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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TEZAWE
Nr. 1008
9. Adar 5775


 

Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 - 30,10):

Die Priester - Aharon und seine Söhne; Priesterkleidung und -ausstattung; besondere Opfer und Amtseinführung; das tägliche Opfer; Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch Priester; der Räucheraltar und der Dienst des Räucherwerkes im Heiligtum.

Haftara: Schmu'el I, 15, 2 - 34


Schabbat Sachor


Am Schabbes-Tisch...


Zur Ehre und zur Auszeichnung

Rav Chanoch Ben Pasi 
Rabbiner an MACHON MEIR

RavYoramEliyahu

"Und mache heilige Gewänder für deinen Bruder Aharon, zur Ehre und zur Auszeichnung" (Ex. 28,2).

42 Verse widmet die Tora dem Gebot der Anfertigung von Priestergewändern, mehr als jedem anderen Thema beim Wüstenheiligtum und dessen Geräten. Die Vielzahl der Verse zeugt von ganz besonderer Bedeutung der Priestergewänder.

Rabbiner Zwi Jehuda Kuk schrieb in seinen Gesprächen zum Wochenabschnitt: "Der Plan des Tempelbaus enthält den Aspekt des Feststehenden, des Bodenständigen - der Tempel, sowie den Aspekt des Beweglichen (die Geräte) und der dort Beschäftigten, nämlich die Priester (Kohanim), und für diese besonderen Beschäftigten gibt es Uniformen - besondere Dienstkleidung, zusätzlich zur allgemein-israelitischen Dienstkleidung von Tallit und Tefillin".

Die Priestergewänder sollen für acht zentrale Sünden Sühne verschaffen, wie es im Talmudtraktat Sewachim heißt: "Sagte Rav Injani ben Sasson: Weshalb wurde der Abschnitt von den Opfern dem Abschnitt von den Priestergewändern angereiht? Um dir zu sagen: wie die Opfer Sühne schaffen, ebenso schaffen auch die priesterlichen Gewänder Sühne" (88b).

Fragt der Or Hachajim hakadosch: Warum heißt es extra 'zur Ehre und zur Auszeichnung', es werden doch genaue und detaillierte Anweisungen zur Fertigung der Priestergewänder gegeben? Wörtlich schrieb er: "Was hatte G~tt mit dem Ausspruch 'zur Ehre und zur Auszeichnung' im Sinn, nachdem er die Anfertigung und deren Art und Weise bereits mitgeteilt hatte?" und gibt auch gleich die Antwort: "Das soll eine Begründung geben, warum G~tt acht Kleidungsstücke (für den Hohepriester) geboten hatte, vier weiße und vier goldene. Und zwar (beziehen sich die Begriffe) Ehre und Auszeichnung nach den Worten der Weisen (im Sohar) auf die acht Kleider, vier weiße (symbolisieren Barmherzigkeit) und deuten auf die vier Buchstaben des G~ttesnamens des Seienden gelobt sei er (jud-heh-waw-heh). Und die vier goldenen Kleider (die das Gesetz symbolisieren) deuten auf die vier Buchstaben der Herrschaft (adnut), nämlich des Gesetzes. [Bekanntlich wird der G~ttesname, der mit jud-heh-waw-heh geschrieben wird, als alef-dalet-nun-jud ausgesprochen; der Sohar weist darauf hin, dass diese Buchstaben, anders angeordnet, din, Gesetz, ergeben]. 'Ehre' und 'Auszeichnung' sind Umschreibungen für die göttlichen Eigenschaften der Barmherzigkeit und des Gesetzes, und G~tt befahl, acht Priesterkleider zu machen, durch die eure Sünden gesühnt werden". Es steht nicht nur in der Macht des Hohepriesters, die Eigenschaft der Barmherzigkeit zur Anwendung zu bringen, sondern auch die Eigenschaft des Gesetzes umzukehren.

Der Malbim-Kommentar erklärte zur Stelle, dass die Tora Moscheh aufforderte, einen Satz Arbeitskleider vorzubereiten, der zwei Sorten enthält: äußerliche, d.h. materielle Gewänder, und spirituelle Gewänder. Wörtlich schrieb er: "In Wirklichkeit aber deuteten sie auf innere Gewänder, den Priestern G~ttes zu machen, deren Seelen zu bekleiden, mit Ideen und Charakter, mit guten Eigenschaften, die Gewänder der Seele sind". Zu dieser spirituellen Ausrüstung gab G~tt Moscheh den Befehl, zur Ehre und zur Auszeichnung die heiligen Gewänder zu fertigen, die die Seele symbolisieren.


Der Stand der Dinge...
 

Aufleuchten und Aufstellen
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Das Gebot des Anzündens des Leuchters im Tempel erwähnt die Tora in unserem Wochenabschnitt und im Wochenabschnitt Beha'alotecha mit dem besonderen Ausdruck "aufleuchten lassen" und nicht einfach "anzünden". Dies interpretierten die talmudischen Weisen folgendermaßen: "bis er von selbst weiterbrenne" (Schabbat 20a), d.h. der Priester muss den Docht so lange anzünden, bis er von alleine, ohne fremde Hilfe leuchtet.

Die Denker und Moralisten lernten daraus ein bedeutendes Prinzip. Die Aufgabe des "Anzünders" - der Eltern, der Erzieher, der Rabbiner - beschränkt sich nicht auf das Lehren der Tora, auf überschwängliches, grenzenloses Geben, sondern soll vor allem den Zögling dazu zu bringen, auf eigenen Beinen stehen zu können. Entsprechend lehrten die Weisen der großen Versammlung zu Beginn der Mischna "Sprüche der Väter": "Stellet viele Schüler auf" und sie nicht bloß zu unterrichten. So schrieb Rabbiner Samson (ben) Raphael Hirsch zu unserem Wochenabschnitt: "Die Aufgabe des Tora-Lehrers ist: sich überflüssig zu machen! Nicht: den 'Laien' in ständiger Abhängigkeit von sich zu halten". Es versteht sich von selbst, dass der Prozess, den der Schüler durchläuft, bis er auf eigenen Beinen seht, ein langer und mühsamer ist und Hilfe von außen erfordert. Doch das Hauptziel besteht darin, dass die 'Flamme' von selbst aufleuchtet, ohne Hilfe von außen.

Ebenso versteht sich, dass dieser Ratschlag in keiner Weise die Notwendigkeit einer beständigen, tiefen und innerlichen Verbindung zwischen Eltern und Kindern, Rabbinern und Schülern bestreitet, die zu jeder Zeit, das ganze Leben lang, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch besteht, z.B. durch religionsgesetzliche und sonstige Unterweisung, gute Ratschläge usw. Doch diese müssen auf ein Fundament von Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein treffen, die von der Erkenntnis des eigenen Wertes des Menschen herrühren; dadurch wird er wirklich erwachsen.

Dazu passen ganz besonders die Kommentare von Rabbiner Awraham Jizchak Kuk und Rabbiner Zwi Jehuda Kuk zur Mischna "Sprüche der Väter" (Sichat Awot, S.22): "Darum benutzte er den Ausdruck 'aufstellen' ["Stellet viele Schüler auf", s.o.], d.h. damit sie alleine stehen können, so wie die Großen, die nicht auf den Tisch [d.h. die Unterstützung] Anderer angewiesen sind ... ferner wird von den Schülern verlangt, ihrer eigenen Natur treu zu bleiben und nicht ihre Lehrer nachzuäffen, deren Lebensführung gar nicht zu ihnen passt ... und so lehrte sein Sohn, Rabbiner Zwi Jehuda, der seinen Weg fortführte, die Schüler, dass es dem Schüler verboten sei, seinen Toralehrer zu kopieren und ihm alles nachzumachen. Vielmehr soll er eine toraorientierte Persönlichkeit entwickeln, die ein eigenständiges Wesen offenbart. Und einmal sagte er so einem Nachmacher: Du musst von dem lernen, was ich sage, und nicht von dem, was ich tue"...

Frage und Antwort

Die Privatisierung des Gijurs
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Es gibt derzeit einen Gesetzentwurf zur Erleichterung des Gijurs (Konvertierung) im Staat Israel: den Vorschlag der israelischen Regierung zur Privatisierung des ganzen Systems, sodass jeder geeignete Rabbiner die Konvertierung vornehmen kann, denn so lassen sich viel mehr Nichtjuden unter die Fittiche der göttlichen Präsenz bringen. Bringt das die Errettung [vor allem vom Problem mehrerer Hunderttausend nichtjüdischer Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion]?
Antwort: Nein. Dadurch werden verschiedene Klassen des Gijurs geschaffen, so wie es verschiedene Klassen der Kaschrut von Nahrungsmitteln gibt. Was dem Einen als koscher gilt, hält der Andere für nicht koscher, der Eine isst nicht mit dem Anderen, eine Sache, die viel Leid verursacht. Aber bezüglich der Frage, wer ein Jude ist, darf es unter keinen Umständen dazu kommen, dass jemand für den Einen ein Jude ist und für den Anderen nicht. Jeder Konvertit käme automatisch in Verdacht, sein Übertritt sei nicht rechtens gewesen, er wird zu einem Juden zweiter Klasse und es entstünde eine furchtbare Spaltung im Volk, so wie es sie Tausende von Jahren nicht gab.

Frage: Warum denn? Gijur ist Gijur, wie kann es dabei Unterschiede geben?
Antwort: Nach der Halacha gehört zum Gijur die Aufsichnahme der Gebote (Mitzwot). Ein Übertritt nur aufgrund eines nationalen Zugehörigkeitsgefühles reicht nicht, vielmehr muss es von religiösem Zugehörigkeitsgefühl zur Tora begleitet sein. "Dein Volk ist mein Volk" reicht nicht, dazu gehört auch "dein G~tt ist mein G~tt", wie Ruth sagte (1,16). Ein Gijur nicht im Einklang mit der Halacha ist wirkungslos. Darüber hinaus tut man damit diesem Menschen überhaupt keinen Gefallen, sondern stürzt ihn ins Unglück. Bisher nämlich war er ein guter und ehrlicher Nichtjude, und bekanntlich haben die Gerechten der Völker einen Anteil an der kommenden Welt. Und nun wäre er ein sündiger Jude und hätte keinen Anteil an der kommenden Welt. Dazu ist es ein furchtbarer Betrug: Er glaubt, er wäre übergetreten, mühte und plagte sich dafür, und plötzlich sagt man ihm ins Gesicht: Du bist kein Jude! Möge G~tt uns davor bewahren. Darum muss der Gijur in unserem Land ein einheitlicher sein, geregelt vom Israelischen Oberrabbinat, das entscheidet, wer und wie Konvertierungen durchführt. Demgegenüber soll nach dem Regierungsvorschlag jeder Rabbiner, der bestimmte Voraussetzungen erfüllt, über Gijur entscheiden dürfen, ohne dafür die Erlaubnis des Oberrabbinats einholen zu müssen, und braucht auch keine Genehmigung für die Art und Weise seines Gijurs.

Frage: Soll es nach dem Regierungsentwurf überhaupt keine Aufsicht über das Konvertierungswesen geben?
Antwort: Die Aufsicht soll von einem Kontrollgremium durchgeführt werden. Das Problem besteht dabei darin, dass die Regierung dessen Zusammensetzung bestimmt. Momentan sitzen dort g~ttseidank g~ttesfürchtige Toragelehrte. Es kann jedoch nicht angehen, dass über die Besetzung von der Regierung entschieden wird. Man kann nicht sicher sein, dass nicht eines Tages dort bestimmt wird, für den Gijur sei die Aufsichnahme der Gebote nicht mehr nötig.

Frage: Gibt es denn nicht Rabbiner, die das erlauben?
Antwort: Gibt es, sie stützen sich allerdings auf eine Einzelmeinung, und die Halacha richtet sich nicht nach dieser Ansicht. So ein Gijur wird vom Oberrabbinat nicht anerkannt, auch nicht von fast allen der größten Rabbiner und Toragelehrten Israels, auch nicht vom Großteil der religiösen Öffentlichkeit. Was nützt es also?

Frage: Worin besteht also die Lösung für über 300.000 Nichtjuden im Lande?
Antwort: Es gibt keine Lösung, aus ihnen Juden zu machen, wohl aber können sie Ger-Toschaw (Beisassproselyten) werden. Ein Ger-Toschaw ist ein Gerechter der Völker, der einen Anteil an der kommenden Welt hat - und auch einen Anteil an der diesseitigen Welt im Staate Israel, wie die Halacha bestimmt.

Frage: Wie steht es mit der Konvertierung von Kindern, ohne dass die Eltern bzw. die Mutter übertreten?
Antwort: Das ist Unfug. Wenn seine Eltern nicht religiös sind, dann wächst dieses Kind nichtreligiös auf, und wenn es das Bar/Bat-Mitzwa-Alter erreicht und dann nicht die Gebote aufsichnimmt, stellt sich so im Nachhinein heraus, dass sein Gijur kein Gijur war.

Frage: Welche Lösung gibt es letztendlich für die Meinungsverschiedenheit zwischen der Regierung und dem Oberrabbinat?
Antwort: Hier besteht keine Meinungsverschiedenheit. Eine Meinungsverschiedenheit gibt es nur zwischen Gleichwertigen. Und mit allem gehörigen Respekt für die Regierung ist es doch nicht sie, die festlegt, wer Jude ist, vielmehr hat sie den jüdischen Staat im Einklang mit der Halacha zu regieren.

Mögen wir stark sein und uns stärken und mit Ruth sagen: "Dein Volk ist mein Volk und dein G~tt ist mein G~tt".