DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL


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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJAKEL
Nr. 241
27. Adar-1 5760


Diese Woche in der Tora (Ex. 35,1 - 38,20):
Kein Feuermachen am Schabbat; Aufruf zu Materialspenden für
alle Teile des Heiligtums; künstlerische Fertigung und genaue
Beschreibung des Stiftszeltes, der Bundeslade, des Tisches der
Schaubrote, des Räucheraltars und des Wasserbehälters.
+Parschat Schekalim
 
 

Der Stand der Dinge...
Die Juden hatten Licht
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Bei den Juden herrschte Licht und Freude, Wonne und Ehre"
(Megillat Esther 8,16).

Licht - das ist Tora, denn es heißt: denn eine Leuchte ist das
Gebot und die Tora ein Licht" (Traktat Megilla 16b nach
Sprüche 6,23).

Nach dem Stand der Dinge stellt das neue Gesetz der Knesset
einen großen Fortschritt dar, wonach nämlich auch das
Torastudium zu den Zielen des staatlichen Erziehungswesens
gehört, und die Anwendung dieses Gesetzes wird zwangsläufig
einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung des jüdischen
Charakters des Staates Israel leisten und sich positiv auf die
Stärke und Widerstandskraft der Nation auswirken.

Während aller Generationen lernten die Juden Tora - und
überall, wo man Tora lernte und die Traditionen pflegte, bestand
das Volk im Kampf gegen die Assimilation; die talmudischen
Weisen münzten für die Juden sogar einmal die Bezeichnung
"Entkommene", und für die Freunde Israels "Freunde der
Entkommenen" (Megilla 6a).
Es ist kein Zufall, dass das Thema des Torastudiums auf der
nationalen Tagesordnung steht. Der Prophet Amos stellte in
seiner Beschreibung des Zeitalters der nationalen
Wiedererstehung fest: "Siehe, Tage kommen, ist der Spruch
G~ttes des Herrn, dass ich Hunger sende in das Land, nicht
Hunger nach Brot, und nicht Durst nach Wasser, sondern zu
hören die Worte des Ewigen" (8,11).

Schon heute können wir sehen, wie Zehntausende zur Tora
zurückkehren, zu den Traditionen und zur Synagoge. Da kann
der Tag nicht mehr fern sein, an dem wir mit eigenen Augen
sehen, "wie die Erde voll ist der Erkenntnis des Ewigen, wie
Wasser die Meerestiefe bedecken" (Jeschajahu 11,9), "denn
von Zion wird ausgehen die Lehre, und das Wort des Ewigen
von Jerusalem" (ebda. 2,3).

In Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

Wort-Schatz

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich habe einmal gehört, dass dem Menschen für sein
ganzes Leben ein genau zugemessener Wort-Schatz zur
Verfügung steht, und wenn er ihn aufgebraucht hat, muss er
sterben. Stimmt das?

Antwort: Dieses Thema wird zwar nicht im Talmud behandelt,
erscheint jedoch in einigen Werken bekannter Größen des
Chassidismus der letzten paar hundert Jahre. Einer seiner
Vertreter, Rabbi Elimelech von Dinow, schrieb: "Von unseren
Rabbinern lernten wir die Erklärung des Verses "Meine Seele
entging, da er sprach" (Hohelied 5,6), dass es ein Maß gibt für
die Anzahl der Worte, die der Mensch während seines Lebens
sprechen wird, und wenn er zuviel redet, wo es nicht gerade um
ein göttliches Gebot geht, verringert er seine Lebenskraft... wie
es heißt: "Meine Seele entging, da er sprach". Dies gilt umso
mehr, wenn er verbotene Dinge spricht, wie üble Nachrede,
Klatsch und Tratsch und dergleichen" ("Derech Pekudejcha",
Verbot Nr.34). So steht es auch in verschiedenen anderen
Büchern, z.B. in "Darchej Zedek": "Man mehre nicht das
unnötige Gerede, denn die Rede ist dem Menschen für seine
Lebtage vom Himmel zugemessen, und was hat er davon, sein
Leben durch Gerede zu verkürzen, das nichts mit den Mitzwot
zu tun hat und das zu nichts nutze ist, wie König Schlomo im
Hohelied sagte: "Meine Seele entging, da er sprach" - die Seele,
die ich dem Menschen einpflanzte, entweicht durch sein
Gerede". - Du hast schon zuviel geredet - deine Zeit ist um.

Die Schlussfolgerung: Man muss sich große Mühe geben, seine
Redenskraft verantwortungsbewusst einzusetzen und auf jedes
Wort zu achten, das man über die Lippen bringt, rede keinen
Stuss und schon gar nicht üble Nachrede oder Lügen.

Auch die Autoren, die das Prinzip des "Wort-Schatzes fürs
Leben" nicht ausdrücklich in ihren Werken erwähnen, stimmen
doch darin überein, dass man sein Leben mit positiven Inhalten
füllen sollte und es nicht mit Geschwätz oder gar verbotenen
Reden vertrödele. Vielmehr sollte man seine geistigen Kräfte
positiven Dingen widmen, dem Dienst an G~tt und der Hilfe an
den Mitmenschen.

Manche Worte des Mitgefühls erscheinen einem unbeteiligten
Dritten gegenüber vielleicht wie leeres Gerede, können aber auf
den Angesprochenen in Wirklichkeit aufmunternde Wirkung
haben.

Der Mensch muss sein Leben mit Inhalten füllen und nicht nur für
seine Reden Verantwortungsgefühl entwickeln, sondern
natürlich auch für seine Taten. Manche sagen sogar, dass auch
die Schritte eines Menschen im voraus abgezählt seien,
entsprechend dem Vers im Buche Ijow ("Hiob"; 31,4): "..und
zählt alle meine Schritte", und nach dem Segensspruch im
Morgengebet: "..der fest gründet des Mannes Schritte" und vom
Himmel vorbestimmt ist, wieviele Schritte man gehen wird.
Darum muss man seine Schritte vor allem zu guten und
sinnvollen Dingen lenken.

Überhaupt sollte man sich um jedes Wort sorgen. Die Gabe des
Sprechens ist uns lieb und teuer. Es wäre doch schade, sie auf
Schwachsinn zu vergeuden. Auch unsere Fortbewegung liegt
uns am Herzen, wie auch jede andere der menschlichen
Fähigkeiten. Da diese alle in unserer Seele verankert sind, im
"Ebenbild G~ttes" des Menschen, sollte man sie bestimmt nicht
verschwenden, sondern sie ihres Ursprungs würdig nur für gute
Dinge und den Dienst an G~tt einsetzen.  

 
 
Am Schabbes-Tisch

Bezalel - der erste Künstler

Rav Asri'el Ari'el

Nicht zufällig wurde die erste Schule für bildende Künste in der
sich gerade neu formierenden jüdischen Besiedlung des Landes
Israel nach dem ersten jüdischen Künstler "Bezalel" benannt.
Ein Blick auf das Profil von Bezalel kann uns beim Verständnis
der Besonderheiten jüdischer Kunst helfen.

Künstler lassen sich generell in zwei Kategorien einteilen: Die
erste Gruppe arbeitet nach bekannten, im voraus feststehenden
Regeln, vor allem in Bezug auf Ästhetik und Schönheit,
wohingegen sich die zweite Gruppe durch Spontaneität
auszeichnet und durch freie Kreativität ihre Gefühle und ihre
innere Welt zum Ausdruck bringt, ohne Rücksicht auf starre
Regeln. In welche dieser Kategorien gehört Bezalel?

Rabbiner Sa'adja Gaon (aus der Periode der Ge'onim von vor
etwa 1100 Jahren) befasste sich mit dem Umstand, dass für die
Gestaltung der Tempelgeräte gerade Bezalel aus dem Stamme
Jehuda und Aholiaw aus dem Stamme Dan ausgewählt wurden:
beide Stämme werden mit Löwen verglichen. Jehuda in Jakovs
Segen (Gen. 49,9), und Dan in Moschehs Segen (Dt. 33,22).
Auch der Tempel wird (im Traktat Midot) mit einem Löwen
verglichen. Der Löwe - ein Sinnbild für Heldenmut und
überströmender Kraft. Kein Gesetz und keine Regel kann die
Kraft des Königs der Tiere im Zaume halten. In der Vision des
Propheten Jecheskel jedoch heißt der Tempel nicht "Ari'e"
(Löwe), sondern "Ari'el" (G~ttes Löwe), der Löwe des Schöpfers.
Die spontane Kraft jenes "feurigen Löwen" will keine wilden und
tierischen Kräfte herauskehren, Götzendienst, Ausschweifungen
und Blutvergießen, sondern die Stärke des Heiligen, die das
Potential der erhabensten Neigungen der menschlichen Seele
in die Wirklichkeit umsetzt.

Im Gegensatz zu Rav Sa'adja Gaon, der den natürlichen und
spontanen Aspekt in der Persönlichkeit Bezalels hervorhob,
konzentrierte sich Rabbiner Awraham ibn-Esra (der zu der den
Ge'onim folgenden Periode der Rischonim zählt) auf den
rationalen und intellektuellen Aspekt. Bezalel kannte sich
bestens in den für seine Aufgabe notwendigen Wissenschaften
wie Geometrie, Astronomie, Biologie und Geschichte aus, und
daneben auch in den Geheimnissen der Seele, der Fertigung
des Heiligtums und der Schöpfung nach "Sefer Jezira" (Buch
der Schöpfung, verfasst von unserem Vorvater Awraham).

In den Worten unseres Lehrers Moscheh lassen sich beide
Aspekte erkennen: "Und ich habe ihn mit göttlichem Geist erfüllt,
mit Weisheit und Einsicht, mit Erkenntnis und allerlei
Fertigkeiten" (Ex. 31,3). Nach dem Raschikommentar sind
"Weisheit" und "Einsicht" Eigenschaften logischer Denkweise,
nämlich das Aneignen von Wissen und die Anwendung des
eigenen Verstandes auf das Gelernte. Mit "Erkenntnis" soll
hingegen auf die heilige Eingebung hingedeutet werden. Ein
wahrer Künstler begnügt sich nicht mit breitgefächertem
Allgemeinwissen. Er benötigt auch ein gewisses Maß an
Intuition, die aus den Tiefen seiner Seele hervorbricht. Bei
manch einem Künstler bringt die Intuition jedoch das Wilde und
Tierische seiner Persönlichkeit zum Ausdruck, bei anderen
hingegen ihr göttliches Fundament. Als Moscheh Bezalel in den
Arbeiten unterweisen wollte, wusste dieser schon Bescheid - als
wäre er "im Schatten G~ttes" ("beZel-El", im Hebr. gleiche
Buchstaben wie "Bezalel") mit Moscheh auf dem Berge Sinai
gewesen.

Bezalels Kunst vereinigte die beiden Gegenpole: unbedingtes
Befolgen der Gesetze von der Fertigung des Heiligtums, genau
wie es G~tt angeordnet hatte - und absolute Treue zur inneren
göttlichen Stimme, die ihm bedeutete, den göttlichen
Weisungen zu folgen, auch wenn sie ihm nicht ausdrücklich von
Moscheh übermittelt worden waren.