DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJIKRA
Nr. 243
11. Adar-2 5760


Diese Woche in der Tora (Lev. 1,1 - 5,26):
Der Opferdienst: welche Tiere oder Nahrung, wer, wo, wie und
wofür; die zentrale Bedeutung der Kohanim (Priester) und des
Wüstenheiligtums (Vorläufer des Tempels in Jerusalem).

+Schabbat Sachor
 
Am Schabbes-Tisch

Der Kampf gegen Amalek

Rav Asri'el Ari'el

Eines der Gebote der Tora besteht im "Erinnern, was uns
Amalek antat". Ein anderes Gebot verlangt seine vollständige
Auslöschung. Mit der Eroberung des Orients durch den
Assyrerkönig Sancheriw und seine Politik der
Völkervermischung lässt sich das Volk Amalek heute nicht mehr
identifizieren. Warum wird also von uns verlangt, Jahr für Jahr
die Taten Amaleks durch das öffentliche Lesen des Abschnitts
"Sachor" neu aufzuwärmen?

Zu dieser Frage gibt es viele Antworten, und wir wollen uns
diesmal die Erklärung des Rabbiners Naftali Zwi Jehuda Berlin
("HaNeZiW"), vor über 100 Jahren Leiter der berühmten
Woloschiner Jeschiwa, vornehmen.

Die "Erinnerung an Amalek" brauchen wir nicht in Bezug auf
Amalek, sondern für uns selber. Den Überfall Amaleks zu
Beginn der Wüstenwanderung des Volkes Israel können wir
ohne einen Blick auf die Geschehnisse kurz vorher nicht
verstehen. Damals machte das jüdische Volk in "Refidim"
Station, was soviel bedeutet wie "Versuchung und Zank" (Ex.
17;7), "wegen des Zankens der Kinder Israels und weil sie den
Ewigen versuchten, indem sie sprachen: Ist wohl der Ewige in
unserer Mitte oder nicht?" (ebda.). Wussten sie doch ganz
genau, dass die Wolkensäule G~ttes sie tagsüber umhüllt und
ihnen nachts die Feuersäule leuchtet. Sie waren sich des
göttlichen Schutzschildes jederzeit bewusst, glaubten aber
irrtümlicherweise, dass die göttliche Oberaufsicht eine rein
äußerliche Angelegenheit sei. Sie glaubten, der Mensch
brauche gar nichts selber zu machen: weder auf moralischem
noch auf praktischem Gebiete, G~tt werde schon alles aufs
Beste regeln, auch wenn man es gar nicht verdient hatte, weder
durch eigene Taten noch durch die Erlangung eines bestimmten
ethischen Standards. All dies unter dem Motto "Der Ewige wird
für euch streiten und ihr möget still sein" (Ex. 14,14) in
zweifacher Hinsicht: weder zu beten noch zu kämpfen.

In diesem Moment schlug Amalek zu. Moscheh, der sonst das
Volk unter Vollbringung allerlei Wunder anführte, hielt sich
diesmal zurück. Er sollte dem Volk beweisen, dass G~tt mit ihnen
und in ihnen war, auch wenn sie auf natürliche Weise
vorgingen. Jehoschua, der Kriegsheld, musste sich fähige
Kämpfer auswählen, die über die nötigen Kenntnisse und auch
über die innere Bereitschaft zur Kriegführung verfügten. In den
Krieg zog er dann, nach der Art erfahrener Kämpfer, erst am
nächsten Tag, nachdem er seine Truppe sorgfältig organisiert
hatte. Dann erst begab sich Moscheh auf einen nahegelegenen
Hügel, den Wunderstab griffbereit, falls die Situation dessen
Gebrauch erforderlich machen sollte - doch nur im äußersten
Notfall, wenn es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gäbe.
Die Planung ging jedoch dahin, auf natürlichem Wege zu
siegen und den Kindern Israels zu zeigen, dass G~tt, der sie mit
Heldenmut gürtet und sie mit seinem Glanz krönt, in ihren
Herzen wohnt. Er war es, der in ihre Herzen den Kampfesgeist
pflanzte, und er war es, der sie mit der nötigen Kraft und dem
nötigen Wissen ausstattete. Moscheh erhob seine Arme nicht,
um Wunder zu vollbringen, sondern zum Gebet. Und in seinem
Gebet ging es nicht um Änderung der Naturgesetze, sondern
um Hilfe, innerhalb des naturgesetzlichen Rahmens zu
bestehen. Solange Moscheh seine Hände emporhob, die
Israeliten ihre Blicke zum Himmel richteten und ihre Herzen
ihrem Vater im Himmel unterwarfen, hatten sie die Oberhand.
G~ttes Geist pochte in ihren Herzen, und dadurch hatten sie die
Kraft zu siegen. Wenn Moscheh aber die Hände sinken ließ,
worauf die Kinder Israels den Himmel aus dem Blickfeld gleiten
ließen und stattdessen auf die Stärke ihrer Muskeln und den
Mut ihrer Seelen allein vertrauten, konnten sie gegen Amalek
nicht standhalten.

Amalek steht für die Weltanschauung einer herrenlosen Welt,
die vom Zufall ("Mikreh") regiert werde. "Der dich traf auf dem
Wege" (Dt. 25,18) (dich traf, "karecha" aus dem gleichen
hebräischen Wortstamm wie Mikreh). Der Kampf gegen Amalek
soll uns in allen Generationen in Erinnerung rufen, dass jeder
"Mikreh" auch nur von G~tt kommt ("RaK MeHaschem", gleiche
Buchstaben wie "MiKReH").

H A L A C H A
Parschat Sachor

Exodus 17.Kapitel, Verse 8-16 - Gebot (Mitzwa), diesen
Abschnitt in einem Minjan zu lesen. Sowohl der "Ba'al Kore", der
aus der Tora vorliest, als auch die Zuhörer sollten vor Beginn
der Lesung daran denken, dass sie damit das Gebot der
Erinnerung an die Taten Amaleks erfüllen. Auch Frauen sind zu
diesem Gebot verpflichtet.
Wer nicht an der Lesung im Minjan teilnahm, lese wenigstens
selber diesen Abschnitt mit der vorgeschriebenen Intonation.
Wenn es gar nicht anders möglich ist, höre man bei der
Toralesung dieses Abschnittes an Purim mit der Absicht zu,
dieses Gebot zu erfüllen.
(Schulchan Aruch O.C. §685)
 
 
 
Frage und Antwort

Tagesgespräch

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: In unserer Ehe geht es hoch her. Zwischen uns herrscht
Spannung, und wir streiten uns oft - allerdings nicht um
weltbewegende Dinge, sondern um Kleinigkeiten, aber es
läppert sich zusammen. Was können wir tun?

Antwort: Offensichtlich ist nicht so sehr der Inhalt der
Streitereien das Problem, denn diesbezüglich können Sie zu
einem Ausgleich gelangen. Das Problem liegt vielmehr im Streit
an sich, am Ton, der die Musik macht, am Mangel an Vertrauen,
an der gegenseitigen Frustration, an Missverständnissen und am
konstanten Herumkritisieren.

Die Lösung: tägliche Aussprache. Jeden Abend, wenn die
Kinder schon schlafen und nicht mehr stören, wird der Stecker
des Telefons herausgezogen und 20 Minuten bis eine halbe
Stunde über alles gesprochen, was während des Tages
passierte. Wenn im Laufe des Tages etwas Ärgerliches
geschieht, ein verletzendes Wort fällt - schweige, mach' erstmal
weiter, abends sprecht ihr dann darüber.

Jeder sage seinem Gegenüber: Weißt du, dies und jenes, was
du zu mir gesagt hast, hat mich sehr verletzt. - Der Inhalt hat
dich verletzt? - Nein, der war in Ordnung, aber die Art und
Weise war verletzend. - Verzeihung; und wie hättest du es
gerne, damit meine Worte akzeptiert werden? - Ich hätte es
lieber, wenn wir so und so redeten. - Gut, wollen wir es mal
versuchen.
Gibt es zwischen den Dingen, die ich sagte, auch welche, die du
annehmbar fandest? - Ja, du machtest mich darauf
aufmerksam, und ich nahm mir die Kritik zu Herzen, weil du
normal geredet hast, vielen Dank dafür. - Auch ich danke dir. -
Wenn du mich so und so anredest, regst du mich auf! - Ich war
mir dessen nicht bewusst.

Darin liegt das Geheimnis der täglichen Aussprache - man muss
sowohl das Gute als auch das Verbesserungsbedürftige
erwähnen.

Aller Anfang ist schwer. Zuerst wird die tägliche Aussprache in
vielen Fällen zu einer schwierigen Übung geraten. Man muss
ersteinmal den Eiter aus den Wunden der Seele entfernen.
Langsam aber sicher verbessert sich dann die Atmosphäre, die
Wunden, die aufgerissen wurden, beginnen zu heilen, und das
gemeinsame Leben erscheint in einem neuen Licht.

Man kann die Aussprache auch aufteilen: Erst werden die
Kritikpunkte diskutiert und danach das Positive; denn man muss
immer mit etwas Gutem schließen.

Diese am Anfang etwas schwierige tägliche Aussprache wird im
Laufe der Zeit leichter ablaufen und eine gewisse Läuterung
erfahren. So entsteht eine beruhigende Wechselwirkung. Die
Aussprache wird zur Quelle charakterlicher Verbesserung.

Wer zu einer täglichen Aussprache nicht fähig ist, muss sich an
die Eheberatung wenden. Zwar wird dort auch nichts anderes
gemacht als miteinander gesprochen, allerdings unter
professioneller und objektiver Anleitung.
Natürlich ist die Lösung des Problemes aus eigener Kraft
vorzuziehen.

Jetzt wird sicher jemand den Einwand aus der Mischna
("Sprüche der Väter" 1,5) bringen, man solle "nicht das
Gespräch mit der Frau mehren". Dazu merkte einer der größten
Rabbiner der letzten Generationen, Rabbiner Jeschaja Karelitz
(auch als "Chason Isch" nach dem Titel seines Hauptwerkes
bekannt), Folgendes an: diese Regel gilt nicht während des
ersten Ehejahres, im Gegenteil - die frische Verbindung muss
gerade durch das gemeinsame Gespräch aufgebaut werden.
Und wenn man einwendet: Für mich ist es aber schon zu spät
dafür, denn wir sind schon länger als ein Jahr verheiratet?
Anscheinend stecken leider noch viele Paare im ersten Jahr,
auch nach vielen Ehejahren. Zu Anbeginn der Ehe muss man
viel miteinander sprechen, um eine Brücke gegenseitigen
Verständnisses zu bauen. Später, wenn die Beziehung
reibungslos läuft, versteht einer den anderen auch ohne viele
Worte.

Darin liegt die Heilung, in der täglichen Aussprache: "Einst
bereden sich, die den Ewigen fürchten, miteinander, und der
Ewige vernimmt und hört es" (Maleachi 3, 16).