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DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BESCHALLACH
Nr. 903
15. Schwat 5773

 

Diese Woche in der Tora (Ex. 13,17 - 17,16):

Ägypter verfolgen die Kinder Israels nach dem Auszug; Spaltung des Schilfmeeres; Übergang der Israeliten, Untergang der Ägypter; 2 Lobgesänge; erste Beschwerden; Man ("Manna"); freitags doppelte Menge, reicht auch für Schabbat; wiederum Zank um Trinkwasser; Moscheh schlägt den Felsen; Überfall der Amalekiter; Gebot, Amalek in allen Generationen zu bekämpfen.

Haftara: Richter 4, 4-24, 5, 1-31

Schabbat Schira, Tu BiSchwat



Am Schabbes-Tisch... 

Soldaten oder Wunder?

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

RavYacovFilber

Als Moscheh zu den Israeliten sprach: "Stehet fest und sehet an die Hilfe des Ewigen ... der Ewige wird für euch streiten und ihr möget still sein" (Ex. 14,13-14), hätten die Israeliten das so interpretieren können, dass nunmehr alle Kriege Israels gegen seine Feinde vom Himmel geführt werden würden, als offensichtliches Wunder, das die Menschen von den Tribünenplätzen aus betrachten können. Mit dieser Vorstellung durchquerten die Israeliten trockenen Fußes das Schilfmeer, als plötzlich Amalek erschien, um gegen sie zu kämpfen. Da erwartete sie eine große Überraschung; Moscheh rief Jehoschua zu sich und sagte ihm: "Wähle uns Männer und ziehe aus, streite gegen Amalek" (Ex. 17,9). Auf einen Schlag wurde ihnen klar, dass man sich nicht auf Wunder verlässt, und dass Kriege von Fleisch und Blut geführt werden. Dieser Anleitung folgten die Israeliten auch im weiteren Verlauf der Wüstenwanderung, z.B. beim Krieg gegen Midian, wo Moscheh wiederum zu ihnen sprach: "Rüstet von euch Männer zum Heere" (Num. 31,3). Und auf diese Weise geht es immer weiter im Verlauf der ganzen Geschichte des Volkes Israel - die Kriege Israels werden von Menschen geführt, so bei der Eroberung des Landes durch Jehoschua, oder während der Richterzeit und in der Periode der Könige, wie es in der Tora heißt: "Wenn du ausziehst zum Krieg gegen deinen Feind" (Dt. 20,1). Es ergibt sich daraus, dass der Spruch "und ihr möget still sein" (s.o.) eine einmalige Angelegenheit war, eine Fortsetzung der Wunder G~ttes an den Israeliten in Ägypten bis zur Teilung des Schilfmeers. Doch Moschehs Ausspruch "der Ewige wird für euch streiten" war keineswegs eine einmalige Deklaration, sondern ein Versprechen für alle Generationen, wie es im Midrasch Mechilta heißt: "Nicht nur zu jener Stunde kämpfte er für sie, sondern auf immer wird er gegen ihre Feinde streiten".

Der gewöhnliche, irdische Krieg wird durch militärische Kraft geführt, doch bei den Kriegen Israels reicht die körperliche Fitness und die militärische Ausbildung der Soldaten nicht aus. Das sehen wir im Krieg gegen Amalek, als Moscheh zu Jehoschua sprach: "Wähle uns Männer", und der Raschikommentar bemerkt dazu: "Helden, welche die Sünde fürchten, damit ihr Verdienst ihnen beistehe". So auch beim Krieg gegen Midian, als Moscheh von den Israeliten verlangte: "Rüstet von euch Männer zum Heere", und nach dem Raschikommentar, gestützt auf Midrasch raba: "Männer, Gerechte". Aufgrund dieser Verse dürfen wir annehmen, dass selbst bei einem gewöhnlichen Krieg die Soldaten einer israelischen Armee außer der üblichen Kampftauglichkeit auch ein bestimmtes moralisches ("Gerechte") und religiöses Niveau (Sündenfurcht) vorweisen müssen (und wo finden sich solche Soldaten, wenn nicht bei den Jeschiwa-Absolventen?). Beim Krieg gegen Amalek erkennen wir bereits die erfolgreiche Verflechtung von menschlicher Bemühung und himmlischer Unterstützung in den Kriegen Israels, als sich Moscheh nicht mit der Führung der Schlacht durch Jehoschua und dessen Soldaten begnügte, obwohl es sich um sündenfürchtende Männer handelte, sondern stellte sich auf die Spitze des Hügels, den Stab G~ttes in der Hand, um die israelitische Allgemeinheit zum Glauben an den Schöpfer zu erwecken, wie es heißt: "Und es geschah, wenn Moscheh seine Hand erhob, siegte Israel" (Ex. 17,11). Dazu fragten die talmudischen Weisen: "Konnten denn die Hände Moschehs den Krieg fördern oder den Krieg abbrechen? Dies besagt vielmehr, dass, wenn Israel nach oben schaut und sie ihr Herz ihrem Vater im Himmel unterwerfen, sie siegen, wenn aber nicht, sie unterliegen" (Mischna, Rosch Haschana 29a). Und im Midrasch Mechilta ergänzten sie: "Solange Moscheh seine Hand erhob, blickten die Israeliten zu ihm hin und glaubten an den, der Moscheh anwies, so zu verfahren, und dafür vollbrachte ihnen der Heilige, gelobt sei er, Wunder und Heldentaten".

Wenn schon vom einfachen Soldaten ein bestimmtes spirituell-moralisches Niveau verlangt wird, dann erst recht von dem, der an der Spitze der israelischen Armee steht. So einer war Jehoschua, der im "Zelte" saß, wie es heißt: "aber sein Diener Jehoschua ben Nun ... wich nicht aus dem Zelte" (Ex. 33,11), und dazu erklärten sie im Midrasch raba: "Er diente Moscheh Tag und Nacht". Moscheh holte ihn aus dem Zelt, "weil er ihn in der Kriegsführung unterrichten wollte". Jehoschua verband in seiner Persönlichkeit die physische Kraft mit spiritueller Macht, und mithilfe dieser beiden Eigenschaften führte er die Israeliten bis zu seinem Tode.

Im Talmudtraktat Schabbat (105b) wird erklärt, dass die Israeliten ihn nicht genug betrauerten, was aus folgendem Vers hervorgeht: "Und sie begruben ihn in dem Gebiete seines Besitztums in Timnat Serach, das im Gebirge Efraim, an der Nordseite des Berges Gaasch [Vulkan]" (Jehoschua 24,30), und die Weisen erklärten dazu: "Das lehrt, das sich der Berg anstellte, sie zu töten". Dazu wiederum heißt es im Talmud: "Jeder, der mit dem Nachruf auf einen Toragelehrten nachlässig ist, ist wert, lebendig begraben zu werden". Worin bestand die Nachlässigkeit bei den Nachrufen auf Jehoschua? Erklärte Rabbiner A.J.Kuk in seinem Buch Ejn Aja die Nachlässigkeit, dass die Nachrufredner in Jehoschua nur dessen äußerliche Vorzüge sahen, den Heerführer, den Eroberer, der die Israeliten auf deren Erbsitz ansiedelte, den General, der viele Völker und gewaltige Könige besiegte, doch gleichzeitig ignorierten sie in ihren Nachrufen Jehoschuas spirituelle Vorzüge, weil dessen äußerliche Aktivitäten die inneren Vorzüge überdeckten. Den Rednern gelang es nicht, Jehoschuas hohen spirituellen Rang zu erkennen, und für dieses Versäumnis wurden sie bestraft.

Frage und Antwort
 
Der Gijur in Israel heute
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wie ist heutzutage mit dem Gijur (Konvertierung zum Judentum) zu verfahren? Aufgrund der Einwanderung gibt es heute hunderttausende Nichtjuden im Lande Israel. Ein großes Problem!

Antwort: Mit dem Gijur ist heute genau so zu verfahren wie in allen Generationen. In allen Generationen hatten wir Probleme damit, und wir bewältigten sie. Die Tora ist zeitlos, und die Halacha (Religionsgesetz) ändert sich nicht. Die Halacha wird nicht der Wirklichkeit angepasst, vielmehr muss man kämpfen, die Wirklichkeit der Halacha anzupassen, und besonders auf dem Gebiet des Gijur, bei dem es sich nicht um ein kleines Detail der Tora handelt, sondern um eines ihrer Fundamente, nämlich die Frage, wer ein Jude ist.

Zu den Grundprinzipien des Gijur gehört die Annahme der Glaubensgrundsätze und der Gesetze (Jewamot 47a, Bechorot 30b, Maimonides Gesetze von den verbotenen Beziehungen 14,1, Schulchan Aruch J.D. §268,3). Glauben und erfüllen!

Natürlich wissen wir von vornherein, dass es keinen Gerechten auf der Erde gibt, der niemals stolpert, und jeder Mensch sündigt manchmal, doch um überzutreten, oder wie es an anderer Stelle heißt: sich zu judaisieren (Esther 8,17), nimmt der Betreffende die Halacha auf sich, er will es, er liebt es. Er möchte ein "frommer Proselyt" sein, er möchte im Segen der "frommen Proselyten" im Schmone-Esre Gebet inbegriffen sein.

Ohne die Aufsichnahme der Gebote gibt es keinen Gijur. Es gibt zwar Responsen von großen Rabbinern zu seltenen Fällen, im Nachhinein, wenn der Konvertit nicht alle Gebote erfüllt, doch gibt es dazu verschiedene Ansichten unter Berücksichtigung vielfältiger Einzelheiten (z.B. in den Responsen Achi'eser 3,26). Doch all das im Nachhinein, in Ausnahmefällen, in einzelnen Extremfällen.

Wenn wir aber vom korrekten Vorgehen von vornherein reden, kann man nicht im Fließbandverfahren hunderttausende Nichtjuden ins jüdische Volk verfrachten. Das wäre der Untergang des Volkes Israel. Von so einem Fall spricht der Talmud: "Proselyten sind für Israel unangenehm wie ein Ausschlag" (Jewamot 47b). D.h. etwas Äußerliches, das der Nation anhaftet, oder "Unglück auf Unglück kommt über die, die Proselyten aufnehmen" (Jewamot 109b). "Wenn ein Proselyt zu seiner Schlechtigkeit zurückgekehrt ist..." (Gittin 45b), und erst recht, wenn von vornherein feststeht, dass er die Gebote nicht erfüllen wird. Und wir wissen schon seit Langem, was mit dem Mischvolk geschah, das mit uns aus Ägypten zog (Ex. 12,38), und noch ähnliche Fälle mehr.

Und durch das Verdienst unseres konsequenten Verhaltens während aller Generationen und in allen Lagen - gibt es heute noch das Volk Israel. Es gibt sogar viele genetische Forschungen, die beweisen, dass wir unsere Identität bewahrten und keine Massenkonvertierungen stattfanden. Der Gijur ist eine Privatangelegenheit, jemand, der sich uns von ganzem Herzen anschließen will, so wie Ruth, von der die Schrift bezeugt, dass sie sich sehr bemühte, ebenso Na'ama, oder Zippora, Moschehs Ehefrau.

Bekanntlich sind wir keine Missionare. Es gibt auch Fromme und Gerechte der Völker. Wenn wir jemanden konvertieren, der keine Gebote erfüllen wird, tun wir ihm damit keinen Gefallen, denn vorher war er zu den Geboten gar nicht verpflichtet und hatte eine Aussicht auf einen Anteil an der kommenden Welt, und jetzt, als Jude, ist er zu den Geboten verpflichtet, und wenn er sie nicht erfüllt, hat er keinen Anteil an der kommenden Welt - so schrieb Rabbiner A.J.Kuk in seinen Responsen Da'at Kohen.

Rabbiner Kuk betonte dort besonders die Annahme der Gebote. Er fügte noch hinzu, dass es gar nicht so sicher ist, dass wir heutzutage überhaupt Konvertierungen durchführen dürfen, außer als Vertreter der frühen Weisen, deren Autorität auf unseren Lehrmeister Moscheh zurückgeht, und "in deren Auftrag handeln wir" (Raschi Sanhedrin 13b, Baba kama 84b) und wer sagt, wir hätten die Vollmacht, Konvertierungen ohne die Annahme der Gebote durchzuführen?

Massenkonvertierungen ohne Annahme der Gebote kommen nicht infrage. Zwar hatte der frühere israelische Oberrabbiner Usi'el gesagt, man müsse jenen näherbringen, dessen Vater Jude und dessen Mutter Nichtjüdin ist, und nicht beachten, wenn er nicht alle Gebote einhält, aber er hat g~ttbehüte niemals behauptet, man könne auf die Annahme der Gebote verzichten.

Sicher sind Annahme des Glaubens und der Gebote zwingend notwendig. Sicher gibt es ein großes Problem in unserem Lande. Sicher wird viel Druck ausgeübt. Doch Halachot werden nicht proportional zum ausgeübten Druck entschieden, sondern nach göttlichen Maßstäben, nach dem Wort G~ttes.

Ja, wir sehen uns mit einem schweren Problem konfrontiert, doch wer unsere Geschichte studiert wird feststellen, dass wir schon viele Probleme hatten, die wir mit G~ttes Hilfe überwanden, und so werden wir auch unsere heutigen Probleme überwinden.

Weder die Nichtreligiösen bestimmen, wer ein Jude ist, noch die Traditionellen, nicht die Reformjuden und nicht die Konservativen, nicht der "Staat aller seiner Bürger" und nicht der "Staat eines Teils seiner Bürger", sondern der Herr der Welt.

Das ist der Gijur: "zu sein wie jeder vollgültige Jude" (Maimonides, Hilchot Mechussarej Kappara 1,2).