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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BERESCHIT
Nr. 1091
27. Tischri  5777

Diese Woche in der Tora (Gen. 1,1-6,8):

Schöpfung, Adam und Chawa, Schlange, Vertreibung aus dem Garten Eden, Kain und Hewel, die Generationen bis Noach, Planung der Sintflut.

Haftara: Jeschajahu 42, 5 - 25, 43, 1 - 10

EINZELHEITEN ZU MACHON MEIR/KIMIZION UND VIELE ANDERE INTERESSANTE INFORMATIONEN FINDEN SIE  IN DEN AUSGABEN DES AKTUELLEN JAHRGANGS

Am Schabbes-Tisch...

Die Erschaffung der Welt

Rav Chagai Londin
Rabbiner an der Hesder-Jeschiwa Sderot

RavChagaiLondin

Jedes Jahr beim Lesen des Wochenabschnitts "Bereschit" entzündet sich von Neuem die Debatte, ob zwischen Tora und Naturwissenschaft ein Widerspruch besteht. Vor etwa hundert Jahren führte die Diskussion dieses Themas noch zu weltumspannenden Debatten, die die Grundfesten erschütterten. Heute haben sich die Dinge etwas beruhigt, doch bedürfen sie immer noch weiterer Klärung. Rabbiner A.J.Kuk schrieb in jener stürmischen Zeit der Debatten zwischen Tora und Wissenschaft einen wichtigen Satz: "Und überhaupt ist es eine wichtige Grundregel beim Wettstreit der Gedanken, dass jede Ansicht, die daherkommt, irgendetwas aus der Tora zu widerlegen, wir zuallererst nicht unbedingt auf ihre Entkräftung zielen sollten, sondern den Palast der Tora darüber bauen" (Igrot HaRa'aja I, Nr.134). Nehmen wir zum Beispiel das zentrale Thema, bei dem scheinbar ein Widerspruch zwischen der Auffassung der Tora und der Auffassung der Wissenschaft besteht - das Thema der Evolution - und wollen einmal versuchen, in diesem Zusammenhang die Worte Rabbiner Kuks zu verstehen. Das Hauptprinzip der Lehre von der Evolution, das die Auffassung der Tora zu bedrohen scheint, besteht im Aufzeigen der Wirklichkeit als Ergebnis stufenweiser Entwicklung über Millionen von Jahren hinweg, wohingegen nach dem einfachen Wortsinn der Toraverse die Erschaffung der Welt innerhalb weniger Tage vonstattenging. Zu dieser scheinbaren Diskrepanz gibt Rabbiner Kuk mehrere Antworten, wobei die wichtigste von ihnen die Einsicht betrifft, dass es nicht zu den Aufgaben der Tora gehört, die physikalische Erschaffung der Welt zu schildern. Wenn die Tora von "sechs Tagen" der Weltschöpfung spricht, meint sie nicht unbedingt mit einen "Tag", was wir normalerweise darunter verstehen, d.h. 24 Stunden (und wenn nur daher, dass nach der Tora Sonne und Mond, nach denen wir die Zeit einteilen, erst am vierten Tag geschaffen wurden, sodass die vorangegangenen drei Tage gar keine "Tage" in unserem Sinn gewesen sein konnten); die Tora will vielmehr verdeutlichen, dass sich die Wirklichkeit aus mehreren Ebenen zusammensetzt, die verschiedene Stufen der Schöpfung zum Ausdruck bringen, von denen jede einzelne als "Tag" bezeichnet wird. Demnach besteht überhaupt kein Hinderungsgrund zu sagen, dass sich der Prozess der Schöpfung im physikalischen Sinne über Millionen und Milliarden von Jahren erstreckte, wie die Wissenschaft heute behauptet (und die Zählung der Jahre nach dem jüdischen Kalender beginnt von einem bestimmten Zeitpunkt, als sich eine spirituelle Entwicklung in der Welt ereignete, aber nicht unbedingt von der materiellen Entstehung des Universums).

In gleichem Maße besteht keinerlei Notwendigkeit, sich die einfache Wortbedeutung der Verse zueigen zu machen, die die Schaffung des Ersten Menschen vom "Staub der Erde" schildern. Diese Verse beziehen sich nicht unbedingt auf den physischen Schöpfungsvorgang, vielmehr sollen sie tiefe spirituelle Gedanken ausdrücken, die sich mit der Natur der Seele der Menschheit beschäftigen. Der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw") aus Prag schrieb z.B. in seinem Buch Netiwot Olam (Netiw Hatora 15): "Und darum wurde sein Name 'Adam' (Mensch) genannt, nach 'Adama' (Erdboden), denn der Erdboden stellt ein Potenzial dar, das nunmehr in die Wirklichkeit umgesetzt wurde ... und der Mensch muss in die Wirklichkeit umsetzen, was ihm eingepflanzt wurde, und darum heißt er 'Adam'". Entsprechend kann es sein (und es gehört nicht zu den Aufgaben der Tora Israels, dazu eine verbindliche Antwort zu liefern), dass in "technischer" Hinsicht die verschiedenen Arten auf der Welt in einem stufenweisen Entwicklungsprozess von vielen Generationen entstanden, aufbauend auf niederen Lebewesen, und dergleichen.

Das Prinzip, von dem wir uns leiten lassen, wenn derartige 'Widersprüche' zwischen Wissenschaft und Tora auftauchen, lautet, dass die Tora Israels zum Ziel hat, uns die Werte und die tieferen Aspekte der Wirklichkeit zu lehren, und nicht als Geschichtsbuch oder Lehrbuch der Physik zu dienen, wie Rabbiner Kuk (ebda.) schrieb: "...weil es überhaupt nicht die Angelegenheit der Tora ist, uns einfache Tatsachen und Geschehnisse zu erzählen. Die Hauptsache ist der Inhalt, die innere Deutung der Dinge". Dazu muss betont werden, dass damit nicht gemeint ist, die Tora sei nichts anderes als eine Allegorie. Die meisten Toraverse verfügen auch über die reale Ebene des einfachen Wortsinns, doch bei einer Minderheit liegt die Hauptbedeutung auf der ideellen Ebene des Glaubens. Die Verse von der Schöpfung oder z.B. "da entbrannte der Zorn (wörtl.: die Nase) des Ewigen" (Ex. 4,14) lassen sich nicht nur auf der Ebene des einfachen Wortsinns verstehen. G~tt hat bekanntlich keine "Nase", vielmehr bedeuten diese Worte, dass hier göttlicher Zorn auftrat, oder abstrakter ausgedrückt: ein Makel der Wirklichkeit.

Und noch eines: Nach dem Begreifen, dass die Lehre der Evolution keine Bedrohung für die Auffassung der Tora darstellt, lässt sich nunmehr aus dem Aufeinandertreffen dieser beiden Auffassungen ein großer Nutzen ziehen. Zum Beispiel passt das fundamentale Prinzip der Evolution, wonach sich die Schöpfung jederzeit in einem stufenweisen Entwicklungsprozess befindet, zu den verborgenen Tiefen der Tora Israels. So schrieb Rabbiner Kuk (Orot Hakodesch II, S.537): "Die Lehre der Evolution, die sich derzeit verbreitet und die Welt erobert, passt zu den Weltgeheimnissen der Kabbala besser als alle anderen philosophischen Lehren. Die Fortentwicklung, die sich auf einer emporsteigenden Bahn befindet, gibt der Welt ihr optimistisches Fundament, denn wie könnte man verzweifeln, wo man doch sieht, wie sich alles weiter- und höher entwickelt?!". Mit anderen Worten: Die Ansicht von einer sich stetig weiterentwickelnden Welt passt zum optimistischen Ausblick des Glaubens, der die ganze Schöpfung als eine sich auf ihre Erlösung hinentwickelnde Realität sieht; dadurch kommt die Menschheit ständig voran. Es ergibt sich also, dass wir es dem wissenschaftlichen Konzept der Lehre von der Evolution, das in den letzten Generationen auch in der Kultur Verbreitung fand, die Verdeutlichung eines weitere Glaubensaspekts zu verdanken haben, der in der Tora verborgen war.

Unter dem Strich: Der Streit zwischen Tora und Wissenschaft ist passé. Zwischen den religiösen und den säkularen Einstellungen gibt es schon genug zu diskutieren, es besteht daher keine Notwendigkeit, künstlich Reibungen zu erzeugen.





Der Stand der Dinge...

Der Beginn von Anfang an

Esther Awrahami
Eheberaterin 

Frage: In der postmodernen Realität wird die Selbstverwirklichung besonders betont. Die Technologie ermöglicht ein immer leichteres Leben. Man könnte also vom modernen Leben eine ständige Verbesserung der Ehebeziehung erwarten. Wir sehen und hören jedoch genau das Gegenteil. Die Ehe als solche ist nicht mehr besonders attraktiv. Paare ziehen es vor, keine Verpflichtung einzugehen, verheiratete Paare lassen sich mit Leichtigkeit scheiden, und als Hauptgrund dafür wird genannt, dass die Ehe Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung verhindert. Wie lässt sich diese Realität verstehen, und wie lässt es sich in der Ehe mithilfe der modernen Entwicklung leben?

Antwort: Ihre Frage verdeutlicht den Widerspruch in unserer Lebenswirklichkeit. Tatsächlich würden wir erwarten, entsprechend dem Fortschritt unserer Welt steigere sich das Glück unseres Ehelebens. Das Zerbrechen des Eherahmens zeugt von einer sich vergrößernden Distanz vom ursprünglichen natürlichen seelischen Zusammenhalt zwischen Mann und Frau.

Die Auffassungen der modernen westlichen Kultur stehen im Gegensatz zu göttlicher Einheit. Das ist eine Kultur von Konkurrenz und Kämpfen, Urteil, Benotung und Bewertung. In der griechischen Kultur gab es eine Menge Götter, die gegeneinander um die Herrschaft in der Welt kämpften und gegen die Erkenntnis von der Einheit, den Schöpfer der Welt. Diese Begriffe, die auch in die Gedankenwelt des jüdischen Volkes einsickerten, erzeugen Verzerrungen in der ehelichen Verbindung. Sie sehen den beeinflussenden Mann als Hoheit und Herrscher, und die empfangende Frau als unterwürfig und ohne freie Entscheidungsmöglichkeit. Das sind Begriffe des Krieges ohne jegliche Liebe. Die westliche Kultur schrieb die Selbstverwirklichung auf ihr Banner, mit dem Einzelnen im Mittelpunkt und dem Individuum als höchstem Ideal. Darum "stört" die Ehe bei der egoistischen Selbstverwirklichung. Der Kampf zur Erlangung von Rechten löst einen Kampf zwischen den Eheleuten aus, wobei der andere zur Erlangung der Ziele "benutzt" wird. Gleichzeitig versucht diese Kultur verzweifelt, Liebe in der Partnerschaft zu finden, denn diese ist ihr Sauerstoff zum Leben. Liebe aber kann sich nicht aus Kämpfen entwickeln.

Was lässt sich also tun? Man kann umkehren und vom Anbeginn anfangen.

Die Erschaffung der Welt und des Menschen ist eine paarweise Erschaffung, wobei der Eine den Einfluss ausübt und der Andere erhält. Zum Beispiel: Himmel und Erde, Sonne und Mond, G~tt und die Welt und - Adam und Chawa ("Eva"); auch G~tt und das Volk Israel - als Ehepaar mit Chuppa und Antrauung am Berge Sinai. Bei ihrer Erschaffung war die Frau eine Seite (Rippe) und Teil des Mannes. Entsprechend ist der Mann die offenbarte Seite, der Beeinflussende, der von sich gibt, die Initiative ergreift und handelt. Die Frau erhält, verarbeitet und erzeugt Tiefe und Leben vom dem, was sie erhielt, wie z.B. bei der Schwangerschaft. Wenn jeder seine Aufgabe im Einklang mit seiner natürlichen und ursprünglichen Bestimmung erfüllt, fühlt man ausgefüllt und Freude.

In der modernen Kultur besteht trotz der standesmäßigen Gleichberechtigung immer noch der Wille und innere Notwendigkeit des Mannes zu verabreichen und von seiner Persönlichkeit zu geben, während die Frau von ihrem Mann erhalten muss (auch wenn sie eine leitende und einflussreiche Tätigkeit ausübt). Das Empfangen erfüllt sie, und darauf aufbauend wirkt und schafft sie. Das Verwischen der Grenzen erzeugte ein Durcheinander beim Wesen von Mann und Frau, Enttäuschungen, Schmerzen und Machtkämpfe, die zum Rückzug der Ehe oder ihrer Auflösung führen.

Lasst uns zum Zustand des Anbeginns zurückkehren, bei dem der Mann seiner Frau gibt und unter Betrachtung ihrer physischen, seelischen und spirituellen Bedürfnisse das Nötige zukommen lässt und sie als Teil von sich selbst fühlt. Die Frau empfängt und verarbeitet und vervollkommnet durch ihre Einsicht seine Gabe. Seine Kraft gibt ihr die Freiheit des Ausdrucks und der Kreativität, was ihre Aufgabe vor allem auf das Haus festlegt. In diesem Zustand vervollkommnen beide einander gegenseitig durch Ausfüllen ihrer Bestimmungen und schaffen eine Zugehörigkeit, die die Kammern ihrer Herzen mit wahrer Liebe und Einigkeit erfüllt.

G~tt lässt die Welt bis zu ihrer endgültigen Vervollkommnung einen bestimmten Prozess durchlaufen. Alles was passiert ist Teil des göttlichen Planes. So verhält es sich vor allem bei der Entwicklung und der Zugehörigkeit in der Ehe, so wie sich das Volk Israel in gewählter Partnerschaft mit G~tt entwickelt. Rabbiner A.J.Kuk schrieb, dass die letztendliche Erlösung von der persönlichen Veredelung eines jeden Einzelnen abhängt. Ausgehend von der modernen Kultur, die dem Einzelnen Macht gab, lässt sich diese Macht auf die persönliche Bestimmung lenken anstatt auf Selbstverwirklichung. Eine Erfüllung der Bestimmung kann es geben, wenn sich die Eheleute als Teil des Ganzen sehen, und das ausschließlich im Rahmen der jeweiligen seelischen Fähigkeiten, d.h. Geber und Erhaltende. Die Macht der Persönlichkeit, die auf weibliche und männliche Weise zum Ausdruck kommt, erzeugt Vollkommenheit, Einigkeit, Freude und Liebe.