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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

EINZELHEITEN ZU MACHON MEIR/KIMIZION UND VIELE ANDERE INTERESSANTE INFORMATIONEN FINDEN SIE  IN DEN AUSGABEN DES AKTUELLEN JAHRGANGS

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEMIDBAR
Nr. 969
24. Ijar 5774

 

Diese Woche in der Tora (Num. 1,1-4,20):

Auflistung der Stammesfürsten und Musterung der Kriegstüchtigen im ganzen Volk; Aufstellung und Anordnung der Einheiten; Übertragung der Erstgeborenenpflichten auf die Leviten; Befreiung der Leviten vom Armee- und ihre Einteilung zum Tempeldienst; Aufteilung der Transport-, Auf- und Abbaupflichten des Wüstenheiligtums innerhalb der levitischen Familien.

Haftara: Hoschea 2, 1-22


Mittwoch 28. Ijar: Jerusalemtag




Am Schabbes-Tisch...


Der Ort

Rav Chanoch Ben Pasi 
Rabbiner an MACHON MEIR

RavYoramEliyahu

Das Buch Bemidbar (4. Buch Moscheh, "In der Wüste") beginnt mit der Bestimmung des Ortes und des Zeitpunktes der Wehrerfassung. Überraschenderweise unterscheidet sich die Beschreibung des Ortes - der mit dem Allgemeinen beginnt, "in der Wüste Sinai", und mit dem Speziellen endet, "im Stiftszelt" - von der Beschreibung des Zeitpunktes, die mit dem Speziellen beginnt, "am ersten des zweiten Monats", und mit dem Allgemeinen endet, "im zweiten Jahre nach ihrem Auszug aus dem Lande Ägypten".

Der Kommentar Or hachajim hakadosch beginnt mit dieser Frage. "Es bleibt noch zu klären, warum die Maße der Dinge (bei der Bestimmung der Themen) nicht gleich sind, denn als er den Ort verkündete, nannte er zuerst den allgemeinen (großen) Ort, nämlich die Wüste Sinai. Und danach nannte er den spezifischen Ort, indem er sagte: im Stiftszelt. Und als er den Zeitpunkt verkündete, nannte er zuerst den spezifischen Zeitpunkt und sagte: am ersten des zweiten Monats, und danach machte er die allgemeine Zeitangabe und sagte: im zweiten Jahre". Und seine Antwort: Es besteht überhaupt kein Unterschied zwischen Ort und Zeit, bei beiden begann er mit dem Speziellen und endete mit dem Allgemeinen.

Erklärung: Die Qualität des Ortes als ein Ort der Niederlassung der göttlichen Präsenz richtet sich nicht nach seiner geografischen Ausdehnung, sondern nach seinen spirituellen Eigenschaften. In dieser Hinsicht bedeutet das Stiftszelt das Allgemeine im Vergleich zur Wüste Sinai. So schrieb weiter der Or hachajim: "Im Gegenteil, die Schrift verstand den gleichen Maßstab anzulegen, so wie es heißt (Bereschit raba 68,9): Siehe, da ist ein Ort bei mir (Ex. 33,21) - dass der Ort des Heiligen, gelobt sei er, ihm nebensächlich ist, und entsprechend ist jeder Ort nebensächlich dem Ort der göttlichen Präsenz; demnach wird das Allgemeine durch das Stiftszelt dargestellt, und die Wüste zu einer ihm nebensächlichen Einzelheit ... und wisse, von welcher ganz anderen Qualität der Ort ist, an dem G~tt weilt. Wie wir fanden, dass zwischen den zwei Ellen Abstand der Tragestangen der Bundeslade sechzig Myriaden Israeliten reichlich Platz hatten (Midrasch Bereschit raba 5,7), denn wie er [der Ort, hier: die Bundeslade] dem Betrachter von außen auch klein vorkommt, ist er sehr groß hinsichtlich desjenigen, der darin wohnt".

Die Definition und das Verständnis von Ort und Zeit richten sich bei uns nach der Realität in dieser Welt, doch in den höheren Welten verändern sich Ort und Zeit je nach Größe der Offenbarung G~ttes. Ort und Zeit sind eng mit dem Materiellen verbunden (siehe Maimonides, "Führer der Unschlüssigen" II,13), doch G~tt füllt alle Welten aus und bewegt alle Welten und es gibt keinen Raum, der frei von ihm wäre. G~tt ist der Ort der Welt, doch ist die Welt nicht sein Ort. Vor diesem Hintergrund versteht sich die Bezeichnung für G~tt als "der Ort" (Hamakom, z.B. in der Trostformel für die Trauernden). Möge Hamakom sich unser erbarmen und uns schnell im erbauten Jerusalem erlösen.




 Der Stand der Dinge...
 

Der richtige Blickwinkel 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Eins steht fest: Unser Verhältnis zu allem, was wir im Leben unternehmen, hängt davon ab, wie wir die Sache angehen, von welchem Ausgangspunkt wir beginnen, und ganz von selbst wird das Ergebnis je nach Einstellung und Ausgangspunkt ausfallen...

Und so, oberflächlich betrachtet, könnte man leider zu dem Schluss kommen, dass die Tora alles in allem doch nur eine Wissenschaft neben all den anderen Wissenschaften im Bücherregal ist, und die Liste der Gebote stellt letztendlich nur eine Sammlung von praktischen Anweisungen für den Apparat dar, der sich Mensch nennt. So eine Einstellung zu Tora und Geboten führt garantiert zu einer "gespaltenen Persönlichkeit", d.h. einer unerträglichen Diskrepanz zwischen dem wahren Interesse des Menschen, seinem Willen und seinen Bestrebungen, und wie er sich wirklich verhält - 'weil es so üblich ist', 'weil er keine andere Wahl hat usw.'.

In diesem Zustand lebt der Mensch so, als ob er irgendwie mit der Tora zurechtkommen, aber sie nicht wirklich leben muss, und darum erscheint sie ihm wie 'versteinert', separat von seinem inneren Wesen, aber nicht als integraler Bestandteil seines Lebens.

So erklärte Rabbiner A.J.Kuk den Grund, warum wir nach einer bestimmten Ansicht beim Segensspruch über die Tora "uns mit den Worten der Tora zu beschäftigen" sagen, d.h. die Tora soll uns eine echte Beschäftigung sein, so wie jemand, der zu seinem Lebensunterhalt einer Beschäftigung nachgeht, ein Geschäft betreibt, in das er alle seine Begabungen investiert, seine Zeit, sein Geld, sich selbst... ohne Grenzen und Beschränkungen und mit allen nötigen Bemühungen und Anstrengungen; ein "Geschäft", das in seinem Inneren wirklich alle unsere verschiedenen und vielseitigen Lebensäußerungen umfasst.

So schrieb er: "Unsere Verbindung mit der Tora befindet sich oberhalb einer Definition von gewöhnlichem Studium und Begreifen, wie man sie bei jedem Wissen irgendwelcher Wissenschaft in der Welt findet. Dieses Gebot aber [der Beschäftigung mit der Tora] kommt vonseiten des wahrhaftigen Lebens, das das Wesen der Tora darstellt, und durch die Beschäftigung mit den Worten der Tora stehen wir in direkter Verbindung mit der Ursprünglichkeit des Lebens ... die den Menschen mit der Eigenschaft des spirituellen Kontaktes beglückt, über die die Seele verfügt, mit dem Überfluss wahren Lebens, der besonderen Eigenschaft der Tora..." (Olat Ra'aja I, S.59) - von innen und nicht nur von außen, in Wirklichkeit und nicht nur 'als ob', in allen Aspekten unseres Lebens. Möge es G~ttes Wille sein.




Erzählung

Geschichte einer Gijoret

Guten Tag,

Mein Name ist Rotem und ich bin in Israel geboren. Mein Großvater überlebte den Holocaust, und nach der Staatsgründung wanderte er ein und nahm an den Kriegen Israels teil. Mein Vater ist im Lande geboren, und nach Beendigung seines Wehrdienstes flog er in die USA, wo er meine Mutter traf. Meine Mutter vollzog einen Reform-Gijur, und dann heirateten sie in einer Reformsynagoge in Amerika und kehrten nach Israel zurück. Ich feierte Bat Mitzwa, lernte an einer israelischen Schule, und nach Beendigung der 12. Klasse begann ich meinen Wehrdienst. Schon immer hielt ich mich für eine Jüdin, aß koscher, fastete an Jom Kippur und feierte zu Hause alle jüdischen Feiertage, obwohl meine Eltern nicht religiös waren.

Vor anderthalb Jahren verlobte ich mich mit einem jüdischen israelischen Jungen, und wir entschlossen uns zu heiraten. Ich war total überrascht, als ich erfuhr, dass ich im Lande Israel keine jüdische Hochzeit halten kann, weil meine Mutter in einem Reform-Gijur übergetreten war und ich zwar als von jüdischer Abstammung, aber nicht als Jüdin im Einklang mit der Halacha galt.

Diese Sache stürzte mich in eine Identitätskrise, mit der ich nicht fertig zu werden wusste. Ich fühlte, als ob meine ganze Welt einstürzte. Erst vor meiner Hochzeit wurde mir zum ersten Mal bekannt, dass es ein Problem mit meinem Judentum gab! Mein Verlobter und ich zerbrachen uns den Kopf und kamen zu dem Schluss, dass der beste Weg über einen Gijur führt und nicht auf die leichte Tour eines Fluges nach Zypern, um dort standesamtlich zu heiraten. Ich hielt es für mich und meine zukünftigen Kinder wichtig, diese Prozedur durchzustehen.

Als ich mich endgültig für Gijur entschieden hatte, suchte ich zusammen mit meinem Verlobten ein Institut für jüdische Studien. Am Ende entschieden wir uns für Machon Meir / Machon Ora wegen des engen persönlichen Verhältnisses mit jedem Schüler. Sie lassen dir die Zeit zum Lernen, und du kannst dich nach deinem eigenen Rhythmus weiterentwickeln. Nichts geschieht ohne deine Zustimmung oder gegen deinen Willen.

Wir als Paar waren von der herzlichen Beziehung zu den Lehrern von Machon Meir/Ora begeistert. Außerdem findet der Unterricht getrennt nach weiblichen und männlichen Schüler/innen statt, was eine intime Atmosphäre schafft und bestimmte Fragen und Diskussionsthemen ermöglicht...

Im Zuge des Unterrichts war ich immer wieder überrascht von den Grundwerten des Judentums und der Religion im Allgemeinen. Ich lernte Dinge, denen ich vorher mein Leben lang nie begegnet war. Vor mir eröffnete sich eine ganz neue Welt, über die ich bis heute lerne und versuche, mich in ihr zurechtzufinden.

Während des ganzen Gijurs fühlte ich, dass ich zu den tiefen Wurzeln des Judentums zurückkehre, und das führte bei mir zu einer starken inneren Veränderung. Am Anfang hatte ich so meine Befürchtungen wegen dieser Entwicklung, doch jetzt bin ich wirklich zufrieden, dass ich es mir nicht leicht gemacht habe und den Weg, eine vollgültige Jüdin zu werden wählte, und den Gijur mitzumachen.

Ich habe gelernt, wenn etwas in deinem Leben geschieht, worüber du keine Gewalt hast, dann ist G~tt immer für dich da, dir den Weg zu weisen. Du hast die Wahl, den vor dir aufgezeigten Weg zu gehen oder nicht, aber der Weg ist immer offen vor dir. Ich habe mich für den Gijur entschieden, wodurch mir ein doppelter Segen beschieden war. Nicht nur, dass ich in meinem Judentum bestärkt wurde, sondern auch mein Verlobter, und wir machten gemeinsam einen Umkehrprozess zu ernsthafter Einhaltung der Gebote durch. Während dieser Entwicklung sahen wir, wie wir uns nicht nur dem Judentum annäherten, sondern auch einander.

Wir lernten unter anderem, wie man gute Beziehungen zueinander unterhält, wie man eine Familie nach den Regeln der Halacha gründet, was unsere Verbindung enorm intensivierte.

Heute, da ich nun die Sache hinter mir habe, bin ich überglücklich und feiere die jüdischen Feiertage mit großer Freude und einem Herz voller Dankbarkeit. Die Entscheidung, den Gijur zu machen, war die beste Entscheidung meines Lebens und ich danke Machon Meir/Ora, den Lehrern und den Familien, die mich "adoptierten", die mich anleiteten und mir halfen, diesen wichtigen Weg bis zum Ende zu gehen.

Danke! Rotem

Wer am Gijurprogramm von Machon Meir/Ora teilnehmen will, kann sich an Rabbiner Josef Dinkwitsch unter Tel.Nr. +972(0)543380914 oder Email giur@emeir.org.il wenden.