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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BO
Nr. 1105
8. Schwat  5777

Diese Woche in der Tora (Ex. 10,1 - 13,16):

Die letzten drei Plagen: Heuschrecken, Finsternis und Tötung der Erstgeborenen; Definition des "ersten Monates"; Vorbereitungen zum Auszug aus Ägypten: Opferblut an Türpfosten, Opferlamm essen; Pessachgesetze; Kinder Israel backen Matze; Gesetze von Tefillin und Erstgeborenen der Haustiere zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.

Haftara: Jirmijahu 46, 13 - 27

 

HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Bund mit den Vätern

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Es gibt einen Unterschied zwischen den Begriffen "Verdienst der Stammväter" (S'chut Awot) und "Bund mit den Stammvätern" (Brit Awot). Im Talmud werden Epochen von fürchterlichen Zuständen erwähnt, voller moralischer und spiritueller Krisen. Bei den talmudischen Weisen (Schabbat 55a) gibt es verschiedene Meinungen darüber, ob es sich um die Generation des Propheten Hoschea oder die des Chasa'el, König von Aram handelt. Furchtbar und grausig. Der Talmud benutzt dazu folgenden Ausdruck: 'Das Verdienst der Väter hörte auf'. Das Verdienst der Stammväter ist eine große und wichtige Kraft, aber sie wird immer mehr aufgezehrt. Es gibt Zustände, in denen das Verdienst der Stammväter aufhört. Wenn die Bedeutung der Stammväter und die Heiligkeit Israels auf dem Verdienst beruhten, könnte man deren Ewiglichkeit infrage stellen. Es gibt aber etwas Größeres als Verdienst. Der Tossafotkommentar dort macht darauf aufmerksam, im Namen von Rabenu Tam, dass zwar das Verdienst der Vorväter aufhörte, nicht aber der Bund mit den Vorvätern. Dieser gilt auf ewig und hört nicht zu irgendeinem Zeitpunkt auf. Das Verdienst der Vorväter, das Verdienst z.B. unseres Stammvaters Awraham beruht auf dessen individueller Gerechtigkeit, doch "Bund" ist ein göttlicher, ewiglicher Begriff wie die Gesetze der Schöpfung, die sich nicht ändern. "Verdienst" ist ein moralischer Aspekt des Menschen. Es kann zwar zu einer großen Kraft werden, und darum wird das "Verdienst der Stammväter" auch erwähnt, doch wie alles aus dieser unteren, materiellen Welt kann es in komplizierten Situationen spirituelle Unreinheit auf sich ziehen. Doch der "Bund" ist der Bund G~ttes, und ein göttlicher Bund lässt sich mit keinem "Verfalldatum" versehen. Das gehört zur Realität der Schöpfung, "und mein Friedensbund wird nicht wanken" (Jeschajahu 54,10).

So schrieb in Kürze der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw" aus Prag, Nezach Israel 11.Kap.): "Denn es besteht die Möglichkeit, dass das Verdienst der Vorväter aufhört, wodurch die Wahl, mit der Awraham erwählt wurde, anulliert würde, und darum erwähnte die Tora nicht das Verdienst von Awraham. Damit will sie sagen, dass diese Erwählung nicht im Geringsten von seinem Verdienst abhängt, und darum kann sie nicht annulliert werden ... denn G~tt erwählte Israel um seiner selbst willen", mit Liebe ohne Begründung, mit Liebe, die nicht von einer Bedingung abhängt, "und nicht wegen ihrer guten Taten". Hätte sie G~tt wegen ihrer guten Taten erwählt, so hätte die Wahl damit einen logischen Grund, und man müsste genau untersuchen, auf welche Eigenschaft dieser Grund zurückzuführen ist und sich damit intensiv beschäftigen. Doch die Wahl erfolgte "um seiner selbst willen" - ohne Begründung. Manche mögen Fragen oder Argumente dagegen haben, warum das so ist - doch das ist die Realität, eine göttliche Verordnung! "um seiner selbst willen und nicht wegen ihrer guten Taten".

Es gibt einen Brief meines Vaters [Rabbiner Awraham Jizchak Kuk, erster Oberrabbiner Israels], in dem er dieses Zitat des MaHaRaL und das oben genannte Prinzip erwähnte. Er bezieht sich spezifisch auf "die heilige Lehrmeinung der Weltgröße MaHaRaL aus Prag sel.". Das ist die heilige Lehrmeinung einer Weltgröße, in allen seinen Büchern, besonders in seinem heiligen Werk Nezach Israel (über die "Ewiglichkeit Israels"). In jenem Brief gibt es eine Definition und längere Erläuterungen darüber, dass sich die Heiligkeit Israels nicht ändert, weder durch verdorbene Taten noch durch die Verderbnisse der Religionsgegnerschaft. Das ist das wissenschaftliche Fundament.

 


HaRav Aviner

Neo-Reform und Glauben
   

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

In jeder Generation gibt es neue Versuche, vom Inhalt der Tora Abstriche zu machen, und daneben Dinge hinzuzufügen, die sie nicht enthielt; zu erleichtern, wo sie erschwert, und zu erschweren, wo sie erleichtert. 

Weil es sich bei der Tora um höchstes göttliches Licht handelt, sind unzählige Fälschungen im Umlauf.  

Die jeweiligen Fälscher suchen ihre Blöße mit dem Wort der Weisen zu bedecken, es gebe "siebzig Deutungen der Tora" (Sohar Bereschit 47b). In Wirklichkeit vertreten sie die einundsiebzigste Deutung, d.h. sie stehen außerhalb der Tora. Sie behaupten: Es gibt doch immer Meinungsverschiedenheiten, und auch unser Standpunkt ist eine legitime Meinung innerhalb der Tora. Das stimmt aber nicht, es handelt sich dabei um die Zerstörung der Tora.  

Für den einfachen Betrachter sieht es allerdings wie gewöhnliche Meinungsverschiedenheiten in religionsgesetzlichen Dingen aus. Das ist aber ein Irrtum, denn alles hängt von der Einstellung ab. Und weil die meisten Menschen dabei nicht zu unterscheiden wissen, besteht die Pflicht, lautstark zu warnen: Gefahr! Doch all diese guten Leute wissen immer noch nicht, worum es bei diesem Geschrei geht. Man könnte also glauben, weil die Leute sowieso nicht darauf hören, sollte man es besser gar nicht erst versuchen, nach dem Prinzip: "Spreche nicht aus, was kein Gehör findet". Dem ist aber nicht so. Diese Sache findet sehr wohl Gehör, denn sie liegt auf der geistigen und moralischen Ebene der Leute, nur dass es seine Zeit braucht, aber am Ende wird es gehört.  

Und worin besteht die Fälschung bei dieser Einstellung? Alle sind sich darüber einig, dass die Tora eine "Lehre des Lebens" ist. Doch was bedeutet eigentlich "Lehre des Lebens"? Bedeutet das eine Anpassung der Tora an das Leben oder Anpassung des Lebens an die Tora? Und wir, die Anhänger unseres Lehrmeisters Moscheh, sagen: Die Tora ging dem Leben voran, sie ist die Seele des Lebens, die Ordnung des Lebens, das Licht des Lebens.  

Anders ausgedrückt: Richtet sich die Realität nach der Halacha, oder g~ttbehüte umgekehrt, die Halacha nach der Realität, und darum habe sich die Halacha der öffentlichen Meinung unterzuordnen?  

Natürlich muss man allen Juden mit Freundlichkeit begegnen, wie schon Schammai sagte: "Empfange einen jeden Menschen mit einem freundlichen Gesichtsausdruck" (Mischna "Sprüche der Väter", 1.Kap.). Damit ist aber g~ttbehüte nicht gemeint, an der Tora herumzuändern. 

Oder wie es Rabbiner A.J.Kuk ausdrückte: "Wir erlauben, mit den Sündern zusammen zu beten (aus der Einleitung zu Kol Nidre) - aber nicht, ihre sündhaften Ansichten zu akzeptieren" (Igrot HaRa'aja).  

Rabbiner Kuk überlieferte uns ein Gleichnis: "So wie der Arzt sehen muss, wie er die Kranken vom Standpunkt der Medizin aus heilt, und nicht vonseiten des Willens der Kranken, die ihre Gesundheit durch ihre ungesunde Lebensweise ruinierten", ebenso "muss sich der Blick der heiligen Lehrer immer auf Tora richten, auf das Leben, das im Lehrhaus; von dort sehen sie ausgezeichnet, wie das Leben geführt und dementsprechend geordnet werden muss. Wenn der Mensch dem allerdings Ansichten aus dem verdorbenen Leben der Öffentlichkeit beifügt, verdirbt er die ganze Absicht" (Ejn Aja Schabbat I, 1.Kap. §79).  

Der Arzt muss sich an die medizinischen Lehren halten und sich g~ttbehüte nicht nach dem Willen der Kranken richten, um seinem Ruf zu dienen. "G~tt verhindere, dass das verdorbene Leben außerhalb des Lehrhauses die Kraft zur exakten Entscheidung von Halachot und Anleitungen beeinträchtigt, die gerade vom Lehrhaus, dem Ort der Tora ausgehen müssen" (ebda.). Natürlich muss man das Leben sehr genau kennen, um es in die richtigen Wege lenken zu können, man darf sich aber von ihm nicht beeinflussen lassen.  

Demzufolge erklärte Rabbiner Kuk, dies sei der Grund, warum unser Lehrer Moscheh "am frühen Morgen aufstieg", um die Tora zu erhalten, und "am frühen Morgen herabstieg", um sie uns zu übergeben (Schabbat 86a). Denn tagsüber lärmt das Leben, besonders das gesellschaftliche Leben, die Tora aber darf sich nicht vom Leben und der Umgebung beeinflussen lassen. Diese Vermischung ist nicht nur unnötig, im Gegenteil, sie führt bloß zu einem Mangel. Die Tora muss von allem äußerlichen Einfluss rein bleiben, und dann kann sie das Leben beleben.  

Wir sind sehr froh, unseren eigenen Staat zu haben, die Tora aber ist nicht dem Staat unterworfen. Vielmehr liebt sie ihn, erleuchtet ihn und erzieht ihn.  

Die Tora ist keine Zustandsbeschreibung, sondern teilt uns mit, was sein soll, wie der MaHaRaL schrieb (Netiwot Olam, Netiw Hatora §14). Wenn du wissen willst, was im Leben passiert, kauf dir eine Zeitung, wenn du aber wissen willst, wie das Leben aussehen soll, was im Leben stattfinden soll, dann lerne Tora. Die Tora wird nicht von der Realität angetrieben, sondern sie wirkt auf die Realität.

Hüte dich vor jeder halachischen Erleichterung, schrieb der RaMChaL (Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto) in seinem Buch Messilat Jescharim. Prüfe sie mit sieben Augen, vielleicht ist sie eine Erfindung des bösen Triebes (Ende des 6.Kap.). Hüte dich besonders vor jeder Erleichterung auf dem Gebiet des Intimlebens, denn dort ist der böse Trieb besonders stark und will den Leuten weismachen, er sei blütenrein (11.Kap.). Und vorher schrieb schon Maimonides, es gebe in der Tora nichts Schwereres für das einfache Volk, sich davon zu trennen, als dieser Trieb (Hal. Issurej Bia 22,18), wen zu heiraten verboten ist, und was ohne zu heiraten verboten ist.

Diesen Krieg führte schon unser Vorvater Awraham gegen die Vielgötterei, die behauptete, das Ziel des Menschen auf dieser Welt sei die 'Harmonie der Vergnügungen', an der auch die Götter teilhaben; und wir sagen, dass diese Welt der Erfüllung von Pflichten dient und die Vergnügungen nur ein notwendiges Hilfsmittel darstellen, damit wir uns wohlfühlen und unsere Arbeit verantwortlich erledigen.

Ist die Tora das Ideal des Lebens, und ein gewisses Vergnügen notwendig, oder ist das Vergnügen das Ideal, und die Tora nur notwendiges Übel, das so gering wie möglich zu halten ist?

Sage nicht, man müsse die Tora "benutzerfreundlicher" gestalten, sie müsse uns zulächeln. Sie ist der Höhepunkt der Freundlichkeit. Sie wurde von dem gegeben, "der sein Volk Israel in Liebe erwählt", "der sein Volk Israel liebt", "ewige Liebe liebst du uns, Ewiger, unser G~tt ... und lehre sie Gesetze des Lebens, deinen Willen mit vollem Herzen zu tun" (Segenssprüche zum Schma-Gebet). Die Tora ist sehr "benutzerfreundlich", wir brauchen bloß den Wegen G~ttes zu folgen und "liebe deinen Nächsten wie dich selbst" zu erfüllen. Toraferne suchen keine vertrockneten Kompromisse, sondern helles Licht. Das Heilmittel gegen die Neo-Reform liegt in der Mehrung des Glaubens an G~tt, Himmelsfurcht und Liebe zu G~tt.

Die Gemeinschaft Israels liebt das Licht G~ttes, "er küsse mich von seines Mundes Küssen, denn köstlicher sind deine Liebkosungen als Wein" (Hohelied 1,2). Sie ist bereit und erwartet diese Küsse, wartet und sehnt sich nach Anhänglichkeit und Liebe. Der Wein bietet eine erregende Erfahrung, doch "köstlicher sind deine Liebkosungen als Wein" durch ihre Süße (siehe Sohar chadasch, Hohelied, 63b/64a).