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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHAR-BECHUKKOTAI
Nr. 1119
24. Ijar  5777

Diese Woche in der Tora (Lev. 25,1-27,34):

Gesetze des Siebentjahres, des Joweljahres (alle 50); Bodenrecht; Auslösung des Verarmten; Zinsverbot; Sklaven- und Arbeitsrecht; Götzenverbot; Schabbat heiligen; Wohlstand und Frieden bei Gebotsbeachtung, Armut, Tod und Exil bei Nichtbeachtung; Geldgegenwerte von dem Tempel geheiligten Personen und Sachwerten.

Haftara: Jirmijahu 16, 19-21, 17, 1-14


Mittwoch, 28. Ijar: Jom Jeruschalajim


 


Kinder, Kinder... 

Wo ist G~tt?
   
Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

RavElishaAviner

Frage: Mein Sohn - fünf Jahre alt - fragt: Wo ist G~tt? Soll ich ihm antworten, G~tt sei im Himmel, oder dass G~tt an jedem Ort sei: "Voll ist die ganze Erde seiner Herrlichkeit" (Jeschajahu 6,3)?

Antwort: Kleine Kinder können nicht abstrakt denken bzw. abstrakte Begriffe verstehen, wie z.B. "unendlich" oder die ausschließenden G~ttesbeschreibungen des Maimonides. Ihre Denkweise ist eine körperliche. Darum erklärte Rabbiner A.J.Kuk (Ikwe Hazon S.130), dass Kinder G~tt als Objekt kennen. Daher die Frage Ihres Sohnes: Wo ist G~tt? Die wahre Antwort lautet, dass G~tt nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist, vielmehr 'ist er der Ort der Welt, und nicht die Welt sein Ort' (Bereschit raba 68,9), er steht über Zeit und Ort. Er offenbart sich in der Welt, in der Zeit und am Ort. Doch so eine Antwort ist viel zu hoch für ein kleines Kind. Unsere Antwort müssen wir mit fassbaren Begriffen formulieren. Damit folgen wir dem Beispiel der Tora, denn auch sie "sprach mit der Sprache der Menschenkinder", d.h. als sie G~tt beschrieb, benutzte die Tora keine abstrakten philosophischen Begriffe, sondern materielle Ausdrücke. Maimonides erklärt, dass "die Tora in der Sprache der Menschenkinder spricht", weil sie sich unter anderem auch an die Kinder wendet, "welche die Worte nach ihrem wahren Sinne zu verstehen nicht fähig sind ... Und deshalb begnügt sich die Heilige Schrift bei diesen mit der Überlieferung aller wahren Dinge, von denen sie will, dass sie geglaubt werden und mit jeder Darstellung, die das Denken auf das Dasein dieses Dinges hinleitet, ohne aber sein Wesen und sein Was zu offenbaren" (Führer der Unschlüssigen I, §33), d.h. die Kinder erhalten die Grundprinzipien des Glaubens auf dem Wege der Überlieferung, als Rohmaterial und in "kindischer" Aufmachung, weil sie die tiefere Bedeutung nicht erfassen können.

Allerdings betont Maimonides (ebda. §35), man dürfe nicht dem Irrtum verfallen, dass alle Glaubensbegriffe den Kindern unverständlich seien und wir ihnen G~tt auf jede bildliche Weise darstellen könnten. "Dem ist aber nicht so. Vielmehr muss man, ebenso wie man in der Allgemeinheit verbreiten und die Kinder darüber unterrichten muss, dass G~tt nur Einer ist und dass man keinen außer ihm anbeten darf, ihnen durch Überlieferung auch beibringen, dass G~tt kein Körper ist und dass es zwischen ihm und seinen Geschöpfen durchaus keine Ähnlichkeit in irgendeiner Hinsicht gibt, dass sein Dasein nicht so ist wie ihres und sein Leben nicht so wie das eines anderen Lebenden". Will sagen, obwohl Kinder das Abstrakte zu begreifen und alle Begriffe ihrer wahren Bedeutung nach zu erfassen nicht fähig sind, muss ihnen beigebracht werden, dass G~tt Einer ist und nicht körperlich wie sonst alles Körperliche. Er ist nicht noch irgendein Objekt, noch ein "Körper", sondern darüber. G~tt ähnelt keinem der Geschöpfe. Maimonides erwartet von den Kindern, dies zu verstehen. In welchem Alter? Dazu machte er keine Angaben, aber man darf wohl annehmen, dass diese Erwartung nicht an Kleinkinder gerichtet ist.

Kehren wir jetzt zur Frage zurück: Was antworten wir einem kleinen Kind, dass wissen will, wo G~tt ist. Auf die Definition von Rav Nachman hin, "ein Kind, das weiß, für wen man die Segenssprüche sagt", beteiligt man das betreffende Kind am Simun (vor dem Tischgebet). Dazu erzählt der Talmud (Brachot 48a) eine Geschichte, die erläutert, wie man prüft, ob das Kind weiß, "an wen man die Segenssprüche richtet". Als die Amoräer (Talmudgelehrte aus der Periode vor etwa 1500 Jahren) Abaje und Rawa noch Kinder waren, fragte sie ihr Lehrmeister, Rabba, "an wen richtet man die Segenssprüche?". Sie antworteten, man richtet die Segenssprüche an Rachmana [den "Allbarmherzigen", also G~tt]. Forschte Rabba weiter: Und wo sitzt G~tt? Rawa zeigte Richtung Zimmerdecke, Abaje ging nach draußen und zeigte Richtung Himmel. Rabba war über ihre Antworten erstaunt und sagte: Ihr beide werdet sicher einmal große Toragelehrte sein. Erklärte der MaHaRSchA [Talmudkommentator aus der Periode der Rischonim], dass Rabba sich nicht mit der ersten Antwort (Rachmana) begnügte, weil er befürchtete, sie wüssten gar nicht, wer dieser "Rachmana" sei, sondern deklamierten bloß, was sie bei ihren Eltern gehört hatten. Auch als sie sagten, er sitze "oben" oder "im Himmel", befürchtete Rabba immer noch, sie wüssten nicht wirklich, was sie redeten, sondern nur ihre Eltern nachmachten - bis Abaje und Rawa mit dem Finger nach oben zeigten.

Wir lernen aus dieser Geschichte, dass es angebracht ist, das Kind nehme an, G~tt sitze im Himmel. Die Beschreibung des Aufenthaltsortes G~ttes im Himmel hat ihren Ursprung in der Bibel selbst: "Der in dem Himmel thronet, lachet, der Herr spottet ihrer" (Psalm 2,4), "Stufenlied. Zu dir erheb' ich meine Augen, du der im Himmel thronest" (123,1), und von hier zu einer Reihe von Ausdrücken, die wir regelmäßig benutzen: 'Himmelsfurcht', 'im Namen des Himmels', 'das Joch der Himmelsherrschaft', 'der Himmel möge euch trösten'. In allen diesen Ausdrücken ersetzt das Wort "Himmel" das Wort "G~tt".

Und warum "platziert" die Bibel G~tt im Himmel? Weil sich der Himmel hoch über unseren Köpfen befindet. Er ist klar und rein, erweckt spirituelle Empfindsamkeit, und seine Grenzen sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, sie befinden sich jenseits des Horizontes. Der Himmel gestaltet sich in den Augen des Kindes als etwas Schönes, Riesiges, Hohes und Unbegreifliches. Er spannt sich über die greifbare Wirklichkeit, die wir um uns herum wahrnehmen. So auch im Vers "Hoch über allen Völkern ist der Ewige, über den Himmeln seine Herrlichkeit" (Psalm 113,4) - der G~tt im Himmel ist erhaben. Diese Erkenntnis erweckt im Kind eine Hochachtung für G~tt. Nicht Furcht oder Unterwürfigkeit, sondern eine Hochachtung für ein reines, schönes und feines Objekt. Vor G~tt, der im großen und weiten Himmel thront, fühlt das Kind nichts anderes als große Hochachtung und Verwunderung.

Zur Vervollständigung des Themas ist es wichtig daran zu erinnern, dass eine Hochachtung vor G~tt, der droben im Himmel thront, nicht das vollständige Verhältnis zu G~tt ausmacht. Zur Hochachtung vor G~tt muss man noch die Liebe zu G~tt hinzufügen. G~tt ist nicht nur hoch erhaben, sondern auch wohltätig, lenkt auf uns Gutes und Segen. Er ist sowohl erhaben als auch nah. Um die Nähe G~ttes zu spüren und seine Güte zu erkennen, lehren wir unsere Kinder das Modeh ani-Gebet (nach dem Aufwachen am Morgen) und die übrigen Segenssprüche.




Zur Haftara

Die Kraft der Worte G~ttes


Rav Joaw Uri'el
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Yoav Uriel

Das 3. Buch Moscheh (Wajikra, "Leviticus"), im Herzen der Tora, dient dem Volk Israel als zentrale Anlaufstelle für Einzelheiten zu den göttlichen Gesetzen. Über das ganze Buch verteilt erscheinen viele Gebote, die die unterschiedlichsten Bereiche betreffen.

Die göttlichen Gesetze müssen wir in jeder Lage einhalten. Auch wenn es uns vorkommt, als ob die Gebote unser Leben verschlechtern, obliegt uns die Pflicht, das Wort G~ttes so einzuhalten, wie es uns geboten wurde. Allerdings zeigt sich am Ende des Buches Wajikra, bei den Segnungen und Flüchen des Wochenabschnitts Bechukkotai, dass es sich bei den Gesetzen G~ttes auch um die Gesetze der natürlichen Existenz des jüdischen Volkes handelt - wenn sie die Gebote erfüllen, wird ihnen Gutes widerfahren, und wenn nicht, Leid und Sorgen.

In der Haftara zu unserem Wochenabschnitt, Behar-Bechukkotai, beschäftigt sich der Prophet Jirmijahu mit der Behandlung genau dieser Frage - die offensichtliche Wirkung des Erfüllens der Gebote G~ttes auf das praktische Leben. In jener Zeitperiode behaupteten viele Juden, die Vorgaben G~ttes beträfen nur den Bereich des Spirituellen, aber im praktischen Leben sei ihre Wirkung eher gering. So heißt es gleich nach den Versen unserer Haftara: "Siehe, diese da sprechen zu mir: Wo bleibt das Wort des Ewigen? Es komme doch!" (17,15) - die Kinder Israel behaupteten gegenüber dem Propheten, dass seine warnenden Prophezeiungen ja in der Theorie sehr schön seien, aber praktisch keine Aussicht auf deren Verwirklichung bestünde. Daher erlaubten sie sich, ohne Furcht vor Gesetz und Strafe zu sündigen.

Demgegenüber verkündet G~tt schon zu Beginn der Haftara, dass er schon sehr bald seine Macht und Stärke in der Wirklichkeit demonstrieren wird - "darum siehe, ich will sie bekannt machen, dieses Mal will ich sie bekannt machen mit meiner Hand und mit meiner Stärke; sie sollen erfahren, dass mein Name ist: Ewiger" (16,21) - Raschikommentar zur Stelle: "der regiert und herrscht, seine Urteile zu vollstrecken".

Im weiteren Verlauf verkündet der Prophet, auf welche Weise die Wirklichkeit auf Jenen reagiert, der den Weg des Guten beschreitet, im Gegensatz zu dem, der den Weg des Bösen wählt. Wer auf seine eigene Kraft vertraut und sein Herz von G~tt abwendet - erntet Fluch, und wer die Gebote erfüllt, Segen: "So spricht der Ewige: Verflucht ist der Mann, der sich auf einen Menschen verlässt und einen Sterblichen zu seinem Arme macht, und vom Ewigen sein Herz weicht. Er gleicht dem Einsiedler in der Steppe, der nicht gewahr wird, wenn das Glück kommt, und der im Dürren weilt, in der Wüste auf Salzboden, der unbewohnt ist. Gesegnet ist der Mann, der sich auf den Ewigen verlässt, dessen Verlass wird auch der Ewige sein. Und er wird dem Baume gleichen, der am Wasser gepflanzt ist und am Bache seine Wurzeln streckt, der es nicht gewahrt, wenn die Glut kommt, und sein Laub bleibt grün, und im Jahr der Dürre ist er unbesorgt und setzt nie aus, Früchte zu tragen" (17,5-8).

In Vers 10 sagt der Prophet, dass obwohl man dem Irrtum verfallen könne zu glauben, die Sünde verbleibe verborgen im Herzen, so entspreche dies nicht der Wahrheit, vielmehr kennt G~tt das Herz des Menschen und fördert das Verborgene zutage, in der Weise, dass der Lohn den Taten entspreche: "Ich, der Ewige, ergründe das Herz, prüfe die Nieren, und kann geben Jeglichem nach seinem Wandel, nach der Frucht seiner Handlungen".

In Vers 12 verneint G~tt die am weitesten gehende Behauptung, der der Gedanke zugrunde liegt, er wache nicht über das Geschehen. Nach dieser Behauptung sei G~tt so hoch und erhaben, dass er sich nicht wirklich "die Mühe macht", sich mit den Vorgängen in der materiellen Welt zu befassen. Dagegen verkündet G~tt: "Ein Thron der Herrlichkeit, eine Höhe von Anbeginn ist die Stätte unseres Heiligtums" (V.12) - "und nicht glaube der Nachdenkliche, weil G~tt auf hohem und erhabenem Thron [sitzt], nämlich dem Himmel, hindere ihn zu wissen, was auf der Erde vorgeht und über die Niederen zu wachen und die Bösen für ihre Verbrechen zu bestrafen. Denn der Ort unseres Heiligtums [=der Tempel] ist Zeugnis und Beweis, dass Er die Niederen beobachtet und sie auf Herz und Nieren prüft, denn Er wohnt in unserem Heiligtum..." (RaDaK).