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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHA'ALOTECHA
Nr. 1122
16. Sivan  5777

Diese Woche in der Tora (Num. 8,1-12,16):

Dienstweihung der Leviten; 1. Pessach in der Wüste und Ersatztermin für Verhinderte; Reise und Lagern nach der Wolken-/Feuersäule; die silbernen Alarmtrompeten; Zugordnung des Lagers; Trennung von Jitro; Klage über einseitige Diät; Wachtelschwemme und Strafung; Einsetzung von 70 Weisen zur Unterstützung Moschehs; 2 neue Propheten im Lager; üble Nachrede von Miriam und Aharon über Moscheh, Aussatzstrafung Miriams.

Haftara: Secharja 2, 14-17, 3, 1-10, 4, 1-7


 


Am Schabbes-Tisch...


Von meinem Fleische

Rav Siw Raweh
Rabbiner an MACHON MEIR

RavRaweh

"Und das aufgeraffte Gesindel, das sie unter sich aufgenommen hatten, hatte sie zu Lüsternheit angestachelt, und da fingen auch die Kinder Israel wieder an zu weinen und sprachen: Wer gäbe uns doch Fleisch zu essen! Wir erinnern uns der Fische, die wir umsonst in Ägypten aßen, der Gurken und der Melonen und des Lauches und der Zwiebeln und des Knoblauchs. Und jetzt ist unsere Seele dürr, ohne alles; auf nichts als auf das Man sind unsere Augen gerichtet" (Num. 11,4-6). Warum wendet sich Moscheh nach dieser Heulerei an G~tt mit weiblicher Anrede, wie es heißt: "Woher habe ich Fleisch, diesem ganzen Volke zu geben, denn sie weinen um mich her und sprechen: Gib uns Fleisch, dass wir essen. Ich allein vermag nicht dieses Volk zu tragen, denn es ist mir zu schwer. Und wenn du [weibl.] mir so tust, bringe mich doch um, wenn ich Gnade finde in deinen Augen, dass ich mein Unglück nicht ansehe" (Num. 11,14-16).

Darauf antwortet der Raschikommentar: "Wenn du mir so tust - die Kraft von Moscheh wurde schwach wie die einer Frau, als der Heilige, gelobt sei er, ihm die Strafe zeigte, die Er dafür über sie bringen werde". Diese Worte Raschis sind vollkommen unverständlich - wenn Moscheh mit der Schwäche einer Frau gemeint ist, welche Bedeutung hat dann sein Ausspruch "wenn du [weibl.] mir so tust", gegenüber G~tt?

Vielmehr lernen wir hier von Raschi einen sehr wichtigen spirituellen Grundsatz. Ein Mensch registriert das Wesen einer göttlichen Offenbarung, einer göttlichen Erleuchtung, der Vorsehung, der Beziehung zur Welt im Einklang mit seinem eigenen menschlichen Zustand. "Die göttliche Erkenntnis erstrahlt im Menschen gemäß der Wesenseigenschaft seines Lebens" (Rabbiner A.J.Kuk, Acht Sammlungen, 3,42). Das ist das Geheimnis des Verses "Und von meinem Fleische werde ich G~tt schauen" (Ijow 19,26), wobei mit "meinem Fleisch" in diesem Zusammenhang mein Wesen, mein Verhalten, meine Charaktereigenschaften und mein Zustand gemeint sind, welche meine innere Glaubenserkenntnis bestimmen, und nicht nur eine etwaige religiöse Bildung.

Die subjektive Erkenntnis göttlicher Offenbarung kann sich von Mensch zu Mensch unterscheiden, ebenso im selben Menschen, zu unterschiedlichen Zeiten, sich auf drei verschiedene Weisen entwickeln oder abschwächen: 1. Als Resultat einer dem Menschen von Anfang an eingepflanzten seelischen Neigung, deren Ursprung im unterschiedlichen göttlichen Charakter der Menschen liegt, der von der Wurzel ihrer Seele abhängt. 2. moralischer Aufstieg oder Niedergang, 3. ein besonderer temporärer Zustand, wie in unserem Wochenabschnitt.

Im Talmud (Brachot 48a) gibt es ein Beispiel dafür, wie das Erreichbare vom Charakter des Menschen abhängt. Den Unterschied in den Nuancen des Wissens um G~tt von Rawa und Abbaje [die im Talmud am Häufigsten zitierten Weisen], der sich erst nach Jahren offenbart, erkannte ihr Lehrer Rabba bereits, als sie noch kleine Kinder waren. Das Beispiel aus dem Talmud bezieht sich auf eine winzige Kürbispflanze, die gerade zu sprossen beginnt, und doch schon ihre Güte als riesige Frucht erkennen lässt. Erklärte Rabbiner Kuk in Ejn Aja zur Stelle, dass Rawa "zum anhaltenden, konzentrierten Torastudium neigte und zur Forschung nach jeder Wahrheit in ihren genau umgrenzten Einzelheiten, und dadurch würde er zur Erkenntnis seines Schöpfers, gelobt sei er, kommen", eine Art Charakter wie der eines auf die Halacha spezialisierten Weisen, wohingegen Abbaje "zur Erweiterung des Wissens strebte, zur inneren Erkenntnis, die sich über jede Grenze aufschwingt", in etwa wie der Charakter der Weisen der Midraschim und der Kabbala, jemand, der nach den tieferen Wurzeln des Gelernten sucht. Die zahlreichen Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden durch den ganzen Talmud hindurch fußen auf den Unterschieden in ihrem Wesen. So verhält es sich manchmal auch mit den Unterschieden zwischen verschiedenen Strömungen im Judentum, wie z.B. zwischen Chassidim und Mitnagdim, die nicht auf unterschiedlichen Lernmethoden beruhen, sondern viel früher beginnen, nämlich beim unterschiedlichen göttlichen Charakter der Größen und Anführer der jeweiligen Strömung, die für unterschiedliche erzieherische Schwerpunkte beim Dienst an G~tt verantwortlich waren, für eindrucksvolle Erkenntnisse, für eine bestimmte Weite und Tiefe des Horizonts, und dadurch automatisch für ein anderes Verhältnis. "Wisse, dass jeder Hirte seine eigene besondere Melodie hat" (Rabbi Nachman von Breslav).

Die zweite Ursache für die Änderung des Charakters und das Niveau der spirituellen Erkenntnisse besteht in moralischem Aufstieg oder Niedergang (s.o.). Maimonides erklärt in den Acht Kapiteln (Einleitung zu seinem Mischnakommentar der "Sprüche der Väter", §7), dass der kleinste Makel bei den Charaktereigenschaften eine Trennung erzeugt, die die Klarheit prophetischer Erkenntnisse eintrübt, wie es heißt: "Eure Missetaten machten eine Scheidung zwischen euch und euerm G~tt" (Jeschajahu 59,2). Das gilt auch für Nichtpropheten, zum Beispiel für jemanden, der sich die Eigenschaft der Barmherzigkeit zueigen gemacht hat. Er tut den Geschöpfen Gutes und liebt sie, und entsprechend öffnen sich ihm die Tore der Erkenntnis, und es ist ihm vergönnt, die Barmherzigkeit G~ttes zu sehen, der allen seinen Geschöpfen Gutes tut, sie liebt und tröstet. Im Gegensatz dazu sind die Tore der Erkenntnis vor einem Menschen, der die Barmherzigkeit seinen Nächsten vorenthält, der sich egoistisch, grob, pedantisch und grausam verhält, natürlich weniger offen oder sogar verschlossen, und er wird mit einem Gefühl leben, dass die Welt auf eine herrische, blind grausame, trostlose und hartherzige Weise geführt wird. An diesem unerfreulichen Ausblick ist er selbst schuld; "und von meinem Fleische werde ich G~tt schauen" (Ijow 19,26). "Demnach erkennen wir jeden moralischen Niedergang an seiner ständigen Flucherei, und jeder Aufstieg und Reinheit bringen ständigen Ruhm; 'sein Ruhm in den Versammlungen der Frommen'" (Psalm 149,1; Acht Sammlungen, ebda.).

Unserem Lehrer Moscheh, dem größten aller Propheten, "verblieb nicht eine einzige Trennwand, die er nicht beseitigt hätte, und seine Charaktereigenschaften gelangten sämtlich zu höchster Vollkommenheit, ebenso alle Ränge seines Verstandes" (Maimonides, ebda.), sodass seine prophetische Kraft den Rang des "ungetrübten Durchblicks" erreichte. Dank seiner außerordentlichen Demut, und der Verdienstlichkeit seiner Seele, mit der er bereits bei Geburt ausgestattet wurde, war es ihm beschieden, dass die Tora durch ihn überbracht wurde, und es gab auch keinen Würdigeren als ihn, denn seine spirituelle Erkenntnis war nicht eingefärbt von irgendeiner persönlichen Note, er unterwarf sich G~tt auf vollkommene Weise und wurde so zu einem reinen Kanal (zur Weiterleitung der göttlichen Botschaften), frei von persönlichen Einflüssen.

In unserem Wochenabschnitt "wurde die Kraft von Moscheh schwach wie die einer Frau", nicht wegen eines moralischen Niedergangs, g~ttbehüte, sondern aus tiefer Sorge wegen der voraussichtlichen Strafungen infolge der Nörgelei der Israeliten, "und der Ewige schlug unter dem Volk einen gewaltigen Schlag. Und man nannte denselben Ort Gräber des Gelüstes usw." (Num. 11,33-34). Wie eine Mutter, die sich ihrer Jungen erbarmt, aus seiner großen Liebe für sein Volk, führte die Wallung seiner Gefühle zu einer temporären Schwäche, "wurde die Kraft von Moscheh schwach wie die einer Frau", und auch seine Beziehung zu G~tt wurde davon beeinflusst, und er sagte: "Wenn du mir so tust...".


Zur Haftara

Der Berg wird zur Ebene


Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

Der Prophet Secharja gehörte zu den "Männern der Großen Versammlung" und prophezeite zu Beginn der Periode des Zweiten Tempels. Im 4. Kapitel wird ein Leuchter aus Gold beschrieben, dessen Flammen auf wundersame Weise brennen, ohne dass ein Mensch Hand anlegen muss - von der Ernte der Oliven an bis zum Gießen des Öls in die Lampenschalen des Leuchters.

Der Prophet Secharja staunte über diesen Anblick - "und ich hub an und sprach zu dem Engel, der mich anredete" (4,4). So erläutert der Raschikommentar das Staunen Secharjas: "Was ist es, dass sich die Oliven von alleine ernten, und das Öl kommt in die Lampen von alleine?". Dieses Staunen ist nur allzu verständlich: Normalerweise gehört es zu den Gebotspflichten der Kinder Israel, den Leuchter anzuzünden, und warum brennt der Leuchter in dieser Vision von alleine?

Der Engel G~ttes antwortet Secharja, dass in dieser Vision ein besonderes Verhalten G~ttes gegenüber dem Volk Israel angedeutet ist. Dieses besondere Verhalten beinhaltet die Ausführung von Entwicklungsprozessen durch G~tt selbst, die nach der normalen Ordnung der Dinge von den Israeliten unter Einsatz von Mühe und Schweiß vollführt werden müssten. Dies sind die Worte des Engels: "Und er antwortete und sprach zu mir also: Das ist das Wort des Ewigen an Serubabel, also: Nicht durch Macht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist - spricht der Ewige der Heerscharen" (V.6). Der Kommentar Mezudat David erklärt dazu, diese göttliche Lenkung werde zur Zeit des Maschiach ("Messias") erfolgen, der von Serubabel abstammt. Entsprechend der Vision "seine Herrschaft über die Völker wird nicht von seiner großen militärischen Stärke herrühren, und er wird sie nicht durch die Kraft seines Armes im Krieg unterwerfen. Vielmehr wird er sie ohne Kriegsmühen regieren. Nämlich durch meinen [=G~ttes] Willen, denn ich werde ins Herz der Völker geben, ihm untergeben zu sein und seinen Anordnungen zu folgen, ähnlich wie die Bereitung der Lampen des Leuchters ohne Mühe, sondern alles geschah von alleine; die Oliven wurden von alleine gepflückt und von alleine gepresst...".

G~tt fährt fort mit der Beschreibung, wie gewaltige Hindernisse, die mit hohen Bergen verglichen werden, mit Leichtigkeit durch den Maschiach aus dem Haus Serubabel aus dem Weg geräumt werden - "Wer du auch seiest, großer Berg, vor Serubabel wirst du zur Ebene" (V.7).

Wenn wir sehen, wie große Ziele durch das Eingreifen G~ttes erreicht werden, könnten wir zum Gedanken verleitet werden, dass G~tt Alles alleine durchführen wird und das Volk Israel nichts mehr beizutragen hat. Doch G~tt offenbart im weiteren Verlauf, dass vom Maschiach aus dem Hause Serubabel verlangt wird, eigenhändig den Bau des zukünftigen Tempels voranzutreiben: "Die Hände Serubabels haben dieses Haus gegründet, und seine Hände sollen es vollenden" (V.9).

Wenn dem so ist - wer wird nun die zukünftige Erlösung vorantreiben, G~tt selbst mit seiner Allkraft und seinen Wundern, oder vielleicht die Hände Serubabels?

Im Buch Orchot Zadikim (im Kapitel über die Freude) wird auf sehr schöne Weise erklärt, dass diese beiden Möglichkeiten nicht im Gegensatz zueinander stehen. Manchmal lässt G~tt seine Pläne durch Menschenhand ausführen. In diesen Fällen besteht die Aufgabe des Menschen zwar darin, die sich vor ihm auftuenden Wege zu beschreiten, doch gleichzeitig muss er sich darüber im Klaren sein, dass die Dinge nicht aus seiner Kraft geschehen, sondern durch G~ttes Kraft. So heißt es dort: "Er muss auf G~tt vertrauen, dass Er seine Werke gelingen lässt, und sich nicht auf seine eigene Arbeit und Handlungsweise verlassen. Doch vergegenwärtige er sich, dass seine Arbeit und seine Geschäfte den ihm von G~tt vorgegebenen Weg zu seinem Lebensunterhalt darstellt. So wie ein Mensch Holzklötze mit einer Axt spaltet - obwohl die Axt das Holz spaltet, kommt die Kraft nicht vom Eisen, sondern vom Mann, der die Axt schwingt. Und ein Mensch, der eine Arbeit oder ein Geschäft hat, mit dem er seine Familie ernährt, denke nicht: Ohne diese Arbeit wäre ich verloren... denn alle seiner Hände Werk und seine Bedürfnisse sind in der Hand G~ttes, und G~tt hat viele Boten, wie es heißt: 'denn es gibt für den Ewigen kein Hindernis zu helfen mit Vielen oder Wenigen' (Schmu'el I, 14,6), und 'denn er ist es, der dir Kraft gibt, Vermögen zu schaffen' (Dt. 8,18), und 'Nicht durch Macht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerscharen' (Sech. 4,6)".

Und zum Schluss: Obwohl für beide das gleiche Prinzip gilt, muss man den großen Unterschied beachten zwischen der göttlichen Vorsehung bezüglich des Lebensunterhalts eines Einzelnen und derjenigen bezüglich des Maschiach. Während die göttliche Vorsehung beim Lebensunterhalt des Menschen im Verborgenen wirkt, zeigt sich die Hand G~ttes zur Zeit des Maschiach ganz offen, unter enormem Erfolg seiner Taten. Bezüglich des Maschiach heißt es in der Prophezeiung Secharjas, dass sich alle Probleme in Wohlgefallen auflösen werden; in seinen Tagen wird jeder hohe Berg zur Ebene.