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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT PINCHAS
Nr. 1026
24. Tammus 5775


 


Diese Woche in der Tora (Num. 25,10-30,1):

G~ttes Friedensbund mit Pinchas, dem Priester; Musterung der Kinder Israels vor Jericho; Auslosung der Anteile am Lande Israel; auch Töchter erben Land; Jehoschua zum Nachfolger Moschehs erwählt; Opfergesetze für Wochentage, Schabbat, Neumond und Feiertage.

Haftara: Jirmijahu 1,1 - 2,3


Am Schabbes-Tisch...

Ein Mann mit Ruach 


Rav Ejal Vered
Rabbiner an der Jeschiwa "Nezer Mata'aj" in Ari'el

Rav Eyal Vered

Wir befinden uns am Ende der vierzigjährigen Wüstenwanderung. Moscheh weiß bereits, dass er nicht in das Land einziehen wird. Der Duft des Landes und dessen Besiedlung liegen bereits in der Luft, und siehe, auch die Töchter Zelofchads erscheinen, ihren Anteil am Land einzufordern. Man spürt - der Eintritt ins Land Israel steht unmittelbar bevor. Die Zeit ist reif für die Wahl eines Anführers.

"Da sprach Moscheh zu G~tt: So bestelle G~tt, der G~tt aller Geister allem Fleische, einen Mann über die Gemeinde, welcher vor ihnen ausgehe und welcher vor ihnen eingehe, und der sie ausführe und der sie einführe, dass nicht die Gemeinde G~ttes wie Schafe seien, die keinen Hirten haben" (Num. 27,15-17). G~tt antwortete Moscheh (der dachte, dass vielleicht seine Söhne seine Stellung erben würden): Jehoschua ist würdig, den Lohn seines Dienstes zu erheben (Raschi). "Da sagte G~tt zu Moscheh: Nimm dir Jehoschua, Sohn Nuns, einen Mann, in welchem Geist (Ruach) ist, und stütze deine Hand auf ihn" (V.18; Ruach bedeutet sowohl Geist als auch Wind).

Jehoschua wurde gewählt, weil er "ein Mann, in welchem Geist ist". Worin liegt die Bedeutung dieser Eigenschaft? Was ist an ihr so besonders, und warum hat diese Wahl Alles in Allem etwas Überraschendes an sich?

Diese Kombination, "ein Mann, in welchem Geist ist", kennen wir schon von früher her, nämlich von Josef. "Und Pharao sprach zu seinen Dienern: Werden wir wohl diesem gleich einen Mann finden, in welchem der Geist G~ttes ist?" (Gen. 41,38). Auch hier gilt die gleiche Frage: Warum wird Josef ein Mann genannt, "in welchem der Geist G~ttes ist"? Was war so besonders an der Traumdeutung, die Josef vorschlug, was Pharao so sehr bewegte, dass er sich so äußerte?

Anscheinend hat die Antwort etwas mit dem Wort Ruach selbst zu tun. Im einfachsten Wortsinn handelt es sich um eine Bewegung der Luft von Ort zu Ort. Ein Ruach, der ruht, widerspricht seiner Definition. Nur die Bewegung, das Wehen, das Aufsteigen vom Tal in die Höhe und zurück, verdient die Bezeichnung Ruach. Daraus können wir lernen, dass "ein Mann, in dem Ruach ist", diesen Ruach zu Anderen wehen lassen kann, eine Bewegung des Ruach auslösen kann, die sich dann auf weitere Kreise ausbreitet. Pharao erhielt die unterschiedlichsten Deutungen für seinen Traum von seinen Magiern. Alle entsprachen den Regeln der "Traumdeutungswissenschaft", auf die sich die Magier spezialisiert hatten. 'Sieben Töchter werden dir geboren, und sieben Töchter wirst du begraben'. 'Sieben Länder wirst du erobern, und sieben Länder wirst du verlieren'. Alle Deutungen passen zum Traum, doch sind sie alle deterministisch und lassen daher bei Pharao keinen Ruach entstehen. Er hat weder Lust noch Willen, sich darauf einzulassen. Josefs Deutung begeisterte Pharao. Der Ruach wehte nun auch in ihm. Jetzt gab es eine Richtung und eine Bestrebung, und es gab auch was zu tun. Pharao legte los. Irgendjemand hatte ihm Ruach eingeflößt.

Auch Jehoschua, der Nachkomme Josefs, war so einer. Er konnte anderen Geist einflößen. Jedem seinen Platz zuweisen, jedem helfen, sich zu artikulieren. Jehoschua war "ein Jüngling, der nicht vom Zelte weicht" [=immer im Lehrhaus anwesend]. Doch was er dort machte, hatte nicht unbedingt mit besonderer und strahlender Toragelehrsamkeit zu tun. Jehoschua arrangierte die Sitzbänke. In ehrlicher Sorge, jedem einen Sitzplatz zur Verfügung zu stellen, je nach Rang und Würde, und dessen Begabung zu verstehen. Jehoschua wusste, was jeder brauchte, und welcher Platz ihm zustand.

Es ist nicht leicht, ein Anführer solcher Art zu sein. Ein Anführer, der seinen Geist auf seine Umgebung überträgt. Häufig tritt der Anführer zur Seite, um anderen den Vortritt zu lassen. Er verzichtet auf Teile seiner Machtbefugnisse, um anderen Fähigkeiten Raum zu schaffen. "Das Antlitz Moschehs wie das Antlitz der Sonne, und das Antlitz Jehoschuas wie das Antlitz des Mondes" (Sohar, Wajakhel). Wir sind gewohnt, Sonne und Mond nach ihrer Leuchtkraft zu unterscheiden. Die Sonne strahlt ihr eigenes Licht ab, während der Mond sein Licht von woanders erhält. Es gibt aber noch einen Unterschied. Wenn der Mond scheint, bleibt noch Raum für das Licht der Sterne. Demgegenüber verdrängt die Sonne mit ihrer großen Leuchtkraft das Sternenlicht vollkommen - "was nützt eine Kerze im Tageslicht?" (häufiger talmudischer Ausdruck). "Das Antlitz Jehoschuas wie das Antlitz des Mondes", das sich selbst verkleinert und den Sternen Gelegenheit zu scheinen gibt. Es erwachsen neue Anführer, während wir zur Periode der Richter gelangen, wo jeder Stamm einen Anführer stellt. Selbst der letzte Stamm bringt einen Anführer hervor. Woher diese Kraft? Wer hat diesen Ruach gesät, den Geist der Führung, der sich so sehr in Israel ausbreitete? - Jehoschua. Jehoschua ist der Urheber des Buches der Richter.

Sogar sein Name scheint darauf hinzudeuten. Zu Anfang hieß er Hoschea - eine Art Passivität, die sich an G~tt um Hilfe wendet. Moscheh ändert den Namen. Es liegt nahe, eine Änderung vom Passiv zum Aktiv vorzunehmen, d.h. von Hoschea zu Moschia oder Joschia. Doch Moscheh zieht es vor, ein jud hinzuzufügen und damit den Namen in Jehoschua zu ändern, wodurch er eine doppelte Bedeutung erhält, sowohl aktiv als auch passiv, ein Übermittler von Ruach, der sich selbst auf andere überträgt.




Frage und Antwort

Interview zum Thema Gijur
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

-Es gibt Hunderttausende Nichtjuden in Israel, besteht denn keine nationale Pflicht, diese wie auch immer zu konvertieren?

-Es gibt nur einen möglichen Weg, nämlich den der allgemeinen Übereinstimmung der Toragrößen unserer Generation, denn man kann nicht einfach die Definition des Volkes Israel ändern.

-Warum kann man sich nicht nach den erleichternden Entscheidungen einer kleinen Minderheit von Rabbinern richten, es geht doch um eine Notlage?

-Es handelt sich hierbei nicht um das Problem einer Privatperson, sondern um eine die Allgemeinheit betreffende Frage der Definition des Volkes Israel, und eine kleine Minderheit kann nicht ihre Ansicht der Allgemeinheit aufoktroyieren, als ob sie ein Monopol auf die Definition des Volkes Israel hätte.

-Sollte man beim Gijur alle zur Verfügung stehenden halachischen Erleichterungen anwenden?

-Dafür gibt es keine Quelle im Talmud und bei den frühen halachischen Autoritäten. Im Gegenteil, Jude sein oder nicht sein, das ist die entscheidendste und strengste Angelegenheit.

-Sollten die Rabbiner nicht angesichts der großen Zahl von Nichtjuden im Land eine mutigere Entscheidungsfreudigkeit zeigen, so wie bereits einige Rabbiner gefordert haben: 1. Gijur zum traditionellen Judentum (ohne strikte Einhaltung aller Gesetze), 2. Gijur, Israeli zu sein, 3. Massenkonversion, ohne jeden einzelnen Ger zu prüfen, 4. Anschluss an die Nation unter Glauben an G~tt und einigen Grundsätzen, 5. Gutheißung des Fehlens unbedingter Akzeptierung aller Gebote im Nachhinein, 6. Begnügen mit formaler mündlicher Erklärung des Kandidaten, die Gebote zu akzeptieren.

-All dies steht im Widerspruch zur bestehenden Halacha. Wenn ein Rabbiner so etwas gesagt hat, dann ist er entweder keine große Toraautorität, oder er vertritt eine Einzelmeinung, und in einer das ganze Volk betreffenden Sache entscheidet man nicht nach einer Einzelmeinung.

-Kann man sich in einem Institut auf den Gijur vorbereiten, wo auch Angehörige des Reform- und konservativen Judentums unterrichten?

-Auf keinen Fall. Das entspricht nicht der Tora, und schon im Jahr 5758 (1998) haben die Oberrabbiner Israels dagegen Einspruch erhoben.

-Kann man einem Gijur-Institut trauen, dessen Absolventen zu über 90% Tora und Gebote nicht einhalten?

-Unmöglich.

-Warum kann man nicht zur Nation konvertieren, anstatt zur Tora?

-Unsere Nation ist eine Nation nur durch ihre Tora (Rabbiner Sa'adja Gaon).

-Ich nahm an einem Kurs zum Gijur teil und lebe heute aufs Genaueste nach Tora und Geboten. Aber außer mir tun das nur noch zwei aus dem ganzen Kurs. Alle anderen haben zwar versichert, sie würden Tora und Gebote einhalten, aber gleich nach der Konvertierung sah ich sie den Schabbat entweihen und trefe essen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies auch den Veranstaltern des Kurses bekannt ist. Sind jene unter diesen Bedingungen wirklich echte Konvertiten?

-In der Tat, wer betrügt, dessen Gijur ist kein Gijur.

-Wie verhält es sich bei einem Ger, der lautstark verkündet, er habe niemals die Absicht gehabt, die Gebote einzuhalten und sie auch wirklich nicht einhält? Solche gibt es viele.

-Wenn er sich während des Übertritts ehrlich verpflichtet, die Gebote zu erfüllen und später strauchelt und nachlässt, dann ist sein Gijur gültig, wenn er aber keine Gebote erfüllt und auch während des Übertritts nicht vorhatte, die Gebote zu erfüllen, dann ist sein Gijur ungültig.

-Ist ein Ger, der den Schabbat entweiht, wirklich Ger?

-Wenn er nach dem Übertritt den Schabbat hütete und erst später davon abließ, dann ist sein Gijur gültig. Wenn er aber gleich nach dem Übertritt den Schabbat entweihte, dann ist sein Gijur kein Gijur, sondern Betrügerei.

-Der Justizrat der Rabbinatsgerichte gab bekannt, dass 97,2% der Konvertiten die Gebote nicht einhalten. Das ist doch furchtbar! Was folgern wir daraus?

-Diese Statistik beruht ausschließlich auf Scheidungsfällen, und es ist nicht sicher, ob in anderen Bevölkerungsteilen der gleiche Prozentsatz gilt. Trotzdem ist das natürlich furchtbar und muss geprüft und korrigiert werden.

-Maimonides schrieb, dass wenn man man dem Kandidaten nicht die Gebote erklärt hatte, sein Übertritt trotzdem gültig ist. Im Nachhinein ist die Aufsichnahme der Gebote also nicht unbedingt erforderlich?

-Die halachischen Autoritäten erklärten, damit sei jemand gemeint, der allgemein die Gebote auf sich nahm, ohne dass man sie ihm erklärt hatte, und es ist anzunehmen, dass er auch das auf sich nahm, was man ihm nicht erklärt hatte. Wenn man ihm aber die Gebote verkündet hatte und er auch nur ein einziges nicht annehmen wollte, ist er kein Ger. Der Grundsatz lautet: Auch im Nachhinein ist ein Gijur nur mit Aufsichnahme der Gebote gültig. Auch wenn er sagte, er akzeptiere die Gebote, wir aber wissen, dass das nicht stimmt, ist er kein Ger. "...die Sache vollkommen klar ist, dass er hinterher die Verbote der Tora übertreten wird, den Schabbat entweiht und Trefes isst, und wir erkennen deutlich seine Absicht, dass er nur nach außen hin übertritt, sein Herz aber nicht bei der Sache ist, liegt die zwingende Annahme vor, dass was er sagte, er nehme die Gebote auf sich, keinen Wert hat" (Responsa Achi'eser). Und ebenso, wenn er gleich nach dem Gijur Tora und Gebote nicht einhält.

-Ich habe gehört, dass Rabbiner Ovadia Josef (früherer sefardischer Oberrabbiner Israels) Gijur auch ohne Übernahme der Gebote erlaubte.

-Stimmt nicht (siehe seine Responsa Jabia Omer).

-Ich habe gehört, dass nach Rabbiner A.J.Kuk Gijur auch ohne Übernahme der Gebote gültig ist?

-Stimmt nicht: "Solange sie keine Gebote erfüllen, und auch die Absicht nicht die richtige war, liegt hier überhaupt kein Gijur vor" (Responsa Da'at Kohen).

-Wo steht geschrieben, dass die Übernahme der Gebote zwingend notwendig ist?

-Maimonides, Issurej Biah 13,12; Schulchan Aruch J.D. 268,3, Scha"ch und Ta"s ebda. Responsa Achi'eser (s.o.); Rabbiner Jizchak Eisik Halevi Herzog, Ewen HaEser 28; Responsa Igrot Moscheh J.D. 192; Chason Isch J.D. 119,2.

-Sind Konvertiten, die nur zwecks Heirat übergetreten sind, echte Konvertiten?

-Unter der Bedingung, dass sie dafür ehrlich die Erfüllung der Gebote auf sich genommen haben, wenn aber nicht, dann sind sie Lügenkonvertiten.

-Und wenn jemand übertreten will, aber nicht, um religiös zu sein, sondern um die Traditionen zu halten, wie z.B. Schabbatlichter anzünden und zum Gebet zu gehen, aber nicht, um die Schabbatgesetze zu halten?

-Unmöglich. Das ist eine abweichende Definition von Tora und dem Volk Israel.

-Wenn ein Ger die Gebote akzeptiert, aber nicht glaubt, dass sie von G~tt stammen, sondern ihm gut fürs Leben erscheinen - ist das ein richtiger Gijur?

-Nein.

-Reicht es, die Ausführung der Gebote auf sich zu nehmen, oder muss man auch die Grundlagen des Glaubens annehmen?

-Sicher muss man auch die Grundlagen des Glaubens annehmen: den Glauben an G~tt, dass die Tora vom Himmel stammt, Prophetie, göttliche Oberlenkung; alle dreizehn Glaubensartikel.