Bet Din (Rabbinergericht). Die Verbundenheit der jüdischen Nation zu G~tt erfolgt durch Imitieren seiner Maßstäbe sowie das Wandeln in seinen Wegen, und entsprechend heißt der Führer der Nation an vielen Stellen "Richter", weil er die Nation unter Anwendung des Rechtes G~ttes leitet. "Ein König erhält das Land durch Gerechtigkeit" (Sprüche 29,4). Das Buch 'Dewarim' (5. Buch Moscheh) beginnt mit der Beschreibung der Einsetzung von Oberen über Tausend, Hundert, Fünfzig und Zehn. "Wie soll ich allein ertragen eure Bürde und eure Last und euren Zwist? Schaffet euch Männer, weise und einsichtig und wohl bekannt, nach euren Stämmen, dass ich sie stelle an eure Spitze" (Dt. 1,12-13). Diese Oberen fungieren ebenfalls als Richter am jeweiligen Bet Din, denn ihre Aufgabe besteht schließlich darin, dafür zu sorgen, dass die Tora als Rechtsgrundlage des täglichen Lebens der Nation und der zwischenmenschlichen Beziehungen sowohl in spiritueller als auch in materieller Hinsicht angewendet wird. Darum erbat Schlomo zu Beginn seiner Königsherrschaft von G~tt: "So gib deinem Knechte einen verständigen Sinn, dein Volk zu richten, zu unterscheiden zwischen Gutem und Bösem, denn wer könnte (sonst) richten dieses dein mächtiges Volk?" (Kö.I, 3,9).

Die Tora erwähnt sieben Eigenschaften, die die Richter Israels aufweisen sollen: "weise, einsichtig und wohl bekannt" (s.o.), "tüchtige Männer, G~ttesfürchtige, Männer der Wahrheit, Gewinn hassende" (Ex. 18,21). Die Aufgabe der Richter besteht in der Anleitung des Volkes, und darum stehen sie an dessen Spitze, wie es heißt: "dass ich sie stelle an eure Spitze" (s.o.). Das ist die Bedingung für die korrekte Rechtsordnung der Nation. "Sagte Rabbi Jehoschua ben Levi: Sagte ihnen Moscheh: Wenn ihr nicht auf sie hört, komme die Schuld über eure Häupter. Womit kann man das vergleichen? Mit jener Schlange, deren Schwanz zum Haupt sprach: Wie lange noch willst du immer vorneweg gehen? Ich werde voran gehen! Da sagte das Haupt: Geh voran. Da kam der Schwanz an eine Wassergrube und [die Schlange] fiel hinein, da kam er an ein Feuer und fiel hinein, da kam er an Dornen und fiel hinein, was war daran schuld? Weil das Haupt hinter dem Schwanz ging. Ebenso: Wenn die Kleinen auf die Großen hören - sie brauchen bloß eine Entscheidung vor G~tt zu treffen, und er führt sie ihnen aus; wenn aber die Großen hinter den Kleinen gehen, fallen sie aufs Antlitz" (Midrasch Dewarim raba, 1,10).

Betrachten wir einmal dieses Gleichnis. Auf den ersten Blick sehen Haupt und Schwanz der Schlange ungefähr gleich aus, doch der Schlange, die ihrem Schwanz hinterher kriecht, fehlen die Augen, die ihr die Richtung weisen, "die Augen der Gemeinde". Man kommt zwar voran, aber in eine unbestimmte Richtung. Es liegt in der Natur der Dinge, da nun Schwanz und Kopf der Schlange zum selben Körper gehören, dass der Kopf dem Schwanz folgt und unter dessen Fehlern leidet. Der Schwanz zieht mit voller Kraft den ganzen Körper durch Wasser, Feuer und Dornen. Die Begegnung der Weisen mit den Ereignissen, wenn "die Großen hinter den Kleinen gehen", geschieht im Nachhinein, durch vollendete Tatsachen, das Gegenteil des wünschenswerten Zustands des "und beobachte zu tun, ganz so wie sie dich unterweisen" (Dt. 17,10).

Es gibt Gesellschaftsordnungen, die das Nachfolgen des Hauptes hinter dem Schwanz zum Ideal erheben. Zum Beispiel die Idee von der Demokratie. Die Toragelehrten im Lande gleichen dem Verstand des Menschen, der mit den Augen verglichen wird: "Der Weise hat seine Augen im Kopfe, und der Tor wandelt im Finstern" (Kohelet 2,14). Der Vorzug des Gehirns liegt in der Qualität, quantitativ aber ist es ein kleines Körperteil. Wenn 'nach der Mehrheit entschieden wird', zählt seine Stimme nicht mehr als irgendeine andere. Darum ist die Festlegung der Kompetenzen unbedingt notwendig zur Entscheidung über Politik, Halacha und Regelung der Rechtsprechung. "Rabbi Jizchak sagte: Jerusalem wurde nur deshalb zerstört, weil sich da Klein und Groß ebenbürtig dünkten" (Schabbat 119b). Woher denn?! Wir sind doch gewohnt, die Zerstörung Jerusalems den drei Hauptsünden zuzuschreiben: Blutvergießen, Unzucht und Götzendienst, oder dem sinnlosen Hass?! Vielmehr hat eine Gleichsetzung von 'Kleinen' und 'Großen' eine Trübung der klaren göttlichen Gebote zur Folge und öffnet dadurch das Tor für das Eindringen der übelsten Verderben. "Es werden Tage kommen, wenn sich die Demokratie zu Herzen nehmen wird, dass das Glück der Allgemeinheit gänzlich abhängt von der reinen Anhänglichkeit der Masse im Allgemeinen an den Edlen des Geistes, und nach diesem Maße erweitern sich die Kreise der Verdienstlichkeit der Ersteren, und ihr Leben erhält einen Zweck" (Rabbiner A.J.Kuk, Orot Hakodesch IV, S.466). Wenn die Bestrebung, sich zu einem edlen Leben voll heiliger Moral und klarer göttlicher Anleitung aufzuschwingen, nicht an der Spitze steht, führen die natürlichen Triebe, die 'Schwänze und jene, die der Augen mangeln'.

Auch das Wandeln in den Wegen der Nichtjuden ist ein Nachfolgen hinter dem Schwanz. In allem, was mit der Welt des Spirituellen zusammenhängt, sollte das Volk Israel die Führungsrolle übernehmen und die Außenwelt aus dem Kraftwerk der Tora erleuchten, das sich in unserem inneren Wesen befindet. Für uns bedeutet es einen großen Mangel, wenn unsere Weltanschauung und unser Moralverständnis selbst in geringem Maße von den Völkern der Welt beeinflusst werden. Es ist zwingend notwendig, dass die politische Führung, Kultur und Justiz ausschließlich durchsetzt seien von den ursprünglichen, israelitischen Werten, denen der Tora. Ein ununterbrochenes Eindringen von fremden Einflüssen in den Geist Israels beraubt uns mehr als alles andere unseres Lebens.

Das heutige Rechtswesen in Israel, das sich an türkischen, britischen und anderen nichtjüdischen Vorbildern orientiert, demonstriert in konzentrierter Weise beide Aspekte des 'Wandelns hinter dem Schwanz'. Darum beten wir drei Mal am Tag: "Bringe unsere Richter wie früher und unsere Ratgeber wie ehedem, entferne von uns Seufzen und Klage...". Das ist ein vorübergehender, temporärer Zustand, da "die Gemeinschaft Israels ihrer höchsten Befreiung entgegen geht, ihrer spirituellen Befreiung vom Joch der Völker (von ihrem politischen und kulturellen Einfluss), der Beseitigung aller Unterdrückung des Geistes durch Einbildungen und Argumente der Völker, allesamt Ergebnis der menschlichen Blindheit, die nur die Oberfläche der Welt sieht, ohne die Möglichkeit, sich die höchste Klarheit der himmlischen Würde zu eigen zu machen, der Erhabenheit der Einzigkeit des göttlichen Namens" (Orot Israel, 5,16).


HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Zu Tischa be'Aw

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Im Talmudtraktat Ta'anit (29a) finden wir: "Am siebenten drangen die Nichtjuden in den Tempel, am siebenten und am achten aßen sie da und richteten Verderben an, und am neunten gegen Abend setzten sie ihn in Brand. Er brannte den ganzen Tag". Dazu sagte Rabbi Jochanan: "Wäre ich in jenem Zeitalter, würde ich [die Trauerfeier] auf den zehnten gesetzt haben, weil der Tempel größtenteils an diesem verbrannt wurde".

Ebenso wird im Traktat Megilla (5b) erzählt, dass Rabbi "die Trauer des Neunten Aw aufheben wollte" und der Tossafotkommentar zur Stelle erklärt, damit sei gemeint, er wollte ihn vom 9. auf den 10. verlegen, so wie Rabbi Jochanan es wollte. Demnach würden also zwei der größten talmudischen Weisen im Lande Israel den Fasttag am 10. Aw abhalten lassen, obwohl das Feuer bereits am 9. angezündet wurde, weil er am 10. vollkommen abbrannte.

Das Feuer ist eine der Kräfte der Schöpfung, und es hat zwei Seiten: Es beginnt durch eine Tat des Menschen, doch die weitere Ausbreitung ist eine himmlische Angelegenheit, ohne Beihilfe des Menschen. Das Feuer brennt zuerst, weil jemand es angezündet hat, und dann brennt es von alleine weiter, springt über und breitet sich aus und brennt über Distanzen. Diese Kraft der Ausbreitung erhielt das Feuer von dem, der allen Ursprung begründete. Oberflächlich betrachtet sieht das Feuer nach Menschenwerk aus, in Wahrheit aber wird es vom Himmel, vom Herrn der Welt gelenkt. Das Feuer beginnt beim Menschen, und dann übernimmt G~tt die Lenkung und Verbreitung. Der Mensch kontrolliert nur die äußerliche Seite, aber die wahre Kraft des Feuers liegt ganz in G~ttes Hand und entstammt von G~tt. So verhält es sich übrigens auch mit den Kriegen. Sie sind nicht nur Menschenwerk, vielmehr ist G~tt der "Herr der Kriege" (Morgengebet). "Die Kriege habe ich selbst geleitet, denn es heißt: der Ewige ist ein Mann des Krieges" (Ex. 15,3; Awoda sara 2b).

Der Brand des Tempels begann am 9. Aw durch die Tat der Römer, die die Tempelhalle anzündeten, doch am 10. Aw erfolgte die Zerstörung durch den Herrn der Welt. Am 9. Aw geschah es vor unseren Augen, vor den Augen von Fleisch und Blut, die menschliche Tat des Anzündens, dieser furchtbare, erschütternde Schrecken. In Wirklichkeit aber wirkte das Feuer, das die Zerstörung vollbrachte, am 10. Aw. Am 10. Aw erschien also die Hoheit des Feuers vonseiten G~ttes.

Die Sichtweise von Rabbi und Rabbi Jochanan befasst sich mit dem Aspekt der Tat G~ttes. "Denn du, Ewiger, im Feuer hast du sie verbrannt, und mit Feuer wirst du sie einst wieder erbauen" (Nachem-Gebet an Tischa be'Aw). Diese unsere Lehrmeister im Lande Israel waren voll von der spirituellen Kraft des Landes Israel, und aufgrund der hohen Rangstufe des Heiligen der "Luft des Landes Israel" gelangte sie zur Auffassung des Göttlichen in jedem Ding. Im Gegensatz zur oberflächlichen, menschlichen und offenbaren Auffassung haben wir es hier mit einer Betrachtungsweise vonseiten des göttlichen Inhalts der Sache zu tun, eine wahrhaftige, göttliche Betrachtung der Sache.



Frage und Antwort - SMS
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Rabbiner Aviner beantwortet jede Woche hunderte Fragen via SMS, die z.T. in wöchentlichen Parschablättern veröffentlicht werden. 
Hier eine kleine Auswahl

Frage: Es gibt zurzeit eine Initiative, weibliche Kaschrut-Aufseher auszubilden. Ist das erlaubt?
Antwort:
Es ist erlaubt. Es ist auch nichts Neues, solche gibt es schon lange.

Frage: Wenn ich als Vorbeter plötzlich einen Drang verspüre, das WC zu benutzen, sollte ich weitermachen oder aufhören?
Antwort:
Es gibt eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob es erlaubt ist, weiterzumachen wegen der Menschenwürde, dass man nicht durch plötzliches Austreten beschämt werde. (Im Allgemeinen ist es verboten, es zurückzuhalten, und besonders ist das Beten verboten, wenn man aufs Klo muss). Am besten, Sie husten, als hätten Sie ein Problem mit der Stimme, und geben einem Anderen zu verstehen, an Ihrer Stelle weiterzumachen, und dann gehen Sie zu den Waschräumen, als ob sie einen Schluck Wasser trinken müssten.

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