DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TOLDOT
Nr. 486
29. Marcheschwan 5765

 

Diese Woche in der Tora (Gen. 25,19 - 28,9):
Geburt Jakovs und Eßaws, Verkauf des Erstgeburtsrechtes, 
Hungersnot, Jizchak und Riwka bei König Awimelech, Streit um 
Brunnen, Friedensvertrag, Jizchak segnet Jakov und Eßaw, 
Eßaws Mordabsichten und Flucht Jakovs.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Vom Tau des Himmels

Rav Iti'el Ari'el
Gemeinderabbiner in Bet Schemesch

Das zentrale Thema dieses Wochenabschnittes finden wir in 
der Notwendigkeit, die unser Vorvater Jizchak darin sah, den 
Segen seines Vaters Awraham an die nächste Generation 
weiterzuleiten, aus Sorge wegen seines sich nähernden 
Todestages. Der Raschikommentar (zu Gen. 27,2) zitiert die 
talmudischen Weisen, die Jizchak nicht nur wegen dieser Sorge 
Anerkennung zollen, sondern auch für seine Bemühungen, 
seinen Sohn dieses Segens für würdig zu machen, damit G~tt 
zustimmt. Die Torakommentatoren behandelten ausführlich die 
Frage, wieweit Jizchak wirklich über den Charakter Eßaws im 
Bilde war, und die Prophetie Riwkas, doch ist seine 
Gründlichkeit nicht infragezustellen, mit der er seine gesunden 
Sinne einsetzte, um seinen Sohn und dessen Charakter vor der 
Verabfolgung des Segens genau zu erkennen.

Zwar ließ ihn sein Augenlicht im Stich, doch nutzte er die 
übrigen Sinne zur Klärung der Frage, ob Eßaw des Segens 
würdig war, und ob er wirklich und in vollkommener Weise die 
spirituelle Welt seines Sohnes akzeptieren konnte. Diese 
Prüfung vollzog Jizchak mit seinem Geschmackssinn, indem er 
Eßaw bat, sich mit der Zubereitung von Delikatessen zu 
befassen, wodurch er das Gebot der Elternehrung betonte, das 
Eßaw mit größter Sorgfalt erfüllte. Außerdem bediente sich 
Jizchak dazu des Gehör- und Tastsinns, wie wir dem Ausspruch 
"Die Stimme ist die Stimme Jakovs, und die Hände sind die 
Hände Eßaws" (Gen. 27,22) entnehmen. Dieser Widerspruch 
verunsicherte Jizchak bezüglich der Identität des vor ihm 
stehenden Sohnes, und ohne eine Alternative hätte er sich an 
das aussagekräftigere Zeichen halten müssen. Anscheinend 
identifizierte sich Jizchak mit der gemeinschaftlichen 
Präsentation der Stimmen von Tora und Gebet, wie sie in der 
Synagoge und im Lehrhaus Jakovs zu hören sind, der vor ihm 
stand, und der Hände Eßaws, die sich mit den praktischen 
Bereichen des Aufbaus und der Führung der Welt beschäftigen 
und mit der Toraorientierung Jakovs verbunden sind.

Die Sache wird besonders im Zusammenhang mit dem 
Geruchssinn deutlich: "Da roch er den Geruch seiner Kleider 
und segnete ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes 
wie der Geruch eines Feldes, das der Ewige gesegnet!" (Gen. 
27,27). Der Kommentar "Schem Meschmu'el" befasste sich 
eingehend mit der tieferen Bedeutung der Worte der 
talmudischen Weisen: "Das lehrt, dass mit ihm der Geruch des 
Garten Eden hereinkam", nämlich wie Jizchak die große 
Gelegenheit erkannte, die Sünde des ersten Menschen zu 
bereinigen, die im Grunde auf einem Missbrauch der Sinne 
beruhte. Der Baum des Wissens um Gut und Böse wurde "gut 
zum Essen", "eine Lust für die Augen" und "lieblich zu 
betrachten" genannt. Dem ist noch die Erklärung der 
talmudischen Weisen hinzuzufügen: Man lese nicht begadav 
[seine Kleider], sondern bogdav [seine Frevler], um zu lehren, 
dass selbst die Leeren unter dir wie ein Granatapfel voll mit 
guten Handlungen sind, und ihr Duft der Duft des Garten Eden 
ist (Sanhedrin 37a).

Gerade der ehrliche Versuch Jizchaks der Erzeugung von 
vollem Einklang mit Eßaw führte zu dessen Abweisung, weil 
sich die beiden besonders in den genannten Punkten 
unterschieden. Obwohl auch Eßaw bei dem Gedanken an den 
Tod seines Vaters erzitterte , hatte dies jedoch einen anderen 
Grund: "Lass nur erst die Zeit der Trauer um meinen Vater 
kommen, dann werde ich meinen Bruder Jakov erschlagen" 
(Gen. 27,41). Während Jizchak seine Lebensdämmerung als 
passenden Zeitpunkt für den Übergang der Familientradition 
und -führung an seinen Sohn sieht, hält Eßaw den Tod seines 
Vaters für die Gelegenheit, sich der Tradition zu entziehen, wie 
er es schon einmal tat [beim Verzicht auf das 
Erstgeborenenrecht]: "Siehe, ich gehe dem Tode entgegen" 
(Gen. 25,32).

Eßaw unterscheidet sich von Jizchak auch im Verständnis der 
Bedeutung des Segens und dem Verzehr der Leckerbissen, die 
ihm vorangingen, wie man aus der unterschiedlichen 
Formulierung der Segen entnehmen kann. Bei Jakov heißt es: 
"Und gebe dir vom Tau des Himmels und das Fette der Erde.." 
(Gen. 27,28), und bei Eßaw: "Fettes der Erde sei dein 
Wohnsitz" (V.39). Eßaw ist an einem einmaligen Segen 
materiellen Überflusses und Erlangung der Herrschaft 
interessiert, die bei ihm einziehen und seinerseits keine weitere 
Anstrengung erforderlich machen. Nach seiner Ansicht wird der 
Verzehr der Leckerbissen nicht durch den ihn begleitenden 
sinnlichen Genuss veredelt, sondern im Gegenteil, dieser 
verstärkt bloß den Appetit des "Schlingens" von "dem Roten, 
dem Roten" im Kochtopfe. 

Demgegenüber erstrebt Jakov einen Segen, der ihn dessen 
Ursprung näherbringt, und darum erhält er diese Segnungen 
nicht alle auf einmal, sondern angepasst an seine jeweiligen 
Bedürfnisse: "Er gebe und gebe immer wieder" 
(Raschikommentar). Seiner Ansicht nach soll der sinnliche 
Genuss der Nahrung ihn auf eine edlere spirituelle Stufe 
erheben, der der Geruch des Garten Eden anhaftet.

Eßaw sieht im Tau des Himmels ein Zeichen für die 
Beständigkeit des Segens, der nicht von dieser oder jener 
Jahreszeit abhängt, wohingegen Jakov darin ein Zeichen für die 
Auffrischung des Segens sieht, der sich jeden Tag erneuert. 
Darum erhielt Jakov das Geschenk des Man ("Manna") vom 
Himmel in einer "Verpackung" von Tau, um die Frische der 
Verbindung zwischen ihm und dem Geber dieses Geschenkes 
zu verdeutlichen. "Und der Überrest Jakovs wird sein... gleich 
dem Tau vom Ewigen" (Micha 5,6).
 
 
 
Zum Gebet
 

Der das Licht gebildet
 

Rav Uri Scherki
MACHON MEIR

Der erste Segensspruch des Schma-Gebetes, Jozer Hame'orot 
"der die Lichter erschafft", beginnt mit den Worten: "..der das 
Licht gebildet und die Finsternis erschaffen, er stiftet Frieden 
und erschafft alles". 

Mit diesem Segensspruch vereinigen wir uns mit dem göttlichen 
Licht, das in der gesamten Schöpfung enthalten ist, in der 
Schöpfung der Natur. Hier geht es nicht um die Welt des 
Menschen oder die Welt Israels, sondern um die göttliche 
Offenbarung durch Gesetzlichkeiten. Einerseits durch die 
Naturgesetze, andererseits durch spirituelle Gesetzlichkeiten 
wie z.B. in der Welt der Engel, oder auch der menschlichen 
Gemeinschaften - wie die Kriege, über die wir in diesem 
Segensspruch sagen, dass G~tt "die Kriege beherrscht, 
Wohltaten sät".

Das erste Gesetz, das wir erwähnen, ist das Grundgesetz der 
Schöpfung. G~tt ist es, "der das Licht gebildet und die 
Finsternis erschaffen, er stiftet Frieden und erschafft alles". 
Dieser Segensspruch hat seinen Ursprung in den Worten des 
Propheten Jeschajahu (45,7): "Der das Licht bildet und 
Finsternis schafft, Frieden stiftet und Unheil schafft, ich, der 
Ewige, tue dies alles". Dieser Vers war gegen den Glauben von 
einer doppelten Gottheit gerichtet, an jene Götzendiener, die an 
zwei Götter glaubten, von denen der eine für das Gute und der 
andere für das Böse zuständig war.

Unser Bedürfnis, die wir die Gottheit einigen, daran zu erinnern, 
dass G~tt sowohl das Licht bildet als auch die Finsternis schafft, 
sowohl Frieden stiftet als auch Unheil schafft, kommt daher, 
dass wir in der von uns als Menschen erlebten Welt, in der 
Erlebnis unserer Existenz, häufig dieser Spannung begegnen, 
die zwischen dem Wert des Guten und dem Wert des Bösen 
besteht. Nicht immer können wir aus der Bitternis des Lebens 
heraus erkennen, dass ein Schöpfer alles Leben lenkt, dass auch 
wenn es Unheil gibt, wenn das Böse tobt und die Bösewichte ihr 
Haupt erheben, die Hand der göttlichen Oberlenkung alle Fäden 
hält. Darum mögen wir manchmal in Depressionen verfallen und 
glauben, der Herr der Welt achte nicht auf die Umtriebe des 
Bösen in der Schöpfung. Darum brauchen auch wir ab und zu 
diese Erinnerung "der das Licht gebildet und die Finsternis 
erschaffen", gerade beim Übergang von der finsteren Nacht 
zum leuchtenden Morgen. 

In diesem Segensspruch erwähnen wir auch den "König, allein 
hocherhaben von ehedem, gerühmt und gepriesen und 
verherrlicht seit den Tagen der Vorzeit". Dazu erklärte Rabbi 
Awraham, Sohn des "Ga'on von Wilna", diese drei Begriffe 
beschreiben drei Arten der Preisung durch die Menschen an 
G~tt: er ist "gerühmt" - durch die Gerechten, "gepriesen" durch 
die Mittelmäßigen, und "verherrlicht" durch die Bösewichte. Wie 
das? "Gerühmt" (meschubach) bedeutet "auf verborgene 
Weise", "Er besänftigt (maschbiach) das Brausen der Meere, 
das Brausen ihrer Wellen" (Psalm 65,8). Die Gerechten wissen, 
dass man G~tt mit keinem Wort beschreiben kann, darum 
schweige man besser, wie es heißt: "Dir gebührt (dumia, wie 
dom, schweigen) Lobgesang" (ebda. V.2), und damit haben wir 
die Bedeutung, dass G~tt "von den Gerechten gerühmt" ist, die 
kein Wort der positiven Beschreibung erwähnen. Was nicht für 
die Mittelmäßigen gilt - die Mehrheit des Volkes, die Ausdrücke 
der Hochschätzung G~ttes benötigen. Darum "preisen" sie den 
Ewigen. Die Bösewichte hingegen, die weder an stiller 
Rühmung noch ausdrücklicher Preisung G~ttes interessiert 
sind, verursachen dennoch die Verherrlichung G~ttes, wenn 
nämlich an ihnen Gericht geübt wird. Daraus ergibt sich die 
Vollkommenheit der göttlichen Herrschaft, "sein Reich herrscht 
über alles" (Psalm 103,19).

Nach der Beschäftigung mit den Beziehungen zwischen dem 
Herrn der Welt und seinen körperlichen Geschöpfen wenden wir 
uns der Beschäftigung mit einer Welt zu, die in den 
Segenssprüchen "Welt der Engel" genannt wird. G~tt "der die 
Diener gebildet, und seine Diener stehen alle in der Höhe der 
Welt". Auch dort gibt es Naturgesetze. Nachdem wir nun den 
Glanz der Leuchtgestirne und ihre Gesetze beschrieben haben, 
Sonne, Mond und Sterne, begeben wir uns darum auf eine 
höhere Rangstufe, die der Gesetze der spirituellen Welt und zu 
den Persönlichkeiten der Engel. 

Auch in dieser spirituellen Welt herrscht Spannung. Dort sagen 
die "Ophanim": "Gelobt sei die Herrlichkeit des Ewigen von ihrer 
Stätte aus", und die "Seraphim" sagen: "Heilig, heilig, heilig ist 
der Ewige der Heerscharen, voll ist die ganze Erde seiner 
Herrlichkeit". Es gibt in der spirituellen Welt also zwei 
gegensätzliche Auffassungen, die eine sieht G~tt uns nahe, was 
im Spruch "Gelobt sei die Herrlichkeit des Ewigen von ihrer 
Stätte aus" zum Ausdruck kommt - der Herr der Welt, seine 
Ehre ist in dieser Welt gegenwärtig. Die "Seraphim" hingegen 
machen gerade den Mangel an Möglichkeit des Wissens um 
G~tt bewusst, sie sagen "heilig" - d.h. abgeschieden, "heilig, 
heilig..." bis in die Unendlichkeit - der Herr der Welt ist weit von 
jeder Erfassung durch ein Geschöpf entfernt.

Dieser Kampf, diese Spannung, die zwischen den 
Erkenntnissen besteht, zwischen der Erkenntnis, dass G~tt uns 
nahe ist, und der Erkenntnis, dass G~tt weit von uns entfernt ist, 
schaffen den "Gesang der Engel". Nur dass natürlich jeder Engel 
weiß, dass seine Ansicht nur einen Teil der Wahrheit vertritt, 
darum "erteilen sich Erlaubnis, einer dem anderen, ihren 
Schöpfer zu heiligen in seliger Ruhe". Denn "alle sind sie in 
Liebe vereint", alle diese Erkenntnisse, "alle auserlesen, alle voll 
Kraft", denn alle sind Teile jener großen Wahrheit, die sagt: 
Heilig und gesegnet. Nur dass die Engel, von denen jeder eine 
einheitliche und vollständige Persönlichkeit hat, nicht fähig sind, 
mehr als eine Wahrheit auszudrücken. 

Der Mensch, der zu beten weiß, ist in der Lage, sich über den 
Rang der Engel zu erheben und G~tt sowohl als "heilig" wie 
auch als "gesegnet" zu erkennen. So können wir in unserer 
Vorstellung die absolute Abgeschiedenheit des Schöpfers, den 
Aspekt des "heilig, heilig, heilig", mit der Tatsache seiner 
Präsenz bei uns miteinander vorstellen, den Aspekt des "Gelobt 
sei die Herrlichkeit des Ewigen von ihrer Stätte aus".
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