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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BESCHALLACH
Nr. 1106
15. Schwat  5777

Diese Woche in der Tora (Ex. 13,17 - 17,16):

Ägypter verfolgen die Kinder Israels nach dem Auszug; Spaltung des Schilfmeeres; Übergang der Israeliten, Untergang der Ägypter; 2 Lobgesänge; erste Beschwerden; Man ("Manna"); freitags doppelte Menge, reicht auch für Schabbat; wiederum Zank um Trinkwasser; Moscheh schlägt den Felsen; Überfall der Amalekiter; Gebot, Amalek in allen Generationen zu bekämpfen.

Haftara: Richter 4, 4-24, 5, 1-31


Schabbat Schira / Tu BiSchwat

 

Am Schabbes-Tisch...


Die himmlischen Fürsten

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

Im 'Midrasch Tanchuma' führen uns die talmudischen Weisen auf eine hohe spirituelle Stufe, von wo aus man den wahren Überblick über die Dinge hat, von hohem Niveau und bis hin zum innersten Kern - im Zusammenhang mit einem der "brennenden Themen" unserer Tage.

Der gewöhnliche Betrachtung, die das politische System, die Medien und die akademischen Theorien eingehend analysiert, sieht die Nation als eine Ansammlung von individuellen Menschen, die im Wesen nichts miteinander zu tun haben, sondern nur nach äußerlichen Kriterien wie Heimatland, Sprache, Kultur und dergleichen. Nach dieser Ansicht verhält sich jeder Einzelne im Einklang mit seiner eigenen Weltanschauung, und deswegen kann man von seinem Verhalten keine Rückschlüsse auf die Nation im Allgemeinen ziehen. Zum Beispiel: Ein Terrorist, der einen Anschlag verübt, demonstriert damit nur seine individuelle Bosheit, oder höchstens die Ansichten der Organisation, in deren Namen er den Anschlag ausführte. Es wird dabei jedoch unterstellt, das sein Volk keinen Anteil an seinem Verbrechen hat und keine Schuld trägt, auch wenn solche Vorfälle an der Tagesordnung sind. Ebenso im Krieg - die Hauptanstrengung zielt darauf, die "Zentren des Terrorismus" auszuschalten, wobei jegliche Schädigung der "unschuldigen Zivilbevölkerung" vermieden werden muss. Auch die Hoffnung, dass sich aufgrund des Führungswechsels an der Spitze eines Staates dessen Haltung gegenüber Israel wesentlich und auf Dauer verbessern würde, wurzelt in der Annahme, dass der Einzelne, der soeben die Führung übernahm, die Quelle des Staatsverhaltens darstellt.

Die Verbreitung dieser Ansicht liegt in der materialistischen Weltanschauung und in der Nebelhaftigkeit der spirituellen Welt begründet, was auf einen Einfluss des Christentums zurückzuführen ist, das bestimmte Grundsätze auslöschte und mit reicher Fantasie neue schuf, wie es ihm gefiel, jedoch weit entfernt von den wirklichen göttlichen Ordnungen. Diese Betrachtungsweise steht im diametralen Gegensatz zu den Propheten und den talmudischen Weisen, die in einer Nation ein Gemeinwesen sehen, das unter dem Einfluss einer himmlischen Kraft, einer Art Erzengel, genannt "Fürst der Nation", steht, der allen ihren Mitgliedern und allen Generationen ihren eigentümlichen Charakter, ihre Mentalität aufprägt. Dieser "Fürst" motiviert ihre Taten und politische Führer, und vor allem ihre Beziehung zu Israel. Darum heißt es in der "Hymne am [Schilf-]Meer": "Singen will ich dem Ewigen, denn mit Hoheit hat er sich erhoben; Ross und Reiter hat er geschleudert ins Meer" (Ex. 15,1) - "war da etwa nur ein Ross?! Vielmehr, wenn Israel G~ttes Willen tut, dann gelten alle Völker vor ihm wie ein Ross und ein Reiter. geschleudert ins Meer - sie sahen den Fürsten Ägyptens abstürzen" (Midrasch Tanchuma §16). Nach den talmudischen Weisen war der Fürst Ägyptens der 'Reiter auf dem Ross', d.h. auf der ägyptischen Nation. Weiter dort: "Der Heilige gelobt sei er, fordert in der kommenden Zukunft nicht eher von den Nationen ein, als bis dass er von ihren Fürsten vorher eingefordert hat, wie es heißt: Und es geschiehet, an selbigem Tage ahndet der Ewige an der Schar der Höhe in der Höhe, und an den Königen des Erdbodens auf dem Erdboden (Jeschajahu 24,21), und ebenso: Denn trunken ist mein Schwert im Himmel, und darauf: siehe, auf Edom fährt es nieder (34,5)".

Vielleicht mögen Manche meinen, der Blick auf die "spirituellen Wurzeln" verallgemeinere zu sehr. Denen sei gesagt, dass es tatsächlich Ausnahmen von der Regel gibt, nämlich gerechte Leute, denen die Missetaten ihrer Nation zuwider sind, die ihr den Rücken kehren, ja sich sogar der jüdischen Nation anschließen, z.B. Batja, die Tochter Pharaos: "Da stieg die Tochter Pharaos hinab, um an dem Flusse zu baden" (Ex. 2,5) - "sich von den Götzen ihres Vaterhauses zu reinigen" (Midrasch raba), "sich zu konvertieren" (Ba'al HaTurim). Ebenso Onkelos, der römische Konvertit [der die Tora ins Aramäische übersetzte], ein Neffe von Titus. Ein Mensch aber, der sich nicht von seiner Nation distanziert, die sich verbrecherisch verhält, gilt zweifellos wegen seiner freien Wahl als ein Teil von ihr, ihre Mentalität fließt in seinen Adern, und er ist nicht unschuldig.

Der Midrasch liefert dazu einen Beweis: Woher hatte Pharao eigentlich die Pferde, das Volk Israel zu verfolgen - starben sie doch bei den Plagen von Pest und Hagel? "Wenn du sagst, sie gehörten Ägyptern, so heißt es doch schon: und es starb alles Vieh Ägyptens (Ex. 9,6). Und wenn du sagst, sie gehörten Pharao, so heißt es doch schon: Siehe, so wird die Hand des Ewigen sein über dein Vieh, das auf dem Felde, über Pferde, über Esel, über Kamele, Rinder und Schafe - eine sehr drückende Seuche (9,3). Und wenn du sagst, sie gehörten den Israeliten, so heißt es doch schon: Auch unsere Herde muss mit uns gehen (10,26). Vielmehr gehörten sie den Knechten Pharaos, die das Wort des Ewigen fürchteten, von denen jeder seine Knechte und seine Herde in die Häuser flüchtete (9,20), vor dem Hagel. Wir sehen also, dass ausgerechnet diejenigen, die das Wort des Ewigen fürchteten, einen Stolperstein für Israel boten. Von daher sagten sie: Der Beste der Heiden sei wert zu töten, die Beste der Schlangen - zerschmettere ihren Kopf". Wir lernen daraus, dass auch wenn uns jemand gut und unschuldig daherkommt, dann tut er das nur aus momentanem Eigeninteresse und für den Augenschein, doch eines Tages wird sich seine Treue zur ursprünglichen Natur seiner Nation offenbaren.

Nur bei Israel ist die allgemeine spirituelle Wurzel getränkt mit dem Licht und der Moral G~ttes. "Das Wesen des Wunsches, gegen Alle gut zu sein, ohne die geringste Beschränkung auf der Welt, sowohl was die Anzahl der Begünstigten angeht, als auch die Qualität des Guten - das ist der innere Kern des Wesens der Seele der Gemeinschaft Israels. Das ist ihr Erbe und der Erbbesitz ihrer Vorväter ... Die Gemeinschaft Israels ist in der Tiefe ihres Bestrebens in keiner Weise von der Göttlichkeit getrennt, sie bekleidet die Göttlichkeit, die sich in der allgemeinen Welt offenbart, und sie strebt in ihrer Existenz nach dem göttlichen Bestreben von 'Gütig ist der Ewige gegen alle, und sein Erbarmen ist über all seine Werke' (Psalm 145,9; Orot Israel I,4). Das ist der Grund, warum die Bösewichte Israels die Ausnahme bilden und von den talmudischen Weisen "Verbrecher Israels" tituliert werden, wohingegen die Ausnahmefälle der übrigen Nationen die "Frommen der Völker" genannt werden (aus "Gespräche HaRav Zwi Jehuda Kuk").


Zur Haftara

Zwei Hymnen

Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

In der dieswöchigen Haftara lesen wir über den Sieg von Dwora und Barak über Jawin König von Kana'an, und über Dworas Hymne, die in der Folge dieses Sieges zum Besten gegeben wurde. Die "Hymne am [Schilf-]Meer" und die Hymne Dworas vereinigen sich an diesem Schabbat.

Die besondere spirituelle Stufe, aus der die Hymne am Schilfmeer entstand, lässt sich eigentlich leicht verstehen - das Wunder des Auszugs aus Ägypten war erst dann vollkommen, als das ägyptische Heer im Meer versank und die Israeliten dadurch sowohl vor dem sicheren Tode gerettet waren als auch in die Freiheit gelangten. Was aber ist so besonders am Sieg Baraks über Jawin angesichts der vielen anderen Siege Israels über seine Feinde, und besonders im Buch der Richter, wo wir sonst nicht finden, dass die Israeliten eine Hymne angestimmt hätten?

In Wirklichkeit bedeutete dieser Sieg den Endpunkt einer entscheidenden historischen Epoche in der Geschichte des Volkes Israel - die Epoche der ersten Eroberung des Landes Israel. Die Angelegenheit im Einzelnen:

Schon am Berge Sinai machte G~tt klar, dass die Eroberung des Landes trotz göttlicher Unterstützung lange Zeit in Anspruch nehmen würde - "nicht in einem Jahre werde ich ihn austreiben vor dir; dass nicht das Land öde werde, und sich mehre wider dich das Gewild des Feldes. Nach und nach werde ich ihn austreiben vor dir, bis dass du fruchtbar bist und das Land in Besitz hast" (Ex. 23,29-30). Und wirklich, trotz aller wunderbaren Vorkommnisse im Zeitalter von Jehoschua, und trotz der Frömmigkeit seiner Generation, wurde letztendlich die Eroberung des Landes zu seiner Zeit nicht abgeschlossen. Obwohl es im Buch Jehoschua heißt, die Kinder Israel hätten das ganze Land Israel erobert - "und Jehoschua nahm das ganze Land, ganz so wie der Ewige geredet zu Moscheh, und Jehoschua gab es Israel als Besitz nach ihren Abteilungen auf ihre Stämme; und das Land ruhte vom Kriege" (11,23) - wird deutlich, dass damit eine Eroberung bis zur allgemeinen Souveränität über das Land gemeint war, und dennoch waren nicht alle Gebiete tatsächlich erobert worden, und den Israeliten war es nicht beschieden, alle Kana'aniter restlos auszumerzen. Eine ausführliche Liste von Überresten und Landflecken kana'anitischer Völker findet sich zu Beginn des Buches der Richter.

Doch in der Periode von Dwora und Barak wandte sich das Blatt zum Schlechteren. Wegen der Sünden Israels brachte G~tt die Israeliten unter die harsche Hand von Jawin, König von Kana'an - "und der Ewige lieferte sie in die Hand des Jawin, Königs von Kana'an, der zu Chazor regierte und sein Heerführer war Sisra, der wohnte zu Charoschet Hagojim. Und die Kinder Israel schrien zu dem Ewigen, denn er hatte neunhundert eiserne Wagen, und er drückte die Kinder Israel mit Gewalt zwanzig Jahre" (Richter 4,2-3). Jawin stand praktisch hinter der Bestrebung einer kana'anitischen Erstarkung und neuerlicher Beherrschung Israels, bis dass man Angst haben musste, sich auf den Straßen zu bewegen und außerhalb der Stadtmauern zu wohnen - "...hörten alle Karawanen auf; die Wegwanderer mussten gewundene Pfade aufsuchen. Die Bewohnung der Dörfer hörte auf, sie hörte auf in Israel..." (Richter 5,6-7).

In dieser Lage machte sich Israel große Sorgen. Es schien, die Herrschaft Israels über das Land befände sich auf dem Rückzug, und wer konnte wissen, wo die Sache enden würde. Damit ähnelte die Lage ganz außerordentlich der Lage nach dem Auszug aus Ägypten - nachdem durch mehrfache "göttliche Einmischung" der Auszug der Israeliten aus Ägypten endlich erreicht worden war, kehrte sich die Lage in ihr Gegenteil: Die Ägypter verfolgten die Kinder Israel und fassten sie beinahe. Vor diesem Hintergrund griff G~tt entscheidend ein, teilte das Meer und rettete damit nicht nur die Israeliten von der neuerlichen Not, sondern brachte sie auch auf eine Stufe, die sie bisher noch nicht erreicht hatten - der vollständige Untergang der Ägypter.

Ebenso in der Epoche der Richter: Die Hand G~ttes, die Jawin und Sisra schlug, brachte Israel die endgültige Herrschaft über die Völker Kana'ans: "So demütigte G~tt an selbigem Tage den Jawin, König von Kana'an, vor den Kindern Israel. Seitdem lag die Hand der Kinder Israel immer schwerer auf Jawin, dem Könige von Kana'an, bis sie ausgerottet den Jawin, König von Kana'an" (Richter 4,23-24).

Das ist schon würdig, darüber eine Hymne anzustimmen!