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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEMIDBAR
Nr. 1120
2. Sivan  5777

Diese Woche in der Tora (Num. 1,1-4,20):

Auflistung der Stammesfürsten und Musterung der Kriegstüchtigen im ganzen Volk; Aufstellung und Anordnung der Einheiten; Übertragung der Erstgeborenenpflichten auf die Leviten; Befreiung der Leviten vom Armee- und ihre Einteilung zum Tempeldienst; Aufteilung der Transport-, Auf- und Abbaupflichten des Wüstenheiligtums innerhalb der levitischen Familien.

Haftara: Hoschea 2, 1-22

 

Mittwoch (außerhalb Israels auch am Donnerstag): Schawu'ot / Wochenfest  6. (+7.) Sivan



Am Schabbes-Tisch...


Der Mensch auf dem Weg 

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

...Und dieser Mann großen Einflusses bewegte sich gezwungenermaßen von Ort zu Ort, und obwohl er sich bemühte, seine Aufgabe mit aller Kraft zu erfüllen - wenn er an einen Ort der Finsternis und des Todesschattens sowie vieler anderer Bedrängnisse gelangte, wollte er von dort fliehen wie vor dem Feuer; und erst als er die Verseuchung dieses Ortes bereinigt hatte, mochte er dort länger verbleiben. Obwohl er genau angewiesen worden war, wie er sich verhalten sollte und er sich gründlich auf seine Mission vorbereitet hatte, machte er sich keine Vorstellung davon, wie schwer die Prüfungen sein würden, die er zu bestehen hätte, und wie viele Widersacher von außen sich ihm entgegenstellen würden, Feinde, Qualen und Schwierigkeiten des Überlebens. Im Laufe der Zeit war er einige Male gezwungen, sich mit mächtiger interner Opposition auseinanderzusetzen, mit internen Mächten, die ihn aus der Fassung bringen wollten, bis ihm nichts Anderes übrig blieb als Rettung und Erbarmen vom Himmel zu erflehen. Manchmal waren die Prüfungen so groß, dass sie ihn aus seiner spirituellen Bahn warfen, und gab nicht acht auf den gewaltigen Eindruck, den seine Wahl hinterließ. Manchmal musste er für lange Zeit am selben Ort verharren, ein andermal schleunigst wieder aufbrechen oder umkehren; es gehörte zu seinem Führungsstil, jedem Ort einen Namen zu geben, und er trug diese Namen auf einer leuchtenden Kette rings um seinen Hals...

Nun zur Erklärung dieser Dinge. Man kann das Buch Bemidbar ("Numeri", 4.Buch Moscheh) als eine Reihe zufälliger und örtlich voneinander getrennter Ereignisse sehen, gute und schlechte, die einer Ansammlung von Leuten in einem der Zeitalter widerfuhren. Doch eine tiefere und richtigere Betrachtungsweise sieht die Reise im "Buch des Weges" als eine Einheit des inneren, fortgesetzten Aufbaus des 'einen Menschen', dem Volk Israel, "ein einziges Volk auf Erden" (Schmu'el II, 7,23), wie es heißt: "Ihr aber seid meine Schafe, die Schafe meiner Weide, Menschen seid ihr - ihr heißt Menschen, nicht aber heißen die weltlichen Völker Menschen" (Baba Mezia 114b, Jecheskel 34,31).

Alle Ereignisse im Zusammenhang mit der Wüstengeneration bilden die spirituellen Bausteine des Volkes Israel auf alle Zeiten, und ihr Studium ähnelt dem Blick ins Fotoalbum der Familie, zu den Erlebnissen, die wir 'am eigenen Leib' verspürt haben, und jedes Bild enthält eine Lehre fürs Leben, jedes Straucheln bedeutet den Ausgangspunkt zum Erreichen größerer Reife. Wir ziehen unsere Lehren aus unserem internen Erfahrungsschatz, aus 'unserem Selbst von einst', nach dem Motto 'niemand ist so weise wie ein Mensch mit Erfahrung'. Das Volk Israel, das damals durch die Wüste marschierte, marschiert immer noch, "denn bisher seid ihr noch nicht zu der Ruhe und zu dem Erbe gelangt, das der Ewige dein G~tt dir gibt" (Dt. 12,9), wir sind immer noch auf dem Weg, bringen eine spirituelle Wüste zum Blühen, reich an Herausforderungen.

Das Buch beginnt mit Zählungen, "nehmt die Gesamtsumme der ganzen Gemeinde der Kinder Israel auf nach ihren Familien, nach dem Hause ihrer Väter, mit Zählung der Namen, alle Männlichen nach ihren Köpfen. Vom zwanzigsten Jahre und darüber, jeglichen, der zum Heere auszieht in Israel; diese sollt ihr mustern nach ihren Scharen, du und Aharon" (Num. 1,2-3). Die Musterung ist nötig wegen der auf dem Weg zu erwartenden Gefahren und Probleme, so wie bei einer Armee, die sich auf den Kriegsfall vorbereitet, mit Antreten und Weisungsempfang. Der göttliche, lebendige Organismus, das Volk Israel, ordnet sich zur Lagerung und zur Weiterreise, wie ein ganzer Körper mit nach Bedeutung und Aufgabe wohlgeordneten Gliedmaßen. Im Herzen der Gemeinschaft ruht die Bundeslade im Heiligtum, Leuchter, Tisch der Schaubrote und der Altar, darum herum das Lager der Leviten, und dann die Lager der verschiedenen Stämme, "und die Kinder Israel lagern jeder bei seinem Lager und jeder bei seiner Fahne nach ihren Heeren" (1,52).

Das Volk Israel wurde im Verlauf von vierzig Jahren durch die schwierigste Umgebung und in den schwersten spirituellen Kampf geführt mit dem göttlichen Ziel, das Böse zu besiegen und aus der Welt zu schaffen und so die ganze Welt zu vervollkommnen, wie es heißt: "der dich geleitet durch die große und furchtbare Wüste" (Dt. 8,15), "auf Befehl des Ewigen brachen die Kinder Israel auf, und auf Befehl des Ewigen lagerten sie; solange die Wolke über der Wohnung ruhte ... und wenn die Wolke über der Wohnung viele Tage verweilte, so wahrten die Kinder Israel das Merkzeichen vom Ewigen und brachen nicht auf ... Zuweilen war die Wolke vom Abend bis an den Morgen, und stieg die Wolke am Morgen, so brachen sie auf" (Num. 9,18-21) - alle Lagerungen und Weiterreisen erfolgten ausschließlich auf G~ttes Weisung, im Einklang mit dem Dienst, den sie zu verrichten hatten, und mit den Vorgängen und Prüfungen, die sie zu überstehen hatten. "So verschmolzen alle zweiundvierzig Teilstücke zu einer einzigen fortgesetzten Reise, den aus 42 Buchstaben bestehenden G~ttesnamen symbolisierend" (Magen Awraham zu O.C. §428,7), der die Macht G~ttes bei der Festigung der israelitischen Identität zum Ausdruck bringt.

 Diese Woche begehen wir den Feiertag der Befreiung Jerusalems. Ohne das Bewusstsein des göttlichen 'Weges', das stufenweise die Erscheinung der israelitischen Seele auf dem Wege von Schwierigkeiten und Komplikationen offenbart, läuft der Jerusalem-Feiertag Gefahr, zwar an ein wichtiges historisches Ereignis zu erinnern - aber nicht mehr als das. Das ist einer der Gründe, warum bei Teilen der Nation dieser Tag immer noch nicht die ihm gebührende Bedeutung genießt. Wenn unser ganzes Bestreben in materiellem Wohlstand liegt, so wurde dem bereits bei Staatsgründung ein breites Fundament geschaffen, und es bleibt uns nichts anderes zu tun als in die Verbesserung von Wirtschaft, Sicherheit und Kultur zu investieren. So eine Denkweise wird zwangsläufig zu Frustration führen, denn vonseiten des Körperlichen sind wir ja sozusagen schon "zu der Ruhe und zu dem Erbe gelangt" (s.o.), und die Tatsache, dass es alle möglichen Ursachen gibt, die die Atmosphäre vergiften, dazu überflüssige Streitereien, ist schmerzlich und deprimierend. Darum ist die mangelhafte spirituelle Vorbereitung auf den 'Weg' so prominent. Wenn aber andererseits den Menschen das Vorankommen auf dem Weg mit seinen Höhen und Tiefen bewusst ist, haben wir zwar noch nicht das Ziel unseres Auszugs aus Ägypten erreicht, und viele Prüfungen und Auseinandersetzungen liegen noch vor uns, sie finden aber frische Kraft für alles, was von ihnen gefordert wird, weil sie emotional darauf vorbereitet sind. Es gibt noch viele spirituelle Stufen auf dem Weg zur Erlösung der Welt, die darauf warten, dass wir zu ihnen vorstoßen, wie das messianische Zeitalter, der Bau des Tempels, die Rückkehr der Prophetie und die Heilung der Welt durch das Königtum G~ttes. Unsere Rückkehr nach Jerusalem, der Stadt des Heiligtums, im Sechstagekrieg, und zu den anderen Teilen des Landes, die unseren Feinden in die Hände gefallen waren, sind allesamt Stationen von großer Bedeutung auf dem Zug Israels, der noch nicht zu Ende ist. Je mehr wir uns in das 'Buch des Weges' vertiefen, desto bedeutungsvoller wird unser Weg, wahrhaftiger und geeinter.



HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Über den Eifer

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Die Fortsetzung im "Weg der Frommen/Messilat Jescharim" ist eine sehr einfache und sehr logische. Wir beschäftigen uns hier mit Einzelheiten der Erziehung. Die Lehre des Rabbi Pinchas ben Ja'ir [auf die sich das ganze Buch stützt] verknüpft geordnete Dinge auf äußerst logische und pädagogische Weise, Stufe um Stufe. Die eingehende Betrachtung fördert immer mehr Einzelheiten zutage. Jede Stufe besteht aus vier Teilen: Was ist das?, Wie ist das?, Was muss man dafür tun?, Was steht dem entgegen?. Es handelt sich um eine wissenschaftlich-pädagogische Ordnung aus den Quellen der Tora und denen der talmudischen Weisen. 

Wir haben uns bei früheren Gelegenheiten mit der "Achtsamkeit" beschäftigt [der dem "Eifer" vorangehenden Stufe]. Erst einmal muss man sich vor schädlichen Dingen in acht nehmen, physischen und spirituellen Dingen. "Meide das Böse" (Psalm 34,15), sei vorsichtig! Nach den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen und der Vorbereitung zur Achtsamkeit vor dem Bösen und dem Verderben muss man den fundamentalen Zustand der Gesundheit, der Gesundung und des Positiven erreichen. Die vollkommene Statur des Menschen in seiner Fundamentalität ist der Eifer, die Eifrigkeit. Sei ein Mensch! Ein gesunder und vollkommener Mensch, voller Tatendrang sowie seelischer und körperlicher Kräfte, "so sei stark und sei ein Mann" (Kö. I, 2,2). Damit haben wir die logische Fortsetzung. Nach dem Erwerb der Achtsamkeit ist der Mensch fähig und bereit zu Tätigkeit und Eifer. 

Diese Angelegenheit wird mit wenigen, einfachen Worten beschrieben: "Auf die Achtsamkeit folgt der Eifer. Die Achtsamkeit geht auf das Negative, das Verbot, der Eifer auf das Positive, das Gebot. Die beiden sind die Erfüllung des Satzes: Meide das Böse und tue das Gute" (Der Weg der Frommen, 6.Kap.). Diese beiden ersten Zeilen beginnen, das Anliegen des Eifers zu erklären, und die Dinge werden im unmittelbar Folgenden sofort gründlich erläutert. 

Das Wort "Eifer" weist auf zwei Dinge: 1. Eile ohne Weile, 2. Das Gegenteil der Faulheit, d.h. Fleiß, psychologische, seelische und praktische Aufgewecktheit. Die beiden Teile heißen hier: "das Streben, eiligst an die Erfüllung der Gebote zu gehen und an die Arbeit zu ihrer Vollendung" (ebda.). Fast das ganze Kapitel, von seinem Beginn bis zu seinem Ende, dreht sich um die Faulheit, den großen Konkurrenten des Eifers, auf allen Gebieten: des Spirituellen, des Studiums, der Taten und der Gesellschaftsbeziehungen. 

Was ist "Eifer"? "Das Streben, eiligst an die Erfüllung der Gebote zu gehen und an die Arbeit zu ihrer Vollendung". Wenn man voller Eifer und Tatendrang vorgeht, verspätet man sich nicht zum Gebet, kommt nicht zu spät zur Jeschiwa, verspätet man sich nicht zu den festgesetzten Studienzeiten, sondern achtet genauestens auf den Stundenplan, im Gegenteil, man kommt etwas vor der Zeit [anscheinend eine nicht allzu versteckte Ermahnung seiner Schüler]. Bei den talmudischen Weisen wird der Wert des Gebetes im Minjan besonders hervorgehoben, und unter den ersten Zehn zu sein.

Bei dieser Gelegenheit lassen sich die fantastischen Worte des Buches "Magid Mescharim" des Autors des "Bet Josef" (Rabbiner Josef Karo, auch für sein Gesetzeswerk "Schulchan Aruch" bekannt) erwähnen. Ein erstaunliches Rätsel! Er befand sich auf einer solch hohen Ebene der Heiligkeit und in einem erhabenen psychologischen Zustand, dass aus seinem Inneren die himmlische Moral redete. Ein Teil dieser Moral lautete: Warum hast du dich nicht beeilt, unter den ersten Zehn beim Gebet zu sein?! Eifer bedeutet, "eiligst an die Erfüllung der Gebote zu gehen", zum Gebet und zum Torastudium, zu den Geboten, zu guten Taten und zu jeder guten Sache. (aus "Gespräche Rabbiner Zwi Jehuda Kuk", Messilat Jescharim 6.Kap.).