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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ACHARE MOT-KEDOSCHIM
Nr. 1117
10. Ijar  5777

Diese Woche in der Tora (Lev. 16,1-20,27):

Jom Kippur: Opferdienst und Feiertag; Fleischgenuss nur von Opfertieren; Verbot des Blutessens; Verwandte usw., die zu heiraten verboten ist; weitere Sittlichkeitsgebote, um die Gräuel der Kana'aniter zu vermeiden; Gebot und Versprechen, heilig zu sein; div. Ge- und Verbote und deren Strafen; Land von Milch und Honig.

Haftara: Amos 9, 7-15

 


Der Stand der Dinge...
Von Schoa zu Neugeburt
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Etwa 600.000 Juden lebten in unserem Land zur Zeit der Gründung unseres Staates vor 69 Jahren, und zu 600.000 zogen wir aus Ägypten. Diese Zahlen sind kein Zufall. Nach den Worten des MaHaRaL ("hoher Rabbi Löw") aus Prag: "Die Israeliten in Ägypten ... waren wie ein Embryo, bis sie die Anzahl von 600.000 erreicht hatten ... und dann zogen sie aus". Der MaHaRaL beschäftigte sich eingehend mit der Bedeutung und der Symbolik der Nummer "6" im Allgemeinen, und "600.000" im Besonderen. Die "6" weist auf Vollkommenheit hin: oben, unten und die vier Himmelsrichtungen (siehe Gwurot Haschem 3.Kap.). Es ist also kein Zufall, dass unser Staat errichtet wurde, als die Anzahl der Juden im Land Israel 600.000 erreicht hatte. Während wir uns nun am Unabhängigkeitsfeiertag (Jom HaAtzma'ut) freuen und feiern, am Geburtstag unseres Staates, dürfen wir auch nicht die furchtbare Schoa vergessen, die der Errichtung unseres Staates voranging, in der 6 Millionen Juden von den Nazis und deren Helfern ermordet wurden. Und so, wie wir zum Andenken an den Auszug aus Ägypten zwischen die Matza, die die Erlösung symbolisiert, den Maror geben, der für die Leiden und die Bitterkeit steht, die der Erlösung vorangingen, gedenken wir in unserem Zeitalter zusammen mit der Gründung des Staates Israel auch der Schoa. Denn wir sind die Generation der Schoa und der nationalen Wiedergeburt.

Nach dem Stand der Dinge leben heute, angedenk der 6 Millionen in der Schoa ermordeten Juden, lehawdil, in unserem Staat über 6 Millionen Juden, mögen sie sich mehren. Die Kette der Generationen wurde nicht unterbrochen und wird nicht unterbrochen werden, denn die Ewiglichkeit Israels (Schmu'el I, 15,29) kann nicht unterbrochen werden. Nach 69 Jahren ist uns vergönnt, in einem robusten Staat von gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und militärischer Stärke zu leben, der fähig ist, sich gegen alle seine Feinde zu wehren, die ihn immer noch bedrohen. Rabbiner Zwi Jehuda Kuk pflegte zu lehren, wenn erst die Mehrheit des jüdischen Volkes im Lande Israel leben wird - und wir sind nicht mehr weit davon entfernt - wird uns nicht nur ein vorbildliches, starkes Land beschert sein, sondern auch eine besondere spirituelle Erneuerung, wie der Prophet verkündete: "Und ich - dies ist mein Bund mit ihnen, spricht der Ewige - mein Geist, der auf dir ist, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt, sie sollen nicht weichen aus deinem Munde und dem Munde deiner Nachkommen, und aus dem Munde der Nachkommen deiner Nachkommen, spricht der Ewige, von nun an bis in Ewigkeit" (Jeschajahu 59,21), und entsprechend werden wir die Verwirklichung der Worte des Propheten Zefanias erleben: "In selbiger Zeit, da ich euch bringe, und in der Zeit, da ich euch sammle; denn ich werde euch zum Namen machen und zum Ruhme unter allen Völkern der Erde, wenn ich zurückbringe eure Gefangenen vor euren Augen, spricht der Ewige" (3,20). Dafür, dass wir im Zeitalter der Einsammlung der Verstreuten nach dem Lande Israel und im Staat Israel leben dürfen, müssen wir G~tt loben und preisen und Dank sagen - "Diesen Tag hat der Ewige geschaffen, lasst uns jubeln und uns freuen an ihm" (Psalm 118,24; Hallelgebet).

In Erwartung der vollständigen Erlösung,
Rav Dov Begon




HaRav Aviner

"Der religiöse Zionismus"
Alt-neue Grundsätze zum Land Israel
   

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

1. Heiliges Volk. G~tt hat uns als Volk geschaffen, um "ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk" (Ex. 19,6) zu sein und den Namen G~ttes zu heiligen - nicht nur im Privatleben, sondern darüber hinaus im öffentlichen Leben von Moral, Gerechtigkeit und Heiligkeit.

2. Wiedergeburt der Nation. Auf göttlichen Befehl erstehen wir zu neuem Leben, wir sehen mit eigenen Augen die Verwirklichung der prophetischen Visionen über den Aufbau des Landes, die Rückkehr nach Zion, die Unabhängigkeit Israels, die Kriege Israels und die Rückkehr der Tora an ihren angestammten Ort.

3. Schrittweise Erlösung. G~tt bringt uns unsere Erlösung Schritt um Schritt, auf natürlichem Wege - dadurch wird auch klar, warum es Hindernisse, Komplikationen, Stürze und Rückschläge gibt; darum darf man nicht aufgeben, sondern muss weitermachen und die Sache vorantreiben.

4. Das Volk Israel. Der Herr der Welt bringt die Erlösung uns und der Welt, durch uns und mit uns als Mittel zum Zweck, durch die ganze Nation und nicht durch eine bestimmte Fraktion. In Allen, offen oder verborgen, rührt sich der Geist G~ttes.

5. Der Staat Israel. Er ist ein großes göttliches Gebot, ein Gebot der Allgemeinheit, der Ererbung des Landes, der Souveränität des Volkes über das Land. Der Staat bedeutet eine so große Heiligung des göttlichen Namens, dass trotz einiger schlimmer Fälle von Entweihung des göttlichen Namens im Bereich des Erziehungswesens, der Justiz und der Mission diese Heiligung des göttlichen Namens alles Andere aufwiegt, und 'groß ist die Heiligung des göttlichen Namens, die aus dessen Entweihung erwächst'.

6. Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (Zahal). Ein dreiteiliges Gebot der Verteidigung des Volkes, Verteidigung des Landes und Heiligung des göttlichen Namens. Ein Gebot, das von Anfang an, bis heute, mit Selbstaufopferung erfüllt wurde, und diese Opferbereitschaft beinhaltet auch eine gewisse Hartnäckigkeit, trotz schwer erträglicher Schattenseiten wie zwangsgeräumte Siedlungen und Integrierung junger Frauen in Kampfeinheiten. Dennoch stellen wir uns weiter zum Militärdienst, und zwar mit doppelter Kraft und doppeltem Mut.

7. Die Regierung. Die Regierung hat in bestimmter Hinsicht den halachischen Status des Königtums. Sicher sind Angelegenheiten, die dem Wort G~ttes zuwiderlaufen, soviel wert wie der Staub des Bodens, doch trotz der Mängel sind wir überglücklich mit unserer eigenen Regierung, und dass wir nicht unter der Herrschaft der Türken oder Briten leben müssen. Wir werden aber für jede Verbesserung kämpfen und bestärken, was bereits in Ordnung ist.

8. Das ist unser Land. Dieses Land ist unser in seiner Gänze, in seinen biblischen Grenzen, nach dem Worte G~ttes, und wir dürfen keinen Flecken davon aufgeben, sondern mit Einsatz und Opferbereitschaft für Souveränität, Aufbau und Besiedlung seiner gesamten Ausdehnung sorgen.

9. Glauben mehren. Nicht durch Druck und Zwang wird sich unser Volk der Tora und ihren Geboten und den das Land betreffenden Geboten annähern, sondern durch Liebe, Tora, Toleranz, Glauben, Glauben an G~tt, Glauben an die besondere Wesenseigenschaft Israels und Glauben an die Stärken des Volkes Israel.

10. Einigkeit. Mit jüdischer Nächstenliebe erbauen wir unsere Gesellschaft, mit innerlicher Einigkeit ohne Hass, in wahrer Erkenntnis, dass das Verbindende unendlich größer ist als das Trennende - was uns nicht an gerechtem Streit bei öffentlichen Angelegenheiten hindert, aber ohne "rote Linien" zu überqueren, wie Gewalt, Verleumdung und Hass. Wir müssen immer bedenken, dass geteilte Ansichten keine geteilten Herzen bedeuten. Erst recht muss in unseren eigenen Kreisen, bei denen, die es mit der Wiedererstehung der Nation in ihrem Land nach der Tora halten, große Liebe herrschen.




HaRav Zwi Jehuda Kuk 

Die heilende Tora

Rav David Landau 
Rabbiner an MACHON MEIR

Rav Zvi Jehuda Kuk

Vor vielen Jahren gab es in der Jeschiwa (Merkas Harav) einen großen Denker und Toragelehrten, der aus Russland eingewandert war. Seine Lebensumstände führten dazu, dass er ein wenig merkwürdig schien, er war aber ein Genie, ein genialer Mensch, brillant. Er hatte viele Geistesblitze, fand Schlussfolgerungen und Erklärungen bezüglich der Halacha und hinterließ viele ungeordnete Manuskripte. Man muss sich wirklich einmal darum kümmern und alles ordnen und redigieren. Er war ein netter Mensch. Einmal betrat er das alte Jeschiwagebäude und sagte mir: Ich habe eine Idee! Am Ende des Traktats Sukka (52a) erscheint eine ganze Seite über den Bösen Trieb (Jezer ha'ra) mit einer Liste seiner sieben Namen: 'Stein', 'der Versteckte' - nach Jo'el 2,20: "den Versteckten werde ich von euch entfernen", und heißt auch 'Anstoß', usw. [Anscheinend wollte er darüber eine Ausarbeitung anfertigen].

Wie gesagt lautet einer der Namen 'der Versteckte'. Der Neziw (Rabbiner Naftali Z.J. Berlin, Leiter der Woloschiner Jeschiwa, als Rabbiner A.J.Kuk dort lernte, der Vater von Rabbiner Zwi Jehuda Kuk) schrieb in einer Responsa, es gebe verschiedene Arten des Bösen Triebes, und der 'Versteckte' sei der Böse Trieb der Strengorthodoxen, die wie Fromme aussehen, aber ständig Streit anfangen. Diese Art des Bösen Triebes, die sich bei gerechten, frommen und pedantischen Leuten findet, ist die gefährlichste. Das ist der Böse Trieb, der sich hinter einer Maske versteckt, er schleicht sich unbemerkt an. Er hält sich bedeckt und verübt die furchtbarsten Sünden, als ob es Gebote um des Himmels Willen wären, wie z.B. üble Nachrede, Verleumdung von Toragelehrten und Streit.

Und dann heißt der Böse Trieb auch 'Anstoß', Stolperstein. Was, der Schöpfer der Welt, der den Bösen Trieb geschaffen hat, schuf einen Stolperstein?! Das ist doch verboten! Ein Verbot der Tora! "Vor einen Blinden lege keinen Anstoß" (Lev. 19,14)! Wie kann der Herr der Welt so etwas erschaffen? Einen Anstoß? Wie schuf er etwas, das man nicht machen darf? Eine schwere Frage! Wenn nun z.B. ein Mensch auf öffentlichem Gebiet eine Grube gräbt, dann gilt er halachisch als Schädiger, weil er ein gefährliches Hindernis erzeugte; wenn er die Grube aber umzäunt oder dort eine helle Lampe aufstellt, dann gilt sie als geschützt und nicht als 'Anstoß'. Es stimmt wohl, dass G~tt den Bösen Trieb schuf und damit einen 'Anstoß', aber zusammen mit dem Anstoß schuf er ihm einen Schutz. Er schuf den Bösen Trieb, aber während der Weltschöpfung, im gleichen Ausspruch, schuf er die Tora ihm als Heilmittel (Kiduschin 30b). Dann ist also alles in Ordnung; und dazu heißt es: "Vielen Frieden haben, die deine Lehre lieben, und sie trifft kein Anstoß" (Psalm 119,165)! Wer die Tora liebt, hat einen Schutz.

So also ordnete G~tt die Schöpfung: Ich schuf diese schädliche Sache, den Bösen Trieb, und stellte ihm sein Heilmittel, die Tora, zur Seite. Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto empfiehlt uns (in seinem Buch Messilat Jescharim, 5.Kap.), auf die Worte der talmudischen Weisen zu hören, die uns hier 'Physik' lehren, die Ordnung der Schöpfung und die Ordnung der Natur. Es gibt den Bösen Trieb, doch der Herr der Welt sorgte für seine Bewachung; "und sie trifft kein Anstoß".